Stephansplatz 1

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Grund-Information
XStephansdom.JPG

Stephansdom

Aliasadressen =Stephansplatz 1
Konfession römisch-katholisch


Inhaltsverzeichnis

Stephansdom

Die bedeutungsvollste Kirche in Wien kann nicht in ein paar Zeilen abgehandelt werden, sie birgt derart viele Geheimnisse, Legenden, Symbole und Kunstwerke, dass dafür mehr Raum gegeben wird. Der liebevoll "Steffl" genannte Dom ist das Wahrzeichen Wiens und hat Not, Zerstörung, Hoffnung und Glück miterlebt.

Der Ursprung - Keltenzeit

Der alte „Steffl” ist erstaunlicherweise nicht – wie sonst für christliche Kultbauten üblich – nach Osten ausgerichtet („orientiert”). Die Hauptachse der Kirche weist gegen die sonstige Grundregel genau in jene Richtung, in der am 25. und 26. Dezember die Sonne erstmals über dem Horizont erscheint.

Der 25. Dezember ist ein alter „heidnischer” Termin: Die Römer feierten unter Heranziehung des uralten indo-iranischen Sonnengottes Mithras, der als Kriegsgott gerade unter den römischen Soldaten sehr verehrt wurde, bis ins 3. Jahrhundert auf ihren damals obersten Staatsgott „Sol invictus”, dem der 25. Dezember, der in dieser Zeit kürzeste Tag des Jahres, als Geburtstag der unbesiegbaren Sonne geweiht wurde. Um die Christen gegen das heidnische Fest zu immunisieren, setzte die Kirche anstelle des Sonnengottes „das wahre Licht des Erlösers“.

Der 26. Dezember war in der Keltenzeit der Beginn der Raunächte. Das Symbol der Kelten für Licht und Weisheit war das Pferd. Die Katholische Kirche (bzw. Kaiser Justinian I.) integrierte diesen Glauben im 5. Jahrhundert nach Christus, und setzt den Heiligen Stephanus auf ein Pferd, das Pferd wurde wegen seines Springens zum Symbol für die aufsteigende Seele, für Auferstehung und Himmelfahrt, gemacht.

Bedeutsam ist dies aufgrund folgender Annahmen:

In Wien, dem gallorömischen Vindobona, dürften unsere „heidnischen” Vorfahren über sehr lange Zeit – vielleicht noch nach Justinian – an der Stelle des heutigen Westwerks (dem ältesten – daher romanischen - erhaltenen Teil des Stephansdomes) der Stephanskirche und am benachbarten Rossmarkt ihre Pferde-Opfer zum Jahreswechsel zelebriert haben. Der 26. Dezember, der nun dem Hl. Stephan gewidmet ist, war in gallorömischer Zeit der Tag der rituellen Opfer weißer Pferde, deren Köpfe erst ein halbes Jahr später – zur Sommersonnenwende – den heutigen „Johannisfeuern” übergeben wurden.

Vor der Opferung waren diese Tiere, die unseren keltischen Ahnen als orakelkundige „Mitwisser der Göttinnen” galten und in Heiligen Hainen gehalten wurden, in entsprechende Weissagungs-Rituale für das Neue Jahr eingebunden. Mit der Errichtung des Stephansdomes wurden also heidnische Bräuche am Gelände des heutigen Stephansplatzes geschickt in den katholischen Glauben integriert.

Grabungen im Jahr 2000 zeigten, dass die erste Kapelle an dieser Stelle bereits im Jahr 800 n.Chr. stand – in dieser befanden sich Knochen aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Weitere Funde belegen, hier stand ein Turm mit farbenfroher Innenbemalung, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert.

Der Platz gilt also seitjeher als „heilig“. Archäologen fanden auf diesem Platz 11 Schichten von früheren Kirchen und Friedhöfen.

Entstehung zwischen 1137 und 1440

Der gotische Dom (der Grundriss ist der eines Kreuzes – der auf dem Kreuz liegende Christus) ist – wie eingangs erwähnt - so ausgerichtet, dass am Namenstag des Hl. Stephan, am 26. Dezember (erstmals 1137), die ersten Sonnenstrahlen auf den Altartisch und die Ikone des Heiligen Stephanus fallen.

Besonders ist auch, dass am 6. Jänner der Lichtstrahl so in den Innenraum einfällt, dass die Kronen der drei Heiligen Könige erleuchtet werden.

1137 ist deshalb ein bedeutendes Datum, weil in diesem Jahr Wien zum ersten Mal (unter dem Babenberger Leopold dem IV.) als „Civitas“ urkundlich erwähnt wurde. In diesem Jahr wurde mit dem Bau einer Pfarrkirche St. Stephan begonnen. Zur „besonderen“ Zahl 37 kommen wir etwas später. Der Um- und Ausbau des Domes zog sich über mehrere Jahrhunderte (rund 300), bis ungefähr im Jahr 1440 der Bau des Langhauses vollendet wurde. Der Turmbau wurde bereits mit der Grundsteinlegung 1339 begonnen.

Änderungen im Laufe der Jahre

Der Stephansdom wird umgebaut, seit es ihn gibt. Die letzten großen Veränderungen wurden im 20. Jahrhundert gemacht; in den 30er Jahren wurde elektrisches Licht eingeleitet, das Dach musste nach dem 2. WK erneuert werden und 1946 wurden die ersten WC-Anlagen eingebaut. Im Mittelalter war es üblich, die Notdurft innerhalb der Kirche zu verrichten. Da standen fahrende Leibschüsseln und Kübel unter den Kirchenbänken. Der entstehende Gestank wurde mit Weihrauch übertüncht.

Für die laufenden Restaurierungsarbeiten beschäftigt die Dombauhütte heute noch rund 20 Steinmetze, Schlosser, Elektriker, Bildhauer und Tischler. Einer davon läuft in rosa Arbeitsgewand umher: Es ist der Manner-Mann. Die Firma Manner sponsert seit 35 Jahren einen Handwerker, um ihre Verbundenheit zur Kirche (immerhin ist der Steffl das Logo von Manner) zu zeigen.

Zahlensymbolik

Die Schlüsselzahl des Stephansdom ist die 37. Die Unterlegung von kirchlichen Bauten mit einer Schlüsselzahl kam von den Scholastikern. Zur 37 fällt einem einiges ein: sie ist eine Primzahl, 37 beträgt die durchschnittliche Körpertemperatur – und letztlich wurde der Bau 1137 begonnen…

Mögliche Erklärungen der Zahl XXXVII (37):

  • die drei X sind das Sinnbild der Dreifaltigkeit,
  • die VII gilt als die perfekte oder auch heilige Zahl, die die Vollkommenheit repräsentiert – die Zahl der Schöpfungstage, der Bitten des Vaterunsers, der Gaben des Heiligen Geistes, der Tugenden, der Todsünden, der Sakramente, der Leidensstationen Jesu, die sieben Sakramente der katholischen Kirche, die sieben urkirchlichen Diakone (einer von ihnen war der hl. Stephanus), das apokalyptische Buch mit den sieben Siegeln.
  • Die 7 besteht aus der 3 (Dreifaltigkeit – das Göttliche, das Männliche) und der 4 (Zahl des Irdischen, das Weibliche, Temperamente, Himmelsrichtungen, Jahreszeiten…)
  • 7 hinter der 3 ergibt 37. 3 x 37 = 111. Der Dom ist 111 Fuß breit und 333 (3 x 3 x 37) Fuß lang.
  • Die Anzahl der Stufen zum Glockenturm beträgt 343 (in Quersummen: 7+3 oder 3+7) bzw. 7 x 7 x 7
  • 3 x 4 Türmchen (Symbol der 3x4 = 12 Apostel) umringen den Südturm.
  • Der Südturm selbst ist 444 (37 x 3 x 4) Fuß hoch – das plus die Länge des Doms mit 333 (37 x 3 x 3) Fuß = 777 (37 x 3 x 7)

Der Zweite Weltkrieg - Zerstörung

Am 13. April 1945 geschah die Katastrophe, die bereits fünf Tage lang versucht wurde zu verhindern, der Dom brannte und stürzte teilweise in sich zusammen. Keine andere Schilderung dieser dramatischen Entwicklung stellt so aufwühlend und trotzdem sachlich dar was geschah, wie die des Zeitzeugen Jörg Mauthe.

Sie ist hier im Original nachzulesen: Als der Dom in Flammen stand [1]

Ein Rundgang Außen

Die Westseite

Die Westfassade gehört zu den ältesten Teilen des Doms – der hier romanischen Ursprungs ist. Für ihren Bau wurden, unter anderem, römische Grabsteine verwendet, die heute noch im Bereich des Heidentores sichtbar sind.

