Zum Totenkopf

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Zum Totenkopf, wie das Haus seinen Namen erhielt Relevante Orte: Bognergasse 7, Petersplatz
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Das Haus in der Bognergasse 7 war im Jahr 1356 in Besitz eines bekannten Wiener Don Juans, Konrad von Kirchberg (Conrad der Chirichperger). Er gehörte einem edlen Rittergeschlecht an, und obwohl er mit einem edlen Fräulein verlobt war, sucht er immer wieder Abenteuer mit anderen Frauen.

Man erzählte sich, dass Konrad eines Nachts über den St. Petersfreithof heim gegangen sei und dabei in ein Gespräch mit einem Totengräber verwickelt wurde. Der war gerade damit beschäftigt, ein Grab zu räumen, das der schönen Frowiza. Er hatte die Gebeine achtlos beiseite geworfen, der Schädel der bekannten Dirne rollte dabei Konrad vor die Füße. Konrad hob den Schädel auf, und sagte zu ihm: "Höre Dirnlein, wenn Du kannst, so komme in einer Stunde zu mir nach Hause am Peilertor, Du wirst mir beim Nachtmahle willkommen sein."

Am nur mehr kurzen Heimweg beschlich Konrad nun doch ein ungutes Gefühl, der entsetzte Blick des Totengräbers kam ihm in den Sinn, als er seinen Wunsch dem Totenschädel mitgeteilt hatte. Wie durch ein Wunder stand plötzlich seine Geliebte vor ihm, die sich vor dem drohenden Unwetter Unterschlupf bei Konrad erhoffte. Erleichtert lud Konrad seine Braut zu einem Mahl zu sich ein. Kaum hatten die beiden zu Essen begonnen, trat der Pfarrer von St. Peter zu ihnen an den Tisch, er war der Erzieher des Junkers gewesen, und hatte ein väterliches Verhältnis zu Konrad.

Nach geraumer Zeit gestand Konrad dem Priester, was sich am Friedhof zugetragen hatte. Der antwortete darauf: "Nur Gott kann Tote zum Leben erwecken. Das Böse haucht ihnen ein kurzes Scheinleben ein, das durch Gottes Segen zu Staub zerfällt. Würde ich mit der schönen Frowiza hier am Tisch sitzen, würde ich diesen Becher Wasser nehme und ihn segnen!". Mit diesen Worten nahm er den Becher, sprach: "Bei Gottes Gnade beschwöre ich Dich, zeige das Unreine in seiner wahren Gestalt." und schüttete das Wasser der Braut ins Gesicht. Was nun geschah, ließ Konrad das Blut in den Adern gefrieren: Das Mädchen stieß einen furchtbaren Schrei aus, sein Gesicht verzerrte sich zu einem Totenkopf und mit grässlicher Stimme sagte es: "Danke deinem Glück, Junker, wäre dein Priester nicht hier gewesen, so säßest du nun mit mir in der Hölle beim Mahl!" - und verschwand in grünen Flammen.

Der Pfarrer trat zu seinem bleichen Schützling und gestand ihm, dass Konrads Mutter ihm im Traum erschienen sei, und ihn vor dem Unheil gewarnt hätte. Nur deswegen sei er zu dieser späten Stunde noch erschienen. Konrad gelobte feierlich, sein liderliches Leben damit zu beenden, er heiratete seine Braut und sorgte brav für seine große Familie.

An den Vorfall erinnert nur mehr der Name des Hauses. [1], [2]

Tatsächlich war an der Wand des Hauses 315 ein Totenkopf gemalt, vom dem sich der Hausname ableitet. Den Totenkopf verwendeten die Bogner und Pfeiler als Zielscheibe, um ihre Geschicklichkeit zu beweisen – aber auch, um die Qualität ihrer Produkte zu überprüfen.

Eine zweite Legende berichtet von einem Zwischenfall im Jahr 1809:

Kopfverletzung im Totenkopfhaus Relevante Orte: Bognergasse 7
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1809 wird das Haus wieder erwähnt, als die Franzosen Wien belagerten. In der Nacht des 11.5.1809 schlug in das Haus eine Haubitzgranate ein. Die Herrschaft und das Stubenmädchen flohen rechtzeitig in den Keller, das Stubenmädel entsann sich jedoch plötzlich, dass es noch seine Habseligkeiten holen wollte, und rannte nochmals hoch. Als die Granate im Dach einschlug, wurde sie schwer am Kopf getroffen.

Das Haus blieb sonst weitgehend verschont, nur ein Teil des Totenkopfbildes wurde zerstört. Wahrscheinlich wurde es nach dieser Beschädigung ganz entfernt, denn in einer Beschreibung aus dem Jahr 1848 erfährt man darüber nichts mehr. Dafür werden lebensgroße Statuen an der Fassade erwähnt: im ersten Stock befand sich eine Heilige Maria, im 2. ein römischer Soldat, der in der rechten Hand einen Palmzweig und der linken eine Waage hielt, und im 3. Stock fand man eine Darstellung der Dreifaltigkeit.



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Quellen

  1. Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, Wien 1952, S. 125 f.
  2. Moritz Bermann: Geschichte der Wiener Vorstädte, Wien, 1880, S. 270 f