Augustinerkirche - Rundgang Innen
Rundgang Innenraum
Das Innere stellt sich als dreischiffige langgestreckte Halle dar die auf fünf Pfeilerpaaren ruht, die Decke ist mit Kreuzrippen ausgestattet (der Chor mit Netzrippen). Der neugotische Hochaltar wurde für die Votivkirche gestaltet, fand aber hier seinen Aufstellungsort. Die Kanzel wurde von Hetzendorf errichtet.[1]
Die Kirche trug, wie für Bettelorden üblich, ursprünglich keinen Turm, stattdessen war an der Westfassade ein kleines Fassadentürmchen angebracht.
Im 18. Jahrhundert begann der Trend, gotische Kirchen, die mit barockem Schmuck ausgestattet waren, wieder in ihre ursprüngliche Schlichtheit zurückzuversetzen. Diese Idee ließ Kaiser Josef II. 1784 umsetzen: Er beauftragte den Hofarchitekten J. F. Hetzendorf mit der „Regotisierung“ der Augustinerkirche.
Station 1: Weihwasserbecken im Eingangsbereich
Gleich im Eingangsbereich steht das Weihwasserbecken und markiert jenen stillen Schwellenort, an dem der Weg vom weltlichen Außenraum in den sakralen Innenraum beginnt. Das Becken ist aus hellem Stein gearbeitet und ruht auf einem gedrungenen, klar gegliederten Fuß. Seine Form wirkt schlicht und zurückhaltend; gerade dadurch fügt es sich gut in die ruhige, hohe Architektur der Augustinerkirche ein.
Liturgisch ist das Weihwasserbecken ein Ort des bewussten Eintretens. Das Weihwasser erinnert an Taufe, Reinigung und Erneuerung. Wer hier innehält, überschreitet nicht nur räumlich eine Grenze, sondern tritt auch in einen anders geprägten Raum ein: vom Straßenlärm in die Stille, vom Alltag in die Andacht.
Besonders schön ist an dieser Stelle der Blick nach vorne. Schon vom Eingangsjoch aus öffnet sich das hohe, gotisch geprägte Langhaus mit seinen aufsteigenden Pfeilern, den Kronleuchtern und den Bankreihen.
Station 2: Die Orgelbänke
Die Orgelbänke wurden um 1730 geschaffen. Ursprünglich standen sie in der Schwarzspanierkirche im 9. Bezirk und wurden später in die Augustinerkirche übertragen. Damit gehören sie zu jenen Ausstattungsteilen, die aus einem anderen Wiener Kirchenraum hierher gelangten und heute als versetztes historisches Inventar weiterleben.
Station 3: Andachtsnische links vom Eingang
Links vom Eingang öffnet sich eine kleine Andachtsnische, die deutlich intimer wirkt als das weite Langhaus. Der Raum ist von spitzbogigen Öffnungen und einem schlicht gehaltenen, gotisch geprägten Gewölbe gefasst.
Im Zentrum der linken Wand steht ein großes Kruzifix mit dem gekreuzigten Christus. Es ist der eigentliche Blickfang dieser Nische und verleiht dem Bereich einen stark kontemplativen Charakter.
An der gegenüberliegenden Wand hängt ein Bild des Barmherzigen Jesus. Die Darstellung folgt dem weit verbreiteten Typus der Göttlichen Barmherzigkeit: Christus erscheint in hellem Gewand, die rechte Hand ist zum Segen erhoben, aus seiner Brust gehen Lichtstrahlen hervor. Das Bild gehört damit in die neuere Andachtstradition des 20. Jahrhunderts und unterscheidet sich deutlich von der älteren historischen Ausstattung der Kirche.
Zusammen mit den Opferlichtern und den schlichten Bänken entsteht hier ein kleiner Andachtsraum innerhalb der Kirche – ein Ort für stilles Verweilen, ein kurzes Gebet oder eine Kerze beim Eintreten. Während sich das Langhaus nach vorne hin weit und feierlich öffnet, wirkt diese Nische fast wie eine erste innere Sammlung am Rand des Weges.