Riesentor – Westfassade (der älteste Teil)

Das Riesentor, angeblich benannt nach dem Knochen eines Mammuts (Riesenknochen) – der bei Bauarbeiten gefunden wurde und im Tor aufgehängt wurde – dort hing er bis zum 18. Jahrhundert. Als im Mittelalter der Oberschenkelknochen eines Mammuts im Ersten Wiener Gemeindebezirk ausgegraben wurde, dachten die Menschen an die Gebeine von Riesen. Knochen vorzeitlicher Säugetiere wurden damals als „naturwissenschaftliche Kuriosa“ gerne von Domen und Kirchen gesammelt. Wie auch jener 86 Zentimeter lange Mammut-Knochen mit den Inschriften "AEIOU" (dem Wahlspruch von Kaiser Friedrich III.) und "1443". Der Knochen gehörte zur privaten Reliquien-Sammlung von Rudolf.

Die Jahreszahl legt die Vermutung nahe, dass der Knochen bei den Aushub-Arbeiten für den Nordturm des Stephansdomes gefunden wurde. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befindet er sich jedenfalls in den Sammlungen des ehemaligen Institutes für Geologie der Universität Wien. Anlässlich der Mammut-Ausstellung zwischen 19. November uns 2. März 2015 war er in den Schauräumen des Naturhistorischen Museums Wien zu sehen.

Legenden erzählen wegen diesem Knochen von Riesen, die geholfen hätten, den Dom zu bauen. Tatsächlich kommt die Bezeichnung aber von dem altdeutschen Wort „risen“ – untergehen, fallen.

Auch hier gibt es unterschiedliche Aussagen: Die Einen meinen, die sich nach innen „fallende“ Architektur des Tores sei ausschlaggebend gewesen – andere sagen, das Riesentor sei das Tor, das in diese Richtung weist, in der die Sonne „ze rise“ geht – also untergeht. Und nebenbei war hier auch das Fallgitter befestigt, das die Kirche vor dem „Stefansfreithof“ schützte.

Fakt ist, dass, wenn man durch das Tor Richtung Altar geht, man genau gegen Osten – also ins Jenseits – geht, wenn man wieder hinausgeht, exakt in Richtung Westen – also „in die Welt zurück“.

Die drei Zonen der Westfassade

An der Westfassade gibt es drei Zonen:

Ganz oben (in der Mitte) ist die himmlische Zone. Dort steht der Heilige Stephanus, der im 1. Jahrhundert nach Christus gesteinigt wurde. Deshalb hält er einen Stein in der Hand. Daneben der heilige Laurentius. Er hat einen Rost in der Hand, weil er verbrannt wurde. Auf der anderen Seite steht der Erzengel Michael. Er drückt Luzifer zu Boden, der nach Westen blickt. Im Mittelalter war man der Meinung, dass aus dem Westen das Böse kommt, weil dort die Sonne untergeht. Deshalb glaubten die Leute, die Kirchen würden vom Westen aus von den Mächten der Finsternis (Dunkelheit) angegriffen. So versuchte man, die bösen Geister ebenso durch Bilder von Dämonen und Bestien zu vertreiben. Nichts Teuflisches und Böses sollte in die Kirche kommen.

Das kann man in der untersten Zone erkennen. In den großen gotischen Radfenstern, den "Dämonenfallen" sollten sich die „wilden Gesellen“ verhängen und aufgehalten werden.

Phallus und Vagina, Jachin und Boas

Die Westfassade war bis ins 18. Jahrhundert schillernd bunt bemalt. Durch das Riesentor durften früher nur Adelige und Kirchenmänner eintreten, für das gewöhnliche Volk waren die Seiteneingänge gedacht. Darunter sieht man zwei Rundstäbe mit den menschlichen Geschlechtsorganen: Vagina (rechts) und Phallus (links), das ist außergewöhnlich für eine Kirche. Diesen Fruchtbarkeitssymbolen (aus der heidnischen Zeit) wurde große Abwehrkraft zugeschrieben. Die Kirche meint dazu, es seien Abschreckungen für Dämonen und das Böse – da diese selbst geschlechtslos seien, würden sie beim Anblick das Weite suchen. Auffällig ist auch, dass die beiden Säulen „vertauscht“ sind, denn links ist die Seite der Frau (Sitzordnung in der Kirche) und rechts die des Mannes.

Hier könnte man einen Anknüpfungspunkt zu dem Salomonischen Tempel, der das Heiligste der Freimaurerei darstellt, herstellen. Der Eingang zum Salomonischen Tempel ist von zwei Säulen umgeben, Jachin und Boas. Die linke Säule, Jachin, symbolisiert das Männliche, das aktive Prinzip oder auch die Sonne. Die rechte Säule, Boas, repräsentiert das Weibliche, Passive oder auch den Mond.

Geheime Rituale?

Die dritte Reihe zeigt die Welt der Menschen. Viele Familienmitglieder der Babenberger und Habsburger, die den Kirchenbau unterstützt hatten, werden hier gezeigt.

Jesus sitzt als Weltenrichter in der Lichthülle, umgeben von Engeln. Seine rechte Hand segnet. Links hält er das Buch des Lebens. Sein Knie ist nackt: es ist ein antikes Majestätsmotiv, zugleich aber auch ein geheimes Erkennungszeichen der Baumeister und Architekten (Bauhütten: „Arkandisziplin“ – Geheimhaltung um erworbene Erkenntnisse). Sie haben sich begrüßt indem sie ihre Hände auf den Puls des andern gelegt und die linken Kniescheiben aneinander gerieben haben (ein erster Kräfteaustausch). Daneben sitzen Apostel und Evangelisten mit Büchern und Schriftrollen. Unter dieser menschlichen friedlichen Zone regiert der Streit: Der Teufel fängt einen Narren mit der Schlinge, ein Brudermord und eigenartige Wesen. Aber es gibt keinen Sieg und keine Entscheidungen, alles ist offen.

Die Wasserspeier an der äußeren Fassade sind Regenrinnen.

Die Fensterguckerin

Erst vor kurzem entdeckt wurde die „Fensterguckerin“. Sie befindet sich am Rande der Grundsteine und ist von einem Vogel Greif verdeckt – in Wahrheit ist hier der Kopf einer römischen Statue, die Teil einer Grabstelle gewesen sein muss, eingemauert worden. Es wird vermutet, dass hier die symbolische Aussage getroffen wird: „Das Christentum hat das Heidentum besiegt“, auch die Einstellung der Kirche zu Frauen könnte hier gemeint sein (der Greif steht für die dominierende Männlichkeit).

Maßeinheiten, Symbole und Legenden

Die Rundung oberhalb der Ellen wurde als Maß für Brotlaibe überliefert. Brot zählte früher zu den Hauptnahrungsmitteln. Dementsprechend waren die Qualität und vor allem die Größe der Brotlaibe sehr wichtig. So hatten die Wiener die Möglichkeit, hier am Kreis die Größe des Brotlaibes nachzumessen.

DAS BÄCKERSCHUPFEN

Wurde ein Bäcker des Betruges überführt, drohte ihm eine strenge Strafe: Das Bäckerschupfen. Dabei wurde der Beschuldigte in einen hölzernen Käfig gesteckt und mittels eines Hebels in die Donau (bei der Rossau) getaucht, und das meistens gleich mehrmals.
"Lustig" war dies nur für die schadenfrohen Zuschauer, sie hatten Gelegenheit, ihrer derben Spottlust freien Lauf zu lassen. Seit dem 13. Jahrhundert bestand diese harte Bestrafung (1550 kam es sogar zu einem Todesfall), sie wurde auch am Neuen Markt und am Graben vollzogen. Der Sohn von Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Josef II., schaffte das Bäckerschupfen ab, das letzte Mal fand es 1773 statt.

Das Messen des Brotlaibs am Portal der Stephanskirche ist jedoch nur eine Legende. In Wirklichkeit handelt es sich um eine kreisrunde Einfurchung, verursacht durch einen einst hier montierten Mauerhaken (und das gleiche kreisrunde Gebilde befindet sich auf der anderen Seite des Tores). Bis ins Jahr 1880 wurde der Haupteingang mit einem Rokokogitter verschlossen. Dieses war an der Außenseite des Portalvorbaus befestigt, die Angeln sind an der Mauer gut erkennbar. Um die Gitterteile im geöffneten Zustand zu fixieren, war links und rechts ein Haken angebracht. Wenn man sich ausrechnet, wie oft diese Haken betätigt wurden, kann man sich leicht vorstellen, wie sich die Kreise im Laufe der Jahre in die Mauer eingeritzt haben.

