Wipplingerstraße 6-8

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Grund-Information
Wien altes Rathaus Portal.jpg

Altes Rathaus

Aliasadressen =Wipplingerstraße 6-8, =Stoß im Himmel 2, =Salvatorgasse 5-7/7A
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 385; 383 | vor 1821: 414, 416; 413 | vor 1795: 416, 417, 418; 427
Baujahr Fundamente: 13. Jh. / 1822
Architekt unbekannt / Anton Behsel


Das Alte Rathaus

1316 wird das Alte Ratshaus erstmals erwähnt. Im 18. Jahrhundert wurde das Haus renoviert, damals wurde die Fassade erneuert, der Ratssaal erhielt eine neue Decke. Heute – nach der Übersiedlung des Magistrats in das Neue Rathaus – befinden sich hier die Amtsräume des Magistratischen Bezirksamts für den 1. und 8. Bezirk und des Bürgerservices.

Portal mit Gerechtigkeit und Güte

Das heutige Aussehen erhielt das Altes Rathaus nach der Türkenbelagerung 1683. Die beiden Eingangsportale wurden mit allegorischen Figuren geschmückt. Das Westportal wird von der "Gerechtigkeit" und der "Güte" bewacht, das Ostportal von "Vertrauen" und "Frömmigkeit". Schreitet man durch diese Tore, gelangt man in den Innenhof mit dem Andromedabrunnen. Vom großen Innenhof gelangt man in die Räume des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes, das im ersten Stock untergebracht ist.

Über den rechten kleinen Innenhof (eigentlich Kirchenhof) kommt man in die Salvatorkirche und den dazugehörigen Pfarr-Raum. Im Museumshof (linker kleiner Innenhof) findet sich der Eingang zum Bezirksmuseum.

Salvatorkirche

Teil des Alten Rathauses war eine hauseigene Kapelle, die heute von Seite der Salvatorgasse zugänglich ist. Mehr dazu findet sich auf der Seite Salvatorkirche.

Andromedabrunnen

THEMA: Andromedabrunnen was ist hier zu finden
Andromedabrunnen Wien 1010.JPG

Der Andromedabrunnen
Baujahr: 1741
Künstler: Georg Raphael Donner
Kurzbeschreibung: Wandbrunnen mit Relief und Becken aus Wöllersdorfer Stein

Der Brunnen im Alten Rathaus, Ansicht um 1900 [1]

Dieser Brunnen im Innenhof des Alten Rathauses wurde 1741 (als letztes seiner Werke) durch den Bildhauer Georg Raphael Donner geschaffen, er starb unmittelbar nach Vollendung des Brunnens.

Das Bleirelief stellt Perseus und Andromeda dar. Andromeda war eine Königstochter, die einem Seeungeheuer geopfert werden sollte, weil sich ihre Mutter Kassiopeia gerühmt hatte, schöner zu sein als die Nereiden. Die rachsüchtigen Nereiden beschwerten sich bei Poseidon, der ein Meeresungeheuer zur Verwüstung Äthiopiens schickte - und das Jungfrauenopfer einforderte. Nur der jungfräuliche Körper Andromedas konnte das Land noch retten.

Perseus hatte soeben der Medusa den Kopf abgeschlagen, und war am Heimweg, als er das Mädchen, an einen Stein gekettet, fand. Perseus befreite sie natürlich. Mutig lieferte er sich einen Kampf mit dem Drachen und nahm Andromeda zur Frau.

Das Becken des Brunnens ist bauchig geschwungen, und trägt einen Gitteraufsatz. Umringt wird das Relief von allegorischen Putti, die den Balkon tragen, sie stellen die Kardinaltugenden dar. Das Balkongitter ist eine Arbeit von Simon Vogl (1725). Von diesem Balkon aus verkündete der Stadtrat seine Verordnungen.

Bekrönt wird der Balkon vom einem Wappenengel.

