Fleischmarkt 1

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Grund-Information
Orendihof.JPG

Fleischmarkt 1

Aliasadressen =Fleischmarkt 1, =Rotenturmstraße 20, =Steyrerhof 1
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 700, 728 | vor 1821: 744, 774 | vor 1795: 750, 678
Baujahr 1909-1910
Architekt Arthur Baron, Josef Tölk


„Orendihof“ auch „Residenzpalast“ - Architektur und Geschichte

Das Stiegenhaus des Oredihofes

Der Residenzpalast wurde 1909 von Arthur Baron erbaut. Das sezessionistische Haus wurde mit einer vorgehängten Metallrahmenkonstruktion ausgestattet, eine architektonische Besonderheit dieser Zeit.

Kammerspiele

Die Kammerspiele

Auf der dem Schwedenplatz zugewandten Seite ist der Eingang zu den Kammerspielen, die ehemals als “Residenztheater“ gegründet wurden. Die Kammerspiele haben ein bewegtes Dasein hinter sich, (erst unter Zentralleitung des „Deutschen Volkstheaters“, Interessengemeinschaft mit den Reinhardbühnen Wien / Berlin, Filialbühne der Josefstadt). Das Programm in den Kammerspielen bietet meist etwas zu Lachen – und das in Starbesetzung.

Der Streik

1932 gab es einen interessanten Eklat zwischen Direktion und Technikern, nachdem diese ausgerechnet die Silvestervorstellung boykottiert hatten. Dazu der folgende Artikel vom 1.1.1932:

Zeitungsartikel vom 1.1.1932 über die beabsichtigte Schließung der Kammerspiele

"Endgültige Schließung der Kammerspiele. Ähnlich wie im Raimundtheater gestaltete sich die Situation in den Kammerspielen, wo Maler Alfred Kunz für den Aufbau der Bühne sorgte. Ein Teil des Personals war zur Stelle, der fehlende Teil war ersetzt, der Beleuchter war ausgeblieben. Man versuchte, das Licht im Zuschauerraum und auf der Bühne einzuschalten, aber diese Versuche schlugen fehl, denn, wie sich bald herausstellte, war die Hauptschaltung gesperrt worden. So mussten auch hier die Abend- und Nachtvorstellungen abgesagt werden. Kurz vor 8 Uhr fuhren zahlreiche Autos vor den Kammerspielen vor und das Publikum konnte erst jetzt von dem Unterbleiben der Vorstellung unterrichtet werden. Einige Schauspieler konnten nicht zu ihren Anzügen gelangen, da die Kleiderkasten in den Garderoben versperrt und ihre Schlüssel nicht aufzutreiben waren. Aufgrund des Streiks des technischen Personals haben der Hausbesitzer Baumeister Max Schweinburg und der künstlerische Leiter Direktor Dr. Beer beschlossen, die Kammerspiele endgültig zu sperren. Dieser Beschluss wird damit begründet, dass die Eröffnung dieser Bühne lediglich im Interesse der technischen Angestellten stattfand, die durch den Zusammenbruch der Direktion Wenzler brotlos geworden waren. Wenn nun dieses Personal das Theater gerade vor den zwei glänzend verkauften Silvestervorstellungen im Stiche lässt, besteht auch für den Eigentümer keine Veranlassung, den Betrieb weiterzuführen. Darstellende Künstler werden von dieser Maßregel nicht betroffen, da die Vorstellungen der Kammerspiele von den Kräften des Volks- und Raimund-Theaters bestritten wurden."

Rotenturm-Kino

Von 1910 bis 1934 war hier das Rotenturm-Kino 517 Sitzplätze bot. Die Neugestaltung des Kinos im Jahr 1933 stammte von Ernst Schwadron. Das Kino führte die Stummfilme von Chaplin auf und trug dazu bei, dass der um die Ecke wohnende Billy Wilder hier die Liebe zum Film entdeckte.[1]

Vorgängerhäuser

Haus 728, "Zum goldenen Hirschen"

Ab 1406 befand sich hier das „Gasthaus zum Goldenen Hirschen“, in dem vorrangig Ungarn übernachteten.

Im Haus befand sich damals eine von Matthäus Heuperger 1504 gegründete Liebfrauenkapelle (später Mariä Verkündigung). Der Hausbesitzer Heuperger war ein angesehener Bürger und Ratsherr, und der Verfasser des Buchs über die Heiltümer bei St. Stephan - das "Wiener Heiligtumbuch". Er ließ das Haus neu erbauen und brachte, um den Hausnamen zu unterstreichen, einen Hirschenkopf zwischen erstem und zweiten Stock an. Bei Heuperger soll der Krakauer Hofsteinmetz, Paul Khölbl, gewohnt haben, der in seiner Heimat Dr. Faust kennengelernt hatte und ihn hierher nach Wien eingeladen haben soll. Es ist also durchaus möglich, dass Dr. Faust 1529 hier genächtigt hatte.