Auch dazu gibt es eine nette Legende:

DER STEINERNE BROTLAIB

Es gab in Wien eine hochmütige reiche Frau, die sich weigerte, ihren Reichtum mit den Armen zu teilen. Täglich kaufte sie frisches Brot am Markt vor dem Steffl. Eines Tages holte sie das Brot daheim heraus und es war zu Stein geworden. Dies passierte einige Male, bis die Frau ihre Habgier bereute und zur Buße zum Steffl ging. Ab sofort ging sie täglich ein Jahr lang morgens zum Riesentor, und half dem Mesner, das große Tor zu öffnen, in dem sie die Torflügel an einem eisernen Haken befestigte. Eines Tages bemerkte sie, dass dort, wo sie den Haken betätigte, ein kreisrundes Loch in Form eines Brotlaibes entstanden war. Dies nahm sie als Zeichen, dass sie ihre Sünden nun abgebüßt hatte, ging fröhlich nach Hause, und teilte fortan ihren Reichtum mit den Armen der Stadt.


Links neben dem Riesentor sehen wir außen zwei in die Wand eingelassene Eisenstäbe: die große Elle (= Wiener Elle 77,8 cm, auch österreichische Tuchelle) und die kleine Elle (=Brabanter Elle 69,5 cm, auch Leinenelle). Die Tuchelle war bis 1875 – zur Einführung des metrischen Systems – gültig. Die flandrischen Tuchhändler erhielten bereits um 1200 ein Handelsprivileg in Wien Mehr dazu unter Tuchlauben. Hier konnte man die Stofflängen nachmessen.

Rechts vom Riesentor ist das Zeichen O5 in die Mauer eingeritzt. O5 war das Zeichen des österreichischen Widerstandes – genauer gesagt des „Provisorischen Österr. Nationalkomitees“, das 1945 mit den nahenden Besatzungsmächten Kontakt zur Befreiung aufgenommen hatte. Die 5 steht als fünfter Buchstabe des Alphabets für das E – womit sich OE für Österreich ergibt. Dieses Symbol war auch im Film „Der Dritte Mann“ zu sehen – bei der Verfolgungsjagd in der Kanalisation sah man es auf einer der Wände.

In der Nähe des Zeichens O5 befindet sich am linken Pfeiler des mittleren Riesentorbogens ein Kontrollzeichen der russischen Armee – als Hinweis, dass das Gebäude ohne deutsche Soldaten sei.

Heidentürme

Die Türme heißen so, weil sie aus römischen Steinen von Stadtmauerresten und römischen Grabsteinen erbaut wurden (heidnisch). Sie gehören zu den ältesten erhaltenen Teilen des spätromanischen Doms und überragen das Langschiff mit 65,6 Metern deutlich.

In den Heidentürmen befinden sich Kapellen, im nördlichen befinden sich zwei – die Prinz-Eugen-Kapelle und darüber die Schatzkammerkapelle. In ihr ist der Reliquienschatz des Domes aufbewahrt. Im südlichen Heidenturm sind ebenfalls zwei Kapellen untergebracht: Die Eligiuskapelle und darüber die Batholomäuskapelle.

Früher waren in beiden Türmen auch Glocken, die teilweise beim Brand 1945 zerstört wurden. Die Größte war die „Halbpummerin“, die vor dem Guss der Pummerin bis 1711 die größte Glocke des Doms war.

Heute noch sind im nördlichen Heidenturm 5 Glocken untergebracht:

  • Die Feuerin – wurde bei Brand geläutet
  • Die Kantorin – rief die Kantoren zum Gottesdienst
  • Die Bieringerin – befahl den Wirten, das letzte Mal vor Sperrstunde Bier zu zapfen, und läutet heute noch um 22 Uhr – ausschließlich beim Kirtag.
  • Die Churpötsch – zur Rosenkranzandacht und
  • Die Fehringerin – deren Bedeutung heute unklar ist.

Ursprünglich begrenzten die beiden Türme die romanische Basilika, als jedoch die gotischen Kapellen die Gesamtkonstruktion verbreiterten, rückten die Türme optisch in die Mitte. Beim Brand 1258 wurden sie vermutlich beschädigt und wieder aufgebaut, daraus ist eventuell auch das ungleiche Aussehen im oberen Teil zurück zu führen.

Die Nord-Seite

Prinz-Eugen-Kapelle

Hier wurde 1736 Prinz Eugen begraben. In dieser Kapelle hängt ein Kruzifix mit echten Barthaaren. Die Legende sagt, der Bart sei immer wieder nachgewachsen, nachdem ihn fürsorgende Jungfrauen alljährlich am Karfreitag gestutzt hätten.

Abgang zu den Katakomben

Grundriss der Katakomben (aus Bermann: Alt- und Neu-Wien, 1880)

Direkt neben dem Aufzug befindet sich der Abstieg zu den Katakomben des geheimnisvollen gotischen Meisterwerks. Die unterirdischen Begräbnisstätten geben mit der Bischofsgruft den Bischöfen des Stephansdoms die letzte Ruhestätte. Auch die Sarkophage des Herzog Rudolfs und weiterer Mitglieder aus dem Hause der Habsburger sowie auch Urnen mit den Eingeweiden der Habsburger, die zwischen 1564 und 1878 verstorben sind, werden in den Katakomben des Stephansdoms aufbewahrt.

Valentinskapelle

Oberhalb der Prinz-Eugenkapelle (Savoyenkapelle) befindet sich die Valentinskapelle. Sie ist auch als Reliquienkapelle bekannt, so liegen hier auch die Gebeine des Heiligen Valentin. Weiters gibt es hier ein Stück des Tischtuchs vom Letzten Abendmahl.

Bischofstor

Wie der Name schon sagt, trat hier nur der Bischof in den Dom ein, heute befindet sich hier der Domshop. Die Figuren am Tor sind der Tod, die Auferstehung und die Krönung Marias. Aber auch Fremdenhass bildet sich hier ab: Die Heilige Barbara steht auf einem Juden, der nach Luft ringt, die Heilige Katharina mit dem Rad, die auf einen heidnischen Philosophen eintritt, und die heilige Euphemia, die mit ihren Füßen einen Drachen (Sinnbild für Protestanten) malträtiert.

Hier steht das Stifterpaar Katharina und Rudolf der IV. (daher auch der Name „Fürstenportal“), begleitet werden sie von weiblichen Heiligen – das Schiff hinter diesem Eingang nannte man das „Frauenschiff“. Katharina wurde mit 11 Jahren an den damals 19 jährigen Habsburger (der nur 26 Jahre alt wurde) vermählt.

Einige Rätsel des Doms gehen auf eben diesen Stifter Rudolf zurück. An der östlichen Wand des Bischofstores ließ er eine Geheimschrift anbringen. Sie ist entschlüsselt und verweist auf "Rudolf aus edlem Stamm, der Stifter". Sie sagt aus, dass sich hier (in dieser Kirche) auch sein Grab befindet.

"Hic est sepultus nobili stirpe dux Rudolphus fundator". Erst durch diesen Text erhielt Rudolf IV. den Beinamen "der Stifter". Von besonderer Bedeutung ist der durch verehrungsvolle Berührung stark abgegriffene Kolomanistein, der unter Rudolf IV., dem Stifter, im Jahre 1361 eingemauert wurde.

Der Kolomanistein

Gleich am Türstock rechts des Bischofstores ist ein Stein eingemauert, darauf ist eine Inschrift zu sehen; sie ist jedoch schon ganz verwischt und kaum mehr leserlich. Darin heißt es, auf diesem Steine sei einst der heilige Koloman gemartert worden, die Legende berichtet dazu Folgendes:

DER HEILIGE KOLOMAN

Einst wandelte ein fremder Königssohn, sein Name war Koloman, die Donau entlang, am Weg ins Heilige Land. In Stockerau war er müde und wollte in einer Herberge unterkommen. Da zu dieser Zeit gerade Viehdiebe und sonstiges Gesindel unterwegs waren, wurde der Wanderer vom wütenden Volk gefangengenommen, es hielt ihn für einen der Bösewichte. Er verstand die Sprache nicht, und niemand konnte seine fremdländischen Schriftstücke lesen, so landete er im Gefängnis und wurde gefoltert, weil die Richter der Meinung waren, er wolle sie nicht verstehen. Auf einem Stein hauchte Koloman als Folge der Folterung seinen letzten Atemzug, seine Leiche wurde von den Gerichtsknechten auf einem Baum aufgehängt.
Nun geschah jedoch ein Wunder: Die schon verdorrten Äste des Baumes begannen wieder zu blühen, Singvögel sangen darauf fröhliche Lieder und kein Rabe machte sich an dem Leichnam zu schaffen. Als die Knechte dies dem Richter erzählten, kam dieser in Zweifel, ob der Jüngling nicht doch unschuldig gewesen wäre. Die Leiche wurde daher vom Baum genommen und in ein Grab gelegt. Bald erblühten auch am Grab die hübschesten Blumen, sogar das Hochwasser, das Stockerau heimsuchte, verschonte nur diesen einen Platz. Zu genau dieser Zeit kam der Waffenmeister Kolomans durch den Ort, auf der Suche nach seinem Herren. Als er erfahren hatte, wie es diesem ergangen war, erfasste ihn eine Schwermut und bald starb auch er.

