Josefsplatz 3-4
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- Bezirk
- 1., Innere Stadt
- Aliasadressen
- =Josefsplatz 3-4
- =Hofburg
- Konskriptionsnummer Stadt
- vor 1862: 1
- vor 1847: 1
- vor 1821: 1
- vor 1795: 1
- Baujahr
- um 1769
- Nicolaus Pacassi; Umgestaltung 1905 durch Friedrich Ohmann
- k.A.
Architektur und Geschichte
Der Redoutensaaltrakt am Josefsplatz gehört zu den traditionsreichsten Fest- und Veranstaltungstrakten der Wiener Hofburg. Die Adressen Josefsplatz 3 und 4 bezeichnen heute gemeinsam jenen Gebäudebereich, in dem sich die Redoutensäle und ihre Zugangsbereiche befinden. Während Josefsplatz 4 die offizielle Hauptadresse des Trakts darstellt, markiert Josefsplatz 3 vor allem den Zugang über die Kleine Redoutenstiege.
Der heutige Redoutensaaltrakt wurde um 1769 von Nicolaus Pacassi gemeinsam mit dem Augustinertrakt errichtet. Damit erhielt der Josefsplatz jene barocke Fassung, die ihn bis heute prägt. Im Jahr 1905 wurde der Trakt von Friedrich Ohmann barockisierend umgestaltet. Der Bau gehört damit zu der Phase der Hofburg, in der ältere höfische Nutzungen in ein einheitlicheres architektonisches Ensemble eingebunden wurden.[1]
Historisch reicht die Nutzung dieses Bereichs jedoch weiter zurück. Bereits im 17. Jahrhundert befanden sich hier höfische Theater- und Festräume. Unter Maria Theresia wurden die bestehenden Säle zu Redoutensälen umgestaltet, also zu Tanz- und Festsälen, die für Maskenbälle, Hoffeste und große gesellschaftliche Ereignisse dienten. Im Fasching 1748 wurden die neuen Redoutensäle mit einem prächtigen Maskenball eröffnet. Ab 1752 wurden sie nochmals erweitert und festlicher ausgestattet.[2][3]
Der Schlossergang-Trakt
Der Schlossergang befindet sich direkt über jenem kleinen Flügel, der, im rechten Winkel an den Augustinergang anschließend, zwischen Kapellen- und Bibliothekshof liegt und eigentlich nur die Erweiterung des Redoutensaaltraktes bildet. Er bezeichnet keinen repräsentativen Saal, sondern einen Durchgangs- und Verbindungsbereich, der historisch als eigener kleiner Bauteil wahrgenommen wurde. Auch heute lebt der Name noch weiter: In aktuellen Hofburg-Plänen ist der Schlossergang ausdrücklich als Servicegang eingezeichnet.
Die genaue Entstehung des Namens ist in den heute leicht greifbaren Quellen nicht ausdrücklich erklärt. Sehr wahrscheinlich geht die Bezeichnung jedoch auf einen älteren Hofburg-Bereich zurück, der mit den Räumen oder dem Arbeitsbereich eines Schlossers verbunden war. In einer Studie wird beschrieben, dass die Wendeltreppe im Schlossergangtrakt um 1780 auf den oberen Ebenen offenbar nur noch die Wohnung eines Schlossers namens Karl erschloss. [5]
Die Redoutensäle
Die Redoutensäle waren über Generationen hinweg ein zentraler Ort höfischer Festkultur. Hier fanden Maskenbälle, Empfänge, Galadiners und große gesellschaftliche Veranstaltungen statt. Besonders bekannt ist das Hochzeitsbankett des späteren Kaisers Joseph II. mit Isabella von Bourbon-Parma im Jahr 1760, das zu den frühen Glanzpunkten dieser Räume zählt.[6]
Der Trakt umfasst den Großen und den Kleinen Redoutensaal sowie die zugehörigen Foyers und Erschließungsräume. Einer der wichtigsten Zugangsbereiche ist die Kleine Redoutenstiege im Bereich Josefsplatz 3. Sie führt in den Gardesalon und in die angrenzenden Redoutensäle. Das Foyer ist vergleichsweise kompakt, hat aber eine wichtige Verteilerfunktion innerhalb des gesamten Trakts. Laut Hofburg Vienna misst dieser Bereich 7,8 Meter in der Länge, 5,1 Meter in der Breite, 3 Meter in der Höhe und umfasst eine Fläche von 40 m².[7]
- Impressionen Großer Redoutensaal
Großer Redoutensaal vor dem Brand [8]
- Impressionen Redoutensaal-Stiege und Kleiner Redoutensaal
Brand 1992 und Wiederaufbau
