Brauherrenverein
| Verein | |
|---|---|
| Name | Brauherren-Verein für Wien und Umgebung |
| Gründung | 1848 |
| Vorgänger | Brauerzunft beziehungsweise Genossenschaft der Wiener Brauer |
| Sitz | 1., Kärntner Straße 21-23 |
| Art | Interessenvertretung der Brauereibesitzer in Wien und den Wiener Umlandgemeinden |
| Ende | 1938 |
Der Brauherrenverein war von 1848 bis 1938 die Interessenvertretung der Brauereibesitzer in Wien und den Wiener Umlandgemeinden. Er entstand 1848 als Nachfolgeorganisation der Brauerzunft beziehungsweise der Genossenschaft der Wiener Brauer.
Geschichte
Der vollständige Name lautete Brauherren-Verein für Wien und Umgebung. In den ersten Jahrzehnten verfügte der Verein über keinen festen Sitz und hielt seine Zusammenkünfte in verschiedenen Wiener Gasthäusern ab. Nach einer Neuorganisation zog der Verein 1885 in die 1., Kärntner Straße 23.
1872 wurde der Brauherrenverein nach dem neuen Vereinsgesetz neu gegründet. Damit war er auch formell eine offizielle Interessenvertretung der Brauereibesitzer. Im Juli 1938 löste ihn sein letzter Präsident Georg III. Mautner-Markhof auf. Dadurch konnte das Vereinsvermögen von 22,5 Millionen Schilling dem unmittelbaren Zugriff der Nationalsozialisten entzogen werden.[1]
Tätigkeiten
Zu den wichtigsten Aufgaben des Brauherrenvereins gehörte die Regelung der Absatzgebiete der Brauereien. Diese wurden 1907 im sogenannten Bierkartell festgelegt. Ein weiteres großes Feld war die Behandlung der sozialen Frage der Brauereiarbeiterinnen und -arbeiter. Der Verein vertrat dabei überwiegend die Interessen der Unternehmer, musste aber 1907 dem ersten Kollektivvertrag zustimmen.
Darüber hinaus vertrat der Verein die Wiener Brauindustrie gegenüber den Behörden, insbesondere in Steuer- und Rechtsfragen der Bierwirtschaft. Ebenso wichtig war die Förderung des Brauwesens in wissenschaftlicher Hinsicht. 1895 wurde die Akademie der Brauindustrie in Mödling gegründet, die nach 1945 eine Fakultät der heutigen Universität für Bodenkultur Wien wurde.
Der Brauherrenverein trat außerdem als Kunstmäzen, Förderer der Wissenschaften, der Forschung und von Wohlfahrtseinrichtungen auf. Seine Präsidenten wurden von den Brauherren gewählt; an seiner Spitze standen im Lauf der Zeit viele der bekanntesten Wiener Brauereibesitzer.
Vergleichbare Vereinigungen
1882 vereinigten sich die regionalen Brauherrenvereine zum Österreichischen Brauerbund, der sich 1898 Centralverband der österreichischen brauindustriellen Vereine nannte und eine Vorgängerinstitution des Industriellenverbandes war. 1906 entstand der Schutzverband der niederösterreichischen Brauereien, der unter anderem die Einhaltung des Bierkartellvertrags überwachen und als Arbeitgebervertretung wirken sollte. 1926 wurde ein entsprechender Schutzverband für ganz Österreich gegründet.
Seit 1947 besteht mit dem Verband der Brauereien Österreichs nur mehr eine gesamtösterreichische Interessenvertretung der Brauereien mit Sitz in Wien.
Vorsteher und Präsidenten des Brauherrenvereins
| Name | Funktion | von | bis | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Theodor Meichl | Vorsitzender | 1846 | 1847 | Simmeringer Brauerei |
| Franz Xaver Bosch | Vorsitzender | 1847 | 1848 | Nußdorfer Brauerei |
| Adolf Ignaz Mautner von Markhof | Vorsitzender | 1848 | 1849 | Brauhaus St. Marx |
| Anton Bergmiller | Vorsitzender | 1849 | 1852 | Hütteldorfer Brauerei |
| Theodor Meichl | Vorsitzender | 1852 | 1853 | Simmeringer Brauerei |
| Pankraz Grohe | Vorsitzender | 1853 | 1855 | Brunner Brauhaus |
| August Wedl | Vorsitzender | 1855 | 1859 | Brauerei Neuling |
| Theodor Löwenthal | Vorsitzender | 1859 | 1862 | Liesinger Brauerei |
| Anton Bergmiller | Vorsitzender | 1862 | 1869 | Hütteldorfer Brauerei |
| Franz Richter junior | Vorsitzender | 1869 | 1872 | Grinzinger Brauhaus |
| Moritz Faber | Präsident | 1872 | 1875 | Liesinger Brauerei |
| Franz Richter junior | Präsident | 1875 | 1876 | Grinzinger Brauhaus |
| Theodor II. Meichl | Präsident | 1876 | 1880 | Simmeringer Brauerei |
| Anton Dreher der Jüngere | Präsident | 1880 | 1887 | Schwechater Brauerei |
| Karl Ferdinand Mautner von Markhof | Präsident | 1887 | 1890 | Brauhaus St. Marx |
| Johann Medinger junior | Präsident | 1890 | 1900 | Nußdorfer Brauerei |
| Moriz Kuffner | Präsident | 1900 | 1903 | Ottakringer Brauerei |
| Johann Medinger junior | Präsident | 1903 | 1904 | Nußdorfer Brauerei |
| Viktor Mautner von Markhof | Präsident | 1904 | 1907 | Brauhaus St. Marx |
| Johann Medinger junior | Präsident | 1907 | 1908 | Nußdorfer Brauerei |
| Alfons Erhard | Präsident | 1908 | 1926 | Schwechater Brauerei / Vereinigte Brauereien |
| Georg II. Mautner von Markhof | Präsident | 1926 | 1927 | Vereinigte Brauereien |
| Konrad Schneeberger | Präsident | 1927 | 1936 | |
| Georg III. Mautner Markhof | Präsident | 1936 | 1938 | Schwechater Brauerei AG |
Bedeutung
Der Brauherrenverein war eine der wichtigsten wirtschaftlichen Standesorganisationen des Wiener Brauwesens. Er verbindet die Geschichte der Wiener Brauereien mit jener der Industrievertretung, der Sozialkonflikte im Braugewerbe und der wissenschaftlichen Entwicklung des Brauwesens. Durch seinen Sitz in der Kärntner Straße war er zudem im politischen und wirtschaftlichen Zentrum Wiens verankert.[2]
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