Gedenktafel

100 Jahre nach der Revolution 1848 fand im Alten Rathaus eine Sonderausstellung "Wien 1848" statt, im Zuge dessen dürfte die Gedenktafel an der Fassade des Hauses angebracht worden sein. Die Wiener Rathauskorrespondenz vom 21.5.1948 berichtete:

"Am Abend des 26. Mai 1848 hielt der "Ausschuss der Bürger, Nationalgarde und Studenten Wiens für Aufrechterhaltung der Ruhe, Sicherheit und Ordnung und Wahrung der Rechte der Völker", kurz der "Sicherheitsausschuss" genannt, im Alten Rathaus seine erste Sitzung ab. Das Ministerium hatte die Bildung dieser Körperschaft gebilligt, die zeitweilig mächtiger als die Regierung selbst war. Die Sitzung begann als Gemeindeausschusssitzung und wurde von Vizebürgermeister Bergmüller eröffnet. Es wurde ein Komitee aus Deputierten des Gemeinderatsausschusses, der Nationalgarde und der Studenten gebildet. Der Sicherheitsausschuss war beratende Körperschaft, Exekutivorgan und Justizbehörde zugleich. Er befasste sich mit allen Fragen, die das öffentliche Leben Wiens betrafen. Die in der ersten Sitzung angenommenen Anträge, die am nächsten Tag auch vom Ministerrat bestätigt wurden, beinhalteten die Bewachung der Stadttore durch die Nationalgarde, den Verbleib des zum Dienste notwendigen Militärs in Wien und die Bestrafung der für den 26. Mai Schuldtragenden. Das Ministerium machte den Sicherheitsausschuss, dessen Vorsitzender seit 1. Juni Dr. Fischhof war, unabhängig von jeder anderen Behörde und übertrug ihm die volle Verantwortung für die öffentliche Ruhe und Ordnung, sowie für die Sicherheit der Personen und des Eigentums. Der Sicherheitsausschuss bestand bis zum 25. August 1848 und übergab an diesem Tage seine Fahnen an die Universität und den Oberkommandanten des bürgerlichen Zeughauses." [2]

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Altes Rathaus, Vienna - GT 26.Mai 1848.jpg Wiener Sicherheitsausschuss In diesem Hause trat der

in den Revolutionstagen
des Jahres 1848 zur Auf-
rechterhaltung der Ord-
nung vom Volke gewählte
Sicherheitsausschuss am
26. Mai 1848 im Sitzungs-
saale zusammen

Der Wappenengel

Der Wappenengel, Hausecke
Der Wappenengel, Grafik

Das Alte Rathaus hat einen Wappenengel, der bereits aus der Zeit 1420 stammt. Ursprünglich war er am Haus Hoher Markt 10-11, dem Zunfthaus der Taschner, befestigt und übersiedelte 1842 aufs Rathaus (laut Wien-Wiki war der ehemalige Standort Wollzeile 8, dort war jedoch nie ein Zunfthaus). Das Steinbildnis stellt einen gotischen Engel mit Wappen von Österreich und Wien dar, die mit einer Kette verbunden und einem Stabschloss gesichert sind.

Als das alte Taschnerhaus abgerissen wurde, trug man diesen Engel ab und nutzte die Gelegenheit, ihn zu untersuchen. Man stellte dabei fest, dass das Steinbild ursprünglich bunt bemalt gewesen war: Man erkannte Partikel eines weißen Kleides und eines roten Mantels, später übermalte man das Kleid in rot und den Mantel grün. Kette und Schloss waren zunächst versilbert, später schwarz übermalt wurden. [3]

Das Innere des Alten Rathauses

Der Wappensaal

Im ersten Stock befindet sich der Wappensaal, der eine Stuckdecke von 1713/1714 mit den Wappen der Mitglieder des Inneren Rates hat. An den Wänden hängen Ölbilder der Bürgermeister von Wien.

Der Barocksaal

Ebenfalls im ersten Stock ist der Barocksaal, der um 1700 errichtet wurde. Die Stuckdecke stammt von Alberto Camesino (1713), in der Mitte der Decke ist der Reichsadler zu sehen, links und rechts davon sind zwei Deckenbilder mit Wappenspruch-Medaillons angebracht. Das eine stellt die Gerechtigkeit dar, das andere Salomons Urteil. Beide dürften von Hans Gregor Greiner geschaffen worden sein, waren jedoch jahrelang durch ein Gemälde von Johann Michael Rottmayer (Maler des Biedermeiers) verdeckt. Erst bei der Restaurierung wurden die Bilder darunter wiederentdeckt – das Bild Rottmayers wurde abgelöst und im neuen Rathaus angebracht.

Das Luegerzimmer

Vom Vorraum des Barocksaals aus gelangt man ins Luegerzimmer. Der kamin und der große Spiegel sind späthistorisch, hier befindet sich auch eine Geheimtüre. Auch in diesem Raum befinden sich Medaillons mit Sprüchen.

