9. Bezirk - Alsergrund

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Der 9. Bezirk, Alsergrund, liegt im nördlichen Zentrum Wiens. Er ist 2,99 km² groß und damit der siebentkleinste Bezirk Wiens. Seine größte Nord-Süd-Ausdehnung erreicht der Bezirk mit 2,35 km von der Gürtelbrücke zur Universitätsstraße. Die größte Ost-West-Ausdehnung liegt zwischen Augartenbrücke und Zimmermannplatz (2 km). Die Ausläufer des Wienerwaldes bildeten auch am Alsergrund mehrere Anhöhen, auf denen im Mittelalter teilweise Weinbau betrieben wurde. Der Schottenpoint befand sich im Bereich der heutigen Berggasse, der Herzogspoint nahe der Lazarettgasse und der Sechsschimmelberg im Bereich der Sechsschimmelgasse.



Bezirksteile

Der Bezirk Alsergrund wurde 1850 aus sieben Vorstädten gebildet.

Alservorstadt

Angrenzend an die Innere Stadt liegt "Alservorstadt", die 1861 einen Teil an den 8. Bezirk verlor. Der Bezirk wird durch das Alte AKH, in dem sich heute universitären Einrichtungen, der Campus und die Medizinische Universität Wien befinden, dominiert. Hier befinden sich auch das St. Anna Kinderspital und die Votivkirche. Ein Teil des Areals trug zwischen 1407 und 1768 den Riednamen "Fronbergen", manchmal auch "Fronbergen vor dem Schottentor", hier lagen überwiegend Weingärten. [1]

Schon im Mittelalter tauchten für die Vorstadt mehrere Namen auf: "Vor dem Schottentor auf dem Mist", Am Schottenberg", "Zu den Hofstätten", "Am Schottenbühel" oder auch "Unten den Fleischbänken vorm Schottentor". Die älteste Siedlung lag im Bereich der Als, gleich vor der der Stadtmauer, und war durch einen kleinen Wall geschützt.

  • Rechts neben der Alservorstadt liegt "Michelbeuern", dessen südlicher Teil fast gänzlich vom Neuen AKH eingenommen wird.
  • Oberhalb davon liegt der "Himmelpfortgrund", der hauptsächlich mit Wohnhäusern besiedelt ist, auch das Sanatorium Hera steht hier.
  • Der zentral und westlich gelegene "Thurygrund" ist zweigeteilt, er besteht ebenfalls hauptsächlich aus Wohngebiet.
  • Im "Lichtental" findet sich eine gleichnamige Pfarrkirche, an der Franz Schubert tätig war.
  • Der oberste, nordöstlich gelegene Bezirksteil, ist der "Althangrund". Hier finden sich öffentliche Einrichtungen wie der Franz-Josefs-Bahnhof, die ehemalige Wirtschaftsuniversität Wien, die BOKU (Universität für Bodenkultur) und das Bundesamtsgebäude Josef-Holaubek-Platz. Auch die Müllverbrennungsanlage Spittelau ist Teil von Althan.
  • Am Donaukanal gelegen findet sich letztlich die "Rossau", hier stehen die Rossauer Kaserne, das Servietenkloster im gleichnamigen Servietenviertel und - in der Seegassse - ein Jüdischer Friedhof.

Das Bezirkswappen

Bezirkswappen

Das Bezirkswappen, das die Siegel der ehemaligen Vorstädte zeigt, wurde 1904 von Hugo Gerard Ströhl entworfen.

