Seitzergasse 6

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Grund-Information
Tuchlaubenhof, Tuchlauben 7, 7a Wien.JPG

Der Seitzerhof, Tuchlaubenhof

Aliasadressen =Seitzergasse 6, =Tuchlauben 7-7a, = Steindlgasse 1-3
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 427 | vor 1821: 460 | vor 1795: 230
Baujahr 1912
Architekt Alfred Teller, Ernst Spielmann


Der Seitzerhof, Tuchlaubenhof - Architektur und Geschichte

Der 1912 erbaute Tuchlaubenhof ersetzte den Seitzerhof. Die beiden Gebäudeteile sind durch eine Glasdachkonstruktion und einen Quertrakt miteinander verbunden, durch die eine Straße führt.

Der Tuchlaubenhof wurde am 10.9.1945 durch eine Bombe nahezu zerstört, im April 1945 erlitt das Haus durch einen Granatentreffer weitere Schäden.

Vorgängerhäuser

Das Haus im Mittelalter

Eines der Vorgängerhäuser ist bereits bis in die Zeit der Babenberger zurückverfolgbar. Zur Zeit Leopolds des Glorreichen (1198-1230) gehörte das Haus dem reichsten Bürger der Stadt, dem herzoglichen Münzmeister Dietrich, der auch das Amt des Stadtrichters innehatte. Dietrich war wohl der erste Dagobert Duck, von ihm sagte man, er zähle sein Geld nicht, er schöpfte es mit Schaufeln und wog es. Er richtete sich eine eigene Hauskapelle, die Nikolauskapelle, ein.

Die folgenden Besitzer wechselten in rascher Folge: Durch die Hinrichtung des Besitzers Johann von Stadlau (er beging Hochverrat) gelangte das Haus 1310 in den Besitz von Friedrich dem Schönen, der es Wernhard und Heinrich Chrannest (dem Wiener Bürgermeister) gab, um damit seine Schulden zu tilgen. 1325 schenkte es Herzog Friedrich der Kartause Mauerbach, der Grund wurde zum neuen „Mauerbachhof“ gelegt, der dann Seitzerhof genannt wurde (ab 1403).

"Zu den Röhren"

Der Schild-Name des Hauses, der auf den Namen „Zu den Röhren“ lautete, bezieht sich auf eine römische Wasserleitung, die hier verlaufen war. Der Nachweis für ihre Existenz wurde während Grabungsarbeiten 1838 erbracht. Der Name ließ annehmen, dass sich hier ein Badehaus befunden hatte, dieses war jedoch im Haus Kleeblattgasse 5. Das Wasser, das zur Speisung dieses Badehauses benötigt wurde, floss aber durch diese Leitungen.

Seitzerhof

Der Name leitete sich von der steirischen Kartause Seitz ab, dort hatte die Kartause Mauerbach ihre erste Siedlung. Friedrich der Schönen gründete in Mauerbach die Kartause nahe Wien im Jahr 1314. Der Stiftshof in Wien wurde als Niederlassung der Kartäuser neu gebaut, wobei Teile des alten Gebäudes, so auch die Nikolaus-Kepelle, erhalten blieben.

Während der Türkenbelagerung 1529 stürmten die Türken die Kartause in Mauerbach und verwüsteten dabei die dortige Gruft. Provokant schleppten sie die Särge von Friedrich dem Schönen und seiner Tochter Elisabeth auf die Wiese neben dem Kloster und warfen ihre Überreste durcheinander, in der Hoffnung, einen Schatz zu finden. Die Hoffnung wurde nicht erfüllt. Heimkehrende Flüchtlinge fanden die Gebeine, sammelten sie ein und brachten sie in den Seitzerhof in Wien. Schon wenige Wochen später hatten die Mönche die Särge wieder nach Mauerbach zurückgebracht.

