Graben 26-28

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Grund-Information
Graben 28-IMG 9238.JPG

Graben 26-28

Aliasadressen =Petersplatz 1, 2 und 3, =Jungferngasse 1, =Graben 26-28, =Goldschmiedgasse 9
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 604, 610, 611, 612, 613, 614, 616, 617 | vor 1821: 644, 651, 652, 653, 654, 655, 657, 658 | 1795: 542, 549, 550, 551, 586, 587, 589, 590
Baujahr 1874
Architekt Oswald Meixner


Das Gebäude - Architektur und Geschichte

Der Wohnblock, der aus den Häusern Graben 26, 27 und 28 besteht, wurde 1874 erbaut (ev. von Oswald Meixner), nachdem man 1873 die Häuserzeile zwischen Jungferngasse und Trattnerhof abgerissen hatte. Diese Maßnahme wurde gesetzt, um einen freien Zugang vom Graben zum Petersplatz zu erhalten.

Besitzer war die Erste österreichische Sparkasse, die das Haus 1920 an Oskar Grünbaum verkaufte. Grünbaum war der letzte Vorsitzende des Zionistischen Landesverbandes vor der NS-Zeit, er wurde am 18.3.1938 nach Dachau deportiert, wo er auch starb, bereits am 22.2.1937 wurde er enteignet, das Haus wurde öffentlich versteigert. Erworben hatte es damals die Allgemeine Versicherungs A.G. Viktoria in Berlin.

Am 10.9.1944 wurde das Haus Graben 26 von einer Bombe getroffen, die große Beschädigungen an der Fassade und in den unteren Stockwerken anrichtete. Dabei wurde das Papiergeschäft von Carl Max Weidler, dessen Familie hier heute noch ihr Geschäft hat, komplett zerstört.

Vorgängerhäuser

Vorgängerhaus von Goldschmiedgasse 9 / Petersplatz 1

Das ehemalige Haus 604 trug den Namen "Zur heiligen Dreifaltigkeit“ und wurde erst nach Abspaltung vom Haus 610 1552 eigenständig. Für das Haus sind zahlreiche Besitzer bekannt, bis es 1872 schließlich vom Wiener Börsenverein gekauft wurde. Es wurde 1876 abgerissen, das Areal wurde zur Erbauung des großen heutigen Gebäudes genutzt.

Stadt 610, Vorgängerhaus von Petersplatz 2, Straicherhaus, Domus Neidhardi

Das Haus 610 wird in Verbindung mit Haus Nummer 604, mit dem es damals eine Einheit war, urkundlich 1334 erstmals erwähnt. Da das Haus unmittelbar an den Freisingerhof (Tumpropsthof) anstieß, wurden die jeweiligen Eigentümer verpflichtet, dem Bischof von Freising zwei Betten anzubieten, wenn er in Wien war. Diese Regelung traf im Jahr 1344 den Besitzer des Hauses, Friedrich Straicher, weshalb es auch bis Ende des 16. Jahrhunderts Straicherhaus genannt wurde.

1370, als das Haus 610 an einen Peter von Neubrug verkauft wird, scheint in den Urkunden der Name des Hauses mit „Domus Neidharti“ auf. Es wird vermutet, dass dieser Name auf Neidhart Fuchs zurückgeht, der als Narr und Spielmann in Wien bekannt war. Sein Grab soll an der Nordseite des Stephansdoms sein (siehe Stephansdom).

Vorgängerhäuser von Petersplatz 3

Haus 611

Das Haus entstand erst 1552 durch Abspaltung vom Nachbarhaus (heute: Petersplatz 3, damals Stadt 610). Es hatte Frau Katharina gehört, die es dem Gürtler Hanns Schlainhauffen und seine Frau Anna um 800 Pfund Wiener Pfennig verkauft hatte. Auf dem Haus war das Schild „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ angebracht. 1872 wurde das Haus vom Wiener Börseverein gekauft und vier Jahre später als Graben 28 neugebaut.