Als der Landesfürst davon erfuhr, befahl er sofort, beide Männer nach Melk bringen zu lassen und dort gemeinsam zu begraben. Als das Grab Kolomans geöffnet wurde, sah man das nächste Wunder: Der Leichnam war nicht verwest, es sah aus, als hätte sich Koloman gerade einmal schlafen gelegt. Mit einem großem Festzug wurden die beiden Männer nun nach Melk gebracht und feierlich bestattet. Der Stein jedoch, auf dem Koloman gestorben war, kam in die Stephanskirche und erinnert dort heute noch an ihn

Leere Nische – die 3 Tatermänner

Hinter dem Bischofstor befindet sich eine leere Nische, in der früher 3 Tatermänner (heidnische Götter - eigentlich Elfen) hinter Gittern standen. Vor der Anbetung wurde mittels einer Inschrift gewarnt, bis sie endgültig weggeräumt wurden. Im Volksmund wurde sie auch die „Nische von Luziferl, Spirifankerl und Spiriginkerl“ genannt.

LUZIFERL, SPIRIFANKERL UND SPIRIGINKERL

Die drei Teufel Luziferl, Spirifankerl und Spiriginkerl trieben sich auf dem Stephansplatz herum. Sie hatten allerlei Bosheiten im Sinn, neckten die Gläubigen, die zur Kirche eilten und versteckten den Steinmetzgesellen Hammer und Meißel.
Endlich wurden die drei Teufel gefangen und an die Kirchenwand gebannt. Aus ihrer misslichen Lage konnten sie sich nicht befreien und mussten dort ausharren, bis sie zu Stein erstarrten.

Das Adlertor

Das Adlertor ist der Eingang zum Frauenschiff und unter dem Nordturm gelegen. Der Name kommt daher, dass auf dem Turm eine Adlerfigur stand. Das Metallstück außen wird als Asylring bezeichnet – ist ursprünglich jedoch ein Relikt einer Seilwinde, die für den Bau benötigt wurde. Tatsächlich standen die Menschen, die sich hierher flüchteten unter dem Schutz der Kirche, wie es Leopold IV. Ende des 12. Jahrhunderts bestimmt hat. Daher kommt das Sprichwort „ich bin im Leo“.

1637 wurde durch Kaiser Ferdinand dem III. dieses Recht aufgehoben, weil zu viele Strafverfahren damit unmöglich gemacht oder verzögert wurden.

Der unvollendete Nordturm, auch: Adlerturm

Der Nordturm

Den Bau leitete Meister Hans Puchsbaum, der Grundstein dafür wurde am 3. August 1450 durch Propst Simon von Klosterneuburg gelegt. Aufgrund der im Nordturm eingemeißelten Jahreszahlen in den nur wenig übereinanderliegenden Schichten lässt sich ein sehr langsamer Baufortschritt erkennen. Geplant war eine weitgehende Anpassung an den Südturm.

Der Nordturm wurde in der Regierungszeit Friedrichs dem III. erbaut. Dem sparsamen Herrscher sagt man nach, er habe bei der Errichtung des Turms verfügt, dass der sehr sauer geratene – und daher unverkäufliche – Wein des Jahrgangs 1450 zum Anmischen des Mörtels verwendet werden solle. Diese Mischung soll sich positiv auf das Fundament ausgewirkt haben.

Im Gegensatz zum Südturm blieben die Arbeiten am Nordturm jedoch unvollendet. Sein Bau wurde im Jahre 1511 eingestellt und der gotische Nordturm mit seinen 68,3 Metern Höhe erhielt lediglich zwischen 1556 und 1578 einen Abschluss im Stil der Renaissance. Im 19. Jahrhundert wurde nochmals in Erwägung gezogen, den Turm weiter zu bauen, um ihn dem Südturm anzupassen, man verwarf die Pläne jedoch wieder.

Aber alles hat zwei Seiten und so ist es auch heute noch diese ganz besondere Asymmetrie der Architektur, die dem Stephansdom mit seinen ungleichen Türmen das charakteristische Aussehen verleiht. Der Nordturm des Steffls kann über 343 Stufen bestiegen werden, die Aussichtsplattform ist aber auch bequem per Aufzug erreichbar.

Die Sage von Meister Puchsbaum und seinem Nordturm

Um seinen Lehrer und Meister zu verdrängen, hatte Puchsbaum versprochen, in sehr kurzer Zeit einen zweiten Turm zu bauen. Je mehr er aber darüber nachdachte, wie er seiner Zusage nachkommen möge, desto mehr fing er an zu zweifeln, und umso unruhiger wurde er. Stundenlang stand er vor dem unfertigen Dom und überlegte, wie er den zweiten Turm rasch aufziehen könne. Als er um Mitternacht herum wieder einmal so überlegte, kam ein altes Männlein und betrachtete ihn wehmütig.
"Du erbarmst mir", begann die geheimnisvolle Erscheinung zu reden, "doch ich will dir helfen, und früher, als du zugesagt hast, soll der Bau vollendet sein. Dafür fordere ich nichts, nur darfst du während des ganzen Baues den Namen deiner Braut Maria nicht nennen!" Puchsbaum in seiner Not versprach zu halten, was gefordert wurde, und der Vertrag war geschlossen.
Am nächsten Tage begann er den Bau, und dieser ging so rasch vorwärts, dass sich alles mit Recht darüber verwunderte. Puchsbaum selbst – sehr stolz über den raschen Baufortschritt, konnte seine Freude kaum unterdrücken. Jeden Abend kletterte auf das Gerüst, um den Fortschritt des Tages zu betrachten und hatte keine Sekunde Zeit, an seine Geliebte zu denken.
Doch eines Abends – als er wieder einmal auf dem Gerüst stand – sieht er unten seine Maria entlanggehen. Vor Freude über ihren Anblick brüllt er laut über den Platz „Maria!“ In selben Augenblick stürzte das Gerüst zusammen, er fiel in die Tiefe, und die Trümmer des zerborstenen Turmes bedeckten seinen Leichnam. Eine rote Gestalt erschien und verschwand bald wieder; aber das Hohngelächter der Hölle hallte weit über die Stadt hin.
Seit dieser Zeit hat man den Gedanken aufgegeben, den zweiten Turm fertig zu bauen; der Magistrat ließ Schutt und Steine wegräumen; von dem Unglücklichen aber war keine Spur zu finden.

Der Nordturm und der Zweite Weltkrieg

Als der Zweiter Weltkrieg im April 1945 fast ganz Wien zerstörte, blieb auch der Stephansdom nicht verschont. Über den Nordturm, der damals eingerüstet war, kam in der Nacht vom 11. auf den 12. April Feuer in den Dom. Der Brand vernichtete das Wimpassinger Kreuz, das in der Turmhalle hing, das Dach und schließlich einen großen Teil der Kirche.

Die Pummerin

Heute ist im Nordturm die Pummerin untergebracht (bis zum 2. Weltkrieg war sie im Südturm). Die Pummerin (der Name kommt vom tiefen Klang, dem „Pumpern“), die berühmteste Glocke des Wiener Domes und die zweitgrößte freischwingende Kirchenglocke Europas, hängt im Nordturm des Stephansdomes, der sie auch heute noch sicher mit seiner Turmhaube aus der Renaissance-Zeit schützt.

Obwohl die Glocke im 18. Jahrhundert den Namen „Josephinische Glocke“ erhielt, bürgerte sich ihr Kosename (Pummerin, auch: Bummerin) rasch ein.

Die Pummerin wiegt 21 Tonnen und muss 21 Sekunden geschwungen werden, bis ein erster Glockenschlag zu hören ist. Sie läutet nicht nur zu Silvester, sondern auch an anderen Tagen im Jahr, wie an Allerseelen, am Stephanitag, am Ostersonntag, am Heiligen Abend, bei Wahl oder Tod eines Papstes – und bei Katastrophen mit Todesopfern, wie an 9/11.

Gegossen wurde die größte Glocke Österreichs von Johan Achamer, der am 18. Dezember 1710 den Auftrag von Joseph I. dazu erhalten hatte. Als Material wurden 180 türkische Kanonenkugeln verwendet, die in der Schlacht vom 12. September 1683 eingesammelt wurden. Der Guss der schweren Glocke war am 21.Juli 1711 in der Burggasse 77 im 7. Bezirk abgeschlossen, nun musste nur noch der Transport bewerkstelligt werden.

Durch das Rotenturmtor, dem breitesten der Tore Wiens, wurde die Glocke die Rotenturmstraße entlang hochgezogen. Zuvor wurden die unterirdischen Gewölbe noch durch Christian Alexander Oedtl geprüft, ob sie der Belastung standhalten würden.

Die Weihe fand am 15. Dezember 1711 statt, das erste Mal geläutet wurde die Pummerin jedoch erst am 26. Jänner 1712, als Kaiser Karl VI. von seiner Krönungsfeier nach Wien zurückkehrte.

