Graben 10

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Grund-Information
Anker Haus Otto Wagner.JPG

Graben 10

Aliasadressen =Graben 10, =Spiegelgasse 2, =Dorotheergasse 1
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 1105 | vor 1821: 1171 | vor 1795: 1136
Baujahr 1894-1895
Architekt Otto Wagner, Portal Sandwich-Buffet Trzesniewski: Fritz Sammer


Das Ankerhaus von Otto Wagner - Architektur und Geschichte

Das Haus wurde 1894 von Otto Wagner – vermutlich für sich selbst – errichtet. Das Atelier im Dachaufbau, das Otto Wagner für sich selbst geschaffen hatte, wurde ab 1971 von Friedensreich Hundertwasser benutzt.

Die beiden unteren Geschosse mit großen Glasflächen sind als Geschäftsareal geplant, die Obergeschosse sind durch dekorierte Pfeiler, Masken und Blattdekor verziert. Im Inneren befindet sich ein Stuckfoyer mit originalen Bodenkacheln, einer Marmorbassena und originale Liftgitter

Der Name "Ankerhaus" stammt vom ehemaligen Besitzer der Liegenschaft, der Anker-Versicherung. Heute beherbergt das Gebäude eine von fünf Nespresso-Filialen in Wien.

Das Gebäude ist das einzige erhaltene Geschäftshaus von Otto Wagner.

1975 gestaltete Franz Zajicek das Waffengeschäft Springer neu.

Vorgängerhaus

Erstmals erwähnt wird an dieser Stelle 1473 ein Besitzer, etwa um diese Zeit hat es auch seinen ersten Namen erhalten: Das "Steckhnhaus". Woher diese Bezeichnung kommt, ist nicht geklärt. Bis 1566 befand sich hier die Apotheke "Zum goldenen Hirschen".

1683 schlug in dieses Haus, damals unter dem Namen "grüner Kranz" bekannt, die erste Bombe der Türkenbelagerung ein. Die Bürger sammelten die Trümmer des Hauses ein, ließen sie weihen und schossen sie in den Feinden zurück.

Zwischen 1783 und 1792 befand sich hier das bekannte Cafè Ducati. Im ersten Stock des Hauses richtete der Wirt ein eigenes Raucherzimmer ein, hier wurden Tabakpfeifen und alles Zubehör angeboten. Auch unterschiedliche Zeitungen wurden den Gästen schon geboten. In der Spiegelgasse, vor dem Haus, wurde auch Eis verkauft. Die große Auswahl bot Geschmacksrichtungen wie Vanille, Johannisbeere, Himbeere, Weichsel, Erdbeere, Zitrone, Schokolade und Ananas an. 1792 übersiedelte das Kaffeehaus in die Singerstraße 2

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Besitz des Landschreibers Johann von Kees

Ab 1736 besaß Johann von Kees das Gebäude. Er war als "Kenner beider Rechte" berühmt, und veröffentlichte zahlreiche juristische Werke. 1709 hatte Joseph I. Kees zum Professor der Rechte bei den "Kaiserlichen Edelknaben" gemacht, die in der Stallburg wohnten. Der Komus in Wien' schildert folgende Anekdote über den Gelehrten:

Da Kees ein verdienstvoller Mann war, der sich der besonderen Gunst des Kaisers zu erfreuen hatte, so versteht es sich von selbst, dass ein Schwarm Neider und Auflauerer jeden seiner Schritte belauschten, um einen Anhaltspunkt zu finden oder zu erfinden, der so geartet wäre, ihm die Gnade des Monarchen zu entziehen. So traten denn eines Tages einige hochgestellte Denunzianten mit wichtigem Amtsmienen vor den Kaiser und eröffneten ihm mit weitschweifigen Reden, der der Doktor habe sich unterfangen, seinen Zöglingen in einer Vorlesung beizubringen, nach den deutschen Rechtsgelehrten könne auch ein protestantischer Fürst den deutschen Kaiserthron besteigen. Mit ungeduldiger innerer Freude erwartete der Angeber den Ausbruch des kaiserlichen Unwillens; man denke sich daher sein Erstaunen, als dieser erste große Joseph gelassen antwortete: "Wenn Kees Unrecht hat, so beweise man ihm das Gegenteil seiner Behauptung."[1]

Lokale

Trzesniewsky

Trzesniewsky

Das Portal des berühmten Brötchen-Lokals wurde 1950 vom Architekten Fritz Sammer gestaltet.

Francisek Trzesniesky hatte Anfang des 20 Jahrhunderts den „Pfiff“ Bier erfunden. Sinn war, auch Damen in einem öffentlichen Lokal Bier anzubieten (es galt nicht als damenhaft, ein Krügel oder Seidel zu trinken), aber auch ärmeren Kunden ein billiges Getränk zu offerieren.

