Stadtspaziergang: Verstecktes Mittelalter - Station 09

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Stadtspaziergang Verstecktes Mittelalter

Station 10


Verstecktes Mittelalter - Station 09: Deutschordenskirche – Turm aus dem 13. Jahrhundert

Die Deutschordenskirche ist das perfekte „versteckt, aber echt“-Highlight: Du gehst durch ein Portal in der Singerstraße, durch einen Verbindungsgang – und plötzlich bist du in einem hofartigen Ensemble, in dem eine Klosterkirche steckt. Und dann kommt der eigentliche Mittelalter-Moment: Der Turm ist der alte Überlebende. Von der frühen Kirche ist er als Bauteil aus dem 13. Jahrhundert erhalten geblieben, während der restliche Bau später immer wieder neu gedacht werden musste.

Vertiefende Informationen:

Diese Station ist ein gutes Beispiel dafür, wie Wien „Mittelalter rettet“: Nicht als komplette Kulisse, sondern als einzelne Bauteile, die durch Brände, Umbauten und neue Nutzungen hindurch weiterleben. Der Turm ist hier der Fixpunkt – alles andere hat sich um ihn herum verändert.

Vor Ort

Du findest den Zugang über das Deutschordenshaus in der Singerstraße. Geh bewusst durch den Eingang und den Gang in den Hof: Dieser Wechsel von Straßenraum zu Innenhof ist hier Teil des Erlebnisses. Die Kirche selbst wirkt dann erstaunlich intim – ganz anders als der Stephansdom ein paar Minuten weiter.

Worauf du schauen kannst

Wenn du draußen stehst, richte deinen Blick zuerst auf den Turm: Er ist die mittelalterliche „Klammer“ des Ortes. Danach geh hinein und achte auf den Kontrast. Du hast hier keinen „reinen Mittelalterraum“, sondern einen Bau, der nach Bränden und Umbauten in Etappen neu entstanden ist. Genau diese Mischung ist der Reiz: Du siehst, wie eine Institution (der Deutsche Orden) und ein Ort (Singerstraße/Hofanlage) über Jahrhunderte stabil bleiben können, während Architektur sich anpasst.

Drinnen lohnt es sich, kurz nach den auffälligen Ausstattungsstücken zu suchen: Besonders bekannt ist das flämische Altarretabel, das heute zu den markanten Blickpunkten der Kirche gehört. Es ist zwar kein mittelalterlicher Wiener Originalfund, aber es zeigt wunderbar, wie sich in solchen Klosterkirchen Kunst, Geschichte und Ordensidentität übereinanderlegen.

Kontext

Die Deutschordenskirche liegt im hofartigen Deutschordenshaus in der Singerstraße 7 (1., Innere Stadt). Von der Vorgängerkirche ist der Turm aus dem 13. Jahrhundert erhalten; nach Stadtbränden erfolgten Neubauten in Etappen, die Weihe des gotischen Neubaus wird für 1395 genannt und das Patrozinium der heiligen Elisabeth (Ordenspatronin) hervorgehoben.[1][2][3][4]

Ein prägnantes Ausstattungsstück ist das flämische Altarretabel (häufig als Retabel aus Mecheln um 1520 beschrieben), das in Berichten zur Kirche als besonders hervorstechend erwähnt wird.[5]

Quellen