Stock-Im-Eisen-Platz 2

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Grund-Information
Wien Zentrum ed 2009 PD a 20091007 096.JPG

Stock-Im-Eisen-Platz 2

Aliasadressen =Stock-Im-Eisen-Platz 2, =Singerstraße 1
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 876, 877 | vor 1821: 930, 931 | vor 1795: 862, 863
Baujahr 1882
Architekt Alexander von Wielemans


Zur schönen Wienerin, Zum goldenen Becher - Architektur und Geschichte

An der Ecke zur Singerstraße steht man vor dem „Haus zum goldenen Becher“, so hieß es bereits 1549 (Konskriptionsnummer 876). Das heutige Gebäude wurde 1882 von Alexander von Wielemans erbaut, der auch das Nebengebäude geplant hatte. Wielemans hatte seinen Entwurf des Platzes und der darauf stehenden Gebäude übrigens mehrfach verwertet:

Es gibt in Wien 20 noch ein identisches Haus am Wallensteinplatz 2, das nur um je eine Fensterachse länger ist, aber mit Ausnahme der Wandmalerei die gleiche Dekoration aufweist. Außerdem soll sich ein weiteres Zwillingshaus in Paris befinden.

Es lohnt sich, vor dem Haus den Kopf in den Nacken zu legen, denn hoch oben an der Fassade des Hauses befinden sich wunderschöne, zum Teil goldene, Frauendarstellungen, ein selten erhaltenes Zeugnis der späthistorischen Fassadenmalerei, die Szenen aus der Geschichte Österreichs darstellen.

Vorgängerhäuser

Die Legende zum goldenen Becher

1524 wird als Eigentümer des Hauses Stadt 876 Lassla Rätzko genannt, der Glockengießer war. Er ließ die Fürstenglocke des südlichen Heidenturmes umgießen. Der Name „Zum goldenen Becher“ leitet sich von einer Legende ab, die sich vor dem Haus zugetragen haben soll:

Die Sage Die Legende zum goldenen Becher
Sage Goldener Becher.jpg

1549 soll während einer Fronleichnamsprozession vor diesem Haus der protestantische Bäckergehilfe Josef Hayn die Monstranz eines katholischen Priesters zu Boden geschleudert haben. Der Priester ließ daraufhin dem Burschen beide Hände abhacken, so wie die Zunge aus dem Mund reißen und ihn danach lebendig am damaligen Richtplatz, der Gänseweide (heute: Weißgerberlände), verbrennen.

Kaiser Ferdinand I. ließ an der Stelle des „Verbrechens“ vor dem Haus eine Säule mit einer Monstranz (dem goldenen Becher) anbringen. Am Nachfolgebau wurde zwischen erstem und zweiten Stock in einer Fassadennische über dem Tor der goldene Becher integriert, eine Etage höher befand sich in Verbindung mit dieser Monstranz eine zweite Skulptur, nämlich die eines Ornaments, das Jesus symbolisierte.

Zur Erinnerung steht heute in einer Nische im Hauseingang auf Seite Singerstraße 1 eine hölzerne Monstranz. Die im runden, säulenförmigen Abschluss der Bechernische angebrachte Jahreszahl 1592 weist auf das Jahr der Errichtung des ehemaligen Hauses, die darunter im Querbalken angesetzte Zahl 1661 auf das Jahr der Renovierung hin.

Die Legende hat mit Sicherheit einen wahren Kern, denn die Säule mit der Monstranz wurde wirklich aufgestellt. An ihr befand sich eine Tafel, auf der folgender Text zu lesen war:

"Anno Domini 1549, am achten des Heiligen Fronleichnams-Tag, ist durch einen gottlosen Menschen einem Priester in der Prozession das hochwürdige Sacrament unversehens aus den Händen gerissen, und an diesen Ort mit erschröcklicher Gotteslästerung auf das Erdreich geworffen wurden, um welche grausame That ihme Zungen und Hand abgehauen, folgends zu der Richtstatt geschlaifft, und dabelbst lebendig verbrennt worden. Dies ist anderen zur Warnung diese Gedächtnis hier gesetzt." [1]

Zur schönen Wienerin

Im 19. Jhdt. hieß das Haus „Zur schönen Wienerin“, benannt nach dem Damenmodengeschäft, welches der stadtbekannten Modistin Schoberlechner gehörte.

Sie stellte ab 1804 in ihren Schaufenstern eine lebensgroße Wachsfigur aus, die jeweils mit den neuesten Modekreationen aus Paris bekleidet war – damals eine Seltenheit: die Wachsfigur wurde von den Wienern heftig bestaunt. Schoberlechner war übrigens die Mutter des damals ebenso bekannten Hofopernsängers Franz Schober.

1881 stürzte das Haus teilweise ein, es wurde gemeinsam mit Haus 877 abgerissen.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus des Lehrers Leopold Baillet

Im 18. Jahrhundert wohnte hier der französischer Sprachlehrer Leopold Baillet. Er war ab 1780 in der k.k. Realhandlungsakademie und ab 1795 Professor für die Fremdsprache Französisch am Theresianum.

Wohnhaus des Stadtschreiber Veit Griessenpeck

Zwischen 1469-1476 wohnte in dem Haus der Stadtschreiber Veit Griessenpeck (*um 1425 Landshut, † 1487 Wien, Judenplatz 2).



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Quellen

  1. Mathias Fuhrmann, Walter Obermaier: Alt- und Neues Wien, Band 2, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft, 1739, Wien. S. 799