Wollzeile 11

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Grund-Information
Haus-Wollzeile 11-01.jpg

Wollzeile 11

Aliasadressen =Wollzeile 11, =Essiggasse 1
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 775 | vor 1821: 822, 821 | vor 1795: 810, 811
Baujahr 1819
Architekt Josef Adelpodinger (wahrscheinlich nach Entwurf Kornhäusels)


Das Haus Schaumburg - Architektur und Geschichte

Das Wohnhaus Schaumburg wurde 1819 von Josef Adelpodinger erbaut. An der Hausecke ist eine Steintafel mit einer Darstellung der Stadtmauer angebracht. Im Hof kann man ein bemaltes Relief entdecken, das die Marienkrönung darstellt. [1]

Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich hier die letzte Badestube.

Badestube

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich hier die letzte Badestube, die bereits im Mittelalter genutzt worden war. Diese Badestube war im 14./15. Jahrhundert in Besitz von Hanns Zink. Zink wird zwischen 1371 und 1454 oft in der Wiener Stadtgeschichte erwähnt, er hatte hier zahlreiche Funktionen. So zum Beispiel war er Forstmeister, herzöglicher Anwalt im Stadtrat und Kellermeister. Er besaß auch ein Bierhaus in der Weidenstraße. [2]

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus Carl Schaumburg

Das Haus war das Sterbehaus von Carl Schaumburg, einem Buchhändler und Verleger, der durch die Heirat mit einer Wienerin (Fam. Bohm) hier deren Buchhandlung weiter betrieb. („sehr bedeutendes englisches, französisches und italienisches Sortiment“).

Aus der Buchhandlung Schaumburgs, die sich an Stelle der heutigen Buchhandlung Morawa befand, wurde 1854 ein Kaffeehaus (das Café Gagstetter). Besitzer war Johann Gagstetter, der das Lokal pompös ausstatten ließ.

Unternehmen

Morawa

Das große Auslieferungs- und Buchhandelsunternehmen wurde bereits 1877 gegründet. Damals hatte Hermann Goldschmiedt ein Geschäft eröffnet, das sich auf den Vertrieb von Zeitungs-Abos in Kaffeehäusern, Ämtern und Privatpersonen spezialisierte. Nachdem es von der Holdinggesellschaft „Literaria“ gekauft wurde, kam Emmerich Morawa damit in Kontakt: Er war in der Holding ab 1921 für den Teilbetrieb verantwortlich, den er schließlich 1924 in „Morawa & Co“ umbenannte. Das Unternehmen war mehrheitlich in deutscher Hand, so wurden sehr viele Printmedien aus dem Deutschen Raum hier vertrieben. 1934 erlaubte die österreichische Regierung die Einfuhr der deutschen Blätter nicht mehr, zumal sie immer mehr den Nationalsozialistischen Gedanken verbreiteten, was jedoch in Österreich verboten war. Aufgrund der Monopolstellung erreichte Morawa jedoch, dass das Gesetz kaum vollzogen wurde.

Kurz nach dem Anschluss im März 1938 war Morawa der größte Verteiler National-sozialistischer Propaganda, Emmerich Morawa erhielt in dieser Zeit ein von Hitler signiertes Exemplar von „Mein Kampf“. Damit wurde er für seinen Einsatz für die NS-Presse geehrt. Während des Weltkrieges blühte das Geschäft, selbst die Verhaftung von Emmerich Morawa nach 1945 und seine Enthebung von der Führung tat dem keinen Abbruch.

Emmerich trat 1970 in den Ruhestand und übergab die Geschäftsleitung an seinen Schwiegersohn Franz Selch. 1981 übernahm dessen Sohn Emmerich Selch mittlerweile sein Enkel Wolfgang Rick.

Morawa wächst immer noch, 1992 fusionierte er mit dem Buchvertrieb Mohr, 2005 übernahm er die Buchhandlungen der Styria, seit 2007 gibt es eine Kooperation mit der Mediaprint.



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Quellen

  1. Czeike Felix: Wiener Bezirkskulturführer, I - Innere Stadt, 2. Verbesserte Auflage, Jugend und Volk, Wien. 1985, S. 176
  2. Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 2. Teil. Wien 1951 (Manuskript im WStLA), S. 257