Das letzte Mal läutete die Original-Pummerin zu Ostern 1937. Als die Stephanskirche am 12.4.1945 brannte, stürzte die Pummerin in die Tiefe und zerschellte. Dabei wurde auch das Türkenbefreiungsdenkmal unwiederbringlich zerstört.

Auf Youtube kann eine Doku zur Pummerin angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=_2rPKEzoYLE

Die Barbara-Kapelle

Hinter dem Nordturm liegt die, wahrscheinlich schon 1492 fertig gestellte, spätgotische Barbara-Kapelle – sie ist ein Meditationsraum und war ursprünglich dem heiligen Urbanus gewidmet. 1945 brannte die Kapelle restlos aus.

In den Kreuzbalken der Kapelle wurden ein Reliquiar mit Asche aus dem Konzentrationslager Auschwitz und ein weiterer mit Erde aus Mauthausen eingesetzt. Seit Mai 2009 befindet sich hier auch eine moderne Skulptur: Schwester Maria Restituta von Alfred Hrdliczka. Sie wurde als Nonne (Hartmann-Schwester) von den Nazis hingerichtet, weil sie sich als Oberschwester des Mödlinger Krankenhauses geweigert hatte, die Kreuze in den Patientenzimmern durch Hakenkreuze zu ersetzen.

Die Kruzifixkapelle

Ein Blick durch die schmiedeeisernen Gitter lässt eine Gedenktafel erkennen. „An dieser Stätte wurde des unsterblichen W. A. MOZART Leichnam am 6. Dezember 1791 eingesegnet. Wiener Schubertbund 1931“. Von hier aus wurde Mozarts Sarg mit einer Kutsche zum Sankt Marxer Friedhof gefahren.

Der Stephansdom hatte für Mozart einige wichtige Wegstationen begleitet - hier fand am 4.8.1782 die Hochzeit zwischen Wolfgang Amadeus und Constanze statt, und auch zwei ihrer Kinder wurden hier getauft. Die Stelle als Domkapellmeister (damals sehr gut bezahlt), um die er sich einige Monate vor seinem Tod beworben hatte, erhielt Mozart nicht.

Auch für andere Musiker war der Stephansdom bedeutsam: Josef Haydn kam als Achtjähriger hier her, um als Chorknabe seine Karriere zu beginnen. Bis zu seinem Stimmbruch erhielt er hier eine Gesangsausbildung.

Zur Zeit als Haydn hier sang, wurde Antonio Vivaldi im Sterbebuch eingetragen (er war im Hauptberuf Priester).

Capistrankanzel

Von dieser Kanzel rief der Franziskaner Johannes von Capistrano die Wiener zum Aufstand gegen die Türken auf, damals stand die (Holz)Kanzel jedoch noch mitten am Friedhof.

Dieser heilige Mönch, ein Schüler Bernhardins von Siena, kam im Jahre 1451 nach Wien, um knapp vor dem Falle Konstantinopels gegen die Türken zu predigen und eine Reform des Minoritenordens durchzuführen. Capistran, der Schutzpatron der Rechtsanwälte, war zur damaligen ein berühmter Heerführer, Inquisitor und Judenverfolger. Capistran ging eher als zweifelhafter Heiliger in die Geschichte ein, indem er eine Geschichte über Hostienschändung erfand, am 2. Mai 1453 318 Juden gefangen nehmen ließ und von ihnen Geständnisse erfolterte. 41 ließ er am Scheiterhaufen verbrennen, die übrigen ließ er unter Einbehaltung ihres Vermögens aus der Stadt vertreiben.

Die Eichenholzkanzel wurde bereits 1548 als verfallen beschrieben, sie wurde später aus Stein nachgebildet und 1732 an den Dom gerückt. Die darüber angebrachte Monumentalgruppe der Gloria des Heiligen wurde 1737 von den Franziskanern angebracht. Sie zeigt Johannes von Capistran mit einer Fahne in der rechten Hand, er steht über einem besiegten Türken. Umgeben ist er von Waffen- und Fahnentrophäen und einem Putto. Die Künstler dieses Denkmals waren François Roettiers, Johann Josef Resler.

Ein kapellenartiger Vorbau befindet sich neben der Capistrankanzel, hier ist der Abgang zu den Katakomben.

Die Ost-Seite

Der Albertinische Chor

Der Ostteil des Doms besteht aus einem dreischiffigen Chor, der nach Albrecht II. benannt ist. Er wurde zwischen 1304 und 1340 errichtet und wurde – um die anderen Bautätigkeiten nicht zu behindern – um das bestehende romanische Presbyterium herum gebaut. Erst nach Fertigstellung der Bauarbeiten wurde dieses dann abgerissen.

Der Zahnweh-Herrgott

In der „Armenseelennische“ steht der Zahnweh-Herrgott. Zahnweh war im Mittelalter sehr gefürchtet, weil die Behandlung im „Herausbrechen“ bestand.

LEGENDE VOM ZAHNWEH-HERRGOTT

An einem feuchtfröhlichen Abend kamen die drei Trunkenbolde Diepold, Georg und Wendelin an dem Herrgott vorbei. Lallend machten sie sich über die Statue lustig: „Seht her, der Knabe hat Zahnschmerzen“, „Kein Wunder, wenn er täglich im Zug steht!“. Einer nahm sein Tuch vom Hals, und wickelte es dem Herrgott so um den Kopf, dass die Backen bedeckt waren.
In der selben Nacht bekamen alle drei schreckliche Zahnschmerzen. Es half nichts dagegen, selbst der Arzt war ratlos. Da erkannten die Drei, dass sie für ihre Lästerung betraft wurden. Eilig liefen sie zum Steffl und leisteten kniend vor der Statue Abbitte. Selbst zum Gespött der Leute geworden, verschwanden die Zahnschmerzen jedoch. Seither spricht man vom Zahnweh-Herrgott.

Die traurige Figur wurde 1625 durch den Hofmeister der Laurenzerinnen, Wolf Salzmann, errichtet.

Passionsfresken

Beim weiteren Rundgang Richtung Südturm entdeckt man an der Außenfassade des Winterchores (früher die Schatzkammer) sechs Passionsfresken aus dem 15. Jahrhundert (von links nach rechts: Christus vor Kaiphas, Geißelung, Dornenkrönung, Ecce homo Szene, Verurteilung durch Pilatus, Kreuztragung).

Todesangst Christi

In der anschließenden Nische trifft man auf eine, für österreichischen Boden sehr charakteristische, szenenreiche Todesangst-Christi-Darstellung aus der Zeit der späten Gotik, die ganz aus dem Erlebnis der Wiener Passionsspiele gestaltet ist. Das große Epitaph (Epitaph = Gedächtnismal für einen Verstorbenen) wurde vom Kirchenmeister Lienhart Lackner und seiner Gattin Magdalena gestiftet. Vor der Stadtansicht ist die Verhaftungsszene und die schlafenden Jünger zu sehen.

Die Süd-Seite

Steht man im Bereich des Haashauses, werden die stilistischen Unterschiede des Doms deutlich: die Gliederung hier ist deutlich filigraner als an der romanischen Weststeite, die Front wird durch giebelgekrönte Glasfenster beherrscht.

Der Götterbaum

Der hier wachsende „Götterbaum“ wurde etwa um 1850 aus China importiert, da sich auf diesem Baum „Alianthus-Spinner“ ansiedeln. Ziel war es, in Wien eine Seidenproduktion aufzuziehen. Funktioniert hat das nicht, aber immer noch schlüpfen die Falter die eine Flügelspannweite von 15 cm haben, Mitte Juni, und fliegen am Stephansplatz umher.

Der Südturm

Der Turm ist 136,7 Meter hoch, das Fundament, das nur 4 Meter tief ist (der Turm des Kölnerdoms steht auf einem 15 Meter tiefen Fundament!), ist ein Quadrat, wird aber zu einem Achteck (Oktogon), umgeben ist er mit 12 kleinen Türmchen. Der Spitz ist dreigeteilt (Dreifaltigkeit). Angeblich hat Rudolf der IV. selbst den Grundstein für den Bau gelegt. Die silberne Maurerkeller, die er dafür benutzte, ist im Schatzkammern-Inventar erwähnt, und gehörte angeblich bis in das 15. Jhdt. Zu den Kirchenschätzen. Dieser Turm wurde 1433 fertiggestellt und machte den Steffl zum höchsten Gebäude Europas. Bis 1867 war es verboten in der österreichisch-ungarischen Monarchie ein Gebäude zu bauen, das höher als der Südturm war.

