Uraniastraße 1

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Grund-Information
Urania, Radetzkybrücke.jpg

Urania

Aliasadressen =Uraniastraße 1, =Julius-Raab-Platz 5
Ehem. Konskriptionsnummer - (Glacis, Freifläche)
Baujahr 1905
Architekt Max Fabiani


Die Urania - Architektur und Geschichte

Die Urania ist die griechische Muse der Astronomie - demnach bot sich der Name für das Gebäude der Sternwarte an.

Die Idee zur Urania

Die Idee zur Urania entstand eigentlich durch Max Wilhelm Meyer, der an die Uni Wien berufen wurde, um Sonnenfinsternisse zu berechnen. Als dieser nach Berlin abberufen wurde, realisierte er dort als Erstes die Idee, und setzte sie dann später in Wien, mit dem Hintergrund, dem Volk die Sterne näher zu bringen, um. Die erste Urania wurde daher im Mai 1898 im Prater aus Holz gebaut (nahe der Rotunde). Das Interesse der Bevölkerung war jedoch nicht ausreichend, und so wurde das Haus im Dezember des gleichen Jahres an Holzhändler verkauft, die es demolierten.

Obwohl Ende 1899 das Vermögensdefizit der Urania 142.692 Kronen betrug, wurde das Unternehmen fortgeführt. In den folgenden Jahren wurden die Vorträge volksnahe in verschiedenen, gemieteten Räumlichkeiten durchgeführt, darunter im ersten Kaffeehaus in der Prater Hauptallee und im Glashof in der Wollzeile 30-34.

In den Sommermonaten 1900 und 1901 verlegte die Urania ihre Vorträge (mit Ziel der Volksbildung) in den Tiergarten am Schüttel, den Zuschauern wurde ein Spektakel geboten, bei dem das Leben in Südafrika demonstriert werden sollte. In den Vorstellungen traten rund 300 Akteure auf, darunter 30 Buren, 50 Schwarzafrikaner („Eingeborene“), 20 Musiker in Burenkostümen, sowie 50 wilde und zahme Tiere. Die Veranstaltungen mussten 1901 eingestellt werden, da der Tiergarten in Konkurs ging.

Im Laufe der Jahre stieg das Interesse an Vorträgen (vor allem an der „Laterna Magica“ – der Vorgängerin der Dia-Schau) immer mehr an, sodass Räumlichkeiten gefunden werden mussten, die die Menge an Publikum fassen konnten, sodass beschlossen wurde, die Urania in ihrer heutigen Form zu erbauen.

Die Erbauung

Mikroskopierkurs in der Urania, Bild aus ÖVA [1]

Der Auftrag ging an Max Fabiani, der als Schüler von Otto Wagner eigentlich einen anderen Baustil vertrat. Für die Urania entschied er sich jedoch für eine neobarocke Ausrichtung, diese wurde dann scherzhaft als „baroccus fabiensis“ bezeichnet.

Die Eröffnung der Urania wurde schon sehnsüchtig erwartet - und so fand sie am 20.Mai 1910 statt, obwohl der Bau noch nicht fertiggestellt war. Grund für die Hektik war der Halleysche Komet, der sich der Erde näherte, und den man von der Sternwarte aus unbedingt sehen wollte. Der Klubsaal der Urania wurde 1915 neu gestaltet, beauftragte wurde dafür der Architekt Oskar Strnad.

Ab 1912 wurden in der Urania "Experimentier-Vorträge" abgehalten. Zu den berühmtesten Vortragenden der Urania zählen Thomas Mann und Albert Einstein. Um 1930 war die meistbelegte Veranstaltung der Volkshochschule ein Mikroskopie-Kurs.

Die Urania heute

Heute gehört die Urania der Volkshochschule, es finden Aufführungen der Urania Puppenbühne (Kasperl und Pezi – seit 1949) statt, und jährlich ist sie der Hauptveranstaltungsort der Viennale (Filmfestspiele).[2]

Die Puppenbühne

Gegründet wurde das Kasperltheater von einem Lehrerehepaar, Hans und Marianne Kraus. Sie hatten die gemeinsame Leidenschaft des Puppenspiels in ihrer Arbeitsstätte, einer Volksschule, entdeckt, sich zusammengetan und in Gasthäusern vorgespielt.Ein beliebter Auftrittsort war auch das Gänsehäufel-Bad. Die Urania bot dem Paar an, in den Wintermonaten hier aufzutreten. Hans schnitzte in seiner Wohnung, Stubenbastei 2-4, die Figuren, spielte den Kasperl und den Großvater Petz. Seine Frau Marianne schneiderte die Kostüme und spielte Pezi. Die Aufführungen waren ein großer Erfolg, die Zahl der Abonnenten betrug bis in die 1990er 7.000.

