Hoher Markt 5

Aus City ABC
(Weitergeleitet von Tuchlauben 22)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grund-Information
XXX.jpg

XXX

Aliasadressen =xxx
Ehem. Konskriptionsnummer xxx
Baujahr xxx
Architekt xxx


Das Haus - Architektur und Geschichte

1, Hoher Markt 5 (Konskriptionsnummer 545), Tuchlauben 22, Landskrongasse 10.

Hier wurden am Ende einer langen Treppe die Todesurteile verkündet. Die Schranne besaß auch eine eigene Kapelle, die „Zur Todesangst Christi“ hieß. Die Uhr auf dem Haus hatte auf der Rückseite die Inschrift „Diese Uhr schlägt keinem Glücklichen“.

Gegenüber stand das „Narrenkotterl“. Es bestand aus Käfigen, in denen Hexen, Dirnen und Säufer eingesperrt wurden, und damit der Volksbelustigung dienten. 1710 wurde es durch einen Pranger ersetzt.


Dieses Haus ist das historisch denkwürdigste Gebäude des Platzes, denn hier befand sich für fast genau 400 Jahre (1440 bis 1839) die Schranne, die allerdings nur einen Teil der Grundfläche des heutigen Hauses einnahm und und erst später durch Einbeziehung der angrenzenden Objekte vergrößert wurde.

Schranne

Ursprünglich befand sich hier das schon 1350 erwähnte Seithaus (Saithaus). Nach dem großen Brand 1437 wurde der Bauplatz von der Stadt eingezogen, die Kirche, die das Gebäude zuletzt besaß, entschädigt und an dieser Stelle die Schranne neu gebaut. Auch das bereits 1372 erwähnte Mautstüblein, ein schmaler, etwas eingerückter Anbau auf der Seite der Tuchlauben, wurde wieder neu errichtet. Der Zweck dieses Hauses, das weiterhin als Mautstüblein bezeichnet wurde, ist unklar, denn seit 1424 existierte ein Mauthaus beim alten Rathaus in der Wipplingerstraße. Bei einem Umbau im Jahr 1630 dürfte das Mautstübchen verschwunden sein. Das Schrannengebäude aus dem Jahr 1630 ist auf einer Zeichnung Fischer von Erlachs aus dem Jahr 1719 dargestellt. Auf einem Türmchen auf dem Gebäude war die "Armensünderglocke“ angebracht. Im Erdgeschoß befand sich die sogenannte Löwengrube, ein Gefängnis für säumige Schuldner, in dem Boden des Erdgeschoßes herausgerissen war und sich eine Galerie rund um den Raum befand. Die Gefangenen saßen aber in einem im Keller liegenden Raum. 1656 wurde der Schuldenarrest in das Rumorhaus am Tiefen Graben verlegt.

Im Jahr 1740 war das Gebäude dem Einsturz nahe. Die Freistiege, die in den ersten Stock führte und schon beim Umbau 1630 zum Abbruch vorgesehen war, wurde entfernt und die Schranne auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia unter der Leitung von Anton Erhard Martinelli mit einem Aufwand von 15.000 Gulden umgebaut und mit einer neuen Fassade ausgestattet. Dieses Gebäude wird auf einem Stich von Schütz und Ziegler aus dem Jahr 1797 dargestellt. Bereits auf dem Gebäude von 1630 befand sich eine von einem Giebel überdachte Uhr, die eine der ersten öffentlichen Uhren Wiens gewesen sein dürfte. Beim Umbau des Gebäudes im Jahr 1885 fand man auf der Rückseite der Uhr die Inschrift "Diese Uhr schlägt keinem Glücklichen“. In der Schranne befand sich auch eine Kapelle mit dem Namen "Zur Todesangst Christi". Vor dem Eingang in die Gerichtsstube waren zwei Tafeln angebracht, die in deutscher und lateinischer Sprache über ein Eigentumsdelikt eines zum Christentum konvertierten Juden berichteten und ausführlich dessen Folterung beschrieben.

