Fleischmarkt 19

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Grund-Information
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Fleischmarkt 19

Aliasadressen =Fleischmarkt 19, =Postgasse 17, =Laurenzerberg 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 708 | vor 1821: 752 | vor 1795: 705, 707
Baujahr 1630-1660 (aus mittelalterlicher Substanz) / Umbau: 1820 / Revitalisierung. 1991-1994
Architekt unbekannt / Umbau: Josef Kassmann


Laurenzerinnenkloster und Hauptpost- Architektur und Geschichte

Das Laurenzerinnenkloster (Dominikanerinnenkloster) wurde im 17. Jahrhundert erbaut. 1819 wurde unter Integration der alten Bausubstanz ein neues Haus errichtet, in dem die Hauptpost untergebracht wurde.

Die erhaltene Giebelplastik ist von Joseph Käßmann (1820).

Das Laurenzkloster

Das Laurenzerinnenkloster 1724

Das Haus war angeblich ein ehemaliger Templersitz, der „Maria Rotundra“, bis Beguinen einzogen und es zum Kloster machten. Das Laurenzerkloster und die dazugehörige Kirche „Zum heiligen Laurenz“ bestanden schon im 14. Jahrhundert. Nachgewiesen ist dies durch regelmäßige finanzielle Zuwendungen der Bürgersfrau Margarethe Preuzzl (1305) und Friedrichs des Schönen (1327).

1349 wurden die Dominikaner-Nonnen durch eine Pest-Epidemie ausgerottet, weshalb die Nonnen des Augustinerordens vom Hohen Werd das Klostergebäude übernahmen. Um 1450 waren die Laurenzerinnen eines der reichsten Klöster Wiens. 1529 kamen die Nonnen des Maria-Magdalenen-Klosters dazu. Die Nonnen verfielen im 16. Jhdt. den Lastern, verkauften Weinberge, Äcker, Silber und es hieß, sie „hätten sich mit ungewässertem Wein bezecht, lutherische Bücher gelesen und mit liederlichen Studenten gesungen“.

Das Kloster würde bei Bränden zweimal schwer beschädigt, einmal 1590, das zweite Mail 1627. Der letzte Brand und die wachsende Anzahl an Nonnen führten schließlich dazu, dass das Kloster ab 1630 erweitert werden musste. Die Nonnen verdienten sich nun die Erhaltung des Klosters damit, dass sie eine Normalschule führten, sechs Lehrerinnen und eine Präfektin unterrichteten die Hauptfächer, zusätzlich wurden noch Handarbeitslehrerinnen beschäftigt. Zusätzliche Einnahmen wurden durch Spenden von gutbürgerlichen Frauen lukriert, die sich während der Fastenzeit in das Kloster zurückzogen.

Die Kirche „Zum heiligen Laurenz“ hatte einen schlanken, schmalen Turm, der Hochaltar war mit einem Bild des heiligen Laurenz von de Harte geschmückt. Zu der Kirche gibt es auch eine Legende:

Das Wunder zum Heiligen Laurenzius

Auf dem Laurenzaltar befand sich auch eine Staute des Heiligen Laurenzius. 1614 ging ein Kapuzinerpater mit einem Begleiter Geld sammeln. Er sprach einen protestantischen Edelmann an, der ihm jedoch eine Zuwendung verschmähte. Der Pater ging weiter und begegnete auf dem Kohlmarkt einem Jüngling. Dieser riet ihm, den Adeligen nochmals nach einer Spende zu fragen, und wie durch ein Wunder erhielt er von ihm nun doch reiche Gabe. Der Pater kehrte verwundert aber erfreut ins Kloster zurück und machte sich sofort auf zum Altar, um dankbar zu beten. Da glitt sein Blick auf die Statue des Heiligen Laurenz – und er sah das Antlitz des jungen Mannes vom Kohlmarkt: Ihm war also der Heilige Laurenz persönlich begegnet. 1647 wurde daher im Stift beschlossen, diese Statue als wundertätig zu verehren.

