Schottenkirche
Haus: Schottenkirche | Grund-Informationen | ||||
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Architektur und Geschichte
Die Kirche, die eigentlich "Unserer Lieben Frau zu den Schotten" heißt, wurde von Herzog Heinrich II. Jasomirgott im Jahr 1155 gegründet. Von diesem romanischen Bau sind noch Teile der „Finsteren“ Sakristei und die Romanische Kapelle zu sehen, in der sich die älteste Marienstatue Wiens befindet.
Ein Umbau der Kirche fand im gotischen Stil im 13. und 14. Jahrhundert statt. Vom berühmten Schottenmeisteraltar aus dieser Zeit, sind noch 24 Bildteile im Museum im Schottenstift und in der Österreichischen Galerie Belvedere erhalten. 1590, beim großen Erdbeben, wurde die Schottenkirche stark beschädigt.
Durch einen Blitzschlag stürzte 1638 der Turm ein, das gab den Anlass, die Kirche im barocken Stil umzubauen.
Um 1885 erfolgte eine Umgestaltung der Altäre im Neorenaissance- und Neobarockstil, der nur der Benediktus- und der Gregoriusaltar entkamen. Auch das jetzige Deckengemälde entstand um diese Zeit. Ernst Rüdiger von Starhemberg, der Verteidiger Wiens der Türkenbelagerung 1683, ist ebenfalls hier beigesetzt.
Heinrich Jasomirgott
Der Gründer der Kirche war Fürst Heinrich II. Jasomirgott, der den Grundstein dafür gelegt hatte, dass Wien einmal zur großen Stadt erblühen sollte: Er verlegte seinen Regierungssitz hier her. Für den Bau der Schottenkirche berief er im Jahr 1155 irische Mönche nach Wien. Da Irland damals als "Neuschottland" bezeichnet wurde, bürgerte sich für die fremden Geistlichen bald der Name "Schotten" ein.
Am 18.1.1177 starb der Babenberger Jasomirgott im Feldzug gegen die Mähren: Es war eine morsche Brücke eingestürzt, auf der sich der Fürst gerade mit seinem Pferd befunden hatte. Er erlitt dabei einen offenen Schenkelhalsbruch, an der Verletzung starb er fünf Tage später (13.1.1177). Der Geschichte nach wurde er vor dem Gregorsaltar in seiner Schottenkirche beigesetzt.
Der Sage nach soll 100 Jahre nach seinem Begräbnis ein heftiges Erdbeben dafür gesorgt haben, dass die Grabstätte verschüttet wurde und nicht mehr aufgefunden werden konnte. Erst im 19. Jahrhundert fand man bei Renovierungsarbeiten eine kleine Gruft, und in ihr drei menschliche Skelette. Da es sich dabei um einen Mann und zwei Frauen handelte, nahm man an, es würde sich dabei um Heinrich, seine Frau Theodora und seine Tochter Agnes handeln. [1]
Heinrich Jasomirgott hat seine letzte Ruhestätte seit 1901 in der Krypta der Schottenkirche in einem neoromanischen Sarkophag. Ein Denkmal Jasomirgotts befindet sich an der Außenseite der Kirche.
Von der romanischen zur barocken Kirche
Die romanische Kirche war im Laufe der Jahre baufällig geworden. Den Anstoß zur kompletten Renovierung gab ein Besuch des Kaisers Ferdinand II mit seiner Familie im Mai 1634. Aus der Mauer lösten sich während seines Besuches Steinchen, die kaiserliche Familie geriet in Panik, der Kaiser warf sich sogar zum Schutz auf den Boden. Als im nächsten Jahr der Turm von einem Blitz getroffen wurde und abbrannte, wurde er zwar wieder aufgebaut, brach 1637 jedoch wieder ein. Damit war der Entschluss gefasst, das Bauwerk gründlich zu sanieren und modernisieren.
