Allgemeiner Österreichischer Frauenverein

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Allgemeiner Österreichischer Frauenverein


Verein
Gründung 1893
Auflösung 1919
Sitz Wien, Gentzgasse 6
Profil politischer Frauenverein, Frauenrechte, Frauenwahlrecht, Rechtsschutz, soziale Reformen
Bedeutende Mitbegründerinnen Auguste Fickert, Marie Lang, Rosa Mayreder
Bedeutende Funktionärinnen Auguste Fickert, Leopoldine Kulka, Mathilde Hanzel-Hübner, Marie Rosenthal
Vereinsorgane Das Recht der Frau, Dokumente der Frauen, Neues Frauenleben

Der Allgemeine Österreichische Frauenverein war eine der bedeutendsten Organisationen der historischen Frauenbewegung in Österreich. Er wurde 1893 in Wien gegründet und gilt als der radikale Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung sowie als erster Frauenverein in Österreich, der im engeren Sinn ausdrücklich politisch auftrat.[1]

Geschichte

Die Gründung des Vereins stand im Zusammenhang mit der politischen Mobilisierung von Frauen im späten 19. Jahrhundert. Ein wichtiges auslösendes Moment war der Entzug des Wahlrechts für steuerzahlende Frauen in Niederösterreich. Diese Entwicklung führte insbesondere unter Lehrerinnen und politisch engagierten Bürgerinnen zu neuen Forderungen nach Mitbestimmung und rechtlicher Gleichstellung. In diesem Umfeld entstand 1893 der Allgemeine Österreichische Frauenverein.[2]

Zu den prägenden Persönlichkeiten der ersten Jahre zählten Auguste Fickert, Marie Lang, Rosa Mayreder, Ottilie Turnau, Marie Musill und später auch Therese Schlesinger. Eine Besonderheit war, dass Männer zwar unterstützende Mitglieder werden konnten, das Mitspracherecht im Verein aber den Frauen vorbehalten blieb. Die Mitgliederzahl lag bei etwa 200 bis 300 Frauen.[3]

Eine zentrale Figur des Vereins war Auguste Fickert, die zunächst als Vizepräsidentin wirkte und von 1897 bis zu ihrem Tod 1910 Präsidentin war. Unter ihrer Führung entwickelte sich der Verein zu einer markanten Stimme für rechtliche, soziale und politische Forderungen von Frauen.[4][5]

Anliegen und Bedeutung

Der Verein trat für eine umfassende Verbesserung der Rechtsstellung von Frauen ein. Dazu gehörten Forderungen nach besserer Bildung, erweiterten Berufsmöglichkeiten, rechtlichem Schutz, Reformen im Ehe- und Familienrecht sowie nach politischer Mitsprache. Das Frauenwahlrecht nahm im Vereinsprogramm breiten Raum ein.[6][7]

Im Unterschied zu gemäßigteren bürgerlichen Frauenvereinen sprach der Allgemeine Österreichische Frauenverein bewusst auch kontroverse und gesellschaftlich heikle Themen an. Gerade deshalb blieb er für viele Zeitgenossinnen zu radikal, nahm aber innerhalb der Frauenbewegung eine wichtige Vorreiterinnenrolle ein.[8]

Vereinsorgane und Publikationen

Schon ab 1893 verfügte der Verein über ein publizistisches Organ. Zwischen 1893 und 1897 erschien das monatliche Beiblatt Das Recht der Frau, das mit Unterstützung des demokratischen Abgeordneten Ferdinand Kronawetter veröffentlicht wurde. 1899 gründete der Verein die eigene Zeitschrift Dokumente der Frauen, herausgegeben von Auguste Fickert, Marie Lang und Rosa Mayreder. Ab 1902 erschien schließlich Neues Frauenleben, das ebenfalls eng mit dem Verein verbunden war.[9][10][11][12]

Diese Zeitschriften waren weit mehr als Vereinsnachrichten. Sie dienten als Forum für Debatten über Frauenwahlrecht, Erwerbsarbeit, Rechtsschutz, Bildung, Moralvorstellungen und politische Reformen. Damit prägten sie die Sprache und die Themen der österreichischen Frauenbewegung um 1900 maßgeblich.[13]

Sektionen und praktische Arbeit

Der Verein entfaltete nicht nur publizistische, sondern auch konkrete organisatorische Tätigkeit. Zu seinen wichtigsten Einrichtungen zählte die Rechtsschutzstelle, die Frauen rechtlich beriet und besonders unbemittelten sowie unverheirateten Frauen Unterstützung bot. Daneben bestanden eine Beamtinnen-Sektion, eine Sektion Friedenspartei sowie eine Sektion Mutterschaftsversicherung.[14][15][16][17]

Zwischen 1902 und 1906 war der Verein zudem Mitglied des Bund Österreichischer Frauenvereine. Auch diese Vernetzung zeigt, dass der Allgemeine Österreichische Frauenverein nicht isoliert stand, sondern aktiv in die größeren Debatten der organisierten Frauenbewegung eingebunden war.[18][19]

Vorkommen in CityABC

Für CityABC ist der Verein vor allem über seinen Sitz in der Gentzgasse 6 von Interesse. Darüber hinaus gehört er zu den wichtigsten Organisationen der Wiener Frauen- und Reformbewegung um 1900. Seine Geschichte berührt Themen wie Frauenwahlrecht, soziale Reform, weibliche Erwerbsarbeit, Rechtsschutz und politische Öffentlichkeit in Wien.[20]

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Quellen

  1. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  2. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  3. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  4. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  5. Frauen in Bewegung 1848–1938: Fickert, Auguste
  6. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  7. Frauen in Bewegung 1848–1938: Dokumente der Frauen
  8. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  9. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  10. Frauen in Bewegung 1848–1938: Das Recht der Frau
  11. Frauen in Bewegung 1848–1938: Dokumente der Frauen
  12. Frauen in Bewegung 1848–1938: Neues Frauenleben
  13. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  14. Frauen in Bewegung 1848–1938: Rechtsschutzstelle (Allgemeiner Österreichischer Frauenverein)
  15. Frauen in Bewegung 1848–1938: Beamtinnen-Sektion (Allgemeiner Österreichischer Frauenverein)
  16. Frauen in Bewegung 1848–1938: Sektion Friedenspartei (Allgemeiner Österreichischer Frauenverein)
  17. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  18. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein
  19. Frauen in Bewegung 1848–1938: Bund Österreichischer Frauenvereine
  20. Frauen in Bewegung 1848–1938: Allgemeiner Österreichischer Frauenverein