Seitzerkeller

Den Mauerbacher Mönchen wurde das Recht der freien Weinausschank gewährt, von dem sie reichlich Gebrauch machten: Sie schufen einen der größten mittelalterlichen Weinkeller Wiens. Diese Weinschenke brachte den Mönchen ein hohes Vermögen – aber auch Ärger mit den örtlichen Weinbauern - ein. Als der Streit zwischen den Wiener Bürgern und den Mönchen, die Wein von Außen einführten, eskalierte, entschied Albrecht V., dass die Mönche das zwar weiterhin durften, aber „Beschaidentlich und nicht mit Rufern … und nicht Frühstück oder ander Essen bey den Weinschenken in ihren Häusern noch Kellern geben“.

1782 wurden die Klöster in Wien aufgehoben, damit auch der Seitzerhof und seine Kapelle. Käufer war der Kaufmann Johann Georg Reich, der Taufpate von Ignaz Franz Castelli war. Der Keller blieb als Gasthaus weiterhin bestehen und war für die riesigen Fässer berühmt, die hier gelagert waren. Das dunkle Labyrinth wurde mit 18.000 Kerzen jährlich ausgeleuchtet. Später gab es hier eine Tafelrunde, der Künstler angehörten, wie der Dichter Ignaz Franz Castelli und der Schriftsteller Adolf Bäuerle. Der Seitzerkeller zählt auch zu den "Beethoven-Gaststätten".

Bazar und Seitzerhof

Um 1939 befand sich hier das - nach dem Durchgang mit Geschäftslokalen benannte - Bierhaus "Bazar". Als das Haus demoliert worden war, zog hier das Gasthaus "Zum Seitzerhof" ein. Der Pächter namens Mayerhofer war bekannt dafür, dass er 28 Biersorten ausschenkte.

Das Elysium

In den Wintermonaten der Jahre 1933 bis 1838 wurden die Keller vom Kaffeesieder Josef Georg Daum gemietet, der hier sein Elysium eröffnete. Die Keller, die 10.000 Gäste erfassten, wurden prächtig ausgestattet und beinhalteten nun einen Konzertsaal, Speiseräume und ein Tanzlokal. Hier fanden die „schwarzen Redouten“ statt – berüchtigte Maskenbälle. Bekannt waren hier auch die „Transparenten Wandelbilder“, auf transparentem Papier wurden aktuelle Ereignisse gezeigt, sie waren die Vorläufer der Wochenschauen im Kino.

Der neue Seitzerhof, Neubau 1838

1838 wurde das alte Kloster abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der von Friedrich Strache für den Zuckerindustriellen Ritter von Mack entworfen wurde. Der große Prachtbau enthielt einen Bazar mit verschiedenen Geschäften und das Gasthaus, das sich „Basar“ nannte und in dem der Pächter Mayerhofer 28 verschiedene Biersorten ausschenkte. Als der Hof 1911 in den Besitz der Gräfin Almeida überging, ließ diese ihn abreißen und an seiner Stelle den Tuchlaubenhof errichten.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus des Rechtsanwaltes und Schriftstellers Johann Nepomuk Berger

Hier wohnte der politisch tätige Rechtsanwalt Johann Nepomuk Berger, Pseudonym Sternau (* 16. September 1816 Proßnitz, † 9. Dezember 1870, ebenhier). Berger betrieb eine Anwaltskanzlei und war nebenher wissenschaftlich und schriftstellerisch tätig. Nach ihm ist der Johann-Nepomuk-Berger-Platz (16. und 17. Bezirk) benannt.

Wohn- und Sterbehaus des Stadtbaumeisters Leopold Mayr

Ebenfalls im Seitzerhof hatte der Stadtbaumeister Lopold Mayr (* 1808, † 19. März 1866, ebenhier) eine Wohnung.

Mayr war mit 400 Gebäuden einer der meistbeschäftigten Baumeister seiner Zeit, unter seinen Gebäuden sind der Domherrenhof, das Haus Domgasse 2 oder der Zwettler Hof Wollzeile 4

Wohnhaus des Dietrich dem Reichen

Der Wiener Bürger und Kaufmann Dietrich der Reiche (* um 1170 Wien (?), † 1230/1235 Wien) war ein Günstling von Herzog Leopold VI. Dietrich war Münzmeister und Stadtrichter Wiens, und besaß dieses Haus. Im Jahr 1211 stiftete er seinem Haus eine Hauskapelle, "St. Niklas bei den Röhren".



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Quellen