Freisingergasse 1

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Grund-Information
Freisingergasse 02.JPG

Freisingergasse 1

Aliasadressen =Freisingergasse 1, =Petersplatz 11, =Goldschmiedgasse 10
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 605, 606, 607, 608, 609 | vor 1821: 645, 646, 647, 648, 649 | vor 1795: 543, 544, 545, 546, 547
Baujahr 1895
Architekt Emil Bressler, Baumeister: Oskar Lasse, Viktor Fiala


Zum Eisgrübel - Architektur und Geschichte

Eisgrübl

Das heutige Gebäude wurde für Albert Freiherr von Hardt im 19. Jahrhundert errichtet.

Der Knopfkönig

Einst befand sich hier die „Erste Wiener Knopfniederlage“, der Knopfkönig. Auf 30 Quadratmetern wurden Knöpfe aller Art verkauft, die Fassade wurde als älteste erhaltene Fassade eines Geschäftes bekannt. 2004 musste der Knopfkönig schließen, an seiner Stelle ist heute ein Schokoladengeschäft zu finden.

Vorgängerbauten

Das Areal „auf dem St. Peters-Freythof“ ist geschichtsträchtig und lässt zahlreiche Vorgängerbauten finden.

Auf dem Friedhof entstand um 1400 der Markt der Eisverkäufer, die ihr Eis in den Kellern der Umgebung konservierten. Um sie herum gruppierten sich Häuser, die als „Eisgrübel“ bekannt wurden, die Gegend war auch als "Unter den Eisnern" bekannt. [1] Um 1500 befand sich hier die Steinmetzhütte von Meister Konrad Gessing.[2]

Im 17. Jahrhundert gesellten sich für die nächsten 200 Jahre zu den Eisverkäufern die Hafner, 1701 wird das Areal schon „Töpfermarkt am Eisgrübel“ genannt. Einer der Händler, die heutige Firma Denk, übersiedelte bei Abriss der Gebäude in ein Geschäft auf den Graben 13, das alte Ladenschild vom Eisgrübel wurde mit übersiedelt. 1693 übersiedelte der Stadtölerer vom Hof hierher, die Hausbesitzer mussten nun ihre Diener hierher schicken, wenn sie Talg zur Beleuchtung der Straßen vor ihren Häusern benötigten.

Das Eisgrübel

Im Winter wurden Eisblöcke aus der Donau geschnitten, und in Pferdewuhrwerken in die Eiskeller der Adeligen und Wirtshäuser gebracht. Wenn diese Eiskeller entsprechend gut isoliert waren, hielt das Eis sogar bis in den Sommer hinein. In der Hofburg wurde dazu mit einem kleinen Trick gearbeitet: Das Gewölbe war mit einer Kupferschicht überzogen, die die Kälte im Raum hielt. Die Lebensmittel, die gekühlt werden sollten, hingen an Stangen über den Eisblöcken, unmittelbar darauf legen konnte man sie nicht, die Speisen hätten Gefrierbrand erlitten und wären ungenießbar geworden. Die Eiskeller verschwanden mit der Einführung von Kühlgeräten, die letzten gab es in den 1950er Jahren.

Auch die ärmeren Bürger wollten ihre Lebensmittel frisch halten, hatten jedoch nicht die Möglichkeit, das Eis in den eigenen Keller liefern zu lassen. Sie besorgten sich die Eisblöcke bei fahrenden Händlern oder beim „Eisgrübel“. Einer davon befand sich bis 1836 in diesem Haus am Petersplatz. Das Eisgrübel-Haus wurde abgerissen und an seiner Stelle wurde das Gründerzeithaus erbaut, das noch heute hier zu sehen ist. Über dem Eingangstor prangt immer noch der Schriftzug, der daran erinnert. Die Keller des Hauses dürfte der Architekt für den Aufbau seines Gebäudes benutzt haben, sie haben noch die Abflussrinnen für das Schmelzwasser, verschwunden ist nur die Kupferschicht am Gewölbe.[3]

Rumorwache

Als die Peterskirche umgebaut wurde, musste die Rumorwache von dem dortigen Wachhäuschen übersiedeln, dafür bot der Eisgrübel ausreichend Platz. Man errichtete dafür ein kleines Gebäude, in dem 150 Mann Platz mit ihren Hellebarden fanden.

