Römische Zivilstadt

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Wien - Geschichte
Römische Zivilstadt

Römische Zivilstadt (Vindobona)

Die römische Zivilstadt von Vindobona lag in einiger Entfernung vom Legionslager und bildete das zivile Zentrum des römischen Lebens außerhalb des militärischen Areals. In einem Abstand von etwa einer "Leuge" – einem keltischen Entfernungsmaß von rund zwei Kilometern – entwickelte sich südöstlich des Legionslagers, unter dem heutigen Gebiet des 3. Bezirks, eine ausgedehnte Siedlung mit städtischem Charakter.

Diese räumliche Trennung entspricht dem typischen Muster der Legionslager entlang der Donaugrenze, bei denen zivile Siedlungen außerhalb des militärischen Sperrgebiets entstanden.

Rechtsstatus und städtische Struktur

Wie die Zivilstädte bei anderen Legionslagern der Donauarmee besaß auch die vindobonensische Zivilstadt offenbar ein eigenes Stadtrecht. Die Verleihung des Municipiums erfolgte vermutlich im Zeitraum zwischen etwa 120 und 250 n. Chr. Damit war die Siedlung rechtlich als Stadt anerkannt und verfügte über eine gewisse kommunale Selbstverwaltung.

Die Hauptachse der Zivilstadt dürfte in Fortsetzung des innerstädtischen Straßenzugs Herrengasse – Augustinerstraße gelegen haben und etwa dem Verlauf des heutigen Rennwegs entsprochen haben. Möglich ist darüber hinaus die Existenz weiterer Straßenzüge, die sich an den Ausfallstraßen aus dem Legionslager orientierten. Archäologische Befunde zeigen jedoch, dass die Landstraßer Hauptstraße nicht Teil dieser römischen Hauptachsen war.

Archäologische Befunde

Von der römischen Zivilstadt sind zahlreiche Überreste bekannt, die sich über ein größeres Gebiet verteilen:

  • Wohnhäuser wurden im Bereich des heutigen Botanischen Gartens sowie bei Rennweg 44 nachgewiesen.
  • Ein spätkeltischer Töpferofen wurde an der Ecke Engelsberggasse / Riesgasse entdeckt.
  • Eine groß dimensionierte Thermenanlage befand sich in der Oberzellergasse.
  • Gräberfelder lagen in Richtung Aspangbahnhof sowie außerhalb der Schlachthausgasse.

Besonders rätselhaft sind die parallel verlaufenden Spitzgräben in der Klinischgasse und in der Hohlweggasse. Ihre Funktion ist bislang ungeklärt; wahrscheinlich stammen sie von einem bislang nicht identifizierten Hilfstruppenkastell.

Bedeutung und besondere Funde

Die Zivilstadt von Vindobona nimmt aufgrund ihrer außergewöhnlich reichen archäologischen Funde eine Sonderstellung ein. Zu den bedeutendsten Entdeckungen zählen:

  • Drei Münzschätze, die zu den größten zählen, die jemals auf österreichischem Boden gefunden wurden.
  • Die Statuette eines altägyptischen Priesters, die bereits in der Römerzeit als Antiquität nach Vindobona gelangt sein dürfte.
  • Reste großformatiger Stein- und Bronzeplastiken, die auf eine repräsentative Ausstattung öffentlicher oder privater Gebäude schließen lassen.

Diese Funde belegen nicht nur den wirtschaftlichen Wohlstand der Zivilstadt, sondern auch ihre Einbindung in weitreichende Handels- und Kulturkontakte innerhalb des Römischen Reiches.

Einordnung im römischen Wien

Die römische Zivilstadt ergänzt das Bild Vindobonas als komplexen urbanen Raum, der weit über das militärische Legionslager hinausging. Zusammen mit dem Lager selbst, den Gräberfeldern und den Verkehrsachsen bildet sie einen zentralen Baustein für das Verständnis des römischen Wiens.

Quellen