Lobkowitzplatz 3

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Grund-Information
Lobkowitzplatz 3.jpg

Lobkowitzplatz 3

Aliasadressen =Lobkowitzplatz 3, =Spiegelgasse 25
Ehem. Konskriptionsnummer 1099 (Vor 1821: 1165, vor 1795: 1371)
Baujahr 1786
Architekt Leopold Grossmann


Der Schaumburgerhof - Architektur und Geschichte

Das Haus wurde im Auftrag von Mathias Hölzl 1786 von Leopold Grossmann erbaut.

Vorgängerhäuser

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts standen hier noch zwei Häuser, eines davon war das des Grafen von Heigerloch, das durch eine Eheschließung (Annavon Heigerloch heiratete Konrad von Schaunberg) an die Familie Schaunberg überging.

Das zweite Haus war ein Amtsgebäude des herzoglichen Kämmerers, Herzog Albrecht V. schenkte es 1412 Johann II. Graf Schaunberg, der dann die beiden Häuser zu einem vereinigte. Der Schaunbergerhof, der später durch Verballhornung zu "Schaumburgerhof" wurde, wurde 1485 von Matthias Corvinus, der Wien erobert hatte, beschlagnahmt und blieb dann fünf Jahre in dessen Besitz. Erst als die ungarische Herrschaft endete, fiel das Haus wieder in österreichischen Besitz.

Im 16. Jahrhundert diente der Hof als Pferdestall der Landesfürsten, bis er 1618 den Kapuzinern zum Bau eines Klosters abgetreten wurde. Die Kapuziner errichteten hier, in ihrem Klostergarten, ein großes Kreuz, das auf alten Wienplänen sogar sichtbar war.[1]

Als Joseph II. die Aufhebung der Klöster anordnete, mussten die Mönche das Areal hergeben, es entstanden darauf das heutige Haus.

Gedenktafeln

Auf dem Platz befand sich einst die Hinrichtungsstätte, auf der auch der Bürgermeister Konrad Vorlauf und die Ratsherren Hans Rockh und Konrad Ramperstorffer am 11.Juli 1408 hingerichtet wurden. Seit 1868 befindet sich hier, am ehemaligen Schweinemarkt, eine Gedenktafel daran.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Vorlauf GT.png Konrad Vorlauf Konrad Vorlauf Bürgermeister

von Wien und die Ratsherren
Hanns Rock
und Konrad Ramppersdorfer
wurden Mittwoch, den 11. Juli 1408
auf diesem Platze enthauptet.
Sie fielen als Opfer ihrer Pflichtteure
im Widerstande gegen ungerechte
Forderungen Herzogs Leopold IV.

Konrad Vorlauf, Konrad Ramperstorffer und Hans Rock

Am 11.7.1408 wurde in Wien der Bürgermeister Konrad Vorlauf und zwei seiner Ratsherren geköpft. Grund war ein Streit zwischen den Habsburger Herzögen Leopold IV. und Ernst und dem Zwist zwischen den aufstrebenden Wiener Handwerkern und den städtischen Großgrundbesitzern. Ausgelöst durch Erbschaftsstreitigkeiten unter den Habsburgern (Albertinische Linie) einigten sich Albrecht der IV. und sein Neffe Wilhlem auf eine wechselseitige Regentschaft – in Wien wurde 1396 das Ratsprivileg eingeführt. Diese besagte unter anderem, dass Wien jährlich einen Bürgermeister und Ratsherren wählen sollte.

Die Wiener Handwerker Konrad Vorlauf und Konrad Rampersdorfer hatten schon damals ein Naheverhältnis zu Wilhelm. Als dann Albrecht der IV. starb, und sein 7-jähriger Sohn (Albrecht V.) zurückblieb, übernahm Wilhelm die Vormundschaft. Leider starb Wilhelm 2 Jahre später, womit der Erbschaftsstreit wieder begann: seine Brüder Leopold der IV. und Ernst, der Eiserne wollten beide die Vormundschaft für Albrecht V. Der Streit gipfelte darin, dass Leopold den Wiener Rat unter der Führung von Vorlauf zu Verhandlungen nach Wiener Neustadt und St. Pölten einlud. Als sich die Delegation zurück nach Wien begab, wurde sie bei Gablitz von Ritter Hans Laun überfallen und als Geiseln genommen. Das Lösegeld von 10.000 Gulden löste sie zwar aus, die Stadt musste jedoch eine neue Steuer einführen, um das fehlende Geld zu ersetzen: Die Weinsteuer wurde eingeführt. Da sich Teile der Bevölkerung bei Herzog Leopold darüber beschwerten, ließ er Konrad Vorlauf und die Ratsherren festnehmen und am 11.7.1408 am Schweinemarkt (am heutigen Lobkowitzplatz) köpfen. Sie wurden am Nordende des Freithofs St. Stephan beigesetzt (eine Schmach).

