Koloman-Friedhof
Der Koloman‑Friedhof war der mittelalterliche Begräbnisplatz des Wiener Bürgerspitals im Bereich der heutigen Elisabethstraße/Operngasse im 1. Bezirk. Mehrere baubegleitende Untersuchungen belegen hier Bestattungen des 14. Jahrhunderts, darunter Seuchengräber aus der Pestzeit 1349. Die jüngsten Befunde aus Kellerschächten präzisieren die Westabgrenzung des Friedhofs.
Lage und Abgrenzung
Der Friedhof lag südlich des mittelalterlichen Stadtkerns im Umfeld der späteren Ringstraßenzone. Seine Ausdehnung lässt sich über Streufunde und Befunde aus Kellerschürfen entlang der Elisabethstraße und Operngasse fassen. Funde in den Häusern Elisabethstraße 7 und 9 sowie Opernring 16 zeigen, dass die westliche Begrenzung des Friedhofs etwa im Bereich der heutigen Operngasse bzw. knapp westlich davon anzusetzen ist.[1] Ältere Beobachtungen in der Elisabethstraße 1, 3 und 5 stützen diese Einordnung und belegen eine größere Nord‑Süd‑Erstreckung entlang der Elisabethstraße.[2]
Geschichte
Der Begräbnisplatz wird in der Forschung als Koloman‑Friedhof bezeichnet und dem mittelalterlichen Bürgerspital zugeordnet. Seine Nutzung fällt in das 14. Jahrhundert; die belegten Seuchengräber werden in die Pestzeit des Jahres 1349 datiert. Der Friedhof lag außerhalb der dicht bebauten Altstadt und wurde im Zuge späterer Stadtentwicklung überbaut.
Archäologische Befunde
Bei bauarchäologischen Voruntersuchungen im Komplex Elisabethstraße 7, 9 / Opernring 16 wurden in drei Kellerschürfen bereits in geringer Tiefe menschliche Knochen angetroffen. Die anschließende Befundung zeigte Einzelbestattungen ebenso wie dicht belegte Sammelgräber, in denen die Toten eng übereinander oder unmittelbar nebeneinander lagen. Das Sediment und die Lage der Skelette – teils durch das Nachsacken der Weichteile ineinander abgesunken – entsprechen dem Bild von großdimensionierten Seuchengräbern. Die Funde sind in Kontinuität zu früheren Untersuchungen in der Elisabethstraße 1–5 zu sehen und lassen sich eindeutig dem Koloman‑Friedhof zuordnen.[3][4]
Forschungsgeschichte
Der Nachweis des mittelalterlichen Friedhofs im Bereich Elisabethstraße/Operngasse beruht auf wiederholten Kellerbefundungen und Baubegleitungen. Um 2010 wurde das Thema auch in der Tagespresse als Fund eines Pestfriedhofs in der Elisabethstraße aufgegriffen und einem breiteren Publikum bekannt gemacht.[5]
Vertiefende Informationen: Elisabethstraße 7 • Elisabethstraße 9 • Operngasse 16
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Quellen
- ↑ [1](https://archaeologie-wien.at/abgeschlossene-grabungen/1-bezirk/elisabethstrasse-7und9-operngasse-16/)
- ↑ [2](https://archaeologie-wien.at/abgeschlossene-grabungen/1-bezirk/elisabethstrasse-1-3-5/)
- ↑ [3](https://archaeologie-wien.at/abgeschlossene-grabungen/1-bezirk/elisabethstrasse-7und9-operngasse-16/)
- ↑ [4](https://archaeologie-wien.at/abgeschlossene-grabungen/1-bezirk/elisabethstrasse-1-3-5/)
- ↑ [5](https://www.derstandard.at/story/1271378405790/grabungen-pestfriedhof-in-elisabethstrasse-entdeckt)