Fahnengasse

Aus City ABC

Fahnengasse (1., Innere Stadt)

Fahnengasse

Bezirk
1., Innere Stadt
Verlauf
von Herrengasse bis Wallnerstraße
Benennung
1898
Benannt nach
Fahnentumult vom 13. April 1798
Länge in Metern
64,62
Datenquelle: Stadt Wien – data.wien.gv.at[1]
Gehzeit in Minuten
0,78
Vorherige Bezeichnungen
Brunngässl, Liechtensteinisches Gässchen


Namensgebung und Geschichte

Die knapp 65 Meter kurze Fahnengasse liegt im 1. Bezirk und verbindet als schmale Verbindungsgasse die Herrengasse mit der Wallnerstraße im Regierungsviertel. Heute wird sie teils als Einbahn geführt, teils ist sie als Fußgängerbereich ausgebildet; mittig öffnet sich der Zugang zur U-Bahn-Station Herrengasse (U3), die unter der Gasse verläuft.[2]

Die Gasse lag ursprünglich etwas weiter südlich, ungefähr im Bereich der heutigen Adressen Wallnerstraße 3 und Herrengasse 8. Im Mittelalter galt dieser Abschnitt noch als Teil der Wallnerstraße. 1770 ist hier das Liechtensteinische Gässchen als Sackgasse nach dem damals bestehenden Palais Liechtenstein nachweisbar; seit 1786 begegnet die Bezeichnung "Brunngässl" beziehungsweise "Brunngasse", die auf ein Brunnenhaus der Badestube mit dem Namen Kanzlerin zurückgeht.

Die heutige Benennung erinnert an den Fahnentumult vom 13. April 1798, bei dem es in der nahe gelegenen französischen Gesandtschaft in der Wallnerstraße zu einem Aufruhr kam, nachdem die Fahne der Französischen Revolution an der Fassade gehisst worden war. Die Gasse erhielt dazu den Namen Fahnengasse; in der Literatur finden sich sowohl 1894 als auch 1898 als Benennungsjahr, in den jüngeren Straßenverzeichnissen ist zumeist 1898 vermerkt.

Ein einschneidender Umbau erfolgte 1913 mit dem Abbruch des Palais Liechtenstein. In diesem Zusammenhang wurde der Straßenzug neu geordnet und die Fahnengasse an die heutige, leicht versetzte Lage gebracht. In der Folge entstand an der Ecke Herrengasse / Fahnengasse / Wallnerstraße das Hochhaus Herrengasse, das als eines der ersten Hochhäuser Wiens gilt und mit seiner blockfüllenden Kubatur den kleinen Gassenraum deutlich prägt.

Der Fahnentumult

Am 13. April 1798 hisste der französische Gesandte Jean Baptiste Bernadotte am Palais der Gesandtschaft in der Wallnerstraße die Trikolore die damals gerade erst 4 Jahre alt war (1792 wurde die heutige Anordnung der Farben Blau - Weiß - Rot festgelegt, die für Paris (blau-rot) und dem königlichen Weiß der Bourbonen stehen). Anlässlich eines Festes zum Jahrestag des Vorfriedens von Leoben sollte die Fahne der Französischen Revolution demonstrativ gezeigt werden. In der aufgeheizten politischen Stimmung der Koalitionskriege wurde dies in Wien als bewusste Provokation wahrgenommen.[3]

Binnen kurzer Zeit strömten mehrere tausend Menschen vor die Gesandtschaft, rissen die Fahne herunter und verbrannten sie. Die Situation eskalierte, das Gesandtschaftsgebäude wurde gestürmt und verwüstet, und Bernadotte selbst entkam nach zeitgenössischen Berichten nur knapp tätlichen Angriffen. Die Ereignisse gingen als "Fahnentumult" in die Stadtgeschichte ein.[4]

