Fischerstiege 1-7

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Grund-Information
Fischerstiege 06.JPG

Fischerstiege 1-7

Aliasadressen =Fischerstiege 1-7, =Salvatorgasse 10
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 368, 398, 370, 371, 372 | vor 1821: 398, 399, 400, 401, 402 | vor 1795: 429, 430, 431, 432, 434
Baujahr 1952-1954
Architekt Otto Niedermoser, Hans Petermair


Das Haus - Architektur und Geschichte

Fischhandel von Rudolf Schwaiger

1952 wurde im Auftrag der Stadt Wien anstelle von den Häusern 1,3, 5 und 7, die wegen Baufälligkeit 1950 abgerissen worden waren, ein Gemeindebau mit 116 Wohnungen errichtet, Architekten waren Otto Niedermoser und Hans Petermeier. [1]

Niedermoser war bis zum Bau dieses Hauses eher aus dem Film bekannt: Er war vor allem als Ausstatter tätig gewesen. 1948 stattete er den Film „Der Engel mit der Posaune“ aus, 1952 „1. April 2000“.

An der Fassade des Hauses ist ein Relief von Rudolf Schwaiger angebracht (1953), es trägt den Namen "Fischhandel".

Wohnhaus und Gedenktafel Peter Herz

Eine Gedenktafel, enthüllt am 19.11.2012, [2] erinnert daran, dass hier der Dichter Peter Herz gewohnt hatte.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Fischerstiege 08.JPG Herz, Peter In diesem Haus wohnte

Prof. Peter Herz
1895 - 1987
Schriftsteller, Librettist
Textautor u.a. von
"In einem kleinen Cafè in Hernals"
"Schön ist so ein Ringelspiel"
Gewidmet von AKM

Vorgängerhäuser

Das alte Haus Fischerstiege 1 - Haus 368, "Zum großen Christoph"

1392 kaufte Hans von Liechtenstein-Nikolsburg das Haus. Er war Hofmeister des Herzogs Albrecht III. Als Liechtenstein-Nikolsburg gestürzt wurde und ihm von Albrecht IV. alle Güter entzogen wurden, schenkte der Herzog das Haus seiner Frau Johanna. 1441 wohnte hier Königin Elisabeth von Ungarn, die Witwe von Albrecht V.

1450 war der Bürgermeister Laurenz Haiden Besitzer des Hauses, es dürfte danach über 100 Jahre in Besitz seiner Familie gewesen sein, denn es findet sich auch der Name "des heiden hauss".

Am Haus dürfte sich ein Schildname befunden haben, der einer Herberge den Namen gegeben hatte: Zum Großen Christoph.

Wohnhaus Josef Freiherr von Aichen

Hier wohnte auch der Jurist Josef Aichen (30.6.1745 – 25.10.1818) hier. 1767 trat von Aichen ins Hofmarschallamt ein und arbeitete sich dort bis zum Oberstlandrichter (1814) und Vizepräsident der Hofkommission für Justizsachen hinauf. Von Aichen hatte maßgeblich an den Gesetzen mitgewirkt, die im 19. Jahrhundert in Österreich erlassen worden waren, vor allem am ABGB (1811).

Streit zwischen hohen Herren

Als dieses Gasthaus in den Besitz von Josef Freiherr von Aichen gellangte, entbrannte ein Streit mit seinem Nachbarn, dem Bürgermeister Jakob Daniel Tepser. Diesem gehörte das Wirtshaus "Zum weißen Löwen". Von Aichen war sehr besorgt darüber, dass Tepser sein Haus aufstocken würde, und ihm dadurch Licht und Luft nehmen würde. Das darauf folgende gerichtliche Urteil besagte, dass Tepsers Haus nicht höher als 46 1/2 Schuh sein dürfe. Damit dem Herren von Aichen nicht der Rauch Tepsers in die Fenster schlug, wurden auch spezielle Kamine vorgeschrieben. Zusätzlich mussten die Klos ("Heimlichkeiten") mindestens zwei Klafter von Aichens Garten entfernt aufgestellt werden.

Der Neubau des Hauses wurde 1799 durch von Aichen veranlasst (1803 vollendet). Bei dieser Gelegenheit ließ er eine überlebensgroße Christophorus-Statue am Haus anbringen. Er beauftragte dafür den Bildhauer Franz Christian Thaler. Darunter stand folgender Spruch:

Grandia Christophori qui cernis membra memento!
Grande onus esse, suum trans mare ferre Deum.

(übersetzt:

Der Du hier schaust des Christophorus mächtige Glieder,
bedenke, welch‘ Last! Seinen Gott – trägt er über das Meer.)

1945 und Teileinsturz 1948

Am 12.3.1945 wurde die Gegend um die Fischerstiege bombardiert. Durch Detonationen in anderen Häusern wurde das Dach von Fischerstiege 1 abgedeckt, was dazu führte, dass danach bei Regenfällen Wasser in den Räumen des 4. Stockes bis zu 10 Zentimeter hoch stand.