1551 setzte man auf die obersten 8 Filialen des Turms ein Hirschgeweih – nach damaligem Glauben sollte das vor Blitzschlag schützen. 1864 wurde auf die Turmspitze ein steinerner Adler gesetzt, der 3 Zentner schwer ist. Der Turm beherbergt 13 Glocken, 11 dieser Glocken bilden heute das Hauptgeläut des Stephansdoms. Das Glockengeläute gab das Zeichen zum Messopfer bei Tagesanbruch und das Zeichen für das Anzünden der Laternen bei Dämmerung.

An der südlichen Turmseite sind Wappen aus der Zeit 1386 bis 1395 sichtbar. Es handelt sich hier um Wappen aus der Steiermark, Niederösterreich und Öberösterreich, .

Die Türmerstube und die Feuerwacht

In der 72 m hoch gelegenen Türmerstube war bis zur Jahreswende 1955/56 ein Wachposten der Wiener Feuerwehr stationiert. Von diesem ursprünglich höchst gelegenen Aufenthaltsort in Wien wurde Feuer zunächst mittels Sprachrohr und einer roten Fahne (nachts einer roten Laterne), später durch Signalzeichen und dann per Telefon gemeldet. Im Mittelalter wurde gleichzeitig eine schriftliche Nachricht in einer Bleikugel durch ein Rohr an der Außenseite des Turmes zum Turmmeister geschickt, der dann die militärische Feuerwache am Petersplatz alarmierte, in dem er an der Glocke „Anriss“. Noch heute heißt es im Feuerwehrjargon vor einem Einsatz „Es reißt an“. Am 31.12.1955 versah der letzte Türmer hier Feuerwachendienst.

Im Protokollbuch stand an diesem Tag „nach 421 Jahren der Dienstleistung der Türmer von St. Stephan schließe ich als letzter Türmer dieses Buch – Prosit Neujahr“.

In der Türmerstube war eine Kegelbahn eingebaut. Dazu gibt es folgende Legende:

'DAS KEGELSPIEL MIT DEM TEUFEL'

Neben dem Türmerstüberl war einst eine Kegelbahn, die aufgrund der engen Ver-hältnisse etwas zu kurz ausgefallen war. Man musste die Kugel mit dem Rücken zur Bahn zwischen den Beinen abstoßen, da der Platz nichts anderes erlaubte, und so war auch die Treffsicherheit eingeschränkt. Nur ein Türmer traf regelmäßig alle Neune, weshalb keiner mehr mit ihm spielen wollte. So räumte er für sich alleine die Kegel ab, bis um Punkt 0 Uhr plötzlich ein hagerer Mann in grauem Umhang in die Stube trat. Der Fremde bat den Kegler eindringlich aufzuhören, da die späte Stunde den Gottesfürchtigen zum Schlafen vorbehalten sei, doch der schon angetrunkene Türmer wollte davon nichts wissen, verhöhnte den Mann sogar. Der Fremde schrie: „Jeder Schub von mir trifft alle Neune. Und wenn nicht, zahle ich dir jeden Betrag der Welt“.

Der Jüngling nahm die Wette an – und warf einen der Kegel aus dem Kirchturmfenster, sodass nur mehr acht Kegel zur Verfügung stehen, und die Wette nicht mehr einlösbar war. Erbost löst der Fremde den Mantel – da war nur ein Skelett zu sehen. Voller Zorn wirf die Gestalt die Kugel in die restlichen Kegel – und den jungen Mann, der – als neunte Kegel - auf der Stelle tot umfällt. Seither spielten die Türmer nur mehr mit 8 Kegeln und der Geist des jungen Mannes taucht immer wieder auf, bis endlich alle Neune fallen.[2]

Der Turm und die Türken

Im Turm selbst sind rund 1.000 Kanonenkugeln aus der Türkenbelagerungszeit eingemauert. An der Wand der Türmerstube hängt eine der Kanonenkugeln, die daran erinnern soll.

Rüdiger Graf Starhemberg soll während der 2. Türkenbelagerung am Übergang zwischen Treppenturm und dem achteckigen Obergeschoss gesessen haben – auf der sogenannten „Starhembergbank“ -, und von hier aus die Bewegungen des türkischen Heeres beobachtet haben.

Es existiert in Höhe von rund 60 Metern ein steinerners Schild von 1792 mit einem Türkenkopf darauf. Darunter steht „Da schaust, Muhammed, Du Hund“.

DIE LEGENDE VOM DREIZEHNTEN GLOCKENSCHLAG

Kurz nach der Türkenbelagerung im Jahr 1529 erholte sich Wien langsam von den Schrecken und der Not. Die Wiener gingen wieder fort und trafen einander in Wirtshäusern zu fröhlichen Abenden. So auch ein kaiserlicher Kapellmeister namens Arnold de Bruck, der Stammgast eines Weinkellers in der Stadt war.
Eines Nachts, knapp vor Mitternacht, betritt eine Zigeunerin das Lokal. Die Gäste verstummen, keiner will sich jetzt seine gute Laune durch eine Prophezeiung verderben lassen. Nur de Bruck ruft der Zigeunerin zu, dass er gerne seine Zukunft wissen wolle. Sie nimmt seine Hand und beginnt die Linien zu lesen. Eine starke Herzenslinie, Kontakt zu berühmten Persönlichkeiten und sogar zum Kaiser, doch als sie zur Lebenslinie kommt, verstummt sie plötzlich und kehrt ihm den Rücken. Gerade als sie rasch das Lokal verlassen will, ruft de Bruck ihr nach, dass er unbedingt das Gesehene wissen wolle, er sei nicht abergläubisch. Das ganze Lokal starrt die beiden an, langsam kommt die Zigeunerin zurück und sagt: „Na gut. Ihr werdet nicht weit von hier sterben. Wenn die Turmuhr von St. Stephan dreizehn schlägt!“
Alle Gäste lachen, die Zigeunerin wirft de Bruck einen traurigen Blick zu und verzieht sich schnell.
Einige Zeit später, de Bruck hat den Abend und die Weissagung schon vergessen, stattet er seinem Bekannten, dem Glöckner von St. Stephan einen Besuch ab. Er ist gerne hier oben auf dem Turm, genießt die Aussicht und die gute Luft. Gerade, als er in die Ferne blickt, beginnt die Glocke zu läuten. Der Kapellmeister hält sich die Ohren zu, um sein feines Kapellmeister-Ohr zu schützen und schlägt dabei mit seinem Säbel heftig gegen die Glocke, deren zwölfter Schlag gerade verklungen ist.
Er bringt sie damit zum Klingen, der Stadt scheint es, als schwebe ein dreizehnter Glockenschlag über ihr. In diesem Moment erinnert sich de Bruck an die Wahrsagung, doch es ist zu spät. Er verliert das Gleichgewicht, stürzt hinunter und ist sofort tot. Die Zigeunerin wurde nie wieder in Wien gesehen.

Gedenktafel an Gerhard Klinkicht

An der linken Seite zum Aufgang in den Turm ist eine Gedenktafel angebracht. Sie erinnert an den Hauptmann Gerhard Klinkicht (1911-2000).

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Hauptmann Gerhard Klinkicht zum Dank.
Durch seine Gewissensentscheidung
bewahrte er im April 1945
den Stephansdom vor der Zerstörung.

Der Wehrmachtshauptmann Klinkicht hatte von Stadtkommandant Dietrich wenige Tage vor Kriegsende den Befehl erhalten, den Dom mit "100 Granaten in Schutt und Asche zu legen", und notfalls ihn so lange zu beschießen, bis er völlig zerstört sei. Klinkicht verweigerte den Befehl. Er konnte den Auftrag aus moralischen Gründen nicht vollziehen.

Er hatte nicht nur mit dieser Heldentat den Dom gerettet, er spendete im Laufe seines Lebens 150.000 Euro aus seinem Privatvermögen, um die Restaurierung zu ermöglichen.

Das Ernstdenkmal und der Sturz des Saulus

An der Weststeite des Südturms befindet sich in gotischer Umrahmung das Ernstdenkmal. Es zeigt den Dombaumeister Leopold Ernst, der ab 1853 für den Dombau verantwortlich war. Das Denkmal wurde von Carl Kundmann geschaffen und am 14.Juni 1894 enthüllt.

Am Südwest-Pfeiler des Südturmes ist auch eine Grabplatte zu sehen, sie stellt den Sturz des Saulus dar. Begraben ist hier der Domherr Sebastian Hueber, 1569.

Daneben befindet sich eine Erinnerungstafel an Leopold Ernst.

Das Primglöckleintor

Das Tor liegt genau gegenüber vom Churhaus – hier wohnen die Dompriester. Das Tor wird so genannt, weil man hier zur ersten Messe des Tages – zur Prime – zu läuten pflegte. Die Figuren sind die vier Evangelisten. Die sogenannte Primglöckleintor-Madonna, um 1420, vor dem Mittelpfeiler, wurde 1885 aus Wiener Neustadt hierher übertragen. Ursprünglich stand an ihrer Stelle eine Apostelfigur, die den Weg zu, Apostelchor dahinter wies.