Österreich verweigerte die von Paris geforderte Genugtuung, und Bernadotte verließ Wien wenige Tage später wieder, um nach Frankreich zurückzukehren. Später wurde er als Kronprinz Karl XIV. Johann König von Schweden und Norwegen; der Wiener Fahnentumult blieb ein frühes, symbolträchtiges Kapitel seiner Biografie.[5]

Alte Ansichten

Häuser der Gasse

  • Fahnengasse 1 – Herrenhof, großvolumiges Eckhaus an der Herrengasse, 1913 nach Plänen von Viktor Siedek errichtet. Später Sitz der Niederösterreichischen Wirtschaftskammer; im Haus war zeitweise das Mädchenrealgymnasium von Eugenie Schwarzwald untergebracht.
  • Fahnengasse 2 – Hochhaus Herrengasse; zwischen 1931 und 1933 nach Entwürfen von Siegfried Theiss und Hans Jaksch erbaut. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung das höchste Wohngebäude Wiens, mit 16 Geschossen auf etwa 53 Meter Höhe; ein frühes, bewusst zurückhaltend gestaltetes Hochhaus im historischen Zentrum.
  • U-Bahn-Zugang – In der Mitte der Gasse liegt der Abgang zur Station Herrengasse der Linie U3, deren Bahnsteige unter dem Regierungsviertel zwischen Wallnerstraße und Minoritenplatz verlaufen.[6]

Verkehrsanbindung

Über die Fahnengasse besteht direkter Zugang zur U-Bahn-Station Herrengasse der Linie U3, die eine schnelle Verbindung in Richtung Ottakring und Simmering herstellt. An der Herrengasse selbst halten zudem die Citybus-Linien 1A, 2A und 3A, die eine Feinerschließung zur Station Stephansplatz (U1, U3), zum Schwedenplatz (U1, U4) und in Richtung Schottentor bieten.[7]

Der kurze Straßenzug ist damit trotz seiner geringen Länge stark in das öffentliche Verkehrsnetz eingebunden und fungiert als eine der diskreten Schnittstellen zwischen der unterirdischen U-Bahn-Ebene und dem historischen Regierungsviertel der Inneren Stadt.



Navigation

→ weiter zu kreuzenden Straßen: Herrengasse · Wallnerstraße

Quellen

  1. Straßen-ABC CityABC, Stichwort „Fahnengasse“; Längenangabe 64,62 m nach OGD der Stadt Wien (Datenquelle: Stadt Wien – data.wien.gv.at).
  2. Wikipedia: „Fahnengasse“ – Lagebeschreibung, Querstraßen und heutige Nutzung; Wikipedia: „U-Bahn-Station Herrengasse“ – Lage der Station zwischen Wallnerstraße und Minoritenplatz.
  3. Gilda Pasetzky: „Die Trikolore in Wien. General Bernadotte und der Wiener Fahnentumult vom April 1798“, in: Francia 25/2 (1998), 163–174.
  4. Wien Museum, Inv.-Nr. 49801: Kupferstich von Anton Balzer „Getreue Darstellung des Auflaufs, welchen der Französ. bothschafter Bernadotte durch Aushängung einer dreyfärbigen Fahnn den 13. April 1798. in Wien veranlaßte“ (1798); MeinBezirk.at: „Ein kleines Stück Paris in Wien“ – populäre Darstellung des Fahnentumults.
  5. Wikipedia: „Karl XIV. Johann (Schweden)“ – Abschnitt zu Bernadottes Zeit als Botschafter in Wien und zum Fahnentumult 1798; Vienna.at: „Als Bernadotte in Wien fast gelyncht wurde“ – populäre Zusammenfassung.
  6. Wikipedia: „U-Bahn-Station Herrengasse“ – Eröffnung 1991, Lage und Ausgänge, darunter der Ausgang in die Fahnengasse.
  7. Wiener Linien: Fahrplan U3 (Haltestelle Herrengasse) und Citybus-Linien 1A, 2A, 3A; Netzplan Wien (U-Bahn- und Buslinien im Bereich Innere Stadt).