Weihburggasse 10-12

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Grund-Information
Weihburggasse 10-12.jpg

Weihburggasse 10-12

Aliasadressen =Weihburggasse 10-12
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 922, 923, 924 | vor 1821: 978, 979, 980 | vor 1795: 953, 954, 955
Baujahr 1911
Architekt Guido Gröger


Das Haus der Ärztekammer - Architektur und Geschichte

1911 erbaute Guido Gröger das Jugendstil und ersetzte damit drei kleinere Häuser. Durch die Rückverlegung der Front wurde bei dieser Gelegenheit die Weihburggasse deutlich verbreitert.

1934 wurde das Haus der Alterswohlfahrtsstiftung der Wiener Ärzte gewidmet, 1939 verleibte es das NS-Regime der Reichsärztekammer München ein. Am 3.5.1945 wurde ein erfolgreiches Rückstellungsverfahren eingeleitet, sodass nun die Ärztekammer für Wien hier ihren Sitz hat.

Am 8. April 1945 schlug in das Haus eine Bombe ein, sie beschädigte das Dach und das vierte Stockwerk auf Seite des Hofs.

Gedenktafel

Der Inhalt der Gedenktafel widerspricht den bisherigen Recherchen. Welche Fakten nun tatsächlich zu Grunde liegen, wird noch recherchiert.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
GT Ärztekammer.jpg Ärztekammer Auf diesem Platz standen um 1200 n.Chr.

Die Häuser Nr. 922, 923 und 924
Nr. 924 gehörte Dr. Hebreinstorf
genannt "Niclas der Bucharzt"
Der das Haus und seine Bibliothek 1419
der medizinischen Fakultät vermachte.
Durch 106 Jahre kamen "die Medici in
ihrem eygenen Haus zusammen
um ihre Sachen abzuhandeln".
1525 sind alle drei Häuser
"verprunnen und verdorben".
Wiederaufbau im Barock als Nummer 10, 10A und 12
1531 erhielt das Haus Nr. 10 den Schildnamen
"Zum gelben Adler".
1911 errichtete der Baumeister Guido Gröger
an Stelle der drei Barockhäuser
das große Haus Nr. 10-12 im Jugendstil.
Seit 1956 auf Grund des Österreichischen
Staatsvertrages Eigentum der
Ärztekammer für Wien
renoviert 1979-1984.

Vorgängerhäuser

Wie bereits erwähnt, standen hier einst drei kleinere Gebäude.

Haus Stadt 922 trug den Namen "Zum gelben Adler", der schon 1531 erstmals erwähnt wird. Im Mittelalter gehärte das Haus einem Herrn Drescher, der es der Heiligen Messe gestiftet hatte.

Haus Stadt 923 wird Ende des 14. Jahrhunderts erstmals genannt. Im 15. Jahrhundert gehörte es der ewigen Messstiftung von St. Stephan, 1598 kam es in Besitz der Frau von Vinzenz Muschinger, der kaiserlicher Rat und Hofkammersekretär war. Sein Grabmal befindet sich in der Schottenkirche.

Das letzte Haus schließlich, Stadt 924, stand bereits 1385 hier, damals war es dem Schottenstift dienstbar. Ab dem 15. Jahrhundert war das Haus in Besitz von Ärzten, der erste war Niklas von Hebersorf, er war 1419 durch die Pest gestorben. Ihm folgte 1440 Peter Volczian (* ? Wien (?), † (Pestepidemie) 24. Juli 1453 Wien), ebenfalls Bucharzt, als Besitzer genannt, er vermachte das Haus der medizinischen Fakultät, die bis dahin an enormer Platznot litt. Auch der Modearzt Johannes Tichtel dürfte hier gewohnt haben, bevor er in das Haus Sterngasse 5-7 übersiedelte. 1526 schließlich kaufte es der Arzt Dr. Johann Entzinger, damals als Brandstatt, der es neu erbauen ließ und an seinen Schwiegersohn Mathias Cornax, ebenfalls Arzt, vererbte.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus des Dichters Nikolaus Lenau

Zwischen 1828 und 1829 wohnte im Haus 922 der Dichter Nikolaus Lenau (* 13. August 1802 Csatád, Komitat Torontál, heute Rumänien), † 22. August 1850 Oberdöbling, Nervenheilanstalt).

Wohnhaus des Arztes Mathias Cornax, die erste Sectio

Mathias Cornax, (* 1508 Olmütz, Mähren, † 29. November 1564 Wien) erlangte dadurch Berühmtheit, dass er gemeinsam mit seinem Schwiegervater Entzianer im Jahr 1549 die erste operative Bauchöffnung vorgenommen hatte. Es ging dabei um den operativen Abbruch einer Schwangerschaft, Patientin war die Wirtin des "Roten Krebses", Margarethe Wolczer; Cornax berichtete darüber genau.

Die Frau habe angeblich vier Jahre lang ein totes Kind im Bauch getragen. Als aus dem Bauch eine eitrige Fistel brach, entschlossen sich die Ärzte, die riskante Operation vorzunehmen. Die Narkose bestand aus einem Gemisch aus Opium, Alraunblättern, Schierling und anderen Pflanzen, die auf einen Schwamm geträufelt wurden und der Patientin vor Mund und Nase gepresst wurde. Die Operation selbst verlief komplikationslos, die Wirtin überlebte.

Als sie jedoch wieder schwanger wurde, konnte man sich nicht zu einer neuerlichen Sektio durchringen, sie starb bei der Geburt.

Cornax wurde im Stephansdom beigesetzt, sein Grabstein ist heute im Wien Museum zu finden.

Der erste Kaiserschnitt für ein lebendiges Kind wurde erst um 1500 in der Schweiz vorgenommen - und das nicht einmal durch einen Arzt. Der "Schweineschneider" (Kastrator) Jakob Nufer schnitt beherzt seiner hochschwangeren Frau den Bauch auf, um ihr Kind auf die Welt zu holen und ihr damit das Leben zu retten. Nufers Frau gebar danach noch weitere Kinder, der Eingriff hatte ihr nicht geschadet.



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Quellen