Auch eine kleine Fliegerbombe, die durch einen Kamin in das Bett eines Zimmers fiel, verursachte keine größeren Schäden: Sie landete im Lattenrost des Bettes, durch seine Federung wurde die Bombe durch ein Fenster wieder hinausgeschleudert - sie schlug Ecke Salvatorgasse/Fischerstiege in die Straße ein. Der Lattenrost selbst wurde durch die Wucht ebenfalls fortgeschleudert und verkeilte sich in den Mauern.

Im November 1948 begann man schließlich mit den Aufräumarbeiten in dem Haus. Der Schutt am Dach wurde fortgeschafft, was scheinbar wieder zu Erschütterungen im Haus führte. Am 24.11.1948, um 17:30 Uhr, brach ein Teil des Hauses zusammen und verschüttete fünf Menschen, drei waren sofort tot. Nachbarn aus dem Haus gegenüber berichteten, dass "sich die Hausfront wie ein Vorhang vor ihren Augen in die Tiefe gezogen" hätte.

Ehemaliges Haus Stadt 398, Wohnhaus Laurenz Ritter Haiden

Der Ritter Laurenz Haiden (1430 – 14.2.1486) wurde als Sohn eines reichen Kaufmanns. (Heinrich Haiden) geboren. 1449 studierte er an der Universität in Wien, um mit dem Wissen das große Erbe des Vaters verwalten zu können. 1462 stand er – beim Zwist zwischen Kaiser Friedrich III und Erzherzog Albrecht VI. auf der Seite des Kaisers und musste 1462 – als Albrecht an die Macht kam – flüchten. 1464/1465 nahm er als Ritter des heiligen Grabes an einem Kreuzzug ins Heilige Land teil und erhielt nach seiner Rückkehr verschiedene Ämter: Er war Ratsherr, Bruckmeister und 1479-1484 schließlich Bürgermeister der Stadt Wien.

1485 wurde ihm Unterschlagung unterstellt, nur durch die Intervention von König Matthias Corvinus, der am 1.6.1485 Wien belagerte, blieb ihm die Hinrichtung erspart.

Ehemalige Fischerstiege 3 (Stadt 369 und 370)

Bevor das Haus abgerissen wurde, gehörte es zu den ältesten Häusern in Wien, es dürfte um 1200 erbaut worden sein. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatte es der Gemeinde Gmunden gehört, es erhielt daher den Namen "Gmundner Haus". Hier wurde das Amt geführt, das sich mit dem Salzhandel und den Salzern beschäftigte. Am Haus angeschlossen war das Fischertor, ein Zugang in die Stadt durch die Stadtmauer.

Bereits um 1650 dürfte das Haus mit dem Nachbarhaus 370 (Fischerstiege 5) zusammengebaut worden sein.

An diesem Haus befand sich ein Wandgemälde mit dem Fischzug Petri (an einer brückenartigen Treppe) und der Inschrift:

Dies Haus steht in Gottes Hand,
Zur Fischerstiege wird es genannt.

Das Gemälde dürfte Ende des 16. Jahrhunderts entstanden sein und wurde 1839 und 1936 restauriert.

1691 scheint ein weiterer Besitz auf, der "bürgerliche Honig- und Zwetschkenhändler" Johann Fruëth.

1923 gelangte das Haus in den Besitz der Stadt Wien.

Kriegsschäden 1945

Die ersten Schäden erlitt das Haus am 12.3.1945, als im Haus Fischerstiege 4 eine Bombe einschlug. Die Detonation lockerte die Hauswand. Am 8.4.1945 riss ein Artillerietreffer ein Loch in die Mauer zwischen erstem und zweitem Stock, und zerstörte dabei das erst kürzlich aufgefrischte Wandgemälde Petris. Das Haus blieb jedoch trotzdem stehen.

Als die Katstrophe im Haus Fischerstiege 3 passierte, räumte man auch dieses Haus und entschied sich schlussendlich für einen Abriss.

Wohnhaus Anton Johann Bauer

In dem Haus starb der Hofwappenmaler Anton Johann Bauer (* 6. August 1748 Wien, † 10. Juni 1830, ebenhier), der hier mit seiner Frau Theresia Exner gewohnt hatte.

Das ehemalige Haus 370, Fischerstiege 5

Gemeinsam mit dem oben erwähnten Haus 369 gehörte dieses Haus zu den ältesten der Stadt. 1913 erwarb es die Stadt Wien.

Fischerstiege 7, die Häuser 371 und 372

Haus 371 wurde erstmals 1436 erwähnt und dürfte 1793 neu erbaut worden sein. Das Nebenhaus, 372, war lange Teil des Hauses 371, wurde 1544 davon getrennt und war über die Wachtelgasse (die es heute nicht mehr gibt) begehbar. Als das Haus Fischerstiege 9 im Jahr 1897 erbaut wurde, ging der direkte Zugang verloren, das Haus konnte nur mehr über sein Nachbarhaus begangen werden.



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Quellen