Kumpfgasse 1

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Grund-Information
Kumpfgasse 1.jpg

Kumpfgasse 1

Aliasadressen =Kumpfgasse 1, =Schulerstraße 18-20
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 824 | vor 1821: 874 | vor 1795: 885
Baujahr 1894/1895
Architekt Ferdinand Seif


Das Haus "Zum grünen Rössel" - Architektur und Geschichte

Vor dem heute hier stehenden Haus von 1895 fand sich hier das Haus „Zum grünen Rössel“. Es beherbergte im 16. Jahrhundert die Druckerei des Michael Apfel (auch Apffel oder Apfflbeckh).

Die Druckerei des Michael Apfel

Das Haus hatte Apfels Vater gehört, bis es in den Besitz des Buchdruckers Kaspar Stainhofer überging. Michael war hier Geselle und lernte dabei die Schwester seines Meisters kennen, die er danach heiratete. Die Druckerei ging nach Stainhofers Tod an dessen Schwester und damit an ihn über. Michael Apfel druckte hauptsächlich Kalender, Ordnungen und Dissertationen der nahegelegenen Universität.[1]

In Haus Schulerstraße 18 war (möglicher Weise) das erste Wiener Dampfbad.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus und Sternwarte der Astronomin Elisabeth von Matt

In dem Haus wohnte auch Elisabeth von Matt (* 20. August 1762 Wien, + 1. März 1814 Wien). Die Tochter des kaiserlichen Hofarztes Ignaz Humlauer interessierte sie sich schon früh für Astronomie. Mit Unterstützung ihres Mentors Johann Tobias Burg errechnete sie die idealen Standort für eine Sternwarte und richtete sich diese in ihrem Wohnhaus ein. Die Ausstattung der Anlage soll besser, als die der Universität gewesen sein. Zu der umfangreichen Ausstattung an Instrumentarien gehörte ein 10 zölliger Sextant von Troughton, ein in Gold gefasstes Chronometer Arnold Nr. 59 und ein Teil des Nachlasses von Maximilian Hell. Diese Instrumente führte sie auch auf ihren Reisen mit, auf denen sie ebenfalls wissenschaftliche Forschungen betrieb: Sie vermaß Land. So war sie die erste, die 1810 die genaue Lage von Bruck an der Leitha bestimmte.

Als Anerkennung für ihre Leistungen wurde 1960 ein Astroid (9816) nach ihr benannt: "von Matt"

Wohn- und Sterbehaus des Augenarztes Joseph Beer

1821 starb in dem Haus der "Stadtarmen-Augenarzt" Georg Joseph Beer (* 23. Dezember 1763 Wien, † 11. April 1821, ebenhier). [2] Ihm ist zu verdanken, dass im AKH 1813 die erste Augenklinik der Welt eingerichtet wurde. Sie bestand bei ihrer Eröffnung aus zwei Krankensälen mit je neun Betten und einem Hörsaal, der auch als OP genutzt wurde. Beer hatte keinen leichten Weg hinter sich - seine Karriere hatte er als anatomischer Zeichner des Augenarztes und Anatomen Joseph Barth begonnen. Als der junge Beer sich schließlich dafür interessierte, eine Ausbildung in der Augenheilkunde zu absolvieren, verweigerte ihm Barth jegliche Unterstützung. Beer begann also Medizin zu studieren und schloss das Studium in großer finanzieller Not nach drei Jahre ab. 1786 eröffnete er seine erste Ordination am Michaelerplatz, hier behandelte er arme Patienten unentgeltlich, was ihm schnell seinen Spitznamen, aber auch noch mehr Angriffe von Barth und dessen Assistenten Johann Adam Schmidt einbrachte.

Beer setzte schließlich durch, dass ab 1793 mittellose Patienten im AKH behandelt werden konnten - allerdings nur in den Monaten Mai und Juni. 1802 wurde er endlich zum Privatdozenten ernannt, ein Jahr später hatte er bereits 289 Ärzte in einem Privatkurs zu Augenärzten ausgebildet. Als Beer 1813 seine Klinik im AKH eröffnete, strömten Mediziner aus der ganzen Welt zu ihm, um sich ausbilden zu lassen; seine Methode Theorie und Praxis gesamtheitlich zu vermitteln, hatte sich schnell herumgesprochen. 1818 wurde er Ordinarius der Augenheilkunde, konnte diesen krönenden Abschluss seiner Karriere aber nur mehr ein Jahr genießen: ein Schlaganfall führte zu einer halbseitigen Lähmung, Beer musste seine Arbeit beenden. [3]

Das Gulaschmuseum und das Da Capo

Das Gulaschmuseum (Haus 20) bietet 15 Varianten an Gulasch an.

Das Da Capo bietet hausgemachte Pasta und wunderbare Pizzas. Vor einem Besuch sollte man unbedingt einen Tisch bestellen, das Personal könnte sonst ungehalten reagieren...



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Quellen

  1. Christoph Reske, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet: auf der Grundlage des gleichnamigen Werkes von Josef Benzing, Otto Harrassowitz Verlag, 2007; S. 971
  2. Theodor Weiser: Telegraph 1862, Wien, Zamarski, 1862, S. 80
  3. Katharina Unterreiner: Medizin in Wien, Billroth&Co, Metroverlag, 2010, Wien, ISBN 978-3-99300-601-3 S. 32 ff.