Station 4: Gemälde "St. Franz Xaver sterbend"
Dieses hoch angebrachte Gemälde zeigt St. Franz Xaver sterbend. Im Mittelpunkt liegt ein sterbender Mann auf dem Lager; zu seinen Seiten stehen Maria und Christus. Franz Xaver (1506–1552) war ein Mitbegründer des Jesuitenordens und ein einflussreicher Missionar.
Das Gemälde ist ein Werk von Johann Georg Greipel (1710–1785).
Station 5: Bekehrung des hl. Paulus
Das Gemälde über dem Eingang zeigt die Bekehrung des hl. Paulus und wird Johann Georg Greipel zugeschrieben.
Dargestellt ist der dramatische Augenblick auf dem Weg nach Damaskus: Saulus wird durch die göttliche Erscheinung aus seinem bisherigen Leben herausgerissen. Die Komposition lebt vom starken Gegensatz zwischen der dunklen irdischen Zone unten und dem lichterfüllten Himmelsbereich darüber.
Besonders typisch sind der zusammenbrechende oder niedergeworfene Hauptakteur, das Pferd und die Erscheinung Christi im oberen Bildteil. Gerade diese Bildsprache macht das Thema sofort erkennbar: Es geht um die radikale innere Umkehr des späteren Apostels Paulus.
Station 6: Seitenaltar mit Maria und Anna
Dieser Seitenaltar gehört zu jenen zwei Aufsätzen von Seitenaltären, die Johann Baptist Straub in den Jahren 1730 bis 1732 für die Wiener Benediktiner-Abteikirche Unserer Lieben Frau von Monte Serrato, also die Schwarzspanierkirche, schuf. Nach der Auflösung und Profanierung der Schwarzspanierkirche wurde deren bewegliche Einrichtung bis 1787 auf andere Gotteshäuser verteilt.
Dieser Seitenaltar zeigt im oberen Feld das Ölgemälde Maria und Anna von Spielberger. Die Szene stellt die hl. Anna mit der jungen Maria dar und gehört damit zu jenen familiären und zugleich symbolisch aufgeladenen Darstellungen aus dem Marienleben, die im Kirchenraum als stilles Andachtsbild wirken. Gerade die Komposition ist dafür typisch: Die ältere Frau ist als Anna zu lesen, das junge Mädchen als Maria. Die Darstellung betont nicht ein dramatisches Ereignis, sondern einen ruhigen, innigen Moment. Dadurch entsteht ein Bild von Herkunft, Erziehung und heiliger Familie.
Im unteren Bereich ist heute ein kleineres Marienbild als Andachtsbild eingesetzt.
Station 7: Statue des hl. Augustinus
Diese Figur zeigt den hl. Augustinus, den Namenspatron der Kirche und geistigen Vater des Augustinerordens.
Augustinus erscheint hier im Bischofsornat mit Mitra und Stab. Das unterstreicht seine Rolle als Bischof von Hippo und als einer der großen Kirchenlehrer des Westens. Besonders bedeutend ist das flammende Herz: Es ist das wichtigste Attribut des Heiligen und steht für seine brennende Gottesliebe, seine innere Umkehr und seine geistige Leidenschaft.
Am Sockel sind Bücher beziehungsweise Schriftrollen zu sehen. Sie verweisen auf Augustinus als Gelehrten, Prediger und Autor, dessen Schriften die Theologie des Abendlandes tief geprägt haben.
Station 8: Altar für die verfolgten Christen und "Geburt Christi"
Dieser Seitenaltar wird heute als Altar für die verfolgten Christen verstanden.
Das große obere Gemälde zeigt die Geburt Christi. Damit bleibt der ursprüngliche ikonographische Kern des Altars erhalten: die Geburt des Erlösers als klassisches Weihnachts- und Heilsmotiv.
