Fahnengasse 2

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Grund-Information
Erstes Wiener Hochhaus.jpg

Fahnengasse 2

Aliasadressen =Fahnengasse 2, =Wallnerstraße 5-7, =Herrengasse 6-8
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 251, 264, 265, 266, 267, 268 | vor 1821: 259, 260, 275, 276, 277, 278, 279 | vor 1795: 129, 130, 146, 147, 148, 149, 150
Baujahr 1931-1933
Architekt Siegfried Theiss, Hans Jaksch


Das Hochhaus Herrengasse - Architektur und Geschichte

Ein Film über das Hochhaus von danberg&danberg, Puls4 -
bei Klick auf das Bild zu sehen

Hier entstand zwischen 1931 und 1933 das erste Hochhaus von Wien, Architekten waren Siegfried Theiss und Hans Jaksch. Die Wiener waren damals empört über dieses Vorhaben – allerdings hatten die gesamt 16 Etagen auf gesamt 53 Metern nicht mehr Höhe als die umliegenden Häuser – und wurde dann liebevoll „Hochhauserl“ genannt. Interessant ist auch, dass von keinem Punkt der Innenstadt das Hochhaus als solches hervor sticht, es ist praktisch ein unsichtbares Hochhaus.

Die Erbauung

Der Bau des Hauses war für die christlich-soziale Bundesregierung ein Prestigeprojekt, kurz zuvor wollte die rote Landesregierung Wiens ein Hochhaus im 9. Bezirk erbauen - und scheiterte damit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklichten die Sozialisten ihr Hochhaus, nämlich den Ringturm.

Um das Haus den Wienern schmackhaft zu machen wurde höchster Komfort angeboten: „Frauen können Gebäck und Delikatessen einkaufen, Möbelstoffe aussuchen, Photographien machen lassen, alles im Haus!“ Im 7. Stock konnte man sogar „turnen und sich der Gesichtspflege befleißigen“, im 6. Stock sich „psychologisch analysieren lassen“ – und Höhepunkt war der 14. und 15. Stock mit Restaurant und Blick über Wien. Das Restaurant, ein architektonisches Werk von Herbert Thurner , war bis 1968 durch eine Glaskuppel gekennzeichnet, die sich öffnen ließ, sie wurde daher auch als "star-lightened roofgarden" bezeichnet.

Neu an dem Haus war die Ausstattung mit Elektroherden, die Stadt Wien hatte dafür einen eigenen vergünstigten Stromtarif erlassen. Das Gebäude ist mit Schnellaufzügen ausgestattet und hatte 224 Wohnungen – 120 für Familien mit 2 – 4 Wohnräumen und einem Dienstmädchenzimmer und 104 Wohnungen für Junggesellen (!).

Vorgängerhäuser

Das Grundstück, auf dem das Hochhaus heute steht, entsprach nicht dem Areal, auf dem ursprünglich vier Häuser standen - damals gab es noch die Brunngasse, die im Zuge der Anlage der Fahnengasse verschwand. Dieses Areal gehörte zu den Liechtensteinschen Besitzungen, die nachfolgenden Besitzer waren durchwegs Adelige. Nur im Mittelalter, als das Areal von den Ständen ("Herren") noch nicht so begehrt war, scheinen als Siedler Speisemeister und Schuster auf.

1342 werden erstmals gräfliche Besitzer erwähnt, die von Oettingen, 1367 scheint als Inhaber der Kellermeister von Albrecht III. auf. Ab 1443 befand sich der Grund schließlich im Besitz des Christoph von Liechtenstein. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte kaufte die Familie die drei benachbarten Häuser auf (im Laufe des 17. Jahrhunderts).

