Österreichischer Apothekerverband

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Österreichischer Apothekerverband


Verein
Gründung 1861
Gründer Martin Ehrmann
Hervorgegangen aus mährischer Apothekerverein (gegründet 1855 in Olmütz)
Ziel Verteidigung und Förderung der Interessen des Apothekerstandes, Unterstützung zeitgemäßer Reformen sowie Pflege der Pharmazie in wissenschaftlicher und praktischer Richtung
Vereinsorgan ab 1863 Zeitschrift des Allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereins
Wichtiger Standort 9., Spitalgasse 31
Spätere Entwicklung 1938 aufgelöst, 1948 wiederbegründet, seit 1957 Österreichischer Apothekerverband

Der Allgemeine österreichische Apothekerverein wurde 1861 in Wien von Martin Ehrmann gegründet. Er trat die Nachfolge des 1855 in Olmütz entstandenen mährischen Apothekervereins an und wurde rasch zur wichtigsten Interessenvertretung des Apothekerstandes in der Habsburgermonarchie.[1][2]

Geschichte

Der Verein verstand sich als Standesorganisation, Reformplattform und wissenschaftliche Fachvereinigung zugleich. Laut seinen Zielen diente er der Verteidigung und Förderung der Interessen des Apothekerstandes, der Unterstützung zeitgemäßer Reformen und der Pflege der Pharmazie in wissenschaftlicher wie praktischer Richtung.[3]

Bereits 1863 erwarb der Verein die seit 1847 erschienene Österreichische Zeitschrift für Pharmacie. Sie erschien danach bis 1921 als Zeitschrift des Allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereins und wurde damit zum wichtigsten publizistischen Organ des Vereins.[4][5][6]

Ausbildung und wissenschaftliche Einrichtungen

1865 eröffnete der Verein eine Schule für die damals als Tironen bezeichneten Lehrlinge in den Wiener Apotheken. Gleichzeitig entstanden ein chemisch-pharmazeutisches Laboratorium, eine Drogensammlung und eine Bibliothek. Damit war der Verein nicht nur standespolitisch tätig, sondern auch ein bedeutender Träger fachlicher Ausbildung und wissenschaftlicher Infrastruktur.[7]

Zu den weiteren Leistungen des Vereins gehörten die Mitwirkung am dritten Internationalen pharmazeutischen Kongress in Wien 1869, die erste Internationale pharmazeutische Ausstellung in Wien 1883, die Errichtung des ersten Laboratoriums für Nahrungsmitteluntersuchung in Wien 1888 sowie eines bakteriologischen Laboratoriums im Jahr 1891. Diese Aktivitäten zeigen, wie eng Standespolitik, Forschung und öffentliche Gesundheit in der Geschichte des Vereins miteinander verbunden waren.[8]

Apothekerhaus

Ein Meilenstein war der Ankauf des Grundstücks 9., Spitalgasse 31 im Jahr 1872. Auf diesem Areal entstand zwischen 1907 und 1909 anstelle älterer Gebäude das Apothekerhaus, das bis heute das Zentrum der österreichischen Apothekerorganisationen bildet.[9][10][11]

Das Apothekerhaus beherbergt heute auch die Österreichische Apothekerkammer und weitere Standeseinrichtungen. Damit blieb der Wiener Standort in der Spitalgasse über mehr als ein Jahrhundert ein zentraler Ort der österreichischen Pharmaziegeschichte.[12][13]

Auflösung und Nachfolge

1938 wurde der Verein aufgelöst. 1948 erfolgte die Wiederbegründung, und 1957 nahm die Organisation den Namen Österreichischer Apothekerverband an. Die historische Kontinuität des Vereins spiegelt sich damit bis in die Gegenwart wider.[14]

Bedeutung

Der Allgemeine österreichische Apothekerverein war eine der wichtigsten berufsständischen und wissenschaftlichen Einrichtungen des österreichischen Gesundheitswesens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Seine Tätigkeit umfasste nicht nur die Vertretung standespolitischer Interessen, sondern auch Ausbildung, Publizistik, Laborwesen, Bibliothek und internationale Vernetzung.[15]

Für CityABC ist der Verein vor allem durch Martin Ehrmann, die pharmazeutische Zeitschrift, das Apothekerhaus und den Standort Spitalgasse 31 interessant. Damit verbindet das Thema Wiener Berufs-, Wissenschafts- und Stadtgeschichte auf besonders anschauliche Weise.[16][17]

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Quellen