Josefsplatz 6

Aus City ABC

Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Josefsplatz 6
Konskriptionsnummer Stadt
vor 1862: 1156
vor 1847: 1156
vor 1821: 1225
vor 1795: 1130
Baujahr
1575
Architekten (Bau)
k.A.
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Palais Palffy, Österreich-Haus - Architektur und Geschichte

Das Pálffypalais gehört zu den historisch bedeutendsten Adelspalais an der Platzfront gegenüber der Hofburg. Das Palais hat noch eine Renaissancefassade, das Haus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Hinter der heutigen Erscheinung verbirgt sich eine lange Bau- und Besitzgeschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Das Haus verbindet höfische Nähe, aristokratische Repräsentation, musikalische Erinnerung und kulturelle Nachnutzung an einem der prominentesten Orte der Wiener Innenstadt.

Die Fassade ordnet sich klar in die Platzfront ein. Regelmäßig gereihte Fensterachsen, horizontale Gesimse und die ausgewogene Gliederung geben dem Bau eine noble, aber disziplinierte Wirkung. Das Palais lebt nicht von einzelnen lauten Schmuckmotiven, sondern von seiner ruhigen Gesamtkomposition. Dadurch erscheint es als typisches Adelspalais in unmittelbarer Nähe zur Hofburg – repräsentativ, aber nicht überladen.

Umbauten und Nutzung

Das Innere des Pálffypalais wurde 1875 umgestaltet. Im Jahr 1908 war hier die italienische Gesandtschaft untergebracht.

1944 wurde das Palais durch Fliegerbomben schwer beschädigt.

Nach dem Krieg erfolgte 1956 mit staatlicher Unterstützung ein Um- und Neubau im Stil der 1950er-Jahre. Dabei blieb die historische Platzfassade erhalten beziehungsweise wurde wiederhergestellt, während das Innere stärker modernisiert und für eine neue Nutzung ausgerichtet wurde. Das Haus wurde zu einem repräsentativen Veranstaltungszentrum für Kongresse und gesellschaftliche Anlässe mit einer Kapazität von bis zu 300 Personen.

Die Britisch-Österreichische Bank im Palais

Kassensaal der Britisch-Österreichischen Bank

Kassensaal der Britisch-Österreichischen Bank[1]

In den frühen 1920er-Jahren erhielt das Palais Pálffy eine ganz andere, heute kaum mehr erwartete Nutzung: Es wurde Sitz beziehungsweise wichtiger Standort der Britisch-Österreichischen Bank. Eine historische Aufnahme des Wien Museums zeigt den Kassensaal der Britisch-Österreichischen Bank im Palais; die Fotografie wird auf etwa 1925 datiert, wenn auch mit unsicherer Jahresangabe.

Für diese Banknutzung wurde das Innere des Palais deutlich verändert. Nach späteren architekturgeschichtlichen Beschreibungen ließ Leopold Bauer den großen Innenhof bereits 1922 für die Bank umbauen. Der Hof wurde ab dem ersten Stock zu einem zweigeschoßigen Kassensaal mit gläsernem Giebeldach umfunktioniert. Hinter einer Säulenreihe waren offene Büroarbeitsplätze angeordnet, während sich im Erdgeschoß der Haupttresor befand. Damit entstand im Inneren des alten Adelspalais ein ausgesprochen moderner Bankbau.

Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Bankhalle erneut verändert. 1948 zog man in die Halle eine Zwischendecke ein und setzte zusätzliche Geschosse darauf, um die Räume für Archivzwecke nutzbar zu machen. Die Bankphase des Palais ist heute daher von außen kaum mehr ablesbar, gehört aber zu den spannendsten Nutzungswechseln in der Geschichte des Hauses.

Vorgängerhäuser und Besitzgeschichte

Zwischen 1357 und 1372 befand sich an dieser Stelle das Haus der Grafen von Maidburg. Noch im späten 14. Jahrhundert wurde die österreichische Kanzlei aus der Unteren Bräunerstraße hierher verlegt. Damit war das Areal schon früh ein Ort landesfürstlicher Verwaltung und stand in enger Verbindung zum herrschaftlichen Zentrum der Stadt.

Um 1500 gehörte das Gebäude dem noch minderjährigen Siegmund von Herberstein. Für die Mitte des 16. Jahrhunderts (1547) ist Besitz aus dem Umkreis der Familie Kinsky belegt. Einen entscheidenden Einschnitt brachte das Jahr 1573: Der Oberstallmeister Maximilians II., Rudolf Freiherr von Lambach, ließ das ältere Haus abbrechen und unter Einbeziehung eines Teils des Salmschen Hauses sowie zweier benachbarter Bürgerhäuser ein neues Palais errichten. Dieses erhielt um 1575 seine schlichte Renaissancefassade. Am 22. Februar 1578 wurde der Besitz zum adeligen Freisitz erhoben.