In den älteren barocken Altaraufbau wurde in der Mittelzone ein modernes, farbintensives Triptychon eingefügt. Gerade dieser Kontrast ist stark: oben das dunklere, historische Altarbild im geschwungenen Rahmen, darunter das bewusst zeitgenössische Bildzeichen, das die Gegenwart in den Kirchenraum hereinholt.
Das moderne Triptychon stammt vom nigerianischen Künstler Samuel Palmtree und wurde 2015 für die Wiener Augustinerkirche geschaffen. Es wurde als modernes Golgotha-Bild gedeutet und verweist auf das Leiden verfolgter Christinnen und Christen in der Gegenwart. Der Entstehungshintergrund liegt ausdrücklich in den Erfahrungen religiöser Gewalt in Nigeria.
Station 9: Die Wiener Bach-Orgel
Diese Orgel ist die sogenannte Wiener Bach-Orgel, die kleinere der beiden Orgeln der Augustinerkirche. Sie steht an der Ostwand am Ende des Langhauses und bildet damit ein eigenes musikalisches Zentrum innerhalb des Kirchenraums. Im Gegensatz zur großen Hauptorgel auf der Nordwand wirkt sie intimer und stärker auf den nahen Raum bezogen.
Die Wiener Bach-Orgel heißt eigentlich Reil-Orgel. Sie wurde 1985 nach historischem Vorbild von den Brüdern Reil im Auftrag der Wiener Festwochen geschaffen, um zum 300. Todestag von Bach dessen Werke in Originalklang zu spielen. Die Weihe der Orgel fand durch Kardinal König statt.
Die Orgel wurde in historischer Bauweise geschaffen. Sie besitzt eine mechanische Spiel- und Registertraktur und umfasst 25 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Station 10: Die Kanzel
Die Kanzel der Augustinerkirche gehört zu jenen Ausstattungsteilen, die im Zuge der großen Regotisierung des Innenraums unter Kaiser Joseph II. erneuert wurden. Sie wirkt nicht barock bewegt, sondern bewusst gotisierend: schlanke Formen, Maßwerkgliederung und ein hoch aufragender, schirmartiger Schalldeckel greifen die mittelalterliche Formensprache der Kirche auf.
Der Kanzelkorb ruht auf einer einzelnen, schlanken Stütze und ist mit feinen, vertikalen Gliederungen versehen. Darüber spannt sich der runde Schalldeckel, dessen Unterseite sternförmig dekoriert ist. Gerade dieser Aufbau verleiht der Kanzel etwas Leichtes und Feierliches. Sie steht nicht wie ein schweres Möbelstück im Raum, sondern fast wie ein eingefügtes architektonisches Bauteil.
Station 11: Tod des Johannes Nepomuk
An der linken Chorwand neben der Kanzel befindet sich ein Ölgemälde von Johann Franz Greippel aus dem Jahr 1784.
Es stellt des toten Johannes Nepomuk dar, umgeben von engelsgleichen Figuren in einer himmlischen Erscheinung.
Station 12: Ehrentafel "21. k.u.k. Feldjägerbataillon"
Rechts neben der Kanzel befindet sich eine Ehrentafel für die Gefallenen des ehemaligen k.u.k. Feldjägerbataillons Nr. 21. Die Tafel wurde am 5.6.1932 enthüllt.
Es handelt sich um eine Gedenktafel für Soldaten des Ersten Weltkriegs. Sie zeigt einen Adler über einem Wappen mit der Zahl "21". Darunter befindet sich die Inschrift, die von einem Lorbeerkranz umrahmt ist.