Alte Ansichten zeigen das Haus in seiner damaligen Gestalt:

Aus Sicht von Carl Simon Georg Edler von Zellenberg Aus Sicht von Carl Wenzel Zajicek Aus Sicht von Wilhelm Kisch
Eisgruebl-carl-simon-georg-edler-v-zellenberg-a.jpg
Eisgruebl-zajicek-d.jpg Kisch1-157-d.jpg

Weitere Häuser

Die Häuser 605 bis 609 wurden alle zwischen 1377 und 1445 erstmal urkundlich erwähnt. Das Haus 609 war nach seinem Schild „Zum silbernen Vogel“, bekannt, 606 als Haus "zum Küss‘ den Pfennig“. Es war 1697 in Besitz des Wiener Bürgermeisters Johann Lorenz Trunck von Guttenberg.

In Haus 608 mit dem Hausschild „Zur Stadt Paris“ befand sich der Rauchfangkehrerkeller, der seinen Namen durch seine Stammgäste erhalten hatte. Hier wurde erst Wein, später Bier ausgeschenkt.

Das Haus Stadt 607 wurde bereits 1443 urkundlich erwähnt: Als „Haus, wo der Hahn sich im Spiegel schaut“.

Wo der Hahn im Spiegel schaut Relevante Orte: Freisingergasse 1
Kampfhahn.jpg
Einst war das Haus eines sehenswerte architektonische Rarität: eine winzige Stiege führte in ein Haus mit abenteuerlicher Bauform, die Fassade war mir einem Schild geschmückt, dass einen Hahn zeigte, der sich in den Spiegel schaut. Man sagte, es handele sich um ein Spottbild der Eitelkeit, andererseits war der Hahn auch Symbol für die Geistlichkeit, weil der Hahn schon Petrus zum Besuch einer Kirche gemahnt hätte. Es gab auch eine Zeit, in der kinderlose Ehepaare dem Pfarrer jährlich einen "Geduldhahn" zahlen mussten, weil ihm die Gebühren für die Taufe entgangen waren. Doch das Bild des Hahnes, der sich in den Spiegel schaut, erinnerte wohl eher daran, dass man Kampfhähnen einen Spiegel vorhielt, um sie noch aggressiver zu machen, sie wurden durch ihr eigenes Bild gereizt. [4]

Gedenktafel

An die Erbauung des Hauses erinnert eine Gedenktafel im Flur des Hauses.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Eisgr01.jpg Eisgrübel Was Du ererbt von Deinen Vätern hast,

erwirb es um es zu besitzen.
Goethe
An dieser Stelle stand das alte
Eisgrübel
sowie mehrere kleine Häuser,
die im Jahre 1896 umgebaut
worden sind. Dieselben wurden
vor 100 Jahren am
11. April 1836
von Albert Hardt und dessen
Gattin Marie, geb. Edle von Kratzer
erworben.
Daran erinnere dieser Stein
11. April 1936

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Petersplatz 11 190206 römisch 1902 fand man ein Stück einer Mauer, wahrscheinlich römischer Herkunft
Petersplatz 11 189602 römisch 1896 - im Zuge des Hausumbaus - wurden römischen Mauern in einer Länge von 16 Metern aufgefunden, ihre Fundamente reichten bis in den gewachsenen Boden. Zu den Fundstücken gehörten eine Lampe, Münzen und Tierknochen
Petersplatz 11 189003 römisch Im Jahr 1890 wurde den Angaben Ritter von Raimann folgend ein römischer Leistenziegel ohne Stempel gefunden
Petersplatz 11 190733 römisch Im Jahr 1907 wurden römische Glasfläschchen und Keramikfragmente gefunden. Nähere Fundumstände sind nicht bekannt.

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Quellen

  1. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 61
  2. Franz Tschischka, Geschichte der Stadt Wien, Krabbe, 1874, S. 394
  3. Bouchal/Lukacs, Geheimnisvolle Unterwelt von Wien, S. 31 ff
  4. A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, II. Band, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 524