  • Michelbeuerngrund: links oben sieht man heute, auf rot-blauem Hintergrund, die Flügel des Erzengels Michael, bis 1986 befand sich hier ebenfalls eine Elster, sie wurde entfernt, um die heraldische Sauberkeit herzustellen. Die Flügel zierten einst das Wappen des ursprünglichen Grundherren, die "Abtei Michelbeuern".
  • Himmelpfortgrund: Oben in der Mitte ist ein Osterlamm mit Standarte (Kreuzfahne) zu sehen. die Abbildung ist angelehnt an das Siegel der Grundherren des Himmelpfortklosters
  • Thury: In der rechten oberen Ecke findet sich eine Darstellung von Johannes dem Täufer, den Namenspatron des Gründers des Thurygrundes, Johann Thury. In seiner rechten Hand hält er ein Kirchenmodell, in der linken ein Kreuzpanier. Neben ihm steht ein Lamm.
  • Alsergrund: Im Zentrum des Schildes ist der Namensgeber des Bezirks, die Alservorstand, auch Alsergrund, zu sehen. Man sieht eine auf einem Ast sitzende Elster vor gelbem Grund. Die Elster steht mit der Als in Verbindung, der Fluss wurde umgangssprachlich auch Elster (Alster) genannt.
  • Lichtental: Das linke Feld in der unteren Reihe zeigt ein sonnenbeschienenes Tal, an beiden Plateaus findet sich ein Haus. Es handelt sich also um ein "sprechendes" Bild.
  • Althan: Der Hubertushirsch mit einem Kreutz im Geweih symbolisiert den obersten Hof- und Landjägermeiste, Christoph Johann Graf Althan
  • Roßau: Die Baumgruppe auf blauem Untergrund steht für die einstige Aulandschaft der Rossau.

Bezirksvorsteher

Seit der Eingemeindung zu Wien hatte der 9. Bezirk 17 Bezirksvorsteher: [2]

von bis Bezirksvorsteher
1862 1889 Ignaz Gerstle
1889 1897 Franz Löblich
1897 1903 Josef Schwanzar
1902 1919 Josef Stary
1919 1934 Josef Schober
1934 1938 Franz Erban
1945 1946 Heinrich Hart
1946 1950 Johann Rajnoha
1950 1954 Rudolf Wohlmuth
1954 1959 Johann Rajnoha
1959 1964 Roman Köchl
1964 1964 Dr. Franz Bauer
1964 1969 Roman Köchl
1969 1979 Karl Schmiedbauer
1978 1991 Wolfgang Schmied
1991 2003 Hans Benke
2003 2018 Martina Malyar
2018 laufend Saya Ahmad

Geschichte des Bezirks [3]

Römerzeit und Frühmittelalter Die frühsten Ausgrabungen am Alsergrund stammen aus der Römerzeit, als der Limes durch den Bezirk führte. Zu den erhaltenen Überresten dieser Zeit zählen Reste der Straße, Grundmauern eines Limesturmes, Überreste der Lagervorstadt sowie einige Votivsteine und Altäre.

Erste Besiedelungen erfolgten um das Jahr 800 durch bayrische Kolonisten, die mit St. Johann an der Als eine von mehreren stützpunktartig angelegten Kirchensiedlungen entlang des Limes gründeten. Ein weiterer früher Besiedelungspunkt befand sich im heutigen Bezirksteil Michelbeuern, wo ein Hof der Benediktinerabtei St. Michael zu Beuern erstmals 1072 urkundlich genannt wurde.

Der Alsergrund im Hoch- und Spätmittelalter Um St. Johann an der Als entwickelte sich im Hochmittelalter eine erste Siedlung (Siechenals), die über ein Hospital und eine Kirche auf einem Hügel rechts der Als verfügte. 1158 überantwortete Heinrich der II. Jasomirgott dem Schottenstift den Grundbesitz und das Pfarrrecht des Gebietes zwischen dem Tiefen Graben, der Kirche St. Johann und der Als bis zur Mündung in die Donau. Wichtigste Einnahmequelle des Gebietes war der Weinbau am sogenannten „Schottenpoint“.

Auch am heutigen Donaukanal entwickelte sich ein kleines Fischerdorf, dessen Kirche 1255 als St. Johann im Werd erstmals genannt wurde. Am Schottenpoint ist des Weiteren 1239 das Maria-Magdalen-Kloster belegt, in nächster Nähe befand sich der Neuburgerhof (Klosterneuburger Hof) des Stifts Klosterneuburg. Neben dem Weinbau wurde auch Löss abgebaut und Ziegel erzeugt. Einer der Öfen löste 1276 einen Großbrand aus, der neben dem Fischerdorf auch die Stadt Wien vernichtete. Nur 150 Häuser der Stadt blieben verschont.