Station 13: Der Hochaltar
Der heutige Hochaltar ist der fünfte Hochaltar in der Geschichte der Augustinerkirche. Geschaffen wurde er vom Bildhauer Andreas Halbig und in den Jahren 1857 bis 1870 ausgeführt. Ursprünglich war dieses monumentale Werk nicht für die Augustinerkirche bestimmt, sondern für die Wiener Votivkirche. Dort wurde es jedoch nicht aufgestellt, da Heinrich Ferstel dies ablehnte. Erst 1873/74 kam der Altar in die Augustinerkirche, wo seine stark vertikale, turmartige Komposition im Hochchor ihre volle Wirkung entfaltet.[2]
Der aus Sandstein gefertigte und polychrom gefasste Hochaltar orientiert sich bewusst an der Formensprache der Hochgotik des 15. Jahrhunderts. In seiner Gesamtwirkung erscheint er wie ein fialenbekrönter Tabernakelaltar, beinahe wie eine übergroße Monstranz. Seine Detailformen sind von der brabantischen Gotik angeregt. Gerade dadurch wirkt der Altar nicht wie ein einfacher Retabelaufbau, sondern wie eine eigene architektonische Bildwelt im Chor.
In der Mitte erscheint Christus als Weltenherrscher, umgeben von Engeln und zahlreichen Heiligen, darunter auch die Namenspatrone Kaiser Franz Josephs. Auf der hohen Predella befinden sich Reliefs zur Geburt und zum Tod Jesu; dazwischen ist das vergleichsweise schmal eingefügte Tabernakel eingesetzt. Darüber erhebt sich in reicher Nische die Gestalt Christi, flankiert von weiteren Heiligenfiguren. Den oberen Abschluss bilden drei durchbrochene Turmspitzen, die den Blick nochmals deutlich nach oben ziehen.
Im Zuge der Innenrestaurierung von 1997 bis 1999 wurde beim sogenannten Christkönigsaltar die ursprüngliche neugotische farbige Fassung wiederhergestellt. Gleichzeitig legte man in den Wandzonen des Chorschlusses die neugotische Ausmalung frei, die ebenfalls von Andreas Halbig stammt und 1870 vollendet worden war. Dadurch konnte der Hochaltar wieder stärker in jener gestalterischen Einheit erscheinen, für die er ursprünglich gedacht war: als eigenständiges, farbiges und reich gegliedertes Zentrum des Hochchors.
- Die Oratorien
Die verglasten Einbauten an der Seitenwand des Chores sind die Oratorien der Augustinerkirche, also abgeschlossene Hoflogen, von denen aus Mitglieder des Kaiserhauses und ihr Gefolge die Gottesdienste mitverfolgen konnten. Gerade in einer Kirche, die über Jahrhunderte kaiserliche Hofpfarrkirche war, sind diese Logen ein besonders sprechendes Detail: Sie verbinden Frömmigkeit mit Hofzeremoniell, Nähe zum liturgischen Geschehen und zugleich räumlicher Distanz.
Station 14: Gedenktafel des k.u.k. Infanterieregiments Nr. 48
Diese Gedenktafel erinnert an die gefallenen und verstorbenen Kameraden des ungarischen k.u.k. Infanterieregiments Nr. 48. Die auf der Tafel genannten Jahreszahlen 1798 und 1918 verweisen auf die 120-jährige Geschichte des Regiments; sie wurde 1931 zum Gedenken an das Bestehen des Regiments errichtet.
1798 +1918
Zur ehrenden
Erinnerung an
Alle während
Des 120 jähr.
Bestandes Ge-
Fallenen und
Verstorbenen
Kameraden des
Ungarisch k.u.k.
Inf.Rgmts. No. 48
Hos batarsink otrok emiekere
Die Kameraden und
Angehörigen 1931
Die Tafel trägt oben ein Kreuz und unten das Wappen des Regiments.
Station 15: Seitenaltar mit der Vision der hl. Maria Magdalena
Dieser Seitenaltar am Chorbogen auf der Epistelseite trägt das Gemälde Vision der hl. Maria Magdalena von Johann Michael Rottmayr.
Das Bild befand sich ursprünglich in der Schlosskapelle Schönbrunn am Hochaltar und gelangte später in die Augustinerkirche.
Station 16: Gedenktafel des Feldkanonenregiments 42
Gedenktafel des Feldkanonenregiments 42
Diese Gedenktafel erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Feldkanonenregiments 42.
