Stephansdom: Der Zahnweh-Herrgott

Aus City ABC
Zur Navigation springen Zur Suche springen

In der „Armenseelennische“ steht der Zahnweh-Herrgott. Zahnweh war im Mittelalter sehr gefürchtet, weil die Behandlung im „Herausbrechen“ bestand.

Die Legende vom Zahnweh-Herrgott Relevante Orte: Stephansdom
Vienna Austria Zahnwehherrgott-01.jpg

An einem feuchtfröhlichen Abend kamen die drei Trunkenbolde Diepold, Georg und Wendelin an dem Herrgott vorbei. Lallend machten sie sich über die Statue lustig: „Seht her, der Knabe hat Zahnschmerzen“, „Kein Wunder, wenn er täglich im Zug steht!“. Einer nahm sein Tuch vom Hals, und wickelte es dem Herrgott so um den Kopf, dass die Backen bedeckt waren.

In der selben Nacht bekamen alle drei schreckliche Zahnschmerzen. Es half nichts dagegen, selbst der Arzt war ratlos. Da erkannten die Drei, dass sie für ihre Lästerung betraft wurden. Eilig liefen sie zum Steffl und leisteten kniend vor der Statue Abbitte. Selbst zum Gespött der Leute geworden, verschwanden die Zahnschmerzen jedoch. Seither spricht man vom Zahnweh-Herrgott.

Die traurige Figur wurde 1625 durch den Hofmeister der Laurenzerinnen, Wolf Salzmann, errichtet.

Symbol Medizin free.png

Zahnweh war im Mittelalter sehr gefürchtet, weil die Behandlung im „Herausbrechen“ bestand. Die Behandlung wurde auf Jahrmärkten von Kurpfuschern und Quacksalbern ausgeübt. Bevor man sich also auf so eine Behandlung einließ, versuchte man es mit alternativen Heilmitteln. Schon im Jahr 1080 n.Chr. wurde in den Schriften des Constantinus Africanus 185 Pflanzen angeführt, wie Weinessig, Knoblauch, Zimt, Alaun, Arsen, Kamille, Wachs, Bilsenkraut, Honig und Myrrhe. Sie alle sollten den Schmerz lindern oder sogar heilen.

Lange Zeit wurde auch Bilsenkraut bei Entfernung von „Zahnwürmern“ eingesetzt. Dazu leitete man den schmerzstillenden Rauch des Bilsenkrautes mittels eines Trichters auf den kranken Zahn und holte den „Wurm“ (den es natürlich nicht gibt) mit dem weißen Kern des Bilsenkrautsamens auf spektakulärer Weise heraus. Die naiven Zuschauer waren beeindruckt.

Noch im 16. Jahrhundert und sogar später machten dubiose Medikamentenverkäufer und fahrende Zahnbrecher gutes Geschäft. Sie boten als fahrende Händler Linsenbrei gegen Abszesse im Mund und Pfefferbrei gegen Zahngeschwulst an.



Gehe weiter zu

Gehe zurück zu Stephansdom

Quellen