Ab 1799 befand sich hier der Sitz der Musikalisch-Typographischen Verlagsgesellschaft Johann Mecke, um 1816 hatte der Geigen- und Leutenmacher Andreas Kamlosi hier seine Werkstatt.

Die Fechtschule

Im 17. Jahrhundert wurde im Gasthaus "Zum goldenen Hirschen" eine Fechtschule abgehalten. Die Schüler waren vor allem Handwerker, die sich am Sonntag Kämpfe mit Holzsäbeln und Schlachtschwertern messen konnten.

Erste Wiener Rettungsstation

Hier befand sich ab 1883 die erste Wiener Rettungsstation, die aufgrund des Brandes im Ringtheater (während Hoffmanns Erzählungen), bei dem 386 Menschen verbrannten, von Baron Jaromir Mundy gegründet wurde.

Bis zu diesem Zeitpunkt war es üblich, dass Verletzte von Hausmeistern, Leichenträgern und Laternenanzündern in das nächste Spital getragen wurden. Am Tag nach dem Brand wurde die „Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft“ gegründet, Johann Strauß komponierte sogar einen Marsch „Freiwillige vor!“.

Haus 700

Neben dem Goldenen Hirschen lag ein Haus, in dem die älteste Zisterzienserabtei im 14. Jahrhundert ihren Stiftshof eröffnete.

Das Haus wurde 1821 mit dem Nebenhaus zu einem verbaut.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Gedenktafel und Geburtshaus Franz Schalk

An der Fassade des Hauses Rotenturmstraße 20 / Fleischmarkt 1 (in den 60er Jahren des 20. Jhdt. Pressehaus) befindet sich eine Erinnerungstafel für Franz Schalk. Sie wurde 1963 enthüllt.

Franz Schalk war ein österreichischer Dirigent, ein Schüler von Anton Bruckner. In den Jahren 1918 bis 1929 war er Direktor der Wiener Staatsoper, einige Jahre davon teilte er sich diese Aufgabe mit Richard Strauss. Schalk war außerdem maßgeblich an der Begründung der Salzburger Festspiele beteiligt.

Schalk wurde in diesem Haus geboren.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Franz Schalk.GT.png Schalk, Franz Franz Schalk

1863 - 1931
Die Wiener Philharmoniker
ihrem großen Dirigenten und Förderer
Der in dem Haus,
das einst an dieser Stelle stand,
am 27. Mai 1863 geboren wurde

Wohnhaus Theodor von Karajan

Um 1830 wohnte hier der Musikschriftsteller Theodor von Karajan (* 22. Januar 1810 in Wien; † 28. April 1873 ebenda), er erwarb da Gebäude 1834. Von Karajan war ein griechisch-stämmiger österreichischer Germanist, Historiker und Politiker und der Urgroßvater des Dirigenten Herbert von Karajan (1908–1989).

Wohnhaus Adele Sandrock

Letztlich bleibt noch zu erwähnen, dass Adele Sandrock (* 19. August 1864 Rotterdam, † 30. August 1937 Berlin ) in diesem Haus gewohnt hat. Sandrock war eine Schauspielerin (zwei Jahre lang die Geliebte von Arthur Schnitzler) und komödiantische Darstellerin in mehr als hundert Stummfilmen (zB. im Film Dr. Marbuse).

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Steyrerhof 1 190929 Mittelalter Im Jahr 1909 wurden beim Bau des "Residenzpalastes" Gruben mit mittelalterlicher (?) Keramik aufgedeckt.
Steyrerhof 1 190824 römisch Im Jahr 1908 wurde bei Gasrohrlegungsarbeiten die äußere Kante, die Eskarpe, des östlichen Umfassungsgrabens des römischen Legionslagers angeschnitten.
Steyrerhof 1 201316 Neuzeit Aufgrund des geplanten Baus eines Lifts für die Wiener Kammerspiele wurde eine archäologische Untersuchung beauftragt. Durch das Aufdecken eines Teiles des ehemaligen Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert konnte gezeigt werden, dass das in heutiger Zeit bestehende Gebäude nördlich der Wiener Kammerspiele im Vergleich zum Vorgängerbau etwas versetzt errichtet wurde.

Sonstige Bewohner

  • Johann Baptist Zorn, beeidigter Inventurs- und Schätzungskommissar (Stadt 728) [2]



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Quellen

  1. Hellmuth Karasek, Billy Wilder: Eine Nahaufnahme, Hoffmann und Campe
  2. Franz Haller: Adressenbuch des bürgerlichen Handelsstandes in der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien für das Jahr 1832, Eigenverlag, 1833, Wien, S. 4