Das Fischerdorf wurde in der Folge wiederaufgebaut, befand sich im 13. und 14. Jahrhundert in ständig wechselndem Besitz verschiedener Klöster. Die sogenannte Fischervorstadt verfügte jedoch immerhin über eine eigene Pfarrkirche. Die Bewohner lebten vor allem vom Fischfang. 1477 und 1485 war das heutige Bezirksgebiet vom Ungarnkönig Matthias Corvinus besetzt, der die Stadt Wien belagerte. 1486 konnte Matthias Corvinus schließlich in Wien einziehen.

Der Alsergrund in der frühen Neuzeit Als 1529 die Türken unter Süleyman II. Wien erreichten, wurden die äußeren Verteidigungsanlagen aufgegeben. Durch das in Brand Stecken der Vorstädte sollte den Türken die Deckungsmöglichkeiten genommen werden, wobei der Maßnahme auf dem heutigen Bezirksgebiet das Maria-Magdalena-Kloster, der Klosterneuburger Hof, die Kirche St. Johann im Werd, sowie die Kirche und das Lazarett von Siechenals mit dem gleichnamigen Dorf zum Opfer fielen.

Die ehemaligen Verteidigungsanlagen wurden 1538 abgebrochen und um die Stadt ein Glacis errichtet. Das Stadtumland wurde durch begradigte Straßenachsen neu erschlossen und auf dem ehemaligen Klosterareal Weingärten angelegt. Während der Ort Siechenals verödete, wurden das Lazarett und die Kirche wiedererrichtet. Am Donaukanal siedelten sich zudem Mitte des 16. Jahrhunderts Glashütten an. Durch die Erweiterung des Glacis musste unter anderem das Fischerdörfchen am Donaukanal abgebrochen werden.

Der noch bestehende Aucharakter der Rossau wandelte sich im Zuge des 17. Jahrhunderts durch die Errichtung von Zweitwohnsitzen durch wohlhabende Bürger und Adelige sowie die Ansiedelung von Orden im Zuge der Gegenreformation zusehend. Die Besiedelung erfasste zunehmend auch andere Bezirksteile, jedoch war Mitte des 17. Jahrhunderts nur das Gebiet bis zum Unterlauf der Als aufgelockert verbaut.

Immer bedeutender wurde der Alsergrund auch als Zentrum für Spitäler und Infektionshäuser. Das alte Lazarett im heutigen Arne-Karlsson-Park, dessen Vorgänger das Siechenhaus war, umfasste zwei Gebäude, in deren Mitte die Kirche lag. Grassierte keine Seuche, so wurde der Hof an Mieter vergeben. Als die Pest 1678 aus Ungarn eingeschleppt wurde, scheiterten jedoch alle Vorsichtsmaßnahmen. Bis zum Dezember 1679 wurden allein auf dem Bezirksgebiet etwa 64.000 Menschen begraben. Kurz darauf führte die 1683 erfolgte Zweite Wiener Türkenbelagerung erneut zur Vernichtung der Vorstädte, die von den Verteidigern in Brand gesetzt worden waren. Der daraufhin erfolgte Wiederaufbau führte Ende des 17. Jahrhunderts zur Errichtung der niederösterreichischen Landschaftsakademie, eines Soldatenspitals (später Altes AKH) und des Klosters der Trinitarier (Weißspanier). Gleichzeitig wurden die Vorstädte im Schutz des 1704 errichteten Linienwalls größer und großzügiger wieder aufgebaut.

18. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert kam es zu einem Bauboom, wobei Adelige ihre Palais auf den günstigen Gründen außerhalb der Stadtmauern insbesondere in der südlichen Alservorstadt errichteten. Der nördliche Alsergrund entwickelte sich weiter zu einem Zentrum der Heil- und Pflegeanstalten und in ließen die Grundherren Äcker parzellieren und von Handwerkern und Wirten mit Häusern bebauen. Auch Johann Adam Andreas Fürst von Liechtenstein errichtete in der Rossau ein großes Palais (das spätere Liechtenstein Museum) und begründete die Grundherrschaft Lichtental, die er ab 1699 verbauen ließ.

