Stephansdom: Das erste Veilchen

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Das erste Veilchen Relevante Orte: Am Hof 9-10
BERMANN(1880) p0380 Neidhard's Grabmal.jpg

Es gab in dieser Zeit die Sitte, dass – wer in der Frühlingszeit das erste Veilchen fand – sich den Ort heimlich merken solle, und rasch Freunden Bescheid gab. Wenn sich die ganze Jugend dann versammelt hatte, zog man gemeinsam zu der Stelle, um ausgelassen mit Tanz und Wein den Frühling zu feiern.

So fand nun eines Märztages Herr Neidhart von Reuenthal (eigentlich Ritter Otto Fuchs) das erste Veilchen, deckte es sorgsam mit seinem Hut zu und eilte in die Stadt zurück, um von seinem Fund zu erzählen. Ein Bauer, den Neidhart schon öfter verspottet hatte, beobachtete ihn, wie er den Hut auf das Veilchen setzte. Rasch pflückte er das Veilchen, setzte ein ganz anderes übelriechendes hin, deckte den Hut darauf und schlich weg. Nicht viel später kamen aus der Stadt die fröhlichen Junggesellen – an der Spitze Neidhart – und tanzten nach den üblichen Bräuchen um den Hut herum, bis einer den Hut aufdeckte, und alle sahen, was sich darunter befand. Einige glaubten, dass der Ritter sie damit necken wollte, andere lachten – Neidhard aber verzog sich beschämt ins nächste Dorf.

Schon von weitem hörte er lustigen Gesang und Reigenklang, und als er näherkam, sah er sein Veilchen an einen Stab gebunden, um den sich Alt und Jung mit fröhlichen Sprüngen drehte. Schrecken ergriff den Bauer, der den Raub begangen hatte; in seinem Antlitz stand das Geständnis seiner unsauberen Schimpftat, und Neidhart entbrannte vor Zorn. Er schlug den Bauer tot und ein paar andere noch dazu.

Das "Veilchenlied" im Original von Neidhart von Reuental kann hier nachgelesen werden.



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Quellen