Mahlerstraße 2

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Grund-Information
Bristolvonderoper.JPG

Mahlerstraße 2

Aliasadressen =Mahlerstraße 2, =Kärntner Ring 1, =Kärntner Straße 53-55
Ehem. Konskriptionsnummer keine - Altes Kärntnertor
Baujahr 1861
Architekt Christian Ludwig Förster


Das Hotel Bristol - Architektur und Geschichte

Das Stammhaus des Hotels Bristol war ehemals in den Nebenhäusern (Kärntner Ring 5-7), zur Bauzeit des Hauses Nummer 5 war es ein schlichter Gasthof. Besitzer war der Bierbrauer Karl Wolf, der aus Pilsen stammte. Er eröffnete das "Hotel garnii" und erweiterte es bald durch das angrenzende Haus 7.

Nachdem es von Bauunternehmer Samuel Schallinger erworben wurde, adaptierten zwischen 1914 und 1916 Ladislaus Fiedler und Pietro Palumbo das Hotel. Inzwischen hatte die Bristol AG bereits viele Anteile an der Imperial AG, es wurde daher 1924 beschlossen, die beiden Hotels in einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft zu führen. Während der Weltwirtschaftskrise blieben die Gäste aus, es gelang der Creditanstalt, immer mehr Anteile der AG zu erwerben, sie erwarb immer mehr Einfluss auf den Betrieb. Ein Ende der Gesellschaft bewirkte die NS-Zeit: der Geschäftsführer Schallinger musste das Hotel "verschenken". Nun war es im Eigentum des "Deutschen Volks zu Handen der Angestellten".[1]

Das Haupthaus am Kärntner Ring 7 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, stattdessen wurde ein modernes Bürohaus erbaut. Erst nach dem Brand des Haupthauses im Jahr 1987 wurde der Hoteleingang auf Nummer 1 verlegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der erste Bezirk als Interalliierten Zone definiert, das Bristol wurde von der USA besetzt. Erst 1955, als die Besatzer abgezogen waren, konnte der Hotelbetrieb wieder aufgenommen werden. Otto Mayr gestaltete den Festsaal und den Biedermeiersalon neu, eventuell stammte auch die Neugestaltung des Blauen Salons, des Bristol-Salons und des Erdgeschosses von ihm.

Sirk-Ecke

Die Sirk-Ecke, 1910, Ölgemälde von Maximilian Lenz, 1900 (Bild im Wien Museum)

An der "Sirk-Ecke" befand sich früher das Lederwaren-Geschäft von August Sirk, der Volksmund übernahm daher den Namen für die Ecke, später war hier eine Filiale der Bank Austria angesiedelt. Um die Jahrhundertwende war hier ein beliebter Treffpunkt adeliger und bürgerlicher junger Menschen zum Rendezvous. Bekannt wurde die Ecke auch durch das Drama von Karl Kraus "Die letzten Tage der Menschheit", in dem jeder der fünf Akte an dieser Ecke beginnt.

"Vorspiel: Wien, Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Ein Sommertagabend. Leben und Treiben. Es bilden sich Gruppen.
I. Akt: Wien, Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Etliche Wochen später. Fahnen an den Häusern. Vorbeimarschierende Soldaten werden bejubelt. Allgemeine Erregung. Es bilden sich Gruppen.
II. Akt: Wien, Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Das Publikum besteht in der überwiegenden Mehrzahl aus galizischen Flüchtlingen, Schiebern, Berufsoffizieren auf Urlaub, solchen, die ein Spitalskommando innehaben oder sonst zu leichterem Dienst im Hinterland verwendet wurden, und aus wehrfähigen Zivilisten, die sich's gerichtet haben.
III. Akt: Wien, Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Larven und Lemuren. Es bilden sich Gruppen.
IV. Akt: Wien, Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Larven und Lemuren. Alles erscheint Arm in Arm zu fünft. Grundlose Fröhlichkeit wechselt mit dumpf brütendem Schweigen. Ein Knäuel von Böcken steht da, je zwei Stirn an Stirn, einander anstarrend, wie durch ein Geheimnis miteinander verbunden. Soweit die Masse in Bewegung ist, zieht sie durch ein Spalier durch Zivil, Krüppeln, Invaliden, deren Köpfe und Gliedmaßen in unaufhörlichen Zuckungen begriffen sind, von Fragmenten und Freaks aller Arten, Bettlern und Bettlerinnen aller Lebensalter, von Blinden und von Sehenden, die mit erloschenen Blicken die bunte Leere betrachten. Dazwischen gebückte Gestalten, die das Trottoir nach Zigarettenresten absuchen.
V. Akt: Wien, Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Nasskalt. Es regnet von unten. Tonloses Starren des Rudels Böcke. Spalier der Verwundeten und Toten." [2]


Die "neue Sirk-Ecke" befand sich bei der Mahlerstraße / Kärntner Straße, hier war das Café Sirk angesiedelt.



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Quellen

  1. Bartel F. Sinhuber, Zu Gast im alten Wien, Amalthea, 1997, Wien, S. 47-49
  2. Wiener Geschichtsblätter, Wien Archiv, Tradition und Volksleben, Blatt W06061