Bauernmarkt 2A

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Grund-Information
Bauernmarkt 2A.jpg

Bauernmarkt 2A

Aliasadressen =Bauernmarkt 2A, =Jasomirgottstraße 6-8
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 589 | vor 1821: 628 | vor 1795: 535
Baujahr 1911-1922
Architekt Wilhelm Schallinger (Baumeister)


Ehemaliger Margaretenhof - Architektur und Geschichte

Heute steht hier ein spätsezessionistisches Wohnhaus, das von Wilhelm Schallinger 1922 erbaut wurde.

Vorgängerhäuser

Auf dem riesigen Areal der heutigen Häuser Bauernmarkt 2, 2A und Jasomirgottstraße 3–7 befand sich um 1300 herum der Margaretenhof.

Margaretenhof

Haus 589 war als "Margaretenhof" bekannt und wurde urkundlich bereits 1359 erwähnt. Damals der Hof im Besitz der Margarethe Paldwein. Bis zum Abriss des Hauses war über dem Tor ein Bildnis der Heiligen Margaretha angebracht.

Bereits um 1250 stand hier die Margaretenkapelle, die von Paltram dem Freithof St. Peter gestiftet wurde. 1587 war Inhaber des Hofs der Handelsmann Hans Prämer, von ihm erbte sein Enkel, Wolfgang Wilhelm Pämer, den Hof- er war Kunstschriftsteller und veröffentlichte 1678 eine Stadtbeschreibung Wiens („Ehrenpreis der kaiserlichen Residenz- und niederösterreichischen Haubtstadt Wienn“).

Einige Zeit soll hier sogar der Sitz der Freimaurer gewesen sein.

Zur großen Tabakspfeife

Im Vorgängerhaus befand sich das Bierhaus "Zur großen Tabakspfeife". Mit der Namensgebung ist eine Legende verbunden:

Die Legende Die Legende der Tabakspfeife
Geweih.jpg

1551 besaß der Stephansdom eine Bekrönung durch ein Hirschgeweih. Man nahm damals an, dass dieser Schmuck zur Abwehr von Blitze reichen sollte, zahlreiche Häuser hatten derartige "Blitzableiter".

Nach einigen Jahrhunderten, nachdem der Turm trotzdem mehrfach vom Blitz getroffen worden war, nahm man das Geweih ab. Der Magistratsrat Ignaz Heyß, der die Umbauarbeiten am Stephansdom beaufsichtigte, nahm das Geweih und ließ daraus eine große Tabakpfeife schnitzen. Diese Pfeife ließ er dann in seinem Lieblingswirtshaus ausstellen. Die mächtige Pfeife wog 227 Pfund, durch das Hauptrohr und die 24 Nebenrohre konnten mehrere Leute gleichzeitig rauchen, so auch die 24 Ältesten der Lederzunft, die sich regelmäßig hier trafen.

Die Pfeife wurde 1830 von einem Raritätensammler gekauft, um 1860 gelangte sie in Besitz des Anton de Balasfalva.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus des Hofkriegsrats Wolfgang Wilhelm Prämer

Wolfgang (Wolf) Wilhelm Prämer,(* 1637 Wien, † 24. Dezember 1716, ebenhier) wohnte und starb in diesem Haus, das seinem Großvater, dem Handelsmann Hans Prämer gehört hatte. Wolf Prämer war Hofquartiermeister, Hofkriegsrat und Zeugsoberleutnant im Kaiserhaus gewesen und beschäftigte sich mit Architektur und Bau. Zu diesem Themen schrieb er auch einige Abhandlungen.

Wohnhaus des Politikers und Journalisten Karl Tausenau

Karl Tausenau (* 1808 (?) Prag, † 12. Oktober 1873 London) war ein Politiker und Journalist, der sich lange Zeit in England aufgehalten hatte. Seine dort erworbenen Sprachkünste setzte er in Wien als Englisch-Lehrer ein, war Mitglied des Juridisch-politischen Lesevereins und in der Diskussionsrunde im Bierhaus „Zur großen Tabakspfeife" (Jasomirgottstraße 6). Durch sein rhetorisches Talent war er als Mitglied der "Wiener Radikalen" maßgeblich an den Maiunruhen beteiligt. 1849 foloh er nach London, weil er in Österreich zum Tod durch den Strang verurteilt worden war.

Die Freimaurer im Margaretenhof

1726 soll die Londoner Großloge schon in Prag eine Loge mit dem Namen „Zu den drei Sternen“ unter der Führung des Grafen Sporck gegründet haben, der 1731 auch der Mann von Kaiserin Maria Theresia (Franz Stefan von Lothringen) beigetreten sein soll. Eventuell war das auch ein Grund, weshalb die 1738 bekanntgemacht Bulle des Papstes Clemens, die die Freimaurerei verbat und mit einem Bann belegt hatte, in österreichischen (Niederlande und Ungarn) nicht bekannt gemacht wurde.

1742 wurde die erste Loge in Wien gegründet – die „Aux trois canons“, ihr Gründer war auch der erste Meister vom Stuhl, Albrecht Josef Reichsgraf von Hoditz. Auch wenn nicht klar war, wo die Loge ihre Treffen abhielt (es dürften wechselnde Räume gewesen sein), stürmten am 7.4.1743 auf Befehl der Kaiserin den Margaretenhof, und verhafteten die hier anwesenden Logenbrüder, darunter auch die Grafen Starhemberg und Trauttmannsdorff, während eines Festes. Auch Franz I. soll an dem Fest teilgenommen haben, es heißt jedoch, dass er über eine Seitentreppe ins Nachbarhaus flüchten konnte. Am Namenstag des Thronfolgers (29. März) wurden jedoch alle - nach Verhören durch den Kardinal Kollonits - wieder entlassen.

Ausgrabungen

1782 wurde die Margaretenkapelle entweiht, der Gebäudekomplex 1880 abgerissen. Dabei fand man gotische Überreste in den Fundamenten, die heute im Wien Museum zu sehen sind.



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