Brandstätte 2

Aus City ABC
(Weitergeleitet von Stephansplatz 7A)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grund-Information
Kramergasse 2.jpg

Kennedyhof

Aliasadressen =Brandstätte 2, =Rotenturmstraße 1-3, =Kramergasse 2, =Stephansplatz 7A
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 631, 632, 633 | vor 1821: 672, 673, 674 | vor 1795: 619, 620, 621
Baujahr 1964 (zerstörtes Haus: 1877)
Architekt Georg Lippert, Viktor Mittag (zerstörtes Haus: Ferdinand Fellner, Hermann Helmer)


Kennedyhof, Thonethaus - Architektur und Geschichte

Der Kennedyhof wurde 1964 von Georg Lippert und Viktor Mittag erbaut (es war das letzte Haus, das Mittag erbaut hatte). Hier ist eine Gedenktafel mit Bronzerelief für John F. Kennedy angebracht. Die Tafel wurde von Ferdinand Welz geschaffen.

Gedenktafeln

Gedenktafel J.F. Kennedy

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Gedenktafel Kennedy.png Kennedy, John Fitzgerald In Memoriam

J.F. Kennedy
1961 - 1963
Präsident der
Vereinigten
Staaten

Vorgängerhäuser

Ursprünglich stand hier das 1877 errichtete Thonethaus, das am 8.4.1945 durch einen Bombentreffer und einen daraus folgenden Brand vollkommen zerstört wurde. Obwohl die hauseigene Feuerwehr gleich zur Stelle war, breitete sich das Feuer schnell aus, das von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erschaffene Gebäude konnte nicht gerettet werden.

Ab 1366 standen hier zwei Häuser (587 und 631), eines reichte bis zum Haus Kramergasse 1 und trennte die Kramergasse und die Brandstätte.

Die erste Burse, Leonhart Lackner und ein Bierhaus

Angeblich war im Haus 631 die erste Burse Wiens (bereits um 1350), sie trug den Namen „Zur Eiche“ und war eine Privatburse.

1503 dürfte die Burse nicht mehr bestanden sein, denn da war als Besitzer Leonhart Lackner eingetragen. Lackner ist im Stephansdom verewigt: an ihn erinnert das spätgotische „Lacknersche Epitaph“ (Christus am Ölberg).

Das Haus blieb bis 1605 in Besitz der Familie Lackner, dann wurde es an jemanden verkauft, dem es 1623 aufgrund eines nicht genannten Verbrechens von der Stadt entzogen und dem Kaiser geschenkt wurde.

Ab 1769 wurde das Haus zum Bierhaus, der Bierwirt Johann Steinwander und seine Frau Maria hatte es gekauft und darin das Wirtshaus eröffnet. Das gut frequentierte Bierhaus, das auch von vielen Fremden besucht wurde, wechselte mehrfach den Besitzer, bis es 1842 vom Bierwirten Johann Georg Elterlein erworben wurde. Damals hatte es den Namen „Wannersches Bierhaus“. Die Gäste in dieser Zeit waren aus der akademischen Legion, es wurde daher in „Zur deutschen Eiche“ umbenannt.

1882 wurde das Haus abgerissen, um der Straße Platz zu machen, ein Teil des Areals ging im Neubau auf.

Buchhandlung und Verlag Alantsee, die Brüder Lucas und Lienhart und Primas von Ungarn

Das andere Haus, 632, wurde erstmals 1401 erwähnt, als es mit dem dazugehörigem „Kramerladen“ verkauft wurde. Etwa zu der Zeit, als Lackner Besitzer des Nachbarhauses wurde, eröffneten die Brüder Alantsee im Haus 632 eine Buchhandlung.

Die Brüder Lucas und Lienhart Alantsee kamen um 1501 nach Wien, um hier die Universität zu besuchen. Nach Studienabschluss eröffneten sie eine Buchhandlung im Haus 632, und erhielten 1512 das Privileg von Maximilian I. für den Druck und Vertrieb. Die beiden Brüder waren Mitglieder der „Fronleichnams-Bruderschaft“. Als Lienhart am 7.1.1518 starb, vererbte er sein Haus Stadt 629 (Jasomirgottstraße 4) seinem Bruder Lucas, auch sein Teil der Buchhandlung ging an Lucas über, die er bis zu seinem Tod weiterführte.

1522 kaufte er ein Haus in der Sonnenfelsgasse (heute Nummer 9, damals Stadt 744). Lucas war einer der wenigen Menschen seiner Zeit, die ihren Leichnam für die Forschung und damit der Prosektur zur Verfügung stellten. Die Leichenöffnung nahm Dr. Matthias Cornax vor, der 1550 darüber auch einen Bericht veröffentlichte. Seine Reste wurden am Stephansfreithof beerdigt.

1794 war in dem Haus eine Tuchhandlung untergebracht, sie gab dem Haus später seinen Namen: „Zum Primas von Ungarn“. [1] Das Nebengeschäft war ein Modegeschäft, das „Zum schwarzen Berg“ hieß.

Das Haus hätte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen werden sollen, die Besitzerin verweigerte jedoch. Erst nach ihrem Tod, 1882, kauften die Brüder Thonet die Häuser 632 und 633 und rissen beide ab.

Haus 633

Das kleine Haus, das mit der Frontseite in die ehemalige Bischofsgasse zeigte, wurde 1430 erstmals urkundlich erwähnt. 1545 erbte es die Frau des Bürgermeisters Caspar Bernhardt.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Der Arzt Pilhaimer

Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte das Haus dem kaiserlichen Rat und Leibarzt Dr. Johann Pilhaimer (1480-1539, Grabstätte in St. Stephan). Pilhaimer war mehrfach Dekan der Medizinischen Universität und zwischen 1534 und 1535 Bürgermeister von Wien.

Geburtshaus Maria Eva Veigel

Am 29.2.1724 wurde in dem Haus die Tänzerin Maria Eva Veigel geboren. Veigel war schon als Kind auf der Bühne, sie trat im Kärntnertortheater auf, und wurde von Maria Theresia gefördert. Während einem Gastspiel in London lernte sie des Schauspieler und Theater-Direktor David Gerrick kennen, den sie heiratete. Veigel wurde fast 100 Jahre alt, sie starb am 16.10.1822 in London.

Wohn- und Sterbehaus des Sängers Ignaz Saal

Der Bass-Sänger Ignaz Saal, (* 26. Juli 1761 Bayern, † 30. Oktober 1836, ebenhier) kam 1872 nach Wien. da er in Ensemble des Hoftheaters aufgenommen wurde. Er feierte große Erfolge beim Singen der Basspartien in der "Schöpfung" und den "Jahreszeiten".

Die Möring

Durch den Abbruch verschwand für immer das ausgemauerte und umwölbte Abwassergerinne, das einst vom Schlossergasse durch die Goldschmiedgasse bis zum Roten Turm und dort in die Donau führte – die Möring. Am Haus 632 fand sich bis zu dessen Abriss eine Gedenktafel an die Möring, auf der Folgendes stand:

„Anno Domi(ni) MCCCLXXXVII
daz dy Mori(n)g g(e) macht ist!“

Heute ist diese Tafel im Wien Museum ausgestellt.


Gehe weiter zu Brandstätte 3 | Rotenturmstraße 2 | | Kramergasse 3 | Stephansplatz 8/8A

Gehe zurück zu Brandstätte | Rotenturmstraße | Kramergasse | Stephansplatz | Straßen des 1. Bezirks

Quellen

  1. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 61