Rechtsprechung in der Schranne

Seit dem Mittelalter amtierte in der Schranne ein Stadtrichter, der landesfürstlicher Beamter war. Das änderte sich auch nicht, als Bürger zu diesem Amt berufen werden konnten. Der Stadtrichter richtete in Zivil- und Strafsachen gemeinsam mit den zwölf Stadträten, die das Stadtgericht bildeten. Während der öffentlichen Verkündung des Urteils saß der Stadtrichter auf dem steinernen Richterstuhl und hatte das Schwert der Gerechtigkeit in der Hand.

Hinrichtungen

Unmittelbar vor Hinrichtungen, die meist sofort nach dem Urteilsspruch auf dem Hohen Markt vollstreckt wurden, wurde am Gebäude eine rote Fahne ausgesteckt. Am Schrannenturm läutete dann die Glocke, Frohnboten riefen das Urteil aus und der Verurteilte wurde mit gebunden Händen und im schwarzen Bußhemd auf eine aus Brettern gezimmerte Erhöhung geführt. Ihm voran ging der Bettelrichter, der ein Kruzifix trug. Danach verlas ein Mitrichter noch einmal das Urteil und übergab das Richtschwert dem Henker, der auf ein Zeichen hin das Urteil exekutierte. Misslang die Hinrichtung, konnte es passieren, dass der Scharfrichter von der Zuschauermenge gelyncht wurde, wie es zum Beispiel im Jahr 1501 geschah.

Die mittelalterliche Strafjustiz kannte außerdem noch den Tod durch das Rad (bei politischem und Landesverrat) und Ertränken (vor allem für Frauen bei Kindesmord, schwerer Unzucht, Ehebruch sowie vereinzelt auch bei Irrglauben). Das Ertränken ist bis 1603 als Urteil belegt. Aus dem 16. Jahrhundert ist auch das Verbrennen auf dem Scheiterhaufen bekannt (Ketzerei; Hexenverbrennung). Der Feuertod wird zum letzten Mal erst im Jahr 1768 verhängt!

1683 wurde ein Schnellgalgen errichtet, der zunächst als Warnung für Verräter dienen sollte. Solche Schnellgalgen wurden außerdem am Neuen Markt und auf der Freyung aufgestellt.

Andere Urteile

Auch für Verbrechen, die nicht mit dem Tod geahndet wurden, gab es grausame Strafen. So wurde zum Beispiel bei Verbrechen gegen die Gesellschaft, Staatsverrat, Münzfälschung und anderen Delikten das Blenden ("Augen auzzprechen“) als Strafe ausgesprochen. Andere Strafarten waren das Abschneiden der Ohren und der Zunge, das Aufschlitzen der Nase, das Abhacken der Finger oder Hände bei Meineid und Kirchenraub, aber auch das Zwicken mit glühenden Zangen und das Einbrennen von Rad und Galgen an der Stirn. Diese Brandmarken sollten die Umgebung des Verurteilten nach seiner Entlassung vor seiner Gefährlichkeit warnen. Ab 1656 wurden die Brandmarken nur mehr am Rücken angebracht und ab 1790 nicht mehr angewandt. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert wurde das "Hundetragen“ als Ehrenstrafe verhängt. Daher leitet sich auch die Redewendung "auf den Hund kommen“ ab. Im 15. Jahrhundert mussten Frauen, die öffentliches Ärgernis erregten, in Begleitung von Schergen schwere Steine durch die Stadt tragen ("Bockhsteintragen“).

Eine viel angewendete Strafverschärfung war zu gewissen Zeiten, vor allem aber unter Joseph II. das Straßenkehren. Den dazu Verurteilten mussten monatlich "zur Erhaltung der Gesundheit, Sauberkeit und Sicherheit“ die Haare abgeschnitten werden.

Öffentlicher Ruf

Bevor es Verordnungs-, Gesetzblätter und Zeitungen gab, wurde wichtige Informationen durch Rufer von dem Söller des Schrannengebäudes verkündet. Bevor dies geschah, läutete in St. Stephan ein eigenes Rufglöcklein. Dann schritt der Ausrufer vom Peilertor durch die Tuchlauben zur Schranne. Auf diesem Weg schlossen sich ihm viele Schaulustige an. Dort bestieg er den Söller und begann seine Verlautbarungen nach einem Trompetensignal mit den Worten "Nun hört und schweigt!“. Außerdem gab es die Weisung: "Und saget das ein Mann dem anderen!“