Das Primglöckleintor führt direkt in die Katharinenkapellle.

Katharinenkapellle

Die Kapelle ist ein achteckiger Raum, und wird seit dem 17. Jahrhundert als Taufkapelle genutzt. Der Taufstein ist spätgotisch (1481) und aus rotem Salzburger Marmor und stand ursprünglich in der Mitte der Kirche, am Eingang zum Chor. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird der Taufstein wieder durch eine siebeneckige hölzerne Deckelkrone bedeckt, sie diente vorher als Schalldeckel der Kanzel. Auf ihr sind die Evangelisten und gotische Szenen der Sieben Sakramente und aus dem Leben Chirsti dargestellt. Über dem Becken hängt auch die Taufkrone von 1481.

Die nach der Gemahlin Rudolfs IV. benannte Kapelle wurde 1395 geweiht. Der Schlussstein, der vom Sternrippengewölbe herabhängt, zeigt ein Relief der Heiligen Katharina.

An der Südseite der Kapelle befindet sich das Denkmal des ersten Fürstbischofs von Wien, Anton Wofrath (+1693). In einem Medaillon ist die Büste des Bischofs zu sehen. Die Gruftplatte am Boden trägt eine lateinische Inschrift: „In meinem Leben war ich Abt, Bischof, Fürst. Nun bin ich Staub, Schatten und Nichts“.

Sonnenuhr

Über dem Strebepfeiler ist die älteste Sonnenuhr Wiens, aus dem 15. Jahrhundert (1451), zu sehen, darunter ein kleines Weihwasserbecken von 1506 – mit dem Steinmetzzeichen versehen.

Die Sonnenuhr diente – neben einer Sanduhr - zum „Richten“ der Turmuhr. Die Turmuhr aus dem 15. Jahrhundert ging andauernd falsch….

Das Singertor

Das Singertor ist das bedeutendste gotische Kunstwerk am Dom, erbaut zwischen 1365 und 1373, die Portalvorhalle, zum Schutz des Tympanon errichtet, ist von Meister Puchsbaum. Das Tor stellt die Lebensgeschichte (Taufe, Bekehrung und Enthauptung) vom heiligen Paulus dar. Den Namen hatte es angeblich von den Sängern, die durch dieses Tor eingezogen sein sollen.

Es wird schon seit vielen Jahren nicht mehr benutzt, früher war es das „Männertor“ – auf der rechten Seite der Kirche saßen nur Männer.

In den vorigen Jahrhunderten hieß das Tor auch Rendevouz-Tor, da sich hier die Verliebten trafen.

Schmerzensmann

In der Ecke neben dem Singertor steht eine überlebensgroße Figur, sie stellt einen auf die Wundmale weisenden Christus dar. Die Statue ist vermutlich aus dem Jahr 1372, erstaunlich ist die ausdrucksvolle Körperhaltung.

Das Neidhart-Grab

Zwischen Singertor und Eligiuskapelle befindet sich das Neidhart-Grab. Ob es sich hier um das Grab des Minnesängers Neidhard von Rosenthal (gest. 1240) oder um den Dichter (und Ritter) Neidhart Fuchs (gest. 1334) handelt, ist nicht sicher, da sich Jahrhunderte lang Gerüchte um beide rankten.

Das Erstaunlichste – im Jahr 2000 wurde das Grab renoviert, und man fand die Skelette von zwei Männern – es ist also durchaus möglich, dass deshalb die Gerüchte um beide Neidhards nie versiegt sind. Eine Radiokarbonuntersuchung ergab nämlich, dass der Altersunterschied den beiden Skelette rund 100 Jahre ausmachte.

Neidhart Fuchs verwendete häufig für seine Gedichte und Lieder Texte des Minnesängers und hatte den Spitznamen „Bauernfeind“, weil er meist die Bauern auf der Schaufel hatte. Doch diese rächten sich (eine Szene aus dem Schwankbuch von Neidhart Fuchs):

DAS ERSTE VEILCHEN

Es gab in dieser Zeit die Sitte, dass – wer in der Frühlingszeit das erste Veilchen fand – sich den Ort heimlich merken solle, und rasch Freunden Bescheid gab. Wenn sich die ganze Jugend dann versammelt hatte, zog man gemeinsam zu der Stelle, um ausgelassen mit Tanz und Wein den Frühling zu feiern.
So fand nun eines Märztages Herr Neidhart von Reuenthal (eigentlich Ritter Otto Fuchs) das erste Veilchen, deckte es sorgsam mit seinem Hut zu und eilte in die Stadt zurück, um von seinem Fund zu erzählen. Ein Bauer, den Neidhart schon öfter verspottet hatte, beobachtete ihn, wie er den Hut auf das Veilchen setzte. Rasch pflückt er das Veilchen, setzt ein ganz anderes übelriechendes hin, deckte den Hut darauf und schlecht weg. Nicht viel später kamen aus der Stadt die fröhlichen Jung-gesellen – an der Spitze Neidhart – und tanzten nach den üblichen Bräuchen um den Hut herum, bis einer den Hut aufdeckte, und alle sahen, was sich darunter befand. Einige glaubten, dass der Ritter sie damit necken wollte, andere lachten – Neidhard aber verzog sich beschämt ins nächste Dorf.
Schon von weitem hörte er lustigen Gesang und Reigenklang, und als er näherkam, sah er sein Veilchen an einen Stab gebunden, um den sich Alt und Jung mit fröhlichen Sprüngen drehte. Schrecken ergriff den Bauer, der den Raub begangen hatte; in seinem Antlitz stand das Geständnis seiner unsauberen Schimpftat, und Neidhart entbrannte vor Zorn. Er schlug den Bauer tot und ein paar andere noch dazu.

Zu der Zeit, als hier noch der Friedhof lag, konnte dieser gegenüber des Neidhartsgrabes durch das Neidhartstor (auch Zinnertor) betreten werden. Es wurde 1788, nach Auflassung des Friedhofes, abgebrochen.

Eligiuskapelle

Die Eligiuskapelle, im südlichen Heidenturm gelegen, ist die Anbetungskapelle des Domes. In ihr befindet sich mit dem 1507 vom Chiemseer Bischof Ludwig Ebner gestifteten Valentinsaltar der einzige noch erhaltene gotische Altar von St. Stephan. An der rechten Seitenwand steht die „Hausmuttergottes“, auch „Himmelspförtnerin“ genannt (siehe dazu auch Himmelpfortgasse).

Im Stock über der Eligiuskapelle befindet sich die Batholomäuskapelle, die nicht zugänglich ist, früher mit „Habsburgerfenstern“ ausgestattet. Die Scheiben zeigen Ahnen des Habsburger Geschlechtes, und sind heute im Historischen Museum der Stadt Wien untergebracht.

Totenleuchte

Die Totenleuchte (eine spätgotische Lichtsäule) an der rechten Seite bei der Eligiuskapelle erinnert daran, dass hier der riesige Friedhof war.

Der Stephansfreithof

Erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1255 – obwohl nachgewiesen werden konnte, dass bereits zahlreiche Friedhöfe in mehreren Schichten zuvor auf diesem Gelände waren. Der Friedhof war nachts geschlossen, trotzdem drangen hier immer wieder „zwielichtige Gestalten“ ein, wie zB. die Würfelspieler (auch die Mönche vergnügten sich beim verbotenen Glücksspiel).

Ab 1732 wurden Beerdigungen auf dem Friedhof verboten, man beseitigte die Gräber, brachte jedoch bedeutungsvolle Grabsteine noch an der Fassade der Kirche an. Auch im Deutschordenshof, der auch Teil des Friedhofes war, sind noch Grabsteine in Mauern oder im Boden u finden. Früher wurde der Stephansplatz durch eine Reihe von Häusern begrenzt, die zur Öffnung des Platzes um 1700 abgerissen wurden. Es waren hier das:

  • Mesnerhaus – Heim des Kirchendieners
  • Heilthumstuhl - von diesem Haus ging in Form eines großen Schwibbogens bis in die Brandstätte der Weg bis zum Riesentor. An Feiertagen wurden in Prozessionen die Heilgitümer bis zum Dom getragen weshalb das Haus Heilthumstuhl hieß.
  • Barleiherhaus – das Haus des Mannes, der Bahren für Begräbnisse verlieh.
  • Kirchenschließerhaus – hierwohnte der Inhaber des Kirchenschlüssels
  • Domkantorei

Dazwischen Stand das Zinnertor.

Dem Bau des Churhauses fielen die Bürgerschule, ein Bürgerhaus und die Steinbauhütte zum Opfer – und damit auch das Räubergäßchen.