Haus 612, Zum Heiligen Geist, Schneckenhaus

Das Haus, das 1434 durch eine Vererbung erstmals erwähnt wird, stand in der Gegend der heutigen Jungferngasse. 1556 wurde es um 550 Pfund Wiener Pfennig gekauft, kurz darauf wegen Verschuldung aber von der Stadt Wien um das Doppelte (1100 Pfund) weiterverkauft - es wird also vermutet, dass das Haus eine besondere Ausstattung erhalten hatte, womit diese Preissteigerung möglich wurde.

1785 ist als Besitzer des Hauses Anton Zahlbruckner bekannt, der im Erdgeschoß und im ersten Stock ein bekanntes Bierlokal betrieb. Der große Andrang erklärt sich dadurch, dass damals das Pfeifenrauchen auf der Straße streng verboten war, es wurde sogar als Polizeidelikt geahndet – nur in einigen Wirtshäusern konnte man ungehindert diesem Laster nachgehen. In Zahlbruckners Bierhaus rauchte man im Gastraum kurze Bauernpfeifen, im Extrazimmer wurden holländische Tonpfeifen vorgezogen.

Da es in der Nähe der „Schneckenmarkt“ lag und das Haus ein dementsprechendes Schild hatte, hieß das Gebäude auch „Schneckenhaus“. Noch 1873 findet sich in einem Fremdenführer (Gerold) der Hinweis, dass „Die Schnecke ein Wirtshaus zweiten Ranges“ sei. [1]

Das Haus wurde 1876 abgerissen, leider verschwand damals auch ein Steinbild, das sich oberhalb des Haustores befunden hatte, und eine Mutter Gottes mit Jesuskind zeigte.

Haus 613

Das Haus bestand ursprünglich aus zwei Häusern, 613 A und B. Haus A wurde urkundlich erstmals 1376 erwähnt, als es bei einem Erbschaftsstreit geteilt wurde. Beide Häuser wurden 1876 abgebrochen.

In diesem Haus spielte sich die Sage ab, die der Gasse den Namen gegeben hatte (siehe Jungferngasse).

Haus 614

Auch dieses Haus, das ehemals aus zwei Häusern bestand, ist schon seit dem 14. Jahrhundert urkundlich bekannt. Einer der Besitzer war Augustin Holdt, ein Apotheker, der ein Epitaph an der Hauptfront des Stephansdomes, links neben dem Riesentor, gestiftet hatte und 1509 gestorben ist. Wie alle anderen Gebäude dieses Bereiches wurde auch dieses Haus 1876 abgerissen.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Hermes Schallautzer, Onkel von Wolfgang Lazius

Ab 1527 war der Besitzer des Straicherhauses ein Bürgermeister Wiens, Hermes Schallautzer.

Schallautzer lebte zwischen 1503 und 1561 in Wien, war Bürgermeister, Stadtrichter und Festungsbaumeister. Seine Familie hatte sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht eine große Bedeutung in Wien, so war sein Urgroßvater Andre Hiltprant von Meran, Großkaufmann und ebenfalls Bürgermeister.

Schallautzer hatte das Arsenal bei der Renngasse erbaut, errichtete aber auch die Kärtnerbastion, die Löwelbastei, die Wasserkunstbastei und die Elendbastei. Als er bei Abbrucharbeiten der Befestigungsmauern Tafel und Grabsteine mit römischen Inschriften fand, sammelte er diese gemeinsam mit seinem Neffen Wolfgang Lazius in seinem Hausgarten und legte damit das „Lapidarium“ an.

Shopping

In Haus 26 ist das Schreibwarengeschäft von Max Weidler tätig.

