Stephansdom: Die Sage von Meister Puchsbaum und seinem Nordturm

Aus City ABC
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Meister Puchsbaum und sein Nordturm Relevante Orte: Stephansdom
Puchsbaum.jpg

Um seinen Lehrer und Meister zu verdrängen, hatte Puchsbaum versprochen, in sehr kurzer Zeit einen zweiten Turm zu bauen. Je mehr er aber darüber nachdachte, wie er seiner Zusage nachkommen möge, desto mehr fing er an zu zweifeln, und umso unruhiger wurde er. Stundenlang stand er vor dem unfertigen Dom und überlegte, wie er den zweiten Turm rasch aufziehen könne. Als er um Mitternacht herum wieder einmal so überlegte, kam ein altes Männlein und betrachtete ihn wehmütig.

"Du erbarmst mir", begann die geheimnisvolle Erscheinung zu reden, "doch ich will dir helfen, und früher, als du zugesagt hast, soll der Bau vollendet sein. Dafür fordere ich nichts, nur darfst du während des ganzen Baues den Namen deiner Braut Maria nicht nennen!" Puchsbaum in seiner Not versprach zu halten, was gefordert wurde, und der Vertrag war geschlossen.

Am nächsten Tage begann er den Bau, und dieser ging so rasch vorwärts, dass sich alles mit Recht darüber verwunderte. Puchsbaum selbst – sehr stolz über den raschen Baufortschritt, konnte seine Freude kaum unterdrücken. Jeden Abend kletterte auf das Gerüst, um den Fortschritt des Tages zu betrachten und hatte keine Sekunde Zeit, an seine Geliebte zu denken.

Doch eines Abends – als er wieder einmal auf dem Gerüst stand – sieht er unten seine Maria entlanggehen. Vor Freude über ihren Anblick brüllt er laut über den Platz „Maria!“ In selben Augenblick stürzte das Gerüst zusammen, er fiel in die Tiefe, und die Trümmer des zerborstenen Turmes bedeckten seinen Leichnam. Eine rote Gestalt erschien und verschwand bald wieder; aber das Hohngelächter der Hölle hallte weit über die Stadt hin.

Seit dieser Zeit hat man den Gedanken aufgegeben, den zweiten Turm fertig zu bauen; der Magistrat ließ Schutt und Steine wegräumen; von dem Unglücklichen aber war keine Spur zu finden.


Gehe weiter zu

Gehe zurück zu Stephansdom

Quellen