Kriminalfall: Martha Marek, auch Mörderinnen können schön sein

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KRIMINALFALL: Martha Marek, Betrügerin und Mörderin was ist hier zu finden
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Verbrechen: Betrug und Mord

Die Mörderin mit dem Engelsgesicht

Dollfuß hatte 1934 wieder die Todesstrafe eingeführt, und auch wenn sich Wiener Bevölkerung anfangs dagegen aussprach – der Fall der Martha Marek verursachte, dass umgedacht wurde: Plötzlich wurde nach der Todesstrafe gefordert.


Die zweifelhafte Karriere der Martha Marek begann mit 12 Jahren – als sie im Jahr 1909 den damals 62-jährigen Pensionisten Moritz F. kennenlernte. Er verfiel den Reizen der 12-jährigen, prompt erpressten ihn Mutter und Tochter wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen. Die Einigung sah so aus, dass die kleine Martha zu ihm in die Döblinger Villa zog, Schmuck und andere Geschenke erhielt und schließlich vom alten Mann als Universalerbin ernannt wurde.

1923 starb Moritz F. – und die engelhafte Martha holte sich den um 5 Jahre jüngeren Emil in die Villa. Dort lebten die Zwei einige Zeit in Saus und Braus, bis das Geld verjubelt war. Am 11.Juni 1925 versicherte Martha ihren Mann gegen Invalidität, am Tag darauf verlor ihr Mann beim Holzhacken sein Bein. Obwohl Martha Beamte der Prosektur und Ärzte bestochen hatte, stand der 24jährige Kaufmann aus Mödling im Frühjahr 1927 vor Gericht wegen Versicherungsbetrugs: Das Paar Marek hatte die Versicherungsgesellschaft Anglo-Danubian-Lloyd auf 400.000 Schilling geklagt, da der junge Mann bei einem Arbeitsunfall sein linkes Bein verloren hätte. Es stellte sich jedoch im Verfahren heraus, dass er sich sein Bein durch mehrere Axthiebe (unter Mithilfe seiner Frau) selbst abgetrennt hatte.

Aus Mangel an Beweisen wurde das Paar freigesprochen, die Versicherung zahlte immerhin 180.000 Schilling als Kompromiss.

Fünf Jahre nach dem Prozess – das Geld war wieder verprasst, die Familie wohnte in einem Schrebergartenhaus im Westen Wiens - starb der beinamputierte Mann, kurz darauf die einjährige gemeinsame Tochter Ingeborg. Später gestand Martha, dass sie beide umgebracht hätte, um ein freies Leben führen zu können. Sie träufelte ihrem Mann Rattengift ins Essen, sechs Monate siechte er mit Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen dahin. Das gleiche Schicksal erfuhr der Tochter. Der Sohn wurde in ein Spital überstellt, wo er sich wieder erfing.

Damit begann die Karriere als Giftmörderin. Das nächste Opfer war 1934 ihre Großtante Susanne Löwenstein – sie starb an mysteriösen Umständen (an Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen), innerhalb von 6 Monaten, nachdem sie ihr Testament zugunsten der bedauernswerten Witwe Martha abgeändert hatte.

Martha mietete sich eine Villa in Hietzing und lebte wieder auf großem Fuß.

Nachdem das geerbte Vermögen aufgebraucht war, nahm sich Martha eine Gesellschafterin, die ärmliche Schneiderin Theresia Kittenberger. Diese überzeugte sie nach kurzer Zeit eine Lebensversicherung zu Gunsten von Marek abzuschließen – in der Höhe von 5.000 Schilling. Kurze Zeit später starb sie, was dem Sohn von Kittenberger komisch vorkam. Er meldete seinen Verdacht der Polizei, dabei wurden die Morde aufgedeckt: Nach der Exhumierung der Mutter fand man das Rattengift „Zelio-Paste“ in Kittenbergers Körper.

Im Jänner 1938 wurde Martha Marek wegen vierfachen Mordes verurteilt. Die Hoffnung auf Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Haft wurde durch den Einmarsch der deutschen Truppen zunichte gemacht: Das Gnadengesuch an den Bundespräsidenten erging an Adolf Hitler, der ablehnte (die Nazis fanden die halbjüdische Herkunft heraus).

Martha Marek war die erste Frau, die mit dem „Gerät F“ (F für Fallbeil), das man im September 1938 aus der Strafanstalt Berlin-Tegel nach Wien brachte, im Hof des Wiener Landesgerichts enthauptet wurde. Das Gerät F war eine perfektionierte Guillotine. Der Spedition, die das Gerät von Berlin nach Wien brachte, wurde der Inhalt der Kisten mit „Maschinenteile“ beschrieben. In Wien wurden damit bis 1945 mehr als 1000 Enthauptungen durchgeführt.



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Quellen