Die richtige Maßeinheit eines Pfiffs ist 1/8 – also 0,125 Liter – der Name Pfiff kommt angeblich daher, dass das Einschenken in ein derart kleines Glas die Dauer eines Pfiffs nicht übersteigt. [2] Heute beliefert ausschließlich die Ottakringer Brauerei - ein echtes Wiener Bier - die Brötchen-Manufaktur.

Die Art des Brötchenbelages - zerkleinerte Bestandteile, ähnlich einem Aufstrich, entstand aus einer rein praktischen Überlegung: Die Brötchen sollten einen unfallfreien Versehr ermöglichen. Die kleinen Brote ohne Verzierungen - mit einer Gabel gestrichen, was die besondere Optik ergibt - ermöglichen ein Essen ohne Besteck und Teller, in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts wohl eines der ersten Fastfood-Restaurants.

Auf der Homepage der Firma, https://www.trzesniewski.at/, ist auch die Hitliste der Brötchen zu finden:

  1. Speck mit Ei
  2. Matjeshering mit Zwiebel
  3. Geflügelleber
  4. Ei mi Ei
  5. Gervais mit Räucherlachs
  6. Thunfisch mit Ei
  7. Matjeshering ohne Zwiebel
  8. Schwedischer Hering
  9. Champignon
  10. Krabbe mit Ei
  11. Salami
  12. Pfefferoni
  13. Gervais mit Zwiebel
  14. Gurke mit Ei
  15. Gervais mit Karotte
  16. Lachsersatz
  17. Wilder Paprika
  18. Sardinen mit Zwiebel
  19. Tomaten
  20. Zwiebel mit Ei
  21. Pikantes Ei[3]

Das Unternehmen ist derzeit im Besitz der DEMMER GmbH - eigentlich ein Teil von Andrew Demmers Tee-Universum.

Die Fledermaus

Heute ist hier auch eines der angesehensten Szene-Treffs, das Kabarett Fledermaus, zu finden.

Die Ursprünge

Der Tanzclub ist jedoch erst seit 2005 hier, davor hatte das Kabarett eine bewegte Geschichte. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts befand sich hier ein anrüchiges Lokal namens "Dolce Vita", in dem sich auch Wiens Halbwelt bewegte. Angeblich soll auch Fritz Grünbaum öfters hier gewesen sein, weshalb es heute noch einen Raum namens "Grünbaum Stüberl" gibt.

In den 50er Jahren

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lokal zu "Mariettas Bar". Geführt wurde die Bar von der Konzertpianistin Marietta Mackh geführt, Gerhard Bronner spielte manchmal auch Klavier hier. Als Marietta sich für den Ruhestand entschied und nach Obertauern übersiedelte, übernahm Gerhard Bronner das Lokal und eröffnet das "Cabaret Fledermaus", das bis 1917 in der Johannesgasse 1 angesiedelt gewesen war. Angeblich hatte Peter Alexander hier seinen ersten Auftritt.

Das Kabarett entwickelte sich rasch zu einem kulturellen Fixpunkt in Wien. Neben dem Simpl gehörte es zu den erfolgreichsten Kabarett-Bühnen. Hier traten Helmut Qualtinger, Herwig Seeböck, André Heller, Lore Krainer, Carl Merz, Louise Martini und Peter Wehle auf, Marian Mendt sang "Die Glocke".

Von Bronner und Kaufmann bis heute

1984 verpachtete Bronner, der in die USA übersiedelte, das Lokal an Georges Dimou, der das Lokal in die roten Zahlen führte. Auch Rettungsversuche durch Franz Friedel misslangen und das Lokal musste 1989 zusperren.

1991 startete Götz Kaufmann einen neuen Versuch - mit Bar und Restaurant, doch auch dieses Unterfangen scheiterte. Schließlich (1993) mietete sich der Jazz-Club Porgy & Bess hier ein und war derart erfolgreich, dass er nach nur fünf Jahren und fast 2.000 Konzerten in ein größeres Lokal in der Riemergasse 11 übersiedelte.

Zwischen 2000 und 2005 wurde das Lokal von Clubbing-Veranstaltungen genutzt, bis es nach Umbauarbeiten von Wolfgang Strobl und Deborah Heiss in das heutige Szene-Lokal verwandelt wurde.

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Spiegelgasse 2 190617 römisch Bei einer Kanalgrabung vor dem Haus wurden römische Keramikfragmente gefunden



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Quellen

  1. A. Dorfmeister, Komus in Wien, oder: Illustrierter komischer Kalender für Freunde des Scherzes, 1848, WIen, S.24
  2. Harald Havas, Wiener Sammelsurium, S. 46, Metro Verlag
  3. https://www.trzesniewski.at/