Im Juli 1638 beauftragte der Abt des Klosters, Johann Walterfinger, Markus Spätz mit der Baufsicht und Antonio Carlone (der krankheitsbedingt vom Auftrag zurücktreten musste) als Baumeister. Der Abt starb im März 1642, sein Nachfolger, Anton Spindler, vergab die Arbeiten nun neu: an Andrea Allio den Älteren und seinen Neffen Andrea Allio den Jüngeren. Spindlers Plan sah einen kompletten Abriss und Neubau mit zwei türmen und sogar einer neuen Gruft vor. Erhalten blieb daher nur der Chor, das Langhaus wurde nahezu ganz abgetragen und neu erbaut. Die Steinmetzarbeiten wurden an Peter Concorz übertragen, der unter den Wiener Steinmetzen stark angefeindet wurde: er hatte schon beim Wiederaufbau des Turms mitgeholfen, der dann zusammenbrach, weil er - laut seiner Konkurrenz - keine geeignete Ausbildung gehabt haben soll.
1648, und damit früher als die Kirche fertiggestellt war, wurde sie durch den Fürsterzbischof Philipp Friedrich Graf von Breuner feierlich geweiht. Das Hauptportal der Turmfassade wurde erst 1651 (durch Hofsteinmetzmeister Bartholomäus Khöll ) fertiggestellt, an der Innenausstattung wurde noch viele Jahre lang gearbeitet.
Die Bauetappen
- 12. Jahrhundert: Finstere Sakristei
- 1638-1641: Chor, Sakristei, Turm, durch Antonio Carlone und Marco Sporio
- 1640-1643: Lang- und Querhaus, Kapellen, durch Andrea Allio d. Ältere und der Jüngere, ab 1845: Silvestro Carlone
- 1648: Weihe
- 1882-1888: Neuausstattung Altäre und Kanzel durch Heinrich Ferstel und Max Haas[2]
- 1892: Oberer Turmbereich
- 1892-1893: Fassadenneugestaltung, durch Alois Hauser
- 1992–1994: Umgestaltung der Krypta in der Schottenkirche zu einer Unterkirche und Gestaltung des Volksaltars, Ambo und Bodengestaltung im Presbyterium der Schottenkirche durch Kurt Schlauss [3]
Die Schottengruft
Zu den Epitaphen: https://schotten.hypotheses.org/176 Graf Starhembergs Grabmal: https://www.oeaw.ac.at/tuerkengedaechtnis/denkmaeler/ort/schottenkirche-starhemberg-sarkophag
Das Epitaph des Rudolf Schmidt, Freiherr von Schwarzhorn
Am Schönsten Ohrt der Welt, dessgleichen Nit zu Finden
Wo Gegenüber Beirut In Calycdon Die Blinden
Hab Ich Drey Kayersn Dient und Drey Sultan Bekendt
Und in Freyhern Stadt Mein Leben hie geendt
Bottschafter der Ich gewest. NB. Alss wass Ich kund Werden
Ligt hier O Mensch Betracht in Lauter Staub und Erden
VANITIAS VANITAT(u)M ET OMNIA VANITAS
Man sieht ein Wappenschild, das von zwei Totengerippen gehalten wird. Im Schild finden sich drei geschlossene, gekrönte, mit Kleinodien versehene Helme. Ober dem Schild ist die Devise angebracht: Iunctum Aquilae Mirare Draconeum
Darunter:
Iohann Rudolph Freyherr von Schwarzenhorn
Herr Auf Nicolstorff und S. Margareten aus der Wienn
Kayss: FERD:II. DERD:III und LEOPOLD I. Gewester
Hoff Kreigss Rath Und ORATOR an der Ottomanischen
Porten: Starb ANNO 1667. Den 12. Apprrill
Deme gott gnädiglich ein fröllige Aufferstehung Verleihen wolle.[4]
Gedenktafeln
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Quellen
- ↑ A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 88 ff.
- ↑ http://www.architektenlexikon.at/de/1051.htm
- ↑ http://www.schotten.wien/schottenpfarre/schottenkirche/
- ↑ Leopold Mazakarini: Frühe Denkmäler II, Gesellschaft für Natur- und Heimatkunde, 1987, Wien. S. 11, Frühe Denkmäler mit politischen und zeitgeschichtlichen Aussagen II, Literatur