Die Vampir-Kommission

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Sagen und Legenden
Die Vampir-Kommission



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Diese Überlieferung führt mitten in eine Zeit, in der Berichte über Vampire und Blutsauger nicht nur das Landvolk erschreckten, sondern sogar den kaiserlichen Hof beschäftigten. Aus Wien wurde eigens eine Kommission entsandt, um den angeblichen Spuk zu untersuchen.

Angst vor Blutsaugern im 18. Jahrhundert

Execution of the Vampire by René de Moraine.png

Der Vampirglaube des 18. Jahrhunderts sorgte in vielen Regionen Mitteleuropas für Angst und Aufsehen.

Im Jahr 1755 verbreiteten sich Nachrichten, wonach man in Oberschlesien bei Herrnsdorf sogenannte Vampire oder Blutsauger entdeckt habe. Die Bewohner des Ortes waren davon so überzeugt, dass sie mehrere verdächtigte Leichname ausgruben und verbrannten.

Die Sache erregte so großes Aufsehen, dass der kaiserlich-königliche Hof einschritt. Von Wien aus wurde eine eigene Kommission entsandt, die den Vorfall genau untersuchen sollte. Die beauftragten Männer sollten klären, ob es sich tatsächlich um übernatürliche Vorgänge handle oder um einen Fall von Aberglauben.

Nach eingehender Prüfung kam die Kommission zu einem eindeutigen Ergebnis: Die angeblichen Vampire seien nichts anderes als ein Produkt der Angst, der Einbildung und tief verwurzelter Vorurteile gewesen. Alles, was über die Blutsauger erzählt worden war, wurde für grundfalsch erklärt.

Die Ausgrabung und Verbrennung der Toten wertete man daher als unerlaubtes und „greuliches“ Vorgehen der Einwohner. Der Hof ließ die Beteiligten bestrafen und ordnete an, dass geistliche und weltliche Obrigkeiten künftig schärfer gegen solche abergläubischen Vorstellungen einschreiten sollten.

So wurde aus der Geschichte der Vampire keine Bestätigung des Übersinnlichen, sondern ein Beispiel dafür, wie stark Furcht und Volksglaube ganze Gemeinschaften in Aufruhr versetzen konnten.[1]

Ort: Wien als Ausgangspunkt der kaiserlichen Untersuchung; Herrnsdorf in Oberschlesien als Schauplatz der Ereignisse

Historischer Hintergrund

Im 18. Jahrhundert sorgten Berichte über sogenannte Vampire in Teilen Ost- und Mitteleuropas für großes Aufsehen. Immer wieder kursierten Erzählungen, Verstorbene würden aus ihren Gräbern zurückkehren, die Lebenden bedrängen und ihnen das Blut aussaugen. Solche Vorstellungen wurzelten in älteren Volksglaubenstraditionen und wurden besonders in Krisenzeiten leicht weitergetragen.

Auch die habsburgischen Behörden mussten sich mit solchen Fällen befassen. Gerade in der Zeit der Aufklärung bemühte sich der Staat, übernatürliche Erklärungen zurückzudrängen und stattdessen Ordnung, Vernunft und behördliche Kontrolle durchzusetzen. Wenn Dorfgemeinschaften eigenmächtig Gräber öffneten und Tote verbrannten, galt das nicht nur als Aberglaube, sondern auch als Verstoß gegen Recht und Ordnung.

Die Sage von der „Vampir-Kommission“ ist deshalb besonders interessant, weil sie zwei Welten aufeinanderprallen lässt: hier der tief verwurzelte Volksglaube an Untote und Blutsauger, dort der aufgeklärte Anspruch des Staates, solche Ängste zu untersuchen und zu widerlegen. Aus Wiener Sicht zeigt die Geschichte, wie weit die Macht des Hofes reichte – und wie eng selbst entlegene Spukgeschichten mit der Residenzstadt verbunden sein konnten.

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Quellen

  1. Vossische Zeitung, Berlin 1755: Federmann, R. und Schreiber, H., Botschaft aus dem Jenseits, Tübingen 1968, S. 208