Bankgasse 2

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Grund-Information
Batthyány Palais-Bankgasse 2.JPG

Batthyànypalais (in Google Maps betrachten)

Aliasadressen =Bankgasse 2, =Herrengasse 19
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 57, 58, 59 | vor 1821: 65, 66, 67 | vor 1795: 55, 56, 57
Baujahr 1718
Architekt Christian Oedtl


Batthyànypalais - Architektur und Geschichte

Das Portal des Palais

Einst standen auf dem Areal drei Häuser (die Vorgängerbauten waren im Besitz des Bürgerspitals), eines davon, nämlich das Altendorf`sche Stifthaus, gehörte Anfang des 17. Jahrhunderts Helmhard Jörger von Tollet. Er war Protestant und wurde deshalb enteignet. Im seinerzeitigen Haus Konskriptionsnummer 57 war im 17. Jahrhundert die Gastwirtschaft „Zur grünen Weintraube".

Wolf Andre Orsini Graf Rosenberg ließ nach 1692 und vor 1697 einen Neubau errichten. 1716 wurden dann die Nachbarhäuser in der Bankgasse (Vordere Schenkenstraße) einbezogen.

Danach hatte das Haus mehrere Besitzer: Die Grafen Starhemberg und Sinzendorf, auch das Hofzahlamt saß hier 1683. Leopold I. schenkte es dann dem Grafen Wolf Andre Orsini-Rosenberg, der auf dem Areal 1692 ein Palais errichten ließ. [1]

Einige Jahre später (1718) kaufte die Witwe des Feldmarschalls Adam Graf Batthyàny, Gräfin Eleonora, das Palais und die beiden benachbarten Häuser und ließ die drei Häuser mit einer gemeinsamen Fassade durch Christian Oedtl versehen (im Stil von Fischer von Erlach). (Gräfin Eleonora wurde nach Ihrem Tod in der Franziskanerkirche in Güssing, in der Familiengruft, beigesetzt).

Eleonora wurde wegen ihrer Schönheit auch „die schöne Lori“ genannt. Sie war eine gute Freundin des greisen Prinz Eugen, der unverheiratet (weil homosexuell) in der Himmelpfortgasse wohnte. Dort trafen sich die beiden abends oft, um das Kartenspiel Whist zu spielen.

Um 1730 wurde die Fassade in der Herrengasse durch Christian Oettel in der Art des Johann Bernhard Fischer von Erlach geschaffen. Das in dieser Zeit erbaute Tor zeigt auch heute noch das Wappen der Familie. Auf dem Balkon mit Schmiedeeisengitter mit floralem Dekor befinden sich Schlangenvasen. Die Pfeiler auf dem Balkon, quasi die Sockel der Vasen, zeigen Herkules-Reliefs: links der Kampf mit dem Riesen Antaeus und rechts der Sieg über den Höllenhund Cerberus. [2]

Gedenktafel

In der schmalen Schenkenstraße, rechts der Toreinfahrt, ist eine Gedenktafel an Leopold Figl (1902 - 1965) angebracht.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Figl GT.jpg Figl, Leopold In diesem Hause wirkte von 1927 - 1965

der große christliche Staatsmann und
Mitbegründer der Österreichischen Volkspartei.
Dipl. Ing. Leopold Figl (1902 - 1965)
1933 - 1938 u. 1945 - 1946 Bauernbunddirektor
1945 - 1953 Bundeskanzler
1953 - 1959 Außenminister
1945 u. 1962 - 1965 Landeshauptmann
von Niederösterreich
Hier organisierte er bereits in den
Apriltagen des Jahres 1945 die Lebens-
mittelversorgung der Wiener Bevölkerung
und den Wiederaufbau Österreichs. Gewidmet im Oktober 1982 vom
Karl v. Vogelsang-Institut
Ing. Franz Aufhauser

Das Hotel Klomser und zahlreiche Besitzerwechsel

Mitte des 19. Jahrhunderts war im Gebäudeteil Ecke Bankgasse / Herrengasse das Hotel Klomser. In diesem Hotel verübte der Oberst Alfred Redl (der Leiter des k.u.k. Nachrichtendienstes) im Jahr 1913 Selbstmord, als er der Spionage für Russland überführt wurde.

1911 kam das Palais in den Besitz von Edmund Fürst Batthany-Strattmann.

1924 kaufte es die niederösterreichische Brandschadenversicherung. Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte es der Niederösterreichischen Landesregierung, 1988 wurde an die Constantia Privatbank verkauft, heute (seit 2012) gehört es einer privaten Vermögensverwaltung, die es um 22 Mio. € erworben hat.

