Argentinierstraße 32

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Haus: Argentinierstraße 32 Grund-Informationen
Favoritenstraße 19.JPG
Aliasadressen =Argentinierstraße 32, =Favoritenstraße 15
Ehem. Konskriptionsnummer Vorstadt Wieden, 1770: - | 1795: - | 1821: - | 1862: -,
Baujahr 1615
Architekt Giovanni Battista Carlone


Das Haus, Theresianische Akademie - Architektur und Geschichte

Das Theresianum 1880, Bermann

Die Anlage der Favorita begann nach dem Kauf des Areals durch das Kaiserhaus im Jahr 1614, bereits 1623 wird ein angelegter Teich erwähnt. 1642 beauftragte der Kaiser Giovanni Battista Carlone, die ersten Umbauten vorzunehmen, an der Südseite wird die Kapelle St. Michael errichtet (1797 umgestaltet). Zwischen 1657 und 1660 erfolgten zahlreiche Umbauten (unter anderem durch Giovanni Pietro Tencalla), die Kaiser Leopold I., Joseph I. und Karl VI. nutzten die Favorita inzwischen als ihren Sommersitz.[1]

1683, während der zweiten Türkenbelagerung, wurden der Park und die Gebäude verwüstet, die Wiederherstellung bei gleichzeitiger Aufstockung nahm der Baumeister Oedtl vor. Zwischen 1690 und 1725 erlebte das Schloss seine beste Zeit, Kaiser Leopold I machte das Schloss zu einem kulturellen Zentrum Wiens und veranstaltete hier Feste und Opernaufführungen. 1698 war sogar der Zar Peter den Große zu Gast, dem zu Ehren ein riesiges Fest, ein Maskenball, ausgerichtet wurde, bei dem Kaiser als Wirt verkleidet seine Gäste überraschte.

1706 legte Jean Trehet den barocken Garten und seine prunkvollen Gebäude an, so entstanden ein Gartentheater mit Grotte und ein Turnierplatz. Die 1725 im hinteren Teil des Parks angelegte Schießstätte verschwand bald wieder.

1711 wurde durch Joseph I. ein Teil der landwirtschaftlichen Nutzflächen an Gundacker Thomas Graf Starhemberg verkauft. 1717 wurde hier die spätere Regentin Maria Theresia geboren, ihre Familie verbrachte im Schloss die Sommer und feierte ausgelassene Feste. Nach 1735 wurden durch Nikolaus Pacassi eine Erweiterung vorgenommen, aber als 1740 Kaiser Karl VI. krank von einem Jagdausflug heimkehrte und bald danach im Schloss starb, war auch die Zeit der kaiserlichen Sommerresidenzen vorbei. Maria Theresia hielt sich nach dem Tod ihres Vaters nicht mehr hier auf und ließ in seinem Sterbezimmer einen Gedenkraum einrichten. Dass Schloss selbst wurde nun als Depot und Kaserne der Stadt-Miliz genutzt und verfiel langsam.

1746 wurde das Schlosss schließlich an die Jesuiten abgetreten, sie widmeten es zu einem Kolleg (Collegium Nobilium) um, das zur Erziehung adliger Schüler diente. Die nun folgenden Umbauten wurden von Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey vorgenommen. 1748 wurde eine bedeutende Fachbibliothek eingerichtet, der Straßentrakt wurde deutlich verlängert und das Komödienhaus in eine Reithalle umgebaut.

1749 schließlich übernahm die Theresianische Akademie das Areal, und baute zwischen 1755 und 1774 das "Untere Stöckl" im Norden, das auch als "Ballhaus" mit einem Fechtsaal und Werkstätten bekannt ist, und das "Obere Stöckl" im Süden, das für die Unterbringung verschiedener Studiensammlungen bestimmt war, an. Weitere Anbauten wurden 1875/1876 und 1883/1884 vorgenommen.

Bis 1904 war hier Sitz der "Orientalischen Akademie" (siehe dazu auch: Zedlitzgasse 4, die 1883 mit dem Theresianum vereinigt wurde. [2] Dazu wurde 1883 ein weiterer Trakt angebaut.

Der Zweite Weltkrieg verursachte schwere Schäden, sodass einige Gebäude abgetragen werden mussten, den Wiederaufbau nahm der Architekt Erich Schlöss vor: .

  • 1964 erbaute Schlöss den Konsulartrakt neu auf (Wiedereröffnung der Diplomatischen Akademie am 19. September 1964)
  • 1961 wurde der Reitschultrakt von Alfons Hetmanek neu gestaltet
  • 1979-1983 wurde das Ballhaus ausgebaut

Sehenswert sind auch die Innenräume - so findet sich hier ein Goldkabinett aus dem Jahr 1725, das Sterbezimmer Karls VI. eine Bibliothek (um 1748) und ein Raum mit Baldwerkstuck (um 1725). Im Peregrinsaal (wahrscheinlich verballhornt aus "Pellegrinisaal") ist ein Wandgemälde aus dem Jahr 1725 zu sehen, das die "fünf Tugenden" zeigt, es ist vermutlich ein Werk von Giovanni Antonio Pellegrini (es wurde erst 1984 freigelegt).

Vorgängerhäuser

Bevor hier die Favorita entstand, lag hier ein ein großer Meierhof, der der Familie Jaekmayr gehörte. Er ging später in den Besitz von Haunolt Schuchler († um 1361) über, dann an Rudolf Angerfelder († 1419), womit er den Namen "Angerfelderhof" erhielt..

Zum "Schaumburgerhof" wurde die Meierei 1450, als sie von Johann (II.) Graf Schaunberg, dem Landeshauptmann in Oberösterreich und Landmarschall in Steiermark († 1453) gekauft wurde.

Der Besitz blieb rund 100 Jahre in der Familie Schaunberg, dann wurde er um 1542/1558 vom Großunternehmer Andreas Pögl Freiherr von Reiffenstein gekauft, nun nannte man ihn "Pöglhof". 1584 ist ein weiterer Verkauf vermerkt, er erfolgte an Wolf Sinnich.

Letztendlich kaufte am 18. Oktober 1614 Kaiserin Anna, die Gemahlin von Matthias, das Areal und schuf die kaiserliche Sommerresidenz "Favorita" ("Die Bevorzugte").



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Quellen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Wien/Wieden
  2. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 30