Weitere Verwendung des Klosters

Im September 1783 wurde das Kloster überraschend aufgelassen, es hatten eben noch Pläne für einen Ausbau des Klosters und eine Modernisierung der Schule gegeben. Das Gebäude wurde verkauft. Die Einnahmen daraus flossen in den Religionsfonds, mit ihnen 25 Häuser, 130 Joch Äcker, 59 Viertel Weingärten und 550 Joch Wald.

Zunächst war eine Nadelfabrik hier untergebracht, 1797 eine Farbenfabrik, 1818 wurde die Kirche demoliert, die bestehenden Gebäude wurden zu einem einheitlichen Komplex umgebaut. Die Kunstwerke der Kirche wurden in die Schottenfelder Kirche übertragen, die ebenfalls auf einem Areal der Laurenzerinnen stand.

Im Laufe der Zeit siedelten sich hier verschiedene Kanzleien, das Steuer- und Postamt, Abteilungen des Finanzministeriums und die Kanzlei der Bücherzensur hier an. 1875 wurde von der Post das erste Rohrpostamt Wiens eröffnet. Heute ist hier die Hauptpost zentriert, die einen Teil des Gebäudes (den nördlichen Trakt) 1991 demolierte, weil es als nicht mehr renovierungsfähig beurteilt wurde. Die Umbauarbeiten wurden 1994 abgeschlossen, die neue „Postpassage“ am 8.9.1994 eröffnet.[1]

Johann Mayrhofer, Selbstmord im Laurenzerkloster

Johann Baptist Mayrhofer (22.10.1787-5.2.1836) wuchs als Sohn eines Gerichtsprokurators in Oberösterreich auf. Zum Studium der Rechtswissenschaften und Theologie ging er nach Wien, und lernte dabei Theodor Körner kennen. Von 1814 an, bis zu seinem Lebensende, arbeitete er beim „K.K. Bücher-Revisionsamt“ und zensurierte im Rahmen der staatlichen Zensur des Metternich-Regimes Bücher, obwohl das seiner Gesinnung widersprach. Ebenfalls 1814 lernte er Franz Schubert kennen, mit dem er zwischen 1818 und 1821 in einer Wohngemeinschaft lebte. Schubert hat einige Gedichte von Mayrhofer als Vertonung seiner Lieder verwendet, wie das „Lied eines Schiffers an die Dioskuren“ oder „Der zürnenden Diana“.

Mayrhofer hatte stets einen Hang zur Melancholie, klagte über schlechtes Befinden und unternahm 1830 einen Selbstmordversuch; Man rettete ihn damals aus der Donau. 1836 stürzte er sich schließlich aus dem Fenster des dritten Stocks seiner Arbeitsstätte. Er dürfte wegen des Todes seines Freundes vereinsamt gewesen sein und einen depressiven Schub erlitten haben, der ihn zu dieser Entscheidung getrieben hatte.

Die Keller des Laurenzerinnen-Klosters

Über vier Stockwerke dehnen sich die Keller des alten Gebäudes aus. Die zahlreichen unterirdischen Gänge stammen entweder aus der Zeit der Stadtbefestigung oder der Templer, jedenfalls verbinden sie zahlreiche Häuser in der Gegend. Einer führt bis ins Drachengassen-Theater, einer unter den Schwedenplatz, wieder ein anderer soll bis zum Stephansdom führen.

In einem der Keller befindet sich noch heute ein interessantes Barockfresko, es stellt die „Auferstehung der Toten“ dar. Hier war einst die Kirchengruft gelegen.

