Barbarazweige

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Rituale und Brauchtum
Barbarazweige
Brauchtum in Wien

Die Barbarazweige gehören zu den alten Adventbräuchen in Wien. Am 4. Dezember, dem Festtag der heiligen Barbara, schneidet man Zweige und stellt sie ins Wasser. Blühen sie zu Weihnachten, gelten sie als Zeichen für Glück, Hoffnung und neues Leben.

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Ein blühender Wiener Adventbrauch

Brauch: Geschenkstriezel aus Weißbrot am 1. November

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Kirschblütenzweige

Es gehört zu den überlieferten Adventbräuchen, am Festtag der heiligen Barbara, dem 4. Dezember, Barbarazweige zu schneiden. Verwendet werden meist Zweige von Obstbäumen, vor allem von Kirschbäumen, daneben aber auch andere Zweige, die in der warmen Stube zum Austreiben gebracht werden konnten.[1]

Im Wiener Volksglauben war dabei nicht nur der Tag entscheidend, sondern auch die genaue Einhaltung bestimmter Regeln. Die Zweige sollten vor Sonnenaufgang oder während des Vesperläutens gebrochen werden. Danach stellte man sie in ein mit Wasser gefülltes Glas oder in eine Vase. In Wien durfte dieses Wasser bis Weihnachten nach alter Überlieferung nicht gewechselt werden. Das Blühen oder Nichtblühen der Zweige am Christtag wurde als Orakel verstanden und als Zeichen für Glück oder Unglück im kommenden Jahr gedeutet.

Besonders eindrücklich zeigt sich dieser Volksglaube im Krankenzimmer. Dort aufgestellte Barbarazweige konnten, wenn sie nicht erblühten, als Zeichen des nahenden Todes verstanden werden. Der Brauch bewegt sich damit an der Grenze zwischen Hoffnung, Fruchtbarkeitssymbolik und Zukunftsdeutung.[2] [3] [4]

Orakel, Glück und Heirat

Dem Brauch liegen zwei Vorstellungen zugrunde: ein alter Fruchtbarkeitskult und die Deutung der Zukunft. Mitten im Winter sichtbar werdendes Leben galt als starkes Zeichen. Wenn ein Zweig noch in der kalten Jahreszeit Blüten trug, versprach das Glück, Segen und ein gutes neues Jahr.

In Wien erhielt dieses Blühorakel sehr konkrete Ausformungen. Zuweilen wurden Barbarazweige sogar gemeinsam mit Lotterienummern verkauft. Mädchen befragten den Zweig auch mit Blick auf eine bevorstehende Heirat. In Favoriten war es üblich, an mehrere Zweiglein kleine Namenszettel zu hängen, sodass jedes Familienmitglied seinen eigenen Zweig erhielt. Wer zuerst oder überhaupt zur Blüte kam, durfte besonders viel Glück erwarten.

Die heilige Barbara

Der Brauch ist mit der Legende der heiligen Barbara verbunden. Nach einer weit verbreiteten Überlieferung verfing sich auf dem Weg ins Gefängnis ein Zweig in ihrem Kleid. Barbara stellte ihn ins Wasser, und an ihrem Todestag begann er zu blühen. Aus dieser Erzählung entwickelte sich die Deutung des blühenden Zweigs als Zeichen von Hoffnung und neuem Leben.

Barbara gehört zu den besonders beliebten Heiligen des Mittelalters. Sie wurde zur Schutzpatronin verschiedener Berufe und Stände, vor allem der Bergleute, und galt zudem als Helferin gegen Blitz und Feuer. Dadurch erhielt ihr Festtag im Jahreslauf eine starke religiöse und volkskundliche Ausstrahlung, die bis heute nachwirkt.[5]

Zwischen Volksglauben und Gartenpraxis

Auch heute ist der Brauch lebendig. Noch immer werden in Wien Anfang Dezember Kirsch- oder andere Obstzweige geschnitten und in Wohnungen aufgestellt. Moderne Gartentipps empfehlen, die Zweige nach einem Frost zu schneiden, sie zunächst über Nacht in Wasser zu legen, die Enden frisch anzuschneiden und das Wasser regelmäßig zu wechseln, damit sie bis Weihnachten aufblühen.

Gerade darin zeigt sich ein spannender Unterschied zwischen überlieferter Wiener Brauchvorstellung und heutiger Pflanzenpflege. Während moderne Hinweise auf gutes Gedeihen zielen, war im alten Wien das strenge Befolgen der überkommenen Regeln Teil des eigentlichen Zaubers. Nicht nur die Blüte selbst, sondern auch die Art, wie der Zweig behandelt wurde, entschied über seine Bedeutung als Orakel.


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Quellen

  1. https://www.stadtlandwirtschaft.wien/barbarazweige
  2. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Barbarzweige
  3. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1., Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 251
  4. Felix Czeike: Advent- und Weihnachtsbräuche im alten Wien. In: Wiener Geschichtsblätter 45 (1990), S. 220 ff.
  5. https://religion.orf.at/stories/3233064/