Dem Andenken
an die im Welt
kriege 1914-1918
heldenmütig
Gefallenen des
Feldkanonen
regimentes 42
von ihren Kame
raden in Treue
gewidmet
Station 17: Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Das Gemälde zeigt den zwölfjährigen Jesus im Tempel, ein Werk von Michael Angelo Unterberger.
Dargestellt ist der jugendliche Christus im Kreis der Schriftgelehrten, mitten in einem Moment des Lehrens und Fragens. Gerade diese Szene gehört zu den bekanntesten Darstellungen aus der Kindheitsgeschichte Jesu: Schon als Zwölfjähriger erscheint er als jener, der die Gelehrten erstaunt und auf eine höhere Sendung verweist.
Durch diese Türe gelangt man in die Loretokapelle mit der Herzgruft und die Georgskapelle.
Station 18: Statue des hl. Ambrosius
Diese Figur zeigt den hl. Ambrosius und bildet das Gegenstück zur Statue des hl. Augustinus auf der anderen Seite des Langhauses. Beide stehen als Hauptheilige des Ordens im Bischofsornat an den Seitenwänden der Kirche und verweisen damit auf die geistige Tradition, in der sich die Augustinerkirche versteht.
Ambrosius erscheint hier mit Mitra und Bischofsstab. Besonders wichtig sind seine Attribute: In der einen Hand hält er eine Schreibfeder, zu seinen Füßen steht ein Bienenkorb. Beides verweist auf ihn als großen Kirchenlehrer und Prediger. Die Feder steht für seine Schriften und seine theologische Autorität, der Bienenkorb für die „Honigsüße“ seiner Worte und seiner Predigt.
Station 19: Seitenaltar mit der Kreuzabnahme Christi
Das große Gemälde zeigt die „Kreuzabnahme Christi nach Francesco Solimena“, geschaffen von Johann Georg Auerbach. Im Mittelpunkt steht der Leichnam Jesu, der vom Kreuz herabgelassen wird. Mehrere Figuren sind in diese Handlung eingebunden; dadurch entsteht jene dichte, bewegte Komposition, die für barocke Passionsdarstellungen typisch ist.
Der Altar selbst verbindet ältere barocke Bildkultur mit späterer Andachtsnutzung. Im unteren Bereich ist heute ein kleineres Bild eines Bischofsheiligen eingesetzt.
Station 20: Karl-Altar
Der Altar ist seit 2005 dem seligen Kaiser Karl von Österreich gewidmet. Karl I. (* 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug in Niederösterreich; † 1. April 1922 in Funchal auf Madeira) wurde am 3. Oktober 2004 seliggesprochen.
Im unteren Bereich sieht man ein Bildnis Kaiser Karls I.; darunter befindet sich ein Reliquiar mit einer Rippe des Kaisers.
Spannend ist die Überlagerung von alt und neu: Das große, dunkle Querbild darüber stellt St. Franz Xaver sterbend" dar.
Detail: Gedenktafel für Kaiser Karl I.
Gedenktafel für Kaiser Karl I.
Die an der Brüstung angebrachte Gedenktafel erinnert an den seligen Kaiser Karl I. und seine besondere Stellung innerhalb des Ordens vom Goldenen Vlies. Die Tafel wurde im April 2005 angebracht und bewahrt die Erinnerung an Karl als siebzehnten Chef und Souverän des Ordens.
Der Orden vom Goldenen Vlies
der durch Jahrhunderte seine Ordensfeierlichkeiten
in der Hofpfarrkirche St. Augustin abgehalten hat
gedenkt in Ehrfurcht und Dankbarkeit
seines siebzehnten Chefs und Souveräns,
des seligen Kaisers
KARL I.
von Österreich, apostolischer König von Ungarn
Ordenssouverän von 1916-1922,
April 2005
Station 21: Das Canova-Grabmal der Marie Christine
Das monumentale Grabmal für Erzherzogin Marie Christine ist eines der berühmtesten Kunstwerke der Augustinerkirche. Geschaffen wurde es von Antonio Canova in den Jahren 1798 bis 1805. Auftraggeber war ihr Gemahl Albert von Sachsen-Teschen, worauf auch die Inschrift verweist: uxori optimae Albertus – Albert der besten Gattin.