Weinritter und "Der Keller"

Heute noch enthält das Gebäude den größten mittelalterlichen Klosterkeller Wiens, auf vier Stockwerken erstrecken sich mehrere 1000 Quadratmeter Kellergewölbe. Nachdem die Keller als Luftschutzkeller gedient hatten, lagen sie lange ungenutzt brach. 1995 mietete sie schließlich Brigitte Dvorak, die Gründerin und Präsidentin des Clubs „Der Keller“, und nutzt seither die Räumlichkeiten als Club. Hier tagt auch regelmäßig die „Europäische Bruderschaft der Weinritter“ - der Ordo Equestris Vini Europae - die hier ihren Ordenssitz hat. [2]

Angeblich sorgen kreuzende Wasseradern für eine besonders angenehme Atmosphäre - besonders in dem Bereich, wo sich einst der Altarbereich der "Unterkirche" befunden hatte .

Mengenweise zusätzliche Informationen bieten folgende Quellen:

Kriminelles

Hier hat sich noch ein zweiter Kriminalfall abgespielt, der des Franz Kalab.

Kriminalfall Franz Kalab

Vor 150 Jahren gab es im Hauptpostamt 1000 Beschäftigte – die Zentrale war in der Wollzeile, von hier aus wurden sämtliche Briefe in vier Bereiche geteilt: für Wien, für das Ausland, in „Diesseitsbriefe (ausgefahren mit der Süd- und Westbahn) und „Jenseitsbriefe“ (Briefe, die mit der Nord- und Ostbahn verteilt wurden).

In diesem Postamt arbeitet der Wiener Postbeamte Franz Kalab, der als besonders treu und zuverlässig galt, als Briefsortierer. Deswegen wurde er, als zahlreiche Briefe verschwanden und sich immer mehr Kunden beschwerten, als Kontrolleur eingesetzt.

Durch einen Kollegen, dem das seltsame Verhalten Kalabs aufgefallen war, stellte die Polizei fest, dass Kalab selbst die Briefe verschwinden ließ. Die Polizei stellte bei einer Wohnungsdurchsuchung fest, dass Kalab Briefe, in denen er Geld vermutete, unterschlug. Bei der Durchsuchung seines Zimmers stieß man auf 1.659 Pakete zusammengebundener Briefe, zahllose Kreuzbandsendungen, 799 geöffnete Briefe und 1655 leere Kuverts.

In seinem Ofen fand man ungeheure Mengen Papierasche und er gestand, einen ganzen Winter lang nur mit Briefen geheizt zu haben. Von den frankierten Kuverts löste er die Briefmarken und verwendete sie im Postamt, wenn er Schalterdienst hatte. Zwanzig Postbeamte zählten zwei Tage lang die sichergestellten Briefe und notierten den abgelösten Markenwert, der allein 8.200 Gulden betrug.

Die 1659 Pakete enthielten 56.284 Briefe, die noch ungeöffnet waren. Er gab an, an manchen Tagen bis zu 300 Briefe entwendet und heimgetragen zu haben. Insgesamt rechnete man aus, dass Kalab bin diesen Jahren bis zu einer halben Million Briefe unterschlagen hat. In vielen Briefen befanden sich bis zu 100 Gulden. Man konnte feststellen, dass Kalab im Jahre 1860 um 4.487 und 1861 um 5.516 Gulden mehr ausgegeben als verdient hatte. Außerdem kaufte er sich zwei Häuser. – die er angeblich als Treuhänder für einen Griechen erworben hätte.

Kalab wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein Name war jahrzehntelang fast ebenso bekannt wie der der berühmtesten Gewaltverbrecher der österreichischen Kriminalgeschichte. Der auf den verspätet zugestellten Briefen auf¬gedrückte Stempel „Unterschlagen gewesen und zu Stande gebracht" wurde zum geflügelten Wort in ganz Österreich, das Unterschlagen von Briefen heißt seither „kalabisieren“



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Quellen

  1. Leopold Mazakarini: Verschwundene Klöster der Innenstadt, Gesellschaft für Natur- und Heimatkunde, Wien, 1990, S. 15
  2. http://derkeller.at/ueberdenkeller