Der Keller des Alten Rathauses

Das Haus verfügt über sehr tiefe Kelleranlagen, in denen die ehemaligen Kerker und eine Folterkammer untergebracht waren. Verurteile sollen hier mit schweren Ketten, und Eisenspangen mit schweren Kugeln an den Fußgelenken am Flüchten gehindert worden sein. Angeblich gab es sogar eine Beamtin (die mittlerweile pensioniert wurde), die Jahre lang Seufzer aus der Folterkammer unter ihrem Büro gehört hätte.

Mittlerweile sind diese leider verschüttet, da man die „Erinnerung an die schreckliche Zeit der Folterung löschen wollte“.

Einer der Kellerräume bietet jedoch eine wirkliche Sensation: hier sind die Mauern eines Bürgerhauses der ehemaligen Judenstadt, die 1421 zerstört wurde, erhalten geblieben. Über gotische Konsolen spannen sich Kreuzgratgewölbe, die von einer mächtigen Säule gestützt werden. Leider ist der Keller nicht öffentlich zugänglich.

Bezirksmuseum

1972 wurde das Museum vom damaligen Bezirksvorsteher Heinrich A. Heinz und dem Kustor des Schottenstiftes Prof. Robert Mucnjak mit kulturell interessierten Innenstädtern gegründet. Die ersten Schauräume befanden sich in der ehemaligen Registratur des Alten Rathauses. 1985 übersiedelte das Museum in die umgebauten ehemaligen Räume der Bäckerei Haag, bis es 2005 in die heutigen Säle im kleinen Innenhof des Alten Rathauses verlegt wurde.

Das Museum beschreibt die Geschichte und Entwicklung Wiens – von der Römerzeit bis ins Revolutionsjahr 1848 im ersten Raum, bis zur Gegenwart im zweiten Raum.

Besonders interessant ist die „Sammlung Zabusch“, die ebenfalls hier untergebracht ist. Prof. Franz Zabusch hat sein Leben damit verbracht, nahezu jedes Haus der Innenstadt in seinem Werdegang zu beschreiben und seine berühmten Bewohner über viele Jahrhunderte hinweg zu erforschen.

Vorgängerhaus

Das Alte Rathaus[4]

Noch 1309 war das Rathaus ein kleines Häuschen, daneben dominierte das Haus des Stadtrichters Hymo. Als sich dieser an einer antihabsburgischen Verschwörung beteiligte, nutzte das Kaiserhaus die Gelegenheit, verbannt Haymo und enteignete ihn, damit konnte das Rathaus erweitert werden, Friedrich der Schöne überließ das Haus 1316 der Stadt. Seine Hauskapelle, die Salvatorkapelle, wurde 1360 vom 1. Stock ins Erdgeschoss versetzt.

Da die Verwaltung der Stadt immer aufwendiger und mehr Mitarbeiter im Rathaus notwendig wurden, erweiterte man das Rathaus mehr und mehr. Sämtliche kleinen Häuschen, die im Umkreis lagen, fielen ihm zum Opfer, bis es seine heutige Ausdehnung erreichte.

Im Jahr 1700 bestand das Alte Rathaus bereits aus den Häusern 417, dessen Spitzbogenfenster und Wandrippen noch von einem früheren Bau stammen, die in den Umbau integriert wurden, dem Pfarrhof und dem Benefiziatenhaus (Stadt 418) und weiteren kleineren Gebäuden. Erst 1780 bezog man das "Goldene Muschel-Haus" mit der Nummer 415 ein. Der letzte Umbau fand zwischen 1822 und 1840 statt. [5]

Lindenau-Hanni

In Haus 383 (ehemals 416), heute steht auf dem Baugrund teilweise das Alte Rathaus, war der "Knödelkeller" zu finden. Als Spezialität wurden hier Knödel angeboten, die ganz besonders gern von der "Lindenau-Hanni" verzehrt wurden. Bei dieser Dame handelte es sich um eine Dirne, die unter der Obhut von General Friedrich Karl von Lindenau stand und so ihren Spitznamen erhalten hatte. Das Haus wurde 1842 abgerissen.

Geschichten um Graf Nadasdy

Damals war es nicht nur üblich Ratssitzungen hier abzuhalten, auch Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. Davon erzählt eine kleine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert:

Die Hinrichtung von Graf Nadasdy

Einst lebte ein reicher ungarischer Graf namens Nadasdy in Wien, der sich für die Unabhängigkeit der Ungarn mit anderen Rebellen verschwor. Als das Komplott aufgedeckt wurde, wurde er zum Tode verurteilt. Vor der Enthauptung sollte ihm die rechte Hand (Schwurhand) abgeschlagen werden, so wie man es mit allen Verrätern machte. Leopold der I. ließ jedoch Gnade walten und änderte das Urteil ab – dem Grafen solle die Schmach auf eine abgehackte Hand erspart bleiben, er solle „nur“ den Kopf verlieren.