Des Weiteren erwarb die Stadt Wien 1713 das Palais Althan mit zugehöriger Liegenschaft, die 1724 zur Besiedelung freigegeben wurde und sich zur Vorstadt Althangrund entwickelte. Auch eine Reihe von kirchlichen Gebäuden entstand im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Neben dem Spanischen Spital entstand die Kirche „Santa Maria de Mercede“ und die Lichtentaler Pfarrkirche während die Servitenkirche erneuert, die Peregrini-Kapelle zugebaut und das zerstörte Schwarzspanierkloster an anderer Stelle wiedererrichtet wurde.

Auch erste Manufakturen siedelten sich im 18. Jahrhundert in den Vorstädten an. So startete 1718 in der Rossau (Liechtensteinstraße 43) die erste Porzellanmanufaktur, 1754 kam in nächster Nähe eine Kattunfabrik hinzu. In Lichtental war die Weberei das zahlenmäßig wichtigste Gewerbe, während am Michelbeuern-, Himmelpfort- und dem nördlichen Thurygrund die größte Dichte an Ziegeleien in und um Wien herrschte. Zudem wurde der Alsergrund ein Zentrum der Seidenraupenzucht, während an der Als mehrere Mühlen bestanden.

Unter Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. wurden zudem einige wichtige Bauwerke wie die Alser Kaserne, die k.k. Gewehrfabrik, das k.k. Militär-Garnisons-Hauptspital und das Josephinum errichtet. Nach einem Besuch im Großarmenhaus verfügte Joseph II. 1783 zudem die Aufhebung der Einrichtung und eröffnete die Anlage 1784 als „Allgemeines Krankenspital“ (Altes AKH) wieder. Die Amtszeit von Joseph II. führte im Zuge der Josephinischen Reformen zudem zur Aufhebung des Schwarzspanierklosters und des Klosters der Trinitarier, das von den Minoriten übernommen wurde. Nach der Auflösung des Klosters der Himmelspförtnerinnen in der Inneren Stadt ging dessen Grundherrschaft in Staatseigentum über, wobei sich für das Gebiet später der Name Himmelpfortgrund einbürgerte. Auf der Grundherrschaft des Stifts Michaelbeuern entstand der Michelbeuerngrund.

Die immer dichtere Verbauung des Gebietes führte jedoch auch zu einer gesteigerten Überlieferung von Überschwemmungen, die im späten 18. Jahrhundert insbesondere die tieferliegenden Vorstädte Althangrund, Lichtental und Rossau heimsuchten.

19. Jahrhundert Nachdem in den Jahren 1805 und 1809 Brände und ein Pestausbruch infolge der Besetzung durch französische Truppen während der napoleonischen Kriege den Alsergrund heimgesucht hatten, erholten sich die Wirtschaftsbetriebe wie die Porzellanmanufakturen erst ab 1815 wieder.

In die folgende Biedermeierzeit fielen unter anderem das Wirken des hier geborenen Franz Schubert sowie Tanzveranstaltungen in den zahlreichen Gastwirtschaften des Lichtentals oder der Rossau, in denen unter anderen Joseph Lanner und Johann Strauss Vater aufspielten. Zudem wurden in dieser Zeit Großprojekte wie das St.-Anna-Kinderspital und die Irrenheilanstalt auf dem Brünnlfeld verwirklicht. Die Als wurde eingewölbt und der Michelbeuerngrund mit Häusern und Fabriken verbaut.

Zur besseren Wasserversorgung erfolgte ab 1836 der Bau der Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung. Wirtschaftlich entwickelte sich die Rossau während des Biedermeiers zu einem der wichtigsten Zentren des Wagenbaus und der Sattler. In der Alservorstadt siedelten sich zahlreiche Buchdrucker und Schriftsetzer an. Doch auch in dieser Zeit blieb das spätere Bezirksgebiet nicht von Katastrophen verschont. Im Winter 1829/30 forderte ein massiver Eisstoß in Donau und Donaukanal 25 Menschenleben im Bezirk.

Die Ausbeutung der Arbeiter in der Frühzeit der Industrialisierung führte zur Bildung zahlreicher Elendsviertel um Wien, zu denen an erster Stelle auch Lichtental und der Thurygrund gehörten. Nach massiven Preissteigerungen bei Lebensmitteln und dem Hungerwinter 1847/48 kam es zur bürgerlichen Märzrevolution und der darauffolgenden Wiener Oktober-Revolution, wobei die kaiserlichen Truppen insbesondere über den Alsergrund auf Wien vorrückten und die Kämpfe an der Nussdorfer Linie zu starken Schäden an Häusern im Lichtental und in der Spittelau führten.