In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1992 wurde der Redoutensaaltrakt durch einen Großbrand schwer beschädigt. Dabei wurden der gesamte Dachbereich und die Zwischendecken der Geschosse vernichtet. Besonders schwer traf es den Großen Redoutensaal: Die historische Stuckdecke wurde völlig zerstört, die barocke Dachstuhlkonstruktion stürzte ein und verbrannte vollständig. Vom Architekturdekor der Wände blieben nur Teile erhalten.[9][10]
Das Brandereignis betraf rund drei Prozent der Bausubstanz der Hofburg. Während der Löscharbeiten wurden tausende wertvolle Bücher aus dem benachbarten Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek geborgen. Zudem konnten 69 Lipizzaner aus der nahegelegenen Hofreitschule rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der Kleine Redoutensaal blieb zwar beschädigt, konnte aber später originalgetreu restauriert werden.[11][12]
In den Jahren 1993 bis 1997 wurde der Trakt für die heutige Nutzung als Kongresszentrum wiederaufgebaut. Da Decke und Wandverkleidungen des Großen Redoutensaals völlig zerstört waren, entschied man sich dort für eine Neugestaltung. Die Decken- und Wandgemälde wurden von Josef Mikl ausgeführt.[13]
Heutige Nutzung
Heute verbindet der Redoutensaaltrakt historische Repräsentationsarchitektur mit moderner Veranstaltungsnutzung. Die Burghauptmannschaft nennt als Nutzer das Österreichische Parlament sowie die Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsgesellschaft. Damit bleibt der Trakt ein Ort offizieller Empfänge, Kongresse und bedeutender Veranstaltungen, während seine historische Funktion als Festtrakt in neuer Form weiterlebt.[14]
Gerade die Kombination aus höfischer Geschichte, barocker Platzfassung, Brandkatastrophe und moderner Wiederverwendung macht den Trakt zu einem besonders spannenden Teil der Hofburg. Von außen wirkt er vergleichsweise ruhig; im Inneren aber liegen einige der geschichtsträchtigsten Fest- und Veranstaltungsräume Wiens.
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Quellen
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Liegenschaften/Liegenschaften/Wien/Hofburg-Wien-/Redoutensaaltrakt.html
- ↑ https://www.habsburger.net/de/kapitel/eine-neue-location-die-redoutensaele
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Redoutens%C3%A4le
- ↑ Wien I, Hofburg, Schlossergangtrakt, Aufstockung der kaiserlichen Privatbibliothek, Grundriss des 2. Obergeschosses (= 3.Stock), Aufriß der Vorstadtfassade und Längsschnitt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg 1796
- ↑ https://www.academia.edu/55421208/Die_Privatbibliothek_Kaiser_Franz_I_von_%C3%96sterreich_1784_1835_Bibliotheks_und_Kulturgeschichte_einer_f%C3%BCrstlichen_Sammlung_zwischen_Aufkl%C3%A4rung_und_Vorm%C3%A4rz
- ↑ https://www.hofburg.com/raeume/mezzanin/hofburg_redoutensaele/kleiner_redoutensaal
- ↑ https://www.hofburg.com/raeume/parterre/hofburg_redoutensaele/kleine_redoutenstiege_foyer
- ↑ Martin Gerlach jun. (Fotograf), Großer Redoutensaal, Innenansicht, um 1940, Wien Museum Inv.-Nr. 211261, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/26628/)
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Liegenschaften/Liegenschaften/Wien/Hofburg-Wien-/Redoutensaaltrakt.html
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Themen/30Jahre-Redoutensaalbrand.html
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Themen/30Jahre-Redoutensaalbrand.html
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Service/Presse/Presseaussendungen/BH%C3%96-30-Jahre-Redoutensaalbrand.html
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Liegenschaften/Liegenschaften/Wien/Hofburg-Wien-/Redoutensaaltrakt.html
- ↑ https://www.burghauptmannschaft.at/Liegenschaften/Liegenschaften/Wien/Hofburg-Wien-/Redoutensaaltrakt.html



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