Erst 1430 wurden die drei rehabilitiert, exhumiert und im Steffl beigesetzt. Die Grabplatte ist bei einem Bombenangriff 1945 zerstört worden, die Inschrift wurde jedoch überliefert:

Bleib stehen, weine, klage, seufze, o Sterblicher, lies und lerne ...
Siehe drei Bürger unter einem schmalen Stein begraben ...
hochgeschätzt in der Tat, vorzüglicher als alle in dieser Stadt, bekannt durch ihr Wirken; die Tugend hat sie zu Verdiensten um den Ehrbegriff gelenkt; aber das Rad der trügerischen Fortuna hat sie mit einer einzigen Wahnsinnstat zu Enthaupteten gemacht ...

Heute sind drei Straßenzüge nach ihnen benannt: Die Vorlaufstraße und die Rockhgasse im ersten Bezirk, und der Ramperstorfferstraße im 5.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus des Kunsthändlers Carlo Mechetti

Carlo Mechetti (*1747, † 30.1.1811, ebenhier) war aus der Toskana 1765 nach Wien gekommen. Zwölf Jahre lang arbeitete er als Haushofmeister des Grafen Colloredo, danach 11 Jahre bei Graf Clairfait. Durch diese Tätigkeiten gelangte er zu Wohlstand, der ihm ermöglichte, eine wertvolle Kupferstichsammlung mit Bildern von Dürer und Rembrandt zu erwerben. damit begann er einen Handel mit Kunstwerken. Erst in einer kleinen Markthütte, später im Bürgerspitalzinshaus (Lobkowitzplatz 1. Ab 1807 nahm er seinen Neffen Pietro in das Geschäft auf.

Wohnhaus des Musikverlegers Pietro Mechetti

In dem Haus wohnte Pietro Machetti (*20.4.1777, † 25.7.1850), der Kunst- und Musikalienhändler. Seine Karriere begann Pietro in der Kunsthandlung seines Onkels Carlo Mechetti, 1879 wurde er zum Gesellschaftererhoben. Als Pietro Mechetti die Kunsthändler-Befugnis erhielt, gründete er einen Musikverlag. Er verlegte die Werke von Beethoven, Schumann, Liszt und Straß Vater und Sohn.

Wohn- und Sterbehaus des Geburtshelfers Raphael Ferdinand Hussian

Der Arzt Hussian (* 12. Februar 1802 Wernsee, Steiermark, † 3. April 1869, ebenhier) starb in diesem Haus völlig verarmt, obwohl er jahrelang der gesuchteste Geburtshelfer Wiens war. Hussian veröffentlichte zahlreiche Schriften, wie WAnweisung zur Ernährung neugeborener Kinder" (1825), ein „Handbuch der Geburtshilfe" (drei Bände, 1827/1828) oder „Handbuch der Chirurgie ..." (1830/1831).

Wohnhaus der Burgschauspielerin Charlotte Wolter

Bevor sie in ihre Villa im 13. zog, wohnte in dem Haus die Schauspielerin Charlotte Wolter (* 1. März 1834 Köln, † 14. Juni 1897 Wien). Mit elf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, kam sie bereits mit 10 Jahren erstmals ins Theater und entdeckte sofort ihre Liebe zur Bühne. Mit 16 gelang ihr wirklich ihr Debüt. Als geborene Rheinländerin hatte sie anfangs Schwierigkeiten, ihren Dialekt abzulegen, die Leidenschaft, mit der sie ihre Rollen verkörperte, machten sie jedoch bald zum Liebling des Publikums. Sie gilt als berühmteste tragische Heldin des 19. Jahrhunderts.

Nach ihr ist die Woltergasse im 13. Bezirk benannt.



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Quellen

  1. Karl August Schimmer: Ausführliche Häuser-Chronik der inneren Stadt Wien, Wien, 1849, S. 211