Streng genommen handelt es sich nicht um ein eigentliches Grab, sondern um einen Kenotaph, also ein Scheingrab. Marie Christine selbst wurde in der Kapuzinergruft bestattet (wo sie neben anderen Habsburgern und später auch neben Albert ruht – eine bemerkenswerte Ausnahme, da Albert selbst kein Habsburger war); ihr Herz befindet sich in der Herzgruft der Augustinerkirche. Das Denkmal ist daher ein Erinnerungs- und Ehrenmal, kein Bestattungsort im engeren Sinn.
Canova arbeitete an diesen Werke vier Jahre lang; die Kosten dafür betrugen 85.000 fl.
- Freimaurerische Symbolik
Statt einer deutlich christlichen Symbolik treten Formen und Motive in den Vordergrund, die von manchen Deutungen auch mit freimaurerischen Vorstellungen in Verbindung gebracht werden (der Auftraggeber selbst war Mitglied der Dresdner Loge "Zu den drei Goldenen Schwertern"). Canova gestaltet das Monument als steile Wandpyramide. Als maurerisches Symbol gilt nicht nur dieses Dreieck, sondern auch der Ouroboros – die sich selbst in den Schwanz beißende Schlange – rund um das Medaillon Marie Christines sowie die Stufen, die zu einem tempelartigen Eingang hinaufführen.
In der Mitte der Pyramide öffnet sich ein dunkles, illusionistisch wirkendes Tor – ein Eingang in das Totenreich. Über Stufen zieht ein Trauerzug auf dieses Tor zu. Zu sehen sind Personifikationen der Tugend und der Caritas: Eine weibliche Gestalt trägt die Urne, eine weitere führt einen alten, gebrechlichen Mann. Die Figuren schreiten nicht dramatisch, sondern feierlich und still in den dunklen Eingang hinein.
Rechts lagert ein Löwe, Sinnbild von Kraft, Würde und beherrschter Trauer. Darüber hält ein Genius das Bildnismedaillon der Verstorbenen. Gerade diese Komposition macht das Werk so eindrucksvoll: Das Denkmal verzichtet auf barocke Überfülle und setzt stattdessen auf klare Geometrie, stille Bewegung und symbolische Dichte.
- Detailansichten des Canova-Grabmals für Erzherzogin Marie Christine in der Augustinerkirche
Caritas, die Nächstenliebe, führt einen blinden Greis am Arm
Die Tugend trägt eine Urne, begleitet von Mädchen mit Todesfackeln
Schlafender Todeslöwe, trauernder Genius und Wappenschild von Sachsen-Teschen
Station 22: Denkmal des k.u.k. Dragonerregiments Nr. 14
Dieses Denkmal erinnert an die gefallenen und verstorbenen Soldaten des k.u.k. Dragonerregiments Fürst zu Windisch-Graetz Nr. 14. Schon die Inschrift macht den Charakter des Monuments klar: Es ist ein Kameradschafts- und Gefallenengedächtnis für ein Regiment der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee.
Im Unterschied zu den flachen Wandtafeln wirkt dieses Denkmal deutlich plastischer und repräsentativer. Über dem hohen Steinsockel steht ein berittener Dragoner mit Fahne. Die Figur zeigt keinen stillen Trauernden, sondern einen Soldaten in aufrechter Haltung. Gerade dadurch verbindet das Monument zwei Ebenen: militärische Selbstdeutung und christliches Totengedenken.
Auf dem Sockel liest man: Dem Andenken der gefallenen und verstorbenen Helden des k.u.k. Dragonerregiments Fürst zu Windisch-Graetz Nr. 14. Darunter steht ein einfaches Kreuz. Am unteren Rand nennt das Denkmal auch seine Stifter: Gewidmet von den Kameraden. 1931. Damit gehört es – wie mehrere andere Erinnerungszeichen in der Augustinerkirche – in die Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit.