Das Palais Liechtenstein

Auf diesem Areal wurde das ehemalige Liechtenstein Palais erbaut - ein Haus mit 17 Fensterachsen, drei Stockwerken, und Verzirungen von Ospel. 1702 wurde das Palais durch Josef Hardtmuth (dem Erfinder der Bleistiftminen aus Graphit) umgebaut. Im Haus 252 waren die fürstliche Kanzlei, die Bibliothek und die Reitschule untergebracht. Das Hauptgebäude war Haus 251. Das stattliche Palais war unter den Wiener als besonders elegant bekannt, sodass Hardtmuth der Hausarchitekt der Familie Liechtenstein wurde (1814 folgte ihm Josef Kornhäusel nach).

Die bereits erwähnte Bibliothek nahm die Hälfte eines Stockwerks ein. Sie war bereits im 16. Jahrhundert gegründet worden und enthielt mehr als 100.000 Bücher, 180 Handschriften und 250 Inkunabeln. Die Bibliothek wurde 1913 in das Sommerpalais der Fürsten Liechtenstein (9., Fürstengasse 1) überstellt.

Das Palais wurde 1913 demoliert, die Baulücke blieb durch den 1. Weltkrieg lange unverändert und diente den benachbarten Kindern als Spielplatz. Erst 1933 errichtete man das Hochhaus an seiner Stelle.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Das Haus hatte zahlreiche berühmte Mieter – z.B. Curd Jürgens, Susi Nicoletti, Oskar Werner, Paula Wessely oder Albin Skoda.

Wohn- und Sterbehaus des Schriftstellers Giuseppe Carpani

Giuseppe Carpani, * 28. Dezember 1751 Villalbese bei Como (Albavilla, Brianza), † 21./22. Mai 1825 Stadt 252 (1, Herrengasse 6-8, Wallnerstraße 5-7), Schriftsteller.

Nach Schulausbildung am Jesuitenkolleg Brera und juridischem Studium in Pavia und Mailand blieb Carpani bis 1796 in dieser Stadt, pflegte Beziehungen zum Mailänder Hof und war 1787-1796 am Theater in Monza sowie 1790-1796 als Redakteur beim „Corriere Milanese" tätig.

1796-1801 lebte er in Wien im Exil und betätigte sich hier als Hofdichter und Librettist bei der zweiten Gattin (1790) Franz' II., Maria Theresia (1772-1807; Tochter König Ferdinands IV. von Neapel). Sein Libretto „Camilla ossia Il sotteraneo" wurde 1798 am Kärntnertortheater ein großer Erfolg.

1797/1798 übersetzte er Haydns Hymne „Gott erhalte ..." ins Italienische, 1798 (Druck 1808) das Libretto zu Haydns „Schöpfung" (erste Aufführung in italienischer Sprache am 27. März 1808 im Festsaal der Alten Universität).

Nach einem Aufenthalt in Venedig kehrte Carpani 1805 nach Wien zurück und blieb hier bis zu seinem Tod. Im Vormärz leistete er (aus materiellen Gründen) Spitzeldienste für die Oberste Polizei- und Zensurstelle, 1814/1815 bewegte er sich in den damaligen Wiener Salons und fand auch Zugang zu den bedeutendsten gesellschaftlichen und kulturellen Persönlichkeiten (unter anderen Beethoven).

Gedenktafeln

Am Haus sind drei Gedenktafeln angebracht, die an unterschiedlichste Ereignisse und Persönlichkeiten erinnern. Eine betrifft den Bau des Hochhauses, eine weitere den Bösendorfer Konzertsaal.

Die Reitschule des Palais wurde 1872 von Ludwig Bösendorfer zu einem Konzertsaal umgebaut. Eröffnet wurde der Konzertsaal mit 588 Sitzplätzen durch Hans von Bülow am 19.11.1872. Hier spielten Künstler wie Epstein, Rubinstein, Brahms und Liszt, auch der Wagner-Kult begann hier. Das letzte Konzert wurde am 2.5.1913 aufgeführt, der letzte Kammermusikabend am 9.11.1913, danach riss man das Palais Liechtenstein ab.