DER FRIEDHOF UM ST. STEPHAN

In der Zeit, als hier noch ein Friedhof war, befanden sich hier auch Beinhäuser. In einem davon flammte das ewige Licht.
Einmal ging nachts der Mesner von St. Stephan mit einem Freund über den Friedhof, da blies der Wind seine Laterne aus. Der Mesner, der etwas über den Durst getrunken hatte, forderte seinen Freund auf, die Laterne an dem Ewigen Licht wieder anzuzünden, was dieser aber ablehnte. Daher ging der Mesner alleine zu dem Beinhaus, obwohl er dabei ein sehr ungutes Gefühl hatte. Aber um sich Mut zu machen, rief er laut: "Nun, ist kein guter Mann oder Freund da, der mir das Licht nachtragen kann, damit ich was sehe! Ihr braucht doch kein Licht mehr, da ihr doch alle längst schon schlaft!"
Als er nun seine Laterne anzünden wollte, flog ihm plötzlich etwas an die Brust wie ein Scheit Holz, aber schmal und weiß. Während er zum Schutze die Hand vorhielt, flog schon wieder ein Scheit her und so schnell, dass ihm schaurig zu Mute wurde und er schließlich gar nicht mehr wusste, wie lang dies dauerte. Da tönten zwölf Glockenschläge vom Turme herab und der Spuk war aus.
Der Mesner, der sich halbtot in das Freie schleppte, fiel draußen bewusstlos nieder. So fand man ihn, während das Beinhaus über und über mit Knochen bedeckt war. Der Mesner fiel in eine schwere Krankheit und starb bald darauf.

Das Dach

Ursprünglich bestand das Dach aus 2.000 Kubikmetern Lärchenholz – also Holz in der Größenordnung eines Waldes, der die Größe des Bezirks Josefstadt hat. Seit das Dach 1945 nach der Brandkatastrophe vollständig abbrannte, besteht die heutige Dachkonstruktion aus 605 Tonnen Stahl mit einer Gesamtfläche von 10.000 m2. Das Dach ist 27,85 Meter hoch, hat eine Spannweite von 35 Meter, besteht aus 230.000 bunt glasierten Ziegeln und weist an den schrägsten Stellen einen Winkel von 80° auf, was dafür sorgt, dass es zu einer Selbstreinigung des Daches kommt und im Winter niemals Schnee auf dem Dach liegt.

Verkehrtes Wappen

Auf der Nordseite sind die Wappen von Österreich und Wien abgebildet. Genauen Beobachtern fällt eines auf – der Bundesadler sieht auf die verkehrte Seite. Hier dürfte der Dachbaumeister mehr Wert auf Ästhetik und Symmetrie geachtet haben (die beiden Vögel sehen sich an) als auf die gesetzlichen Bedingungen: Es ist nicht erlaubt, ein Wappen abzuändern.

Der Jausenengel von St. Stephans

Ein Phänomen, das schon seit langer Zeit bekannt ist, ist der „Jausenengel“. Sieht man am späteren Nachmittag (zur Jausenzeit) von den Weingärten von Grinzing hinunter zum Stephansdom, so erscheint einem die „Weiße Frau“, auch Jausenfee genannt. Man sieht eine gleißende Figur in Form einer Frauengestalt mit weißem Schleier. In Wahrheit handelt es sich um eine Lichtreflexion zwischen den Heidentürmen.

Der Goldene Hahn

Seit alter Zeit findet man auf den Spitzen der Kirchtürme oft einen vergoldeten Hahn.

Auch auf dem Chordach von St. Stephan befindet sich ein solcher Hahn. Er soll der Wächter gegen den Teufel sein, der bekanntlich nur bis zum ersten Hahnenschrei seine dunklen Taten vollbringen kann. Der Hahn ist aber auch Sinnbild der Wachsamkeit, vor allem aber auch Sinnbild des Lichtes, weil er vor Sonnenaufgang kräht und so das kommende Licht ankündigt. Damit weist der Hahn schließlich auf Jesus hin, der die Menschen aus der Nacht zum Licht führt.


DER GOCKEL AUF ST. STEPHAN

Der junge Ritter Kaspar von Schlezer sollte dem Sultan zu Konstantinopel eine geheime Botschaft überbringen. Traurig nahm er Abschied von seinem jungen schönen Weib und machte sich auf den langen und beschwerlichen Weg in die Türkei. Ein silbernes Kreuz, das ihm seine Gattin beim letzten Lebewohl um den Hals legte, sollte den geliebten Ehemann vor Gefahren schützen. Nach wochenlanger Reise gelangte Herr von Schlezer glücklich in die Residenz des Sultans und überreichte das geheime Pergament.
Dann trat er wieder die Heimfahrt an. Doch das Schiff des Ritters wurde von Seeräubern überfallen, die ihn fesselten und im nächsten Hafen an einen reichen Scheich verkauften. Viele Jahre musste der Gefangene als Sklave schwere Arbeiten verrichten; nur das silberne Kreuz, das er an seiner Brust verborgen hielt, war ein Trost und gab ihm Hoffnung, wieder seine Freiheit erlangen zu können.
In der Heimat trauerte die Gattin um den Verschollenen. Nach fünf Jahren hatte sie die Hoffnung auf ein Wiedersehen aufgegeben und verlobte sich mit dem Freund ihres Mannes. Eben bereitete sie die Hochzeit vor, als Herr von Schlezer, in weiter Ferne, einen seltsamen Traum hatte: Im Stephansdom zu Wien stand seine Gattin vor dem Altar und wurde eben mit dem Ritter von Merkenstein getraut. Eine leise Stimme raunte dem Schlafenden ins Ohr: "Noch hast du Zeit, diese Ehe zu verhindern."
Schweißgebadet erwachte der Ritter. In seiner Verzweiflung schrie er laut: "Morgen muss ich in Wien sein und sollte mich der Teufel holen!" Da sauste der Leibhaftige auf einem Federvieh daher und sprach: "Dieser Gockel wird uns nach Wien bringen, aber ich will deine Seele dafür!" Herr Schlezer willigte jedoch nur unter der Bedingung ein, dass er während des ganzen Fluges nicht einmal erwache, sonst sollte der Höllenfürst keine Gewalt über seine Seele haben.
Der Teufel und der Ritter setzten sich auf den Rücken des Hahnes und flugs ging es durch die Lüfte davon. Bevor der Edelmann sich in die Hände des Leibhaftigen begab, griff er heimlich nach seinem Kreuz an der Brust. Dann gab er seine Seele in Gottes Hand und schon war er sanft entschlummert. Mit unheimlicher Geschwindigkeit ging es über Wiesen und Felder, Meere und Seen. Als der Morgen graute, war bereits der Steffl in Sicht. Voller Freude stieß der Hahn ein lautes Kikeriki aus, worauf Schlezer erwachte. Nun hatte der Teufel die Macht über sein Opfer verloren. Laut fluchend schleuderte er den Ritter und den Hahn in den Donaustrom. Dann fuhr der Böse fuchsteufelswild in die Hölle hinab. Zwei Fischer zogen die beiden aus den Fluten und so konnte der Adelige noch zur rechten Zeit die Trauung seiner Gattin mit dem Ritter von Merkenstein verhindern. Überaus glücklich fielen sie einander in die Arme.
Zum Dank an den Hahn, der ihn aus der Sklaverei befreit und rechtzeitig nach Wien gebracht hatte, ließ der Ritter einen eisernen Gockel anfertigen und auf den rückwärtigen Dachfirst des Stephansdomes setzen, wo er noch heute zu sehen ist und an den Teufelsritt in mittelalterlicher Zeit erinnern soll.

Direkt unter dem Dach entlang läuft – um die gesamte Kirche herum – eine Weinranke. Die Blätter haben starke Ähnlichkeit mit dem heutigen Grünen Veltliner.

Innen

Das Hauptschiff

Eine Tafel oberhalb des 1952 eingefügten Schlusssteines im Hauptschiff trägt folgende Inschrift:

   Die dich in dieses Gotteshaus ruft, die Glocke, spendete 
   das Land Oberösterreich; das dir den Dom erschließt, das 
   Tor, das Land Steiermark; der deinen Schritt trägt, den 
   Steinboden, das Land Niederösterreich; in der du betend 
   kniest, die Bank, das Land Vorarlberg; durch die das 
   Himmelslicht quillt, die Fenster, das Land Tirol; die in 
   festlicher Helle erstrahlen, die Kronleuchter, das Land 
   Kärnten; an der du den Leib des Herrn empfängst, die 
   Kommunionbank, das Burgenland; vor dem deine Seele sich 
   in Andacht neigt, den Tabernakel, das Land Salzburg; das 
   die heiligste Stätte des Landes behütet, das Dach, spendete
   im Verein mit vielen hilfreichen Händen die Stadt Wien.


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  1. Jörg Mauthe, Der Dom zu St. Stephan in Wien, Festschrift zur Wiedereröffnung des Albertinischen Chors, 1952, im Eigenverlag der Dompfarre, S. 15-16
  2. Maria Pacolt: Sagen aus Alt-Wien, Wien, 1946, S. 31