BPRSÖ - Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs
| Vereinigung | |
|---|---|
| Name | Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs (BPRSÖ) |
| Gründung | 9. Februar 1930 in Wien |
| Vorgeschichte | Wiener Ortsgruppe des 1928 in Berlin gegründeten Bundes der proletarisch-revolutionären Schriftsteller |
| Erster Vorsitzender | Ernst Fabri |
| Zentralorgan | Linkskurve |
| Eigene Publikation | Der Durchbruch (eine Ausgabe, August 1932) |
| Auflösung | 7. März 1934 |
Der Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs, kurz BPRSÖ, war eine kommunistisch geprägte literarische Vereinigung der Zwischenkriegszeit. Er wurde am 9. Februar 1930 in Wien gegründet und verstand sich als Kampforgan der Arbeiterbewegung sowie als Zusammenschluss für die Entwicklung einer proletarisch-revolutionären Literatur in Österreich.
Geschichte
Der BPRSÖ knüpfte an eine bereits bestehende Wiener Ortsgruppe des 1928 in Berlin gegründeten Bundes der proletarisch-revolutionären Schriftsteller an. Bei der Gründung des österreichischen Bundes waren 47 Personen anwesend. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ernst Fabri gewählt; zu den prägenden Mitwirkenden zählten unter anderem Franz Janiczek, Peter Schnur, Hans Maier und Lili Körber.
Der Verein stand der KPÖ politisch nahe und war auch personell eng mit dem kommunistischen Milieu verbunden. Zugleich war er Teil eines internationalen Netzwerks revolutionärer Literatur, das sich besonders über Berlin, Moskau und später Charkiw organisierte. Im November 1930 nahmen Ernst Fabri, Hans Maier, Franz Janiczek und Lili Körber am Kongress der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller teil.[1][2]
Ziele und Tätigkeit
Der BPRSÖ wollte Literatur ausdrücklich als politisches Instrument verstanden wissen. Ziel war nicht Kunst als zweckfreie oder bloß schöne Form, sondern eine Literatur, die in den Klassenkampf eingreift, informiert, agitatorisch wirkt und der Arbeiterbewegung dient. Der Bund verwarf damit das bürgerliche Ideal einer unpolitischen Kunst und setzte bewusst auf Gebrauchsliteratur und kollektive Arbeitsformen.
Ein zentrales Arbeitsfeld war die Schulung proletarischer Autorinnen und Autoren. Dabei arbeitete der BPRSÖ sehr eng mit der Arbeiterkorrespondentenbewegung zusammen. In wöchentlichen Treffen wurden literarische, journalistische und politische Texte gelesen, diskutiert und verbessert. Die Ausbildung sollte sowohl ideologische Klarheit als auch handwerkliche Fähigkeiten fördern.
Da es in Österreich keine eigenen kommunistischen Verlagsstrukturen von größerer Reichweite gab, erschienen die meisten Texte nicht in Buchform, sondern vor allem in der Roten Fahne und in der Illustrierten Roten Woche. Eine eigene Zeitschrift des Bundes, Der Durchbruch, brachte es 1932 nur auf eine einzige Ausgabe.[3]
Wirkung
Der BPRSÖ blieb zahlenmäßig vergleichsweise klein. Laut dem einschlägigen Lexikonartikel umfasste er insgesamt etwa 80 Mitglieder. Anders als der deutsche Schwesterbund konnte der österreichische Verband kaum auf prominente und bereits weithin bekannte Autorinnen und Autoren zurückgreifen. Sein Schwerpunkt lag vielmehr auf jungen Arbeiterkorrespondenten, Journalisten und wenig bekannten Schriftstellern aus dem kommunistischen Umfeld.
Trotzdem war der Bund kulturpolitisch bemerkenswert. Er verband Literaturarbeit mit politischer Praxis, pflegte Kontakte zur kommunistischen Spieltruppenbewegung und beteiligte sich auch an Solidaritätsaktionen für international verfolgte Schriftsteller. Damit gehörte er zu jenen kleinen, aber aktiven Organisationen, die den kommunistischen Kulturbegriff in Österreich der Zwischenkriegszeit praktisch umzusetzen versuchten.[4][5]
Auflösung
Nach dem Verbot der KPÖ am 26. Mai 1933 konnte der BPRSÖ zunächst noch kurze Zeit weiterbestehen, weil die Parteibindung in seinen Statuten nicht ausdrücklich festgeschrieben war. Spätestens mit dem Verbot der Roten Fahne im Juli 1933 verlor der Bund jedoch seine wichtigste publizistische Grundlage. Am 7. März 1934 wurde der BPRSÖ schließlich per Bescheid aufgelöst. Weitere Aktivitäten sind nicht überliefert; viele Mitglieder gingen in der Folge ins Exil.[6]
Bedeutung
Der BPRSÖ ist ein aufschlussreiches Beispiel für die enge Verbindung von Literatur, Parteipolitik und Arbeiterkultur in der Ersten Republik. Er zeigt, dass es in Wien nicht nur sozialdemokratische, sondern auch kommunistische Versuche gab, eine eigenständige proletarische Kultur aufzubauen. Auch wenn der Bund klein blieb und nur kurze Zeit bestand, gehört er zur Geschichte der politischen Literatur in Wien und Österreich.
Vorkommen in CityABC
Für CityABC ist der BPRSÖ vor allem im Zusammenhang mit der Kommunistische Partei Österreichs, der Roten Fahne, der Arbeiterkorrespondentenbewegung und der politischen Literatur der Zwischenkriegszeit interessant. Das Thema verbindet Wiener Literaturgeschichte mit Arbeiterkultur, Mediengeschichte und kommunistischer Organisationswelt.
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Quellen
- ↑ https://litkult1920er.aau.at/litkult-lexikon/bund-der-proletarisch-revolutionaeren-schriftsteller-oesterreichs/
- ↑ https://litkult1920er.aau.at/litkult-lexikon/internationale-vereinigung-revolutionaerer-schriftsteller/
- ↑ https://litkult1920er.aau.at/litkult-lexikon/bund-der-proletarisch-revolutionaeren-schriftsteller-oesterreichs/
- ↑ https://litkult1920er.aau.at/themenfelder/proletarisch-revolutionaere-literatur-in-oesterreich-1918-1934/
- ↑ https://litkult1920er.aau.at/litkult-lexikon/bund-der-proletarisch-revolutionaeren-schriftsteller-oesterreichs/
- ↑ https://litkult1920er.aau.at/portraets/koerber-lili/