Nach dem Regierungsbeschluss zur Unterstellung von 34 Vorstädten unter den Wiener Gemeinderat, 1849, wurde die Eingemeindung de jure 1850 in Kraft gesetzt. Das bereits dicht verbaute Gebiet zwischen Stadtmauer und Linienwall kam so zu Wien. Das heutige Bezirksgebiet entstand aus den bisherigen Vorstädten Althangrund, Himmelpfortgrund, Lichtental, Michelbeuern, Rossau und Thurygrund. Hinzu kam die Alservorstadt, die als größte Vorstadt dem neuen Bezirk zu seinem Namen verhalf, von der aber 1861 der Teil südlich der Alser Straße abgetrennt und zum heutigen 8. Bezirk geschlagen wurde.

Nach der Abtrennung Margaretens vom 4. Bezirk, Wieden, 1861, wurde aus dem ursprünglichen 8. Bezirk der heutige 9. Bezirk, da die bisherigen Bezirke 5–8 in 6–9 umnummeriert wurden, um für Margareten die Nummer 5 freizumachen.

Zur Zeit der Eingemeindung, 1850, war das Alsergrunder Gebiet noch in sehr unterschiedlicher Dichte verbaut. Unverbauten Raum gab es insbesondere zwischen Spital- und Porzellangasse und in den Randgebieten wie der hochwasserbedrohten Zone am Donaukanal. Durch die Zusammenfassung der sieben Vorstädte bildete sich ein sozialer Schmelztiegel, in dem die Bewohner des Ärzteviertels der Alservorstadt ebenso lebten wie die Ziegelarbeiter des Michelbeuerngrundes, die Strobler des Althangrundes, die Holzarbeiter der Rossau, die Wäschermädeln des Himmelpfortgrunds, die Lichtentaler Handwerker oder die Thurygrunder Taglöhner. Hinzu kamen die Slowaken des Krowotendörfels und die Juden der Rossau.


Alserbachstraße, 1899 Die Gründerzeit (etwa 1850 bis 1914) führte generell zu einer grundlegenden Veränderung der Bausubstanz, wobei während der Hochgründerzeit (1870 bis 1890) in der Nähe der neu angelegten Ringstraße zahlreiche Repräsentationsbauten wie Mietpalais und Nobelmietshäuser für die Oberschicht entstanden. Zum Gürtel hin bebaute man das Bezirksgebiet hingegen mit Miethäusern vom Bassenatyp.

Wichtige Entwicklungsgebiete des neuen Bezirks waren die bisherigen Bauverbotszonen des Glacis und um den Linienwall. Am Rossauer Glacis wurde in den Jahren 1854–1859 auf 71 Bauplätzen zwischen Berggasse und Türkenstraße große Wohnhäuser wie das Palais Schlick und das Palais Festetics errichtet. 1856 erfolgte der Baubeginn für die Votivkirche, zudem entstand 1861 am Beginn der Währinger Straße das provisorische Parlamentsgebäude. Ebenso fiel die Errichtung der Rossauer Kaserne und des Magistratischen Bezirksamtes in der Währinger Straße in diese Zeit.

Die Verbauung des Bezirksgebietes am Donaukanal erfolgte erst nach der Jahrhundertwende, als z. B. um den Franz-Josefs-Bahnhof der Spittelauer Platz mit zahlreichen Jugendstilgebäuden entstand. Zur Verbesserung der Nahversorgung wurde die Markthalle Nussdorfer Straße errichtet.

20. Jahrhundert

Blick vom Gürtel über den Alsergrund (Canisiuskirche und Spittelau) 1905 wurde die Bezirksgrenze, bis dahin einen Häuserblock östlich des Gürtels gezogen, an den Gürtel verlegt, wo sie seither an der westlichen Kante des Stadtbahn-, heute U-Bahn-Viadukts verläuft. Dadurch gelangte die Volksoper vom 18. in den 9. Bezirk.

Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg sowie die darauffolgende Weltwirtschaftskrise führte im „Roten Wien“ zur Errichtung der Kinderübernahmestelle im Bezirk, wobei Kinder auf Grund von Obdachlosigkeit, Verwahrlosung oder Gefährdung durch die Eltern aufgenommen wurden. Der Wohnungsnot wurde mit dem Bau von Gemeindebauten wie dem Gall-Hof, dem Sigmund-Freud Hof und dem Wagner-Jauregg-Hof (heutige Namen!) begegnet.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten führte 1938 zur Änderung zahlreicher Besitzverhältnisse im Bezirk. Die Poliklinik und das Allgemeine Krankenhaus gelangten in das Eigentum der Stadt Wien, das St. Anna Kinderspital wurde in die Verwaltung des Deutschen Roten Kreuzes aufgenommen. Im Wasagymnasium wurde zudem die Gauleitung von Niederdonau untergebracht, da diese nicht in der noch unausgebauten Gauhauptstadt Krems residieren wollte.

Das NS-Regime und seine österreichischen Anhänger begannen sofort mit der massiven Diskriminierung, Entrechtung, Beraubung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Das (jüdische) Sanatorium Loew wurde geschlossen, der jüdische Direktor des AKH, Otto Glaser, wurde ebenso wie seine jüdischen Ärztekollegen seines Amtes enthoben. Die Vereinssynagoge Müllnergasse wurde während des Novemberpogroms 1938 von einem SS-Trupp in Brand gesteckt. Hatten sich 1923 noch 25,1 % der Bezirksbevölkerung (23.746 Menschen) und 1934 23,3 % (rund 19.400 Menschen) zum Judentum bekannt, so waren am 1. Oktober 1939 nur noch 12.191 Juden auf dem Bezirksgebiet sowie im benachbarten 8. Bezirk registriert. 1943 waren nur noch 7.242 Personen jüdischen Glaubens am Alsergrund verblieben. Der Großteil von ihnen wurde in der Folge in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet.

Zur Verteidigung kriegswichtiger Bauten wurden über dem Franz-Josefs-Bahnhof, dem Umspannwerk Michelbeuern, der Nationalbank und den Brücken über den Donaukanal Stände für die Leichte Flak errichtet. Die Zerstörungen durch die alliierten Luftangriffe sowie die Bodenkämpfe bei der Schlacht um Wien im April 1945 zwischen der Roten Armee, der Wehrmacht und der Waffen-SS führten zur Beschädigung von 560 der etwa 1.000 Häuser im Bezirksgebiet. 1491 Wohnungen waren bei Kriegsende nicht benutzbar.

Der Alsergrund, wie ganz Wien von der Roten Armee erobert, kam nach einem Übereinkommen der Alliierten am 1. September 1945 unter die Verwaltung der United States Forces of Austria. Zur Versorgung des US-Sektors von Wien dienten der Franz-Josefs-Bahnhof und ein sicherheitshalber errichteter kleiner Feldflughafen an der Spittelauer Lände. Der Wiederaufbau wurde vom Staat durch den Wohnungswiederaufbaufonds mittels langfristiger Kredite finanziert. Ab 1954 wurde der Wohnbau zusätzlich durch das Wohnbauförderungsgesetz forciert. Neben dem kommunalen Wohnbau wurde auch der Bau von Eigentums- und Genossenschaftswohnungen unterstützt. 1962 wurde zudem mit der Assanierung Lichtentals begonnen. Hierzu wurden niedrige Altbauten abgerissen und die Grundstücke zusammen mit Baulücken zu größeren Wohneinheiten zusammengefasst. Zahlreiche Gemeindebauten wurden errichtet, zudem entstanden Grünflächen und der Lichtentaler Park.

Politisch gesehen unterlag der Bezirk Alsergrund einem ständigen Wandel. Stimmenstärkste Partei waren abwechselnd die SPÖ und die ÖVP. Seit 1991 stellt die SPÖ ununterbrochen den Bezirksvorsteher, 2005 wurde die ÖVP als zweitstärkste Partei von den Grünen abgelöst.

Verfügbare Seiten zum Alsergrund

Die Liste aller neuen und alten Straßennamen:, von hier gelangt man zu den Häusern der Straße.

Außerdem sind folgende Kategorien verfügbar:



Quellen

  1. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 2. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 424
  2. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1., Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 61
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Alsergrund