Besonders sprechend ist die Form des Denkmals. Der hohe Sockel hebt das Regiment gleichsam in ein ehrendes Gedächtnis, während die Reiterfigur darüber an Bewegung, Dienst und militärische Tradition erinnert.
Dem
Andenken der
gefallenen und
verstorbenen
Helden des k.u.k.
Dragoner
regiments
Fürst zu Windisch-Graetz
Nr. 14
Gewidmet von den
Kameraden. 1931.
Station 23: Gedenktafel für kroatische Geistliche
Diese Gedenktafel erinnert an kroatische Geistliche, die im Augustinum gelebt und gewirkt haben.
Genannt werden vier bedeutende Persönlichkeiten: Josip Juraj Strossmayer (1815–1905), Bischof von Bosnien und Syrmien; Juraj Dobrila (1812–1882), Bischof von Pula, Poreč und Triest; Antun Bauer (1856–1937), Erzbischof von Zagreb; sowie Franjo Rački (1828–1894), Kanonikus und Historiker.
In der Mitte ist ein kroatisches Wappenschild eingefügt. Die Tafel wurde 1990 von der Österreichisch-Kroatischen Gesellschaft gestiftet. Sie gehört damit zu den jüngeren Erinnerungsschichten im Kirchenraum.
Dem Andenken an die kroatischen Geistlichen
die im Augustinum gelebt u. gewirkt haben:
Josik J. Strossmayer
1815 - 1905
Bischof v. Bosnien u. Syrmien
Antun Bauer
1856 - 1937
Erzbischof von Zagreb
Juraj Dobrila
1812 - 1882
Bischof v. Pula, Porec u. Triest
Franjo Packi
1828 - 1894
Kanonikus, Historiker
Österreichisch-kroatische Gesellschaft 1990
Station 24: Die Rieger-Orgel
Diese Orgel ist die große Hauptorgel der Augustinerkirche. Sie steht auf der Empore und bildet das mächtigste musikalische Zentrum des Kirchenraums. Mit ihrem hoch aufragenden Prospekt, den schlanken Pfeifenfeldern und der neugotisch anmutenden Gliederung fügt sie sich sehr gut in die regotisierte Architektur der Kirche ein.
Die heutige Orgel wurde 1976 von der Orgelbaufirma Rieger errichtet. Dabei setzte man das neue Werk in das historische Gehäuse von Johann Hencke ein, das aus der Zeit um 1730 stammt und sich ehemals in der Schwarzspanierkirche (Benediktiner-Abteikirche Unserer Lieben Frau von Monte Serrato) befunden hatte. Dieses Gehäuse war ursprünglich für ein älteres Instrument bestimmt, dessen Werk im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Besonders auffällig ist die Engelsgruppe auf dem Gehäuse, die vom Rokoko-Bildhauer Johann Baptist Straub stammt: einem trompetenden Engel links und einem paukenden Engel rechts.
Die Hauptorgel verfügt über 48 Register auf vier Manualen und Pedal. Damit ist sie nicht nur liturgisch, sondern auch konzertant ein sehr bedeutendes Instrument. In einer Kirche, die für ihre anspruchsvolle Kirchenmusik bekannt ist, kommt dieser Orgel eine zentrale Rolle zu.
Gerade im Zusammenspiel mit den Kronleuchtern, der Emporenbrüstung und den hohen Gewölben wirkt diese Station besonders eindrucksvoll.
→ weiter zu Augustinerkirche - Rundgang Außen | Die Kapellen der Augustinerkirche | Augustinerstraße
← zurück zu Augustinerkirche
Quellen
- ↑ Felix Czeike, Wiener Bezirksführer: I, Innere Stadt, Jugend und Volk, 2. Auflage, 1985, S. 12 ff
- ↑ https://augustinerkirche.augustiner.at/augustinerkirche/rundgang-durch-die-kirche/