Man brachte Nadasdy am 27.4.1671 in Begleitung seiner Diener in einen unterirdischen Saal des Rathauses. In diesem Raum stand ein Altar, der mit einem schwarzen Tuch bedeckt war, der Graf musste sich auf einen schwarzen Sessel auf einem schwarzen Teppich setzen. Nachdem ihm sein Lieblingspage den Rock aufgeknöpft hatte, die Haare gerichtet hatte und ihm eine Augenbinde umgelegt hat, wurde noch einmal das Urteil und die Gnade Leopolds vorgelesen. Der Graf schrie siebenmal „Jesus und Maria“, dann hieb ihm der Scharfrichter den Kopf ab.

Drei maskierte Männer legten den blutigen Leichnam in einen Sarg, setzten den Kopf auf den Rumpf und trugen ihn auf den Hof des Rathauses, und präsentierten ihn so dem Volk.

Gespenstisches von Nadasdy

Die Sage Gespenstisches von Nadasdy
Hinrichtung Altes Rathaus.jpg
Genau geschildert ist die Enthauptung des ungarischen Rebellen Graf Nadasdy, die am 30.4.1671 vorgenommen wurde, in der Bürgerstube des Alten Rathauses in der Wipplingerstraße. Graf Franz III. Nadasdy wurde wegen seiner verräterischen Beziehungen zu den ungarischen Rebellen von Leopold dem I. zum Tode durch Enthauptung verurteilt.

Auf dem Bild hier ist zu sehen, dass Nadasdy auf einem Sessel vor dem geöffneten Sarg sitzt, ein Franziskaner hält ihm das Kreuz vor das Gesicht, der Scharfrichter Michael Langmann zieht das Schwert auf, triff aber erst beim siebenten Streich, als Nadasdy „Jesus und Maria“ gerufen hatte. Seine Leiche wurde dann im Hof des Rathauses aufgebahrt.

1669 soll sich der Graf selbst - der Sage nach - als blutiges Vorzeichen im Traum gesehen haben: "Ungarisch gekleidet, ohne Kopf und um den untern Theil des Rumpfes gantz blutig anzusehen". Er soll dieses "Gesicht" selbst in seinem "Geheimen Tagebuch unter dem 11ten Hornung 1669 aufgezeichnet" haben.

Nach seiner Hinrichtung soll der Graf mehrfach in Schloss Pottendorf und im Kloster Loretto als Gespenst gesehen worden sein. "Aus diesem Kloster werden dir die Patres einhellig erzehlen, wie sehr sie von diesem Gespenste, welches seinen vermeinten Kopf unterm Arm träget, beunruhiget werden, wenn sie des Nachts ihre gewöhnlichen Betrachtungen anzustellen haben." ("Monatliche Unterredungen", Leipzig 1731)

Nadasdy wird von den Ungarn noch heute als Nationalheld verehrt.

Ausgrabungen

Adresse Ausgrabungscode zeitliche Lagerung Beschreibung der Fundstücke
Salvatorgasse 7 193703 römisch (?) Im ersten Kellergeschoß wurde 1937 ein alter ausgefüllter Brunnen, ca. 3 Meter tief, freigelegt.
Salvatorgasse 7 197101 römisch/Mittelalter 1971 wurde das Alte Rathaus umgebaut. Man stieß dabei auf Mauerreste römischer und mittelalterlicher Datierung. Zusätzlich fand man Münzen, Terra Sigillata und andere Keramikfragmente.

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Quellen

  1. Alt Wiener Häuserkalender, 1919
  2. https://www.wien.gv.at/rk/historisch/1948/mai.html
  3. Leopold Mazakarini, Frühe Denkmäler mit politischen und zeitgeschichtlichen Aussagen, II, Gesellschaft für Natur- und Heimatkunde, S. 3-11
  4. Wien seit 60 Jahren, ein Album für die Jugend, Gerlach&Wiedling, Wien, 1908, S. 34
  5. Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze Wiens und ihre historisch interessanten Häuser. Gottlieb, Wien, 1883. S. 637 ff