Carl Max Weidlers Papiergeschäft

Weidler, der Sohn eines Papierfabrikanten aus Deutschland, machte 1888 eine Vertretung in Wien auf. Er wollte hier das Papier verkaufen, das seine Familie produzierte. Als er bei einem Kunden eine Unterschrift leistete, gab ihm dieser statt des Federstiels ein neues Schreibgerät aus Amerika, die Füllfeder.

Fasziniert von dieser Innovation nahm er die Füllfeder in sein Sortiment auf. Anfangs lief der Verkauf noch schleppend, allmählich jedoch etablierte sich die Füllfeder am Markt, bis Weidler entschied, sich nur mehr auf Schreibgeräte zu spezialisieren und in kleines Geschäft am Graben 26 siedelte. Als er mit 51 (1916) stirbt, erben seine Söhne das Geschäft – sie waren zu dieser Zeit noch Offiziere und dienten im Krieg. Ab 1918 übernehmen Alfred und Friedrich das Schreibwarengeschäft und sorgen für eine erfolgreiche Entwicklung.

Im Zuge der Zerstörung des Geschäftes 1944 wird es auch geplündert, dabei ging die wertvolle Sammlung der Schreibgeräte unwiederbringlich verloren, die der Vater begonnen hatte. Anfängliche Versuche des Wiederaufbaus des Unternehmens gestalten sich als schwierig, es ist kaum Ware vorhanden, es fehlt Käufern auch das Geld für Luxusartikel. Als dann Friedrichs Sohn Harald 1950 bei einem Autounfall stirbt, steht das Geschäft knapp vor dem Zusperren. Der Bruder Haralds, Gerald, beginnt dann 1953 mit dem Wiederaufbau, sodass heute über 4.000 exklusive Schreibgeräte angeboten werden.

Gedenktafeln

Gedenktafel Tomáš Garrigue Masaryk

Ecke Jungferngasse Graben ist die Gedenktafel für Tomáš Garrigue Masaryk angebracht. In seiner Studentenzeit hatte der spätere Präsident der Tschechoslowakischen Republik hier gewohnt, woran eine Gedenktafel erinnert:

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
TGM plaque in Wien.jpg Masaryk, Tomáš Garrigue Tomáš Garrigue Masaryk

Universitätsprofessor Abgeordneter zum Reichsrat erster Präsident der tschechoslowakischen Republik wohnte hier in seinen Studienjahren 1870 - 1873 Tschechen und Slowaken in Österreich - 1982

Kellerlokale

Der Keller des Gründerzeithauses Petersplatz 1 wurde bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts kulturell genutzt, so wurde es schon 1873 als Kellerlokal erwähnt.

Im Oktober 1958 eröffnete Fatty George – der Jazzmusiker (Klarinettist) - hier seinen Jazzkeller „Fattys Saloon“, wo Jazzgrößen aus aller Welt auftraten (Lionel Hampton, Art Blakely, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Oscar Pettford…). 1963 wurde das Lokal geschlossen.

1977 wurde von Direktor Ernst Haeusserman die bisherige Studiobühne des Theaters in der Josefstadt im Keller des Wiener Konzerthauses dem Ensemble Theater zur Verfügung gestellt. Dieter Haspels Theatergruppe, die sich im nahegelegenen Café Einfalt gebildet hatte, hatte nun am Petersplatz ab 1982 einen festen Spielort. Zur Wiedereröffnung wurde die Dreigroschenoper (Brecht) aufgeführt.

2009 wurde das Theater von Harald Posch und Ali Abdullah übernommen, die hier die ehemalige Gruppe „DRAMA X“ mit neuem Namen GARAGE X THEATER untergebracht hatten.

Lokale

Thailändisch Essen - Patara

Das Patara (auf thailändisch: "Anmutiges Mädchen") gilt als einer der besten Thailänder der Stadt. Ob die Qualität des Essens aber die Preise rechtfertigt, muss man wohl selbst beurteilen. [2]



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Quellen

  1. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 61
  2. http://www.patara-wien.at/