de Biel'sches Gebäude

Neben der Schlagstube und dem Mautstübchen lag noch ein weiteres Gebäude auf diesem Areal. Es wird erstmals im Jahr 1371 erwähnt und 1386 wird es, "gelegen an dem Hohen Markt an einem Teil nächst dem Mauthaus und an dem andern nächst der Schlagstube mit allen den Gemächen und Kellern und Rechten, die dazu gehören und ir chram [Verkaufsladen]“ verkauft. Am 27. Mai 1418 erhob der Mathes, der Pfarrer von Hietzing, der das Seithaus für die Kirche verwaltete, Beschwerde gegen ein Bauvorhaben, doch bereits am 1. Juli 1418 bekam das Haus einen neuen Besitzer und im Jahr 1439 kauften der Bürgermeister Hans Steger und der Rat der Stadt das Haus, von dem nach dem großen Brand im Jahr 1437 nicht mehr viel übrig geblieben zu sein scheint. Unter Umständen hatte die Stadt Wien die Absicht, die neue Schranne auf dem Grundstück aller drei Häuser zu errichten.

Tatsächlich wurde die Schranne als eigenständiges Gebäude errichtet, die beiden dahinter liegenden Häuser wurden jedoch durch ein einziges ersetzt. Bis 1541 fehlen jegliche Daten zu diesem Haus. Im Jahr 1636 erwarb es der Baumeister Simon Radac (Radegk), der auch an der Restaurierung der Schranne im Jahr 1630 beteiligt gewesen war. 1744 kam das Haus in den Besitz von Maria Anna de Biel, die es einer Stiftung widmete, deren Zweck nicht bekannt ist. 1775 wurde es gegen das große Jesuitenhaus am Heiligenkreuzerhof, das die de Biel'sche Stiftung erhielt, eingetauscht und ging in den Besitz der Stadt über.

Erweiterung der Schranne

1786 wurde das hinter der Schranne liegende de Biel'sche Gebäude mit der Schranne vereint. Dabei entstand ein Zubau mit gedecktem Vorbau und ein von Mauern umgebener Hof. Von Zeitgenossen wurde sowohl die Architektur als auch die innere Einrichtung kritisiert. Das de Biel'sche Gebäude war wesentlich größer als die Schranne.

Das Kriminalgericht am Hohen Markt bestand bis 1839. Von dort übersiedelte es in das neuerbaute Kriminalgerichtsgebäude in der Alser Straße. Die Schranne am Hohen Markt diente aber weiterhin als Zivilgericht des Wiener Magistrats. 1855 wurde das Gebäude umgebaut, wobei ein Teil des Hauses nun in Privatwohnungen umgewandelt wurde. Im April 1945 erlitt das Haus einen Bombentreffer, der aber keinen wesentlichen Schaden anrichtete. Als am 14 April 1945 das Nachbarhaus brannte, griffen die Flammen auch auf das Gebäude über und konnten erst nach schwierigen Löscharbeiten durch die Bewohner eingedämmt und schließlich gelöscht werden.

Schlagstube (1, Landskrongasse 10, Hoher Markt 5, Teil), Werkstätte zum Schlagen (Prägen) von Münzen.

Nach der Gründung der Wiener Münzstätte (1194) wurde im Erdgeschoß eines der Familie Paltram gehörigen Hauses, dessen Front in der heutigen Landskronstraße lag, die Schlagstube eingerichtet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1294. In nächster Nähe befand sich der Kammerhof (1, Bauernmarkt 3, Brandstätte 7), wo sich der älteste Sitz des herzoglichen Münzamts befand. Die Münzer (Handwerker für die Münzprägung) waren in der Münzerstraße (Bauernmarkt) angesiedelt. Nach der Verlegung des Münzamts in den ehemaligen Herzogspalast Am Hof (um 1280) blieb die Schlagstube noch bis mindestens 1428 an ihrem alten Standort. Ob sie sich noch zur Zeit des großen Brandes 1437 in dem Haus befand, bleibt unklar. Das Gebäude selbst wurde beim Brand jedenfalls zerstört.

Münzstätte, Leinwandhaus.

Schranne. 1) Das älteste Stadtgerichtshaus Wiens befand sich möglicherweise auf den Tuchlauben (Schönbrunnerhaus), ist jedoch bereits 1325 auf dem Hohen Markt nachweisbar und stand vor dem Ziegelhaus und dem Schmergrübel im Winkel gegen den Fischhof zu (1, Hoher Markt 11, Teil). Das Gebäude brannte 1437 ab.

