Griechengasse 4

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Grund-Information
Griechengasse 4.jpg

Griechengasse 4

Aliasadressen =Griechengasse 4, =Steyrerhof 3
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 727 | vor 1821: 773 | vor 1795: 679
Baujahr Mitte des 16. Jahrhunderts, wahrscheinlich älter / Umbau: 1986-1991
Architekt unbekannt / Umbau: Harry Glück


Der "Steyrerhof" - Architektur und Geschichte

Die ursprünglichen Formen des Hauses wurden mit weißen Steinen markiert

Noch vor ein paar Jahren war dieses Haus unscheinbar und sollte sogar abgerissen werden. Erst als 1990 der Verputz abgeschlagen wurde, erkannte man, um was für ein Gebäude es sich handelt – den Steyrerhof. Die Formen des ursprünglichsten Hauses sind heute weiß umrahmt. Die roten Steine sind Originalziegel, die man wieder in den Originalfarben bemalt hat. Man kann sich also gut vorstellen, wie bunt Wien im Mittelalter gewesen war. Die Zahl 1611 entspricht nicht dem Baujahr - das Haus ist tatsächlich deutlich älter, in diesem Jahr dürfte ein großer Umbau vollzogen worden sein.

Der erste Besitzer des Hofs war Chunrat Ernst (1412), den Namen des Hauses hat jedoch Ulrich von Steyr verursacht, der 1412 das Haus erwarb. Im Hof befindet sich ein gotisches Basrelief, das vier Bürgerwappen und die Jahreszahl 1476 zeigt. Das Spruchband ist nicht mehr lesbar, in der Mitte sind jedoch die Buchstaben "J.M.P." zu erkennen. Sie könnten auf ehemalige Besitzer des Hauses hinweisen: Jörg und Margarethe Prewer.

Vom 15. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Haus als Einkehrerwirtshaus genutzt, hier stiegen "ordinari Linzer und Nürnberger Botten" ab. [1] Dass man mit Besuchern immer vorsichtig war, beweisen auch die beiden Spione, die links und rechts neben dem Fenster über dem Tor zu sehen sind: Bevor das Tor geöffnet wurde, sah man sich an, wen man einlassen wollte.

1872 kam der Hof in Besitz der Fa. Steyrermühl AG, die nach zahlriechen Umbauten hier eine Druckerei betrieb. Hier war Sitz der Redaktion der "Neuen Freien Presse", des "Neuen Wiener Journals" und der "Österreichischen Volkszeitung".

Soldatenaufstand

Aus dem Jahr 1595 ist eine Geschichte überliefert worden:

Die Offiziere eines Regimentes feierten hier ein Gelage im ersten Stock. Die einfachen Soldaten, die nicht hinaufgelassen wurden, vermuteten, dass oben ihr Sold versoffen wurde. Und so drohten sie, das Tor einzuschlagen, als plötzlich von oben auf sie geschossen wurde. Die Kirchenglocken läuteten Sturm, sodass die Bürgermiliz schließlich kam und die Landsknechte verjagte.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten und Gedenktafel

Wohnhaus und Gedenktafel Dositej Obradovic

Auf Seite des Steyrerhofs 3 ist eine Gedenktafel für Dositej Obradovic (* um 1742 Banat, † 28. März 1811 Belgrad) angebracht. Er war ein Mönch und Begründer der serbischen Literatursprache.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Wien Steyrerhof Tafel Dositej Obradovic.jpg Obradovic, Dositej Hier lebte und wirkte

durch viele Jahre
Dositej
Obradovic
1739-1811
Literat und Reformator
der serbischen Kultur

Wohnhaus des Bürgermeisters Johann Christoph Holzner

Bevor er sein eigenes Haus im 2. Bezirk baute, wohnte (bis wahrscheinlich 1659) der spätere Bürgermeister Johann Christoph Holzner (* um 1616 Wiener Neustadt, † 13. Mai 1672) hier. Holzner war als gelernter Jurist viele Jahre als Stadtrichter tätig, bevor er 1667 (bis 1669) zum Bürgermeister ernannt wurde.



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Quellen

  1. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 170