Nach dem Tod Rudolf von Lambachs vererbte seine Witwe Maria Magdalena, geborene Freiin von Pálffy, das Palais im Jahr 1590 an ihren Sohn Eusebius, später gelangte es an dessen Tochter Maria Franziska. Seit 1684 war das Haus ein Majorat der fürstlichen Familie Pálffy. Mit dieser Phase ist das Gebäude bis heute namentlich verbunden.

1875 wurde das Palais umgestaltet, ab 1908 war hier die italienische Gesandtschaft tätig

Musikalische Tradition und heutiger Kulturort

Das Palais weist eine bemerkenswerte musikalische Tradition auf. Unter anderem trat Wolfgang Amadeus Mozart hier bereits als Kind auf. Später soll er in privatem Rahmen auch seinen Figaro im Palais vorgestellt haben, noch vor beziehungsweise im Zusammenhang mit der Wiener Erstaufführung im Hofburgtheater am 1. Mai 1786. Der sogenannte Figaro-Saal erinnert bis heute an diese Tradition.

Im Palais hatte der Verein Österreich-Haus seinen Sitz, der auf Österreich bezogene Ausstellungen organisierte und das Gebäude an österreichische und ausländische Gesandte sowie für kulturelle Veranstaltungen vermietete. Damit setzte sich die Geschichte des Hauses als Ort der Repräsentation, Begegnung und Kultur in moderner Form fort.

Auch heute wird das Pálffypalais vor allem für kulturelle Veranstaltungen, Konzerte, Empfänge und Ausstellungen genutzt. In jüngerer Zeit war das Palais außerdem mit dem Phantastenmuseum verbunden. Es zeigte in vier Räumen die Werke der Phantastischen Realisten.[4]

Das ehemalige Phantastenmuseum

Seit 2011 befand sich im Palais Pálffy das Phantastenmuseum, das sich der phantastischen, surrealen und visionären Kunst widmete. Gezeigt wurden zahlreiche Werke von Vertreterinnen und Vertretern der Wiener Schule des phantastischen Realismus, darunter etwa Arik Brauer, Ernst Fuchs und Rudolf Hausner. Darüber hinaus waren auch weitere phantastische und surreale Arbeiten österreichischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler vertreten.

Die Ausstellung war chronologisch gegliedert und zeichnete die Entwicklung der phantastischen Kunst von ihren Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart nach. Damit ergänzte das Museum die kulturelle Nutzung des Palais um einen sehr eigenständigen kunsthistorischen Schwerpunkt.[5]

Das Museum ist inzwischen dauerhaft geschlossen. Ein markanter Einschnitt für das Haus war der Tod des Mitbegründers, Organisators und Kurators Prof. Gerhard Habarta, der am 25. Mai 2022 in Seebenstein verstarb. Mit ihm verlor das Phantastenmuseum eine seiner prägenden Persönlichkeiten.[6][7][8]

Wien - Eine Stadt stellt sich vor

Das Haus trägt das Schild Nummer 61a der Aktion "Wien - Eine Stadt stellt sich vor".

Tafel der Aktion „Wien – Eine Stadt stellt sich vor“ an Josefsplatz 6

Palais Palffy
Erbaut vermutlich um 1575
Renaissancefassade
nach Kriegsbeschädigung
wiederhergestellt.

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Quellen

  1. Bruno Reiffenstein (Fotograf), 1., Josefsplatz 6 - Pallfypalais - Innenansicht, Kassensaal der Britisch-Österreichischen Bank, um 1925 fraglich, Wien Museum Inv.-Nr. 185468, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/357170/)
  2. Verlag Reinhold Entzmann & Sohn (Verlag), 1., Josefsplatz 6 - Pallfypalais, um 1900, Wien Museum Inv.-Nr. 79000/6971, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/166869/)
  3. Verlag Reinhold Entzmann & Sohn (Verlag), 1., Josefsplatz 6 - Pallfypalais, um 1900, Wien Museum Inv.-Nr. 79000/6971, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/166869/)
  4. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien in 6 Bänden, K&S/Orac, Wien, 2004, Bd. 4, S. 481
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Phantastenmuseum
  6. https://vivent.at/orte/phantastenmuseum-wien/Palais/
  7. https://www.meinbezirk.at/innere-stadt/c-regionauten-community/prof-gerhard-habarta-verstorben-ein-grosser-kunstkenner-und-kunstliebhaber-ging-von-uns_a5373055
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Habarta