Rotenturmstraße 29

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Grund-Information
Rotenturmstraße 29.jpg

Rotenturmstraße 29

Aliasadressen =Rotenturmstraße 29, =Franz-Josefs-Kai 25
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 481, 482 | vor 1821: 516, 517 | vor 1795: 675, 676
Baujahr 1902
Architekt Carl Stephann


Haus "Zum Schab den Rüssel" - Architektur und Geschichte

Das Haus wurde zwischen 1898 und 1902 durch Carl Stephann erbaut.

Im April 1945 schlugen zwei Granaten ins Haus ein und zerstörten die Eckerondelle im zweiten und dritten Stock. Zwei weitere Granaten trafen den vierten Stock und die Zone über dem Eingangsbereich. Auch ein Brand schlug auf das Haus über. Die Beschädigungen konnten jedoch beseitigt werden.

Vorgängerhäuser

Das alte Haus stand teilweise auf dem Fundament des Roten Turms.

Im Mittelalter war hier das Vorratshaus - auch Schüttkasten genannt. Kaiser Ferdinand I. verkaufte es am 7.3.1534 an Michel Schabenrüssel ("Schabinriesl", siehe auch unter:). Schabenrüssel kaufte auch die Nebenhäuser 482 und 483 (Rabensteig 8), in denen er einen Salzhandel eröffnete.

Der Uhrmacher Schönberger

Nach 1860 wurde das Haus zu einem Geschäftshaus. Der Uhrmacher Schönberger ließ hier eine große Uhr anbringen, die der gesamten Gegend dienen sollte, ein Kaffee war hier untergebracht (Schuster) und ein stark frequentierter Damensalon. Das Cafe hatte übrigens den Ruf, bei Tag ein Treffpunkt von Agenten und Schiebern zu sein, nachts ein Sammelpunkt für „äußerlich elegante, aber moralisch verwerfliche“ Gesellschaftskreise.

1887, knapp vor seinem Abriss, wurde das Gebäude durch den Architekten Johann Chalusch umgebaut.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

1564 kaufte der Bürgermeister Matthias Brunnhofer (Mathes Prunnhofer) das Haus von Schabenrüssels Witwe.

1779-1785 wohnte Maria Theresia Paradis in diesem Haus (siehe Rabensteig 6).

Sagen und Legenden

Die Sage vom Schab-den-Rüssel' Relevante Orte: Rotenturmstraße 29
Schab den Rüssel.jpg
Es war einmal ein Goldschmiede-Handwerksbursche, der spät abends zum Rotenturmtor hineinwollte. Er hoffte hier auf Arbeit, da er keinen müden Kreuzer mehr hatte. Er klopfte an das Tor und die Wache machte nach einigen Minuten auch wirklich auf. Allerdings versperrte sie das Tor mit einem ellenlangen Spieß und verlangte den „Sperrkreuzer“, den der Bursche natürlich nicht hatte. Sämtliche Überredungskünste halfen nichts, und so fiel das Tor wieder zu.

Da tauchte aus dem Nichts eine hohe Gestalt in blutrotem Mantel auf, die eine Feile aus der Tasche zog. “Kennst du das? Wenn du mit der Feile über den Mund fährst und dabei sagst: „Schab den Rüssel!“, so fällt Dir ein Goldstück aus dem Munde! Ich geb sie Dir, wenn du dieses Blatt hier unterschreibst“ – und zog eine Rolle Papier heraus. Dem Handwerksburschen wurde angst und bang, aber er unterschrieb. Da war die große Gestalt auch schon fort und der Junge hielt die Feile in der Hand.

Bei jeder Verwendung der Feile kam tatsächlich ein Goldstück aus dem Mund des Benutzers, und so kam er nicht nur in die Stadt hinein, er hatte bald auch einen großen Teufelsschatz angehäuft (und dafür eine immer wunde Lippe).

Im Laufe der Jahre gründete er eine Familie, hatte ein gut florierendes Goldschmiedegeschäft, aber vergaß auch seine ärmliche Herkunft nicht. So half er seinen Nachbarn aus der Not, beschenkte arme Gesellen, die in sein Geschäft kamen, reichlich und lebte ein glückliches Leben. Mit den Jahren war der einstige Handwerksbursche alt und kränklich geworden und eines Tages fühlte er, dass es mit ihm zu Ende gehe. Als er so auf seinem Leidensbette lag und vor sich hinstarrte, erhob sich auf einmal ein heftiger Sturm, dass das Haus erbebte, und im nächsten Augenblick stand der rote Fremde vor ihm.

In seiner Todesangst rief der Goldschmied: "Schab den Rüssel!" Aber diesmal flog die Feile nicht ihm selber an den Mund, sondern dem andern und so geschäftig fuhr sie hin und her, dass der unheimliche Fremde laut aufheulte und augenblicklich verschwand.

So hatte der Goldschmied seinen gottlosen Jugendstreich durch seine guten Taten gesühnt und seine Seele konnte zu den Gerechten in den Himmel eingehen. Noch lange danach hieß das Haus in der Rotenturmstraße, in dem der Goldschmied seinen Laden gehabt hatte, "Zum Schab den Rüssel!" und so ist durch diesen Namen die Kunde von ihm und seinem Teufelsbündnis auch für die späteren Geschlechter lebendig geblieben. [1]

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Franz-Josefs-Kai 25 191416 römisch 1914 wurden römische Ziegel, einige mit Stempel der 10. Legion, gefunden
Rotenturmstraße 25 190257 Neuzeit Als das Haus neu erbaut wurde, fand man eine, in der der Mitte des Grundstücks verlaufende, Reihe von Piloten. Auf dem Schlussstein ist eine Inschrift angebracht: Michael Schabinriesl Anno 1538.



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  1. NN: Die schönsten Sagen aus Österreich, o. J., Seite 53