Im herrengassenseitigen Teil (dem ehemaligen Palais Orsini-Rosenberg) ist die Tageszeitung „Der Standard“ eingemietet.

Oberst Redl, der Spion

Der 49 jährige Redl hatte sich, nachdem er seine Wohnung in der Wickenburggasse aufgegeben hatte, für einen Dreitages-Aufenthalt im Hotel Klomser einquartiert. Am 24.5.1913 hatte er noch einige Wege vor sich – er stellt seinen Wagen bei einem Mechaniker ab, um Verbesserungen einbauen zu lassen, er trifft sich mit seinem Geliebten, Stefan Horinka zu einer Unterredung im Hotel und er holt von der Hauptpost am Fleischmarkt eine Geldsendung ab. Dieses Geld ist für ein Automobil gedacht, das er seinem Liebhaber schenken will. Um 20 Uhr schließlich geht er noch mit seinem Freund, dem Staatsanwalt, Dr. Viktor Pollak, essen. Zwei Beschatter, die ihm schon den ganzen Tagen auf den Fersen sind, bemerkt er nicht, auch wenn seinem Freund auffällt, dass Redl extrem nervös ist.

Als Redl um Mitternacht wieder im Hotel ist, klopft es plötzlich an der Tür – davor stehen vier Männer in Uniform. Was nun folgte, ist eine Mischung aus Legenden, die von bereits bestehenden Selbstmordabsichten bis zur Aufforderung der vierköpfigen Kommission, sich der Ehre wegen selbst das Leben zu nehmen. Offensichtlich über-gab einer der Herren ihm seine Waffe, die vier zogen sich zurück und warteten vor dem Hotel.

Am nächsten Tag wurde Redl vom Personal erschossen in seinem Zimmer aufgefunden, er hatte zwei Abschiedsbriefe hinterlassen. Die Version vom Selbstmord wurde nur durch den Diener Josef Sedlak verleugnet – er ging von Mord aus, da Redl keinen Revolver besessen hatte.

Redl wurde von den Russen erpresst – sie wollten seine 12-jährige Lebensführung als Homosexueller bekannt geben, wenn er sich nicht fügte. Also beging er Verrat und arbeitete als Spion für die Russen, später auch – aus Geldnot (um seine jungen Liebhaber zu finanzieren) - für Frankreich und Italien.

Es wurde versucht, den Spionage-Skandal zu vertuschen, was jedoch durch Egon Kisch vereitelt wurde: er sorgte von Prag aus dafür, dass in eine Zeitung ein Dementi erschien: "Von hoher Seite werden wir um Widerlegung der Gerüchte ersucht, dass der ... Oberst Alfred Redl ... für Rußland Spionage getrieben habe."

Ausgrabungen

1908 wurden römische und mittelalterliche Fragmente bei Grabungsarbeiten gefunden.

Adresse Ausgrabungscode [3] zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Herrengasse 19-21 201314 römisch/Mittelalter Wegen einer Generalsanierung der beiden Innenstadtpalais Herrengasse 19 und 21 wurden an 18 Stellen Sondagen angelegt, die bis zur Fundamentunterkante der benachbarten Mauern gegraben wurden. Dabei konnte ein Überblick über die Entwicklung der beiden Parzellen in der Römerzeit und im Mittelalter gewonnen werden.
Bankgasse 2 199815 Mittelalter Im Zuge von Umbaumaßnahmen im Innenhof des Gebäudes konnten während einer Notbergung nur noch die untersten Schichten einer spätmittelalterlichen Grube dokumentiert werden. Das Objekt wurde in seiner Letztverwendung unter anderem als Abfallgrube benutzt.

Wien - Eine Stadt stellt sich vor

Am Haus ist die Tafel Nummer 30 der Aktion "Wien - Eine Stadt stellt sich vor" angebracht.

Bild Sehenswürdigkeit Text der Tafel
Wien - Innere Stadt - Bankgasse 2 - 05.JPG 1, Palais Batthyany um 1695 erbaut

Fassade in der Art von
Joh. Bernhard Fischer v. Erlach



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Quellen

  1. Felix Czeike: I., Innere Stadt. Wiener Bezirkskulturführer, Jugend und Volk, Wien 1985, S.16
  2. Dietmar Grieser, Alte Häuser – Große Namen, Ein Wien-Buch; Niederösterreichisches Presshaus, 1986
  3. https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/searching/search.aspx?__jumpie#magwienscroll