Eine weitere Gedenktafel erinnert an die Auftritte von Franz Liszt im Bösendorfer Konzertsaal.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
GuentherZ 2014-09-13 (2) Wien01 Herrengasse Hochhaus Herrengasse GedenktafelB.JPG Erbauung Hochhaus Erbaut 1931 - 1932

mit Bundes-Wohnbauförderung
von der Herrengasse-Wohnbau-A.G.
nach den Entwürfen der Zivilarchitekten
Theiß-Jaksch
durch die Bauunternehmung
N. Rella und Neffe Bau-A.G.

GuentherZ 2014-09-13 (1) Wien01 Herrengasse Hochhaus Herrengasse GedenktafelA.JPG Bösendorfer Konzertsaal An dieser Stelle stand vordem die

fürstl. Liechtenstein`sche Winterreitschule, die im Jahre
1872 von Ludwig Bösendorfer in einen Konzertsaal
umgebaut wurde. Der Bösendorfersaal war durch
40 Jahre wegen seiner besonders guten Akustik
eine Pflegestätte erlesener Musik. Er wurde am
19. November 1872 durch Hans von Bülow eröffnet,
am 2. Mai 1913 nach einem Kammermusikabend
der Rosé-Quartetts geschlossen

Liszt GT.jpg Liszt, Franz An dieser Stelle fand sich bis zum Jahre 1913 der

Bösendorfer Konzertsaal
In den glanzvollen musikalischen Darbietungen dieses Hauses war auch
Franz Liszt
(1811 - 1886)
zu hören.
Gewidmet von der österreichisch-ungarischen
Vereinigung für Kultur und Wirtschaft.
1951 im 140. Geburtsjahr des Meisters

Spukgeschichten

Bertha von Liechtenstein, die Weiße Frau

Um das ehemalige Palais rankt sich auch eine Spukgeschichte.

Hier hatte Bertha Liechtenstein (geborene Rosenberg) gewohnt, die unglücklich mit ihrem untreuen Grafen verheiratet war. Als der Gemahl starb, trug sie aus lauter Freude nur mehr weiße Kleidung. Bertha starb am 2.5.1476 und wurde in der Gruft der Schottenkirche beigesetzt. Angeblich spukt sie - als Strafe für ihre nicht gelebte Trauer über das Witwendasein - noch heute als "Weiße Frau" unter ihren Nachfahren herum, sie erscheint immer, wenn die Familie Liechtenstein von einem besonderen Vorfall betroffen ist. Erscheint sie vor einem Gitterbett, so kann man sicher sein, dass das Kind nicht überlebt. Auch im Schottenkloster erscheint die Weiße Bertha manchmal, und kündigt damit den Tod eines Bruders an.[1]

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Herrengasse 6-8 200913 römisch Bei Umbauarbeiten des Hochhauses 2009 für die Anlage eines Belüftungsschachtes wurden im Innenhof Mauerzüge aufgedeckt. Zwischen den neuzeitlichen Einbauten konnten Reste eines lehmigen, grauen Schichtpaketes dokumentiert werden, drin befand sich Fundmaterial aus dem 13. Jahrhundert. Es ist möglich, dass es sich dabei um eine künstliche Aufschüttung handelt.
Herrengasse 4 und 6-8 193115 römisch/Mittealter 1931, als das Hochhaus errichtet wurde, fand man römische und mittelalterliche Keramik sowie Reste von Glasflaschen und einen Schmelztiegel aus Graphit.



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Quellen

  • Harald Havas: Wiener Sammelsurium, Metroverlag, S. 107
  • Rupert Feuchtmüller: Wiener Geschichtsbücher: Die Herrengasse (Band 28), Paul Zsolnay Verlag, 1982. S. 45-51
  • Robert Bouchal, Gabriele Lukacs, Unheimliches Wien, pichler Verlag, 2010. S. 18-20