Ab 1957 übertrug der ORF die Kasperlsendung - jeden Mittwoch um 17 Uhr. 1974 trat Manfred Müller in das Team ein - und übernahm nach dem Tod von Hans Kraus (1995) die Rolle des Kasperl. Heute ist Müller Leiter des Kasperltheaters.[3]

Als Hans gestorben war, erfüllte sich Marianne einen Traum: Sie ließ 1997 in Rappoltenkirchen, am Peziweg 2 (hinter Pressbaum bzw. Purkersdorf), das "Pezihaus" erbauen. Es sollte eine neue Spielstätte für Puppentheater werden. Leider starb Marianne kurz nach der Eröffnung, das Haus stand lange leer. Seit 2007 wird das Gebäude für Veranstaltungen aller Art genutzt.[4]

Krawuzi Kapuzi!!!

Die Sternwarte

Die Sternwarte selbst ist im Dach (in der Kuppel) untergebracht, die sich teilt, wenn die Sterne mittels Doppelteleskops beobachtet werden. Unterhalb der Kuppel ist ein 12-eckiger Raum (Laterne genannt), der für Vorträge genutzt wird. Diesen kann man auch für Sektempfänge und Veranstaltungen buchen. [5]

Für das Hundertjahrjubiläum wurde die Kuppel erneuert und die Urania-Uhr restauriert.

Im dritten Stock befand sich bis 1938 die elektronische Zentraluhr, mit automatischer telefonischer Zeitangabe an Unternehmen.

Der Halleysche Komet

Wie oben kurz erwähnt, war der Halleysche Komet Auslöser für die Erbauung der Urania. Dieser Komet hatte Wien schon 1556 in Aufruhr versetzt. 12 Tage lang war der "schröckbare" Komet in Wien gesichtet worden. [6] Der Wiener Hofastronom Paul Fabricius beschrieb den Kometen als "glänzendes Prodigium mit prachtvollem Schweif zu Anfang März, wenn nicht schon zu Ende Februar, plötzlich im Sternbilde Jungfrau und blieb bis in die dritte Woche des Aprils sichtbar". [7]

Der Komet löste bei der Bevölkerung große Ängste aus, er war nicht nur in Wien oder Europa sichtbar, auch in China wurde davon berichtet. [8] Sein Erscheinen wurde als Unglücksbotschaft und Ankündigung von Katastrophen gesehen. Karl V., damals regierender Kaiser, soll so darüber erschrocken gewesen sein, dass er „His ergo indiciis me mea fata vocant“ gerufen haben soll (Übersetzt: "Also mit diesem Zeichen ruft mich mein Schicksal"). Er übergab die Kaiserkrone an seinen Bruder Ferdinand I. und starb zwei Jahre später († 21. September 1558).

Urania-Uhr

Die Normalzeit-Uhr der Urania[9]
Die Bevölkerung liest in den 30-er Jahren die genaue Uhrzeit ab

Die Uhr der Urania hat auch eine besondere Geschichte: Bereits am 1.10.1891 wurde die Mitteleuropäische Zeit eingeführt. Die korrekte Uhrzeit wurde von der Universitätssternwarte an die Bahnhöfe telegrafisch weiter geleitet.

Die Urania übernahm damals die Aufgabe, in Wien für die exakte Zeitbestimmung zu sorgen. Dazu wurde in der Urania die Sternzeit ermittelt (Registrierung des Meridiandurchgangs von Fixsternen auch Bruchteilen von Sekunden genau alle fünf bis sechs Nächte).

Zwischen 1911 und 1928 wurde eine Signalkanone eingebaut, die täglich exakt um 12 Uhr einen Schuss abgab, nach dem die Wiener die Uhr stellen konnten.

Ab 1913 gab es sogar per Telefon die „Urania-Zeit“. 1923 wurde erreicht, dass die Beleuchtung der Außenuhr durch das Magistrat finanziert wurde. 1928 wurde statt dem Kanonenschuss ein „Zeitball“ installiert, der um 12 Uhr an einem Mast herunterfiel.

In den 30er Jahren stellten die Wiener angeblich ihre Uhren nach der Urania-Uhr, weil sie die genaueste war.

Eintritt

Die Urania hat Mo - Fr, 09:00 - 20:00 geöffnet.

  • Telefon: +43 1 712 61 91
  • Mail: urania@vhs.at

Sternwarte: Uraniastraße 1/Eingang Turmstiege, 1010 Wien, www.planetarium-wien.at

  • Telefon: +43 1 89 174 150 000
  • Mail: planetarium@vhs.at

Beide Attraktionen der Urania sind nur über 30 Stufen zu erreichen.


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Quellen

  1. http://www.vhs.at/vhsarchiv_suche.html?result=41&id=23390&count=465
  2. http://www.vhs.at/1-vhs-wiener-urania.html
  3. http://www.kasperlundpezi.at/
  4. http://www.pezihaus.at/Willkommen.html
  5. http://www.planetarium-wien.at/
  6. Mathias Fuhrmann, Walter Obermaier: Alt- und Neues Wien, Band 2, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft, 1739, Wien. S. 804
  7. Fr. Steger: Ergänzungs-Conservationslexicon. Ergänzungsblätter zu allen Conversationslexiken. Hrsg. unter der Red. von Fr. Steger, Band 11, Romberg, 1846. S. 493
  8. http://www.wikiwand.com/de/C/1556_D1
  9. http://www.vhs.at/vhsarchiv