Augustinerstraße 12

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Grund-Information
Augustinerstraße 03.JPG

Ungarisches Haus

Aliasadressen =Augustinerstraße 12, =Dorotheergasse 19
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 1157 | vor 1821: 1226 | vor 1795: 1131
Baujahr Um 1550, Fassade 1696
Architekt unbekannt


Ungarisches Haus oder Harnischhaus - Architektur und Geschichte

Im Innenhof des geschichtsträchtigen Hauses sind noch die Pawlatschen von 1870 erhalten, im Keller und im ersten Obergeschoss können noch die Renaissancegewölbe aus dem 16. Jahrhundert betrachtet werden. Originell ist auch der (nicht mehr betriebene) Aufzug im Nebenstiegenhaus, er ist noch manuell betrieben und ist ein technisches Denkmal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die zahlreichen bekannten Hausbesitzer

Bereits im Jahr 1313 wird an dieser Stelle ein landesfürstliches Zeughaus mit Pulvermagazin erwähnt, es dürfte sich um das älteste Zeughaus Wiens handeln. Nach seiner Nutzung als Waffenlager erlitt es zahlreiche Besitzerwechsel, erst stand es in Besitz vom Johanna von Baiern, der Frau von Herzog Albrecht IV., die es aber am 25.Mai 1410 zur Bezahlung ihrer Schulden an die Familie von Stubenenberg abtreten musste. Zehn Jahre später war das Haus abermals in landesfürstlichem Besitz, Albrecht V. bewahrte sein "Stechzeug" auf. Ladislaus Postumus verschenkte das Gebäude 1457 aus Dnk für deren Dienste an die Brüder Hans, Heinrich und Ulrich von Rosenberg, des es 3 Jahre später wieder an Friedrich III. verkauften.

König Matthias Corvinus, in dessen Besitz das Haus schließlich auch gekommen war, schenkte das Areal 1488, nachdem er ins Hasenhaus (Kärntner Durchgang 5) übersiedelt war, dem Dorotheerkloster. Im 16. Jahrhundert gelangte es in Besitz der Familie Nadasdy, die durch einige Persönlichkeiten Bekanntheit erlangte - wie der Blutgräfin Erzsebet Nadasdy oder ihren Nachkommen Franz III. Nadasdy, dem es - bis zu seiner Enthauptung am 30.4.1671 im Alten Rathaus - gehörte (Zur Hinrichtung des Grafen kann man noch mehr erfahren: Kriminalfall: Graf Nadasdy und Wipplingerstraße 6-8).

Ab 1696 der Familie Orsini-Rosenberg, die auch die barocke Fassade anbringen ließen. 1753 kaufte es Fürst Lobkowitz als Mietshaus und Gastwirtschaft der Stadt Brünn (es bekam damals den Namen "Kleines Lobkowitsches Haus"). [1]

Die ungarische Massenmörderin

Die Blutgräfin Relevante Orte: Augustinerstraße 13
Elizabeth Bathory Portrait.jpg

Das Haus in der Augustinerstraße 12 gehörte einst der ungarischen Gräfin Gräfin Erzsebet (geborene Barthory) Nadasdy. Sie war mächtig und reich, und ging als sadistische und lesbische Hochadelige in die Geschichte ein.

Erzsebet wurde am 7. August 1560 in Nyribator in Ungarn als Tochter von Georg Barthory, einem Großgrundbesitzer und Offizier, geboren. Ihre ganze Familie galt als „degeneriert“, was auf genetische Defekte aufgrund der inzestiösen Heiraten zurückgeführt wird. Elisabeth selbst soll an epileptischen Anfällen gelitten haben, ihr Bruder Stephan galt als Alkoholiker und Wüstling und auch ihre Tante war für ihre sexuelle Freizügigkeit bekannt.

Mit 12 Jahren wurde sie mit dem „Schwarzen Offizier“, Franz II. von Nadasdy verlobt – er hatte seinen Namen durch sein brutales Vorgehen in den Schlachten gegen die Türken erhalten. Mit 15 wurde sie mit ihm verheiratet und führte seine Besitztümer, Ländereien und den Haushalt sehr erfolgreich, sie bekam auch fünf Kinder. 1600 erbte sie von ihrem kinderlosen Bruder den gesamten Besitze, vier Jahre später auch den ihres Mannes, der nach langer schwerer Krankheit starb. Damit wurde sie eine der der reichsten Frauen Ungarns.

Beginn sadistischer Praktiken

Durch die neugewonnene Freiheit war es Elisabeth nun möglich, ihre sadistische Neigung auszuleben. Sie ließ durch ihre Diener Mädchen in ihre Stammburg Cachtice (dem Sommersitz) und in ihr Haus in Wien (wo sie die Wintermonate verbrachte) bringen, misshandelte sie schwer und immer wieder wurden weibliche Frauenleichen in der Umgebung gefunden. Nur ihr Reichtum und ihr Einfluss verhinderten, dass ihr Einhalt geboten wurde.

