Spuk im Zeughaus

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Eine rassistische Sage vom Spuk im Zeughaus

In einem alten Almanach von Wien aus dem Jahr 1774 ist das Zeughaus, das sich damals Am Hof 9-10 befand, so beschrieben: „Neben einer ziemlich beträchtlichen Artillerie und vielen heutzutage üblichen Waffen befindet sich allda auch eine Menge alter Waffen, und viele andere Sachen, die man von den Türken, besonders da sie im Jahr 1683 von Wien hinweggeschlagen worden, erobert hat. Man zeigt eben in diesem Orte den Kopf des Kara Mustafa, welcher damals Großvezir war, und die Türkische Armee commandirte, und im darauf folgenden Jahre zu Belgrad erdrosselt worden, von wannen nach er sein Kopf nach Wien gebracht worden. Es ist auch allhier der halbe Mond und der Stern, als die türkischen Wappen, welche im Jahre 1529 an die Spitze des St. Stephansthurmes (damit der türkische Kaiser Sülejman nicht auf diese Kirche seine Stücke spielen liesse) gesetzt, und aber nach der letzten türkischen Belagerung im Jahre 1683 wieder herunter genommen, und an deren Statt das Kreuz, welches man noch izt auf der Spitze sieht, auf Befehl Kaiser Leopolds hinauf gesetzt worden.“

Und über diesen Kopf und einen Spuk im Zeughaus erzählt diese Legende:

Die rassistische Sage vom Spuk im Zeughaus Relevante Orte: Am Hof 9-10
Kara Mustafas Kopf.jpg
An dem Abend, als die Nachricht über den Sieg über die Türken eintraf, erging der Befehl an die Mitarbeiter des Zeughauses, die Rüstungen ausfolgen zu lassen. Der alte Aufseher des Zeughauses musste nach Hause und ließ an seiner Stelle seinen Sohn im Zeughaus. Er beauftragte ihn, auf alles sorgsam zu achten. Gerade, als der Junge sein Mittagsbrot essen wollte, hörte er ein furchtbares Getöse aus dem Treppenhaus. Es hörte sich an, als bewaffnete Soldaten durch das Haus marschieren. Weil der Jüngling wusste, dass niemand im Haus sein konnte, erschrak er gewaltig – und noch mehr bekam er es mit der Angst zu tun, als plötzlich ein Trupp geharnischter Männer mit geschlossenen Visieren auf ihn zukam. Sie zogen an seinem Tisch vorbei und zerschmolzen in Dunst.

Ängstlich versuchte er sich zu beruhigen, als ihn wieder ein Geräusch erschreckte: Es klang, als würde ein metallener Säbel gegen den Steinboden schlagen. Langsam schritt nun ein prachtvoll gekleideter Türke mit schwarzem Bart an ihm vorüber, leichenblass ging er die Treppe hinunter, ohne vom jungen Mann Notiz zu nehmen – und verschwand, genauso, wie der Trupp davor.

Leichenblass und verstört setzte sich der Junge auf einen Stein vor dem Haus und wartete auf die Rückkehr seines Vaters. Dieser lachte nur, als er seinen Sohn sah. Er selbst hätte im Laufe der vielen Jahre während seiner Tätigkeit im Zeughaus schon zahlreiche Erscheinungen gehabt. Er erzählte daher: „Als die Türken im Jahr 1683 ihr Lager im Stich ließen, erhielt der geflüchtete Großvesier eine seidene Schnur um den Hals und sein Kopf wurde öffentlich aufgesteckt. Der Kopf kam in das Wiener Zeughaus. Seit dieser Zeit ist im Zeughaus immer, wenn ein Türkenkrieg entbrennt, und ein Muselmann nicht zur Ruhe kommen kann, ein Ansturm an Geistererscheinungen. So wird es wohl bleiben, bis alle Türken ein Ende haben.“