Fischerstiege

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Fischerstiege

Wien 01 Fischerstiege b.jpg

Benennung 1373
Benannt nach Fischern, die hier anlegten
Straßenlänge 122,64 Meter[1]
Gehzeit 1,48 Minuten
Vorherige Bezeichnungen Fischergasse


Namensgebung und Geschichte

Die Fischerstiege wurde bereits 1373 erstmals erwähnt, manchmal auch als „Fischergasse“. Sie bezeichnete den Weg zwischen der damaligen Stadt zum heutigen Donaukanal, damals noch zum Donauarm Salzgries.

Am Salzgries legten Schiffer und Fischer an und versorgten die Stadt mit Lebensmitteln. Heute wird das ehemals steile Gelände mit einer modernen Treppe überwunden. Am Ende der Stiege befand sich ein Rest der babenbergischen Stadtmauer und bis Ende des 18. Jahrhunderts das Fischerstiegentor, woran eine Gedenktafel erinnert.

Um 1830 herum entstand gegenüber der Einmündung der Stiegen in den Salzgries eine Infanteriekaserne, die knapp an der Stadtmauer lag.

1948 brach die Stiege zusammen, sie war durch die Bombardierung Wiens baufällig geworden.

Das Fischertor

Das Fischerstiegentor, 1880

Angelehnt an das Haus Fischerstiege 3, stand im Mittelalter das kleine Stadttor, und ermöglichte über einen Steilhang zum Donauarm zu gelangen. Das Tor war ein Zinkentor, also ein turmartiger Torbau aus Quadersteinen, mit Scharten, durch die geschossen werden konnte. Kaiser Joseph II. ließ das Tor aus verkehrstechnischen Gründen abreißen.

Gedenktafel Tor an der Fischerstiege

Der Stadtmagistrat ließ am Haus Nummer 3 1868 eine Gedenktafel anbringen, sie ist heute nicht mehr auffindbar, der Text besagte jedoch Folgendes:

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Xxx.jpg Fischertor Vor diesem Hause stand

bis zu Ende des XVIII. Jahrhunderts
das Thor an der Fischerstiege,
ein Theil der Umwallung
zur Zeit der Babenberger

Sagen und Legenden

Eine der ältesten Sagen Wiens beschrieb schon die Fischerstiege und die Gegend rund herum. [2]

Die Sage Die Legende der Fischerstiege
Fischerstiege im 1ten Bezirk von Wien.jpg
„Es sei schon um das Jahr 882 auf dem Hügel hart an der Donau, am Gestade - im Munde des Volkes auf der Gestatten, wie diese Stadtgegend noch genannt wird - gegen die obere Donauinsel Rossau durch die Andacht der Fischer, Schiff- und Kaufleute eine Kapelle zu unserer lieben Frau entstanden. Von der Stelle, wo die Schiffe landeten und wo die Waren, vorzüglich Salz, am kiesigen Ufer ausgeladen wurden - woher der Name Salzgries entstand -, am Fuße des Berges stiegen diese Leute auf dem Steige auch zum alten Ruprechtskirchlein hinauf oder näher über die von den Fischhändlern erbaute Stiege, die Fischerstiege, zu dieser Marienkapelle am Gestade, oder Mariastiege.

Man sieht hieraus, dass die Fischerstiege der älteste Teil der Stadt ist, von wo die Fischer und Schiffleute, die Bewohner derselben mit Lebensmitteln, vorzüglich mit Fischen, versorgt wurden. Auch der Name Fischerstiege ist uralt und kommt schon in den frühesten Urkunden als ad gradus piscatorum vor. Er besteht heute noch und ist auf das Haus Nr. 369 übergegangen, worauf sich ein uraltes im Jahr 1839 aufgefrischtes Wandgemälde befindet, eine brückenartige Stiege und die Bibelstelle vom Fischzuge Petri vorstellend, mit der Unterschrift:

Dieses Haus steht in Gottes Hand
Zur Fischerstiege wird es genannt"

Abbildung: Blick durch die Fischerstiege, 1902, Aquarell von Gustav von Korompay

Das Tor aus Sicht des Jahres 1842

Standort an der ehemaligen Stadtmauer, Etappe 9

Ein Stadtführer aus dem Jahr 1842 schildert die Eindrücke so:

Hat man das Tor passiert, so sieht man in der Stadt das Müllerische Palais mit doppelten Balkonen in seiner ganzen Länge. In der Leopoldstadt drüben steht das Dianabad; die Karls-Kettenbrücke verbindet die Ufer. Diesseits landen die Salz- und Obstschiffe, und dieser Landungsplatz ist der bekannte Schanzl. In der Stadt ist der Fischmarkt, auf welchem freitags auch hölzerne Fisch-Buden aufgerichtet werden, man sieht die St. Ruprechtsstiege hinauf und hat abermals einen Ravelin mit dem Fischertore erreicht. Die Straße in der Stadt ist nun der Salzgries, das hohe altersgraue Gebäude mit Gitterfenstern ist das Polizeihaus, und weiterhin steht dicht am Walle die Grenadierkaserne, die einzige in der Stadt. Auf dem nahen Ravelin springt das Stabsstockhaus (Militär-Arrest) weit vor. Diesem gegenüber steht auf dem Ravelin (Elendbastei) ein kleines Observatorium des Generalstabes.

[3]

Das "Müllerische Palais" stand einst in der Rotenturmstraße 26, Ecke Adlergasse 1, es wurde 1889 abgerissen. Den Blick auf das noch bestehende Dianabad kann man heute nicht mehr genießen, zur Zeit der damaligen Aussicht, erhielt das Bad gerade ein europäisches Novum: Ludwig Förster errichtete hier die erste gedeckte Schwimmhalle, die er mit einer sensationellen Gusseisenkonstruktion ausstattete. Der "Schanzlmarkt" erstreckte sich zwischen Rotenturm-Tor und der Kirche "Maria Am Gestade", er galt bis 1933 als bedeutendster Wiener Markt für Obst und Gemüse, Salz und Fisch. Die Lage hatte sich durch die Nähe des - noch unregulierten Donaukanals - angeboten, die Schiffe konnten ihre Waren zum frischen Verkauf hier ausladen. A, Salzgries, etwa von den Hausnummern 10 bis 16, lag die große Salzgrieskaserne - ein Polizeihaus mit Gefängnis.

Kurvig weiter.jpgFolge dem Stadtspaziergang 2 - Teil 10: Rund um die Stadtmauer im Jahr 1842 und heute

Häuser der Fischerstiege



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Quellen

  1. Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at
  2. Realis (=Gerhard Cockelberghe-Duetzele), Geschichten, Sagen und Merkwürdigkeiten aus Wiens Vorzeit, Wien 1846, S. 440'
  3. Adolf Schmidl: C. Gerold, Eine Woche in Wien: Zuverlässiger und zeitsparender Führer durch die Kaiserstadt und ihre nächsten Umgebungen, Tag 1, 1842, Wien, Seite 4 – 13