Vor allem ihr Leiblakai, Janos Ujvary, war unter der Dienerschaft auffällig – er war ein verkrüppelter Zwergwüchsiger in schriller Livree mit Bärenkräften. Er hatte es übernommen, auf Märkten, wie dem Mehlmarkt (dem heutigen Neuen Markt) Mädchen für seine Herrin anzusprechen und sie mit dem Angebot einer gutbezahlten Stelle und vielen Reisen mit der Herrin in das Haus zu locken. Die Dienstmädchen schwärmten anfangs bei Gesprächen am Markt von ihrer neuen Dienstgeberin, auch wenn sie es merkwürdig fanden, dass sie sich im Keller ein Bad und ein Schlafzimmer hatte einrichten lassen. Für 55 Gulden im Jahr nahmen sie auch die eigenartige Inspizion der Herrin und ihrer Zofe in Kauf, bei der sie sich splitternackt ausziehen mussten. In Wien soll die Gräfin unter anderem die Sängerin Ilona Harczy kennengelernt haben, eines ihrer späteren Opfer.

Die Verbrechen werden ruchbar

Auch den Augustinern gegenüber fielen manchmal Schreie aus dem Haus auf, sodass sie einmal Tongefäße durch die Fensterscheiben des Ungarischen Hauses warfen, um Ruhe einzufordern.

Erst als sie sich auch an Mädchen aus dem niedrigen Adel verging, wurde das ungarische Königshaus aktiv: Kaiser Matthias II. von Ungarn ordnete eine Untersuchung an. Die Burg in Cachtice wurde 1610 gestürmt, dabei fanden sie unzählige Frauenleichen. Die Diener gestanden, dass sie und die Gräfin junge Mädchen mit Schlägen, Peitschen, Messern, Scheren, Nadeln und Brandeisen misshandelt hätten, sie wurden mit Feuer verbrannt oder im Winter nackt im Hof festgebunden und mit Wasser überschüttet, sodass sie zu Eissäulen erstarrten. In Summe wurde von rund 650 Todesopfern gesprochen, deren Blut sie gesammelt haben soll, um darin zu baden. [2],[3],[4]

Der Prozess gegen die Gräfin wurde in Bitsce abgehalten – ihr Hausmeister, der als besonders abstoßend gegolten hatte wurde geköpft und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ihre Amme und eine Zofe wurden lebendig verbrannt, nachdem man ihnen die Finger ausgerissen hatte. Elisabeth selbst wurde auf ihrer Burg in ein Zimmer eingemauert (das Urteil verfügte ihr Cousin), mit Nahrung wurde sie durch ein kleines Loch in der Mauer versorgt. Im August 1614 starb sie und teilte ihr Vermögen noch 3 Wochen vor ihrem Tod auf ihre Kinder auf.

Vorbild für Dracula

Seither ranken sich viele Legenden und Gerüchte um die Gräfin, diese reichen von der Behauptung, sie sei eine Vampirin gewesen (sie soll auch das Blut getrunken haben), bis zur Vermutung, dass König Matthias nach einem Grund gesucht hätte, die einflussreiche und wohlhabende Gräfin auszuschalten, da sie mit den Habsburgern in Streit geraten war. Das Königreich Ungarn unter der Herrschaft des Hauses Habsburg verschuldete sich zur Finanzierung des Krieges gegen die Türken hoch bei der reichen Adelsfamilie Nádasdy – auch das kann ein Grund für ihre Beseitigung gewesen sein.

Dracula-Autor Bram Stoker soll von der Geschichte so begeistert gewesen sein, dass er sie ursprünglich in Wien spielen lassen wollte. Über die „Blutgräfin“ wurden mehrere, meist romanartige, Bücher verfasst; auch in einigen Filmen wurde das Thema verarbeitet, zuletzt in „Bathory“ (2008). [5],[6]

Fest steht jedoch, dass sie eine Massenmörderin war und damit in die Geschichte eingegangen ist.



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Quellen

  1. A. Realis (Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele): Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien: ein belehrendes und unterhaltendes Nachschlag- und Lesebuch in anekdotischer, artistischer, biographischer, geschichtlicher, legendarischer, pittoresker, romantischer u. topographischer Beziehung, Band 2, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846, S. 2
  2. http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/geschichte/247942_Die-grausame-Herrin.html
  3. Robert Bouchal, Unheimliches Wien, S. 54.
  4. Helga Schimmer, Mord in Wien, wahre Kriminalfälle, Hamon TB, 2010, S. 128 ff.
  5. http://www.veko-online.de/index.php/kriminalgeschichte/389-kriminalgeschichte-eine-graefin-als-sadistische-serienmoerderin#!/ccomment
  6. Werner Sabitzer, Artikel in „Öffentliche Sicherheit“, 5-6/14, S. 35