Akademischer Frauenverein Wien

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Akademischer Frauenverein Wien


Verein
Gründung 23. Mai 1908
Auflösung nicht gesichert
Sitze Wien, Meidlinger Hauptstraße 1 (1911); Wien, Gumpendorfer Straße 14 (1913)
Tätigkeitsfeld akademische Frauenorganisation, Bildungspolitik, Frauenstudium, Interessenvertretung von Studentinnen und Akademikerinnen
Vernetzung Mitgliedsverein des Bund Österreichischer Frauenvereine
Wichtige Funktionärinnen Melitta Berka, Marie Hafferl-Bernatzik, Hedwig Kuranda, Elisabeth Lourié, Marianne Jokl, Elsa Rotter

Der Akademische Frauenverein Wien war eine Wiener Organisation von Studentinnen und Akademikerinnen, die 1908 gegründet wurde. Er entstand in einer Phase, in der die Zahl der Studentinnen an der Universität Wien deutlich zunahm und sich akademisch gebildete Frauen stärker zu organisieren begannen. Der Verein setzte sich für bessere Bildungsmöglichkeiten von Mädchen und Frauen sowie für einen erweiterten Zugang zum Hochschulstudium ein.[1]

Geschichte

Im Wintersemester 1907/08 stieg die Zahl der ordentlichen und außerordentlichen Studentinnen an der Universität Wien auf rund 500. In diesem Umfeld formierte sich eine Gruppe junger Frauen, die am 23. Mai 1908 den Akademischen Frauenverein gründete. Zu den Proponentinnen gehörte Elsa Rotter, die bei der Gründungsversammlung den Eröffnungsvortrag hielt. Zur Vorsitzenden wurde Melitta Berka gewählt.[2]

Der Verein war mit dem Bund Österreichischer Frauenvereine vernetzt und verstand sich als Stimme akademisch gebildeter Frauen in Wien. Die bekannte Vereinsgeschichte reicht zumindest bis in die 1910er Jahre; ein gesichertes Auflösungsdatum ist in der derzeit herangezogenen Quelle nicht genannt.[3][4]

Anliegen und Aktivitäten

Ein zentrales Anliegen des Vereins war die Verbesserung der Vorbildung von Mädchen für ein Universitätsstudium. 1909 richteten Melitta Berka und Marianne Jokl eine Eingabe an das Unterrichtsministerium, in der sie die Umwandlung von Mädchenlyzeen in Gymnasien forderten. Dahinter stand die Überzeugung, dass die bestehenden Lyzeen keine ausreichende Vorbereitung auf ein Hochschulstudium boten.[5]

1912 überreichte die damalige Vorsitzende Marie Hafferl-Bernatzik dem Rektor der k.k. Technischen Hochschule eine Petition zur Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium an der Technik. 1916 trat der Akademische Frauenverein gemeinsam mit dem Verein für erweiterte Frauenbildung für die Zulassung von Frauen zum Jusstudium ein. Diese Petition gehört zu den wichtigen frühen Schritten auf dem Weg zur Öffnung der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultäten für Frauen.[6][7]

Während des Ersten Weltkriegs engagierten sich Vereinsmitglieder zudem in der Kriegsfürsorge, etwa als Pflegerinnen und medizinische Assistentinnen. Einige besuchten den von Ilse Arlt organisierten Kurs für Säuglingspflege. Das zeigt, dass der Verein nicht nur bildungspolitisch, sondern auch sozialpraktisch tätig war.[8]

Bedeutende Funktionärinnen

Zu den wichtigsten Namen in der Vereinsgeschichte zählen Melitta Berka, die bereits bei der Gründung zur Vorsitzenden gewählt wurde, Marianne Jokl als Vizepräsidentin sowie Elsa Rotter als Mitbegründerin. Später traten unter anderem Marie Hafferl-Bernatzik, Elisabeth Lourié und Hedwig Kuranda als Präsidentinnen hervor. Damit versammelt der Verein mehrere Frauen, die im frühen 20. Jahrhundert für die akademische Frauenbewegung in Wien prägend waren.[9]

Vorkommen in CityABC

Für CityABC ist der Verein vor allem durch seine Wiener Adressen interessant. 1911 ist sein Sitz in der Meidlinger Hauptstraße 1 nachweisbar, 1913 in der Gumpendorfer Straße 14. Darüber hinaus gehört seine Geschichte in den weiteren Zusammenhang der Öffnung der Wiener Hochschulen für Frauen und damit auch zur Geschichte der Universität Wien und der technischen Hochschulen in der Stadt.[10]

Navigation

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Quellen