2) 1438-1441 baute man die Schranne auf einem Teil des Areals des 1361 abgebrannten Saithauses auf der südlichen Seite des Hohen Markts neben dem (ebenfalls auf einem Teil des Saithausareals entstandenen) Leinwandhaus neu (1, Hoher Markt 5, Tuchlauben 22). Die Brandstätte des Saithauses war zuvor von der Gemeinde eingezogen worden. Zum ersten Stockwerk der neuen Schranne, die mit einem Laubengang geziert war, führte vom Hohen Markt eine große Freitreppe empor, die in einen Vorraum mündete. Am 27. Juli 1566 wurde eine Schrannenordnung erlassen. 1630 wurde das Haus gründlich renoviert, die Freitreppe durch eine Doppelstiege ersetzt und an der Hausfassade ein aus Stein gehauener Reichsadler und ein Löwe angebracht. Im Zuge dieses Umbaus dürfte der in den Grundbüchern vermerkte schmale Anbau, das Mauthaus, verschwunden sein. Dieses Mautstüblein wird bereits 1372 erwähnt; ab 1424 bestand aber bereits das Mauthaus beim (alten) Rathaus, sodass wir den Zweck des Häuschens bei der Schranne nicht kennen.

In dem kleinen Türmchen, das das Haus seit dem Umbau trug, hing die Armesünderglocke. J. B. Küchelbecker liefert 1732 eine genaue Beschreibung des damals dreigeschossigen Schrannengebäudes (Amtsräume in den Obergeschossen, im untersten größtenteils Gefängnisse). Nach bereits 1731 von J. E. Fischer von Erlach ausgearbeiteten Plänen wurde das Gebäude bis 1740 umgestaltet und präsentierte sich nunmehr viergeschossig; eine toskanische Säule des damals entstandenen zweigeschossigen dreiachsigen Vorbaus (mit seinen ebenerdig offenen Arkaden und einem Balkon im Obergeschoß, auf dem sich eine steinerne Bildsäule der Gerechtigkeit befand und von dem aus die Urteile verlesen wurden), der an die Stelle der einstigen Freitreppe trat, hat sich (halb eingemauert) am Stiegenpodest des ersten Stocks des Vordertrakts des heutigen Hauses erhalten. Am Fuß eines zwiebelbehelmten Türmchens befand sich eine Uhr (eine der ältesten mechanischen Uhren Wiens), die 1855 demontiert wurde (Gehäuse am heutigen Bau noch vorhanden) und die Inschrift „Diese Uhr schlägt keinem Glücklichen" trug.

1785/1786 entstand durch Ankauf des hinter der Schranne gelegenen Bielschen Hauses (Landskrongasse) ein erweitertes Gebäude mit einem von Mauern umgebenen Hof; der Neubau wurde von Zeitgenossen heftig kritisiert. Da nun eine ausreichende Zahl von Zellen für Schwerverbrecher vorhanden war, wurde auf Anordnung Josephs II. das Diebshaus in der Rauhensteingasse („Malefizspitzbubenhaus"; Amtshaus) 1785 aufgelassen. In der Schranne war eine Kapelle, „Zur Todesangst Christi", untergebracht. 1827 wurde das viergeschossige Gebäude nach Plänen von Anton Behsel aufgestockt. Nachdem 1839 das Kriminalgericht von der Schranne in das neuerbaute Kriminalgerichtsgebäude in der Landesgerichtsstraße übersiedelt war, diente die Schranne nur noch dem magistratischen Zivilgericht und wurde nach dessen Liquidierung (1848/1850) 1855 auf Anordnung des k. k. Ärars abgebrochen. Der (noch heute bestehende) fünfgeschossige Neubau wurde abwechselnd zu Amts- und Wohnzwecken verwendet (so befand sich bis 1912 hier die k. k. Finanzprokuratur). Vor der Schranne stand lange Zeit der Pranger.

Informationen folgen in Kürze [1]


Gehe weiter zu xx

Gehe zurück zu xx | xx | xx | Straßen des 1. Bezirks

Quellen

  1. xxx