Johannesgasse 19

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Grund-Information
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Seilerstätte 24

Aliasadressen =Johannesgasse 19, =Seilerstätte 24
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 978 | vor 1821: 1037 | vor 1795: 1005
Baujahr 1905
Architekt Moritz Ritter von Decastello


Das Haus "Zur eisernen Birne" - Architektur und Geschichte

Das Haus wurde 1905 erbaut und diente als Verwaltungsgebäude der k.k. Hof- und Staatsdruckerei. Das Portal wurde 1907 von Josef Hoffmann gestaltet.

Das Portal

Im Laufe der Zeit war das Portal der Wiener Werkstätte nicht mehr als das des Josef Hoffmann zu erkennen. Es wurde daher 2003 restauriert. Damals wurden die Messing-Verzierungen, die ehemals sichtbaren Holzteile und die Steinfassade wieder hergestellt. [1]

Vorgängerhaus

Bäckerei "Zur eisernen Birne"

Das zuvor hier stehende Gebäude hatte den Namen "Zur eisernen Birne" - nach der Bäckerei, die hier angesiedelt war und diesen Namen trug. Ab 1779 beschäftigte der Bäckermeister Weyrig einen Gesellen, es handelte sich um Clemens Maria Hofbauer (siehe auch Maria Am Gestade)

Mord im Haus, Severin von Jaroszynski, der Raubmörder des Mathematikers Blank

Severin stammte aus einer adeligen, wohlhabenden polnischen Familie. Mit etwa 18 kam er nach Wien, um hier zu studieren. Seine Lehrstunden erhielt er in den Räumen des Mathematikers Conrad Blank und des Malers Johann Schindler. Mit 23 kehrte nach Hause zurück. Als sein Vater starb, erhielten er und sein Bruder ein beachtliches Erbe. Severin heiratete, wurde Vater von drei Kindern und war Ritter des Malteserordens und des Annenordens.

Er muss weit über seine Verhältnisse gelebt haben, denn sein Bruder übernahm seine Schulden in der Höhe von mehr als einer Million polnischer Gulden. Bald trennte sich Jaroszynski von Frau und Familie, und ging wieder nach Wien zurück. angeblich, um die Bäder in Baden bei Wien aufzusuchen. In Wirklichkeit führte er sein verschwenderisches Leben fort, veranstaltete kostspielige Einladungen, um von der Wiener Gesellschaft anerkannt zu werden und legte sich einen falschen Grafentitel zu. Während ihm die Damenwelt zu Füßen lag, waren Männer wie Ferdinand Raimund eher skeptisch. (Zitat: …Hab ich Dir nicht gesagt, daß der Windbeutel von weit her kommt, aber nicht weit her ist…)

Besonders verfallen war ihm die 25-jährige Schauspielerin Therese Krones, die gerade einen großen Erfolg am Theater mit „der Bauer als Millionär“ feierte. Jaroszynski hatte sie am Graben angesprochen, sie zwei Tage späte in ihrer Wohnung aufgesucht und mit einer erfundenen Lebensgeschichte betört. Im Glauben, dass es sich um einen steinreichen Adeligen handeln würde, begann sie mit ihm ein Verhältnis, das sehr rasch zum Stadtgespräch wurde. Ihr Geliebter gab ihr zu Ehren Empfänge und Feste, wo der Champagner literweise floss,

Bald war der Schuldenstand wieder so hoch, dass der Großfürst Konstantin (aus Warschau) ihn nach Hause zurück zwangsbeorderte. In dieser Situation beschloss Severin seinen mörderischen Plan. Er erinnerte sich an seinen Mathematiklehrer Blank, der – wie er vermutete – Ersparnisse hatte. Blank hatte Aktienanteile und Schuldverschreibungen bei einem Freund deponiert. Severin erwarb das Vertrauen von Blank, indem er ihm erzählte, er wolle ebenfalls Aktien ankaufen, hätte jedoch die Befürchtung dabei betrogen zu werden. Er wolle daher die Originale von Blank sehen. Beim ersten Treffen zeigte Blank nur kleiner Werte, was Jaroszynski noch vom Mord abhielt.

Am 13.2.1827 um ein Uhr mittags jedoch zeigte Blank ihm in seiner Wohnung Ecke Johannesgasse und Seilerstätte im Haus zur eisernen Birne (heute Johannesgasse 19), acht Obligationen im Wert von 6.100 Gulden – Jaroszynski schlug dem alten Mann einen Knüppel auf den Kopf, zückte ein Küchenmesser und erstach Blank. Sofort tauschte Severin die Wertpapiere in Geld um und erhielt dafür 5.400 Gulden. Darum beglich er einen Teil seiner Schulden, kaufte sich einen Ring und zahlte ein Abschiedsbankett.

Nachdem der sonst sehr zuverlässige Blank bei der Vorlesung nicht erschienen war, brach die Polizei die Wohnung auf und fand die Leiche des arg zugerichteten Professors – 13 Verletzungen wies der tote Körper auf. Der erste Verdacht auf Raubmord bestätigte sich erst, als die Liste an Wertpapieren auftauchte – aber keine Wertpapiere selbst.

Schon wenige Tage später, am 16.2.1827, wurde Jaroszynski während seines Abschiedsfestes verhaftet – seine Spur konnte anhand des Verkaufs der Papiere beim Geldmakler Wedel am Graben rasch verfolgt werden – Wedel hatte sofort Verdacht geschöpft und die Polizei verständigt. Gerade als das Fest in der Wohnung Jaroszynskis im Trattnerhof am Höhepunkt war, und Krones den Gassenhauer „Brüderlein fein“ anstimmte, stürmte die Polizei die Wohnung. Krones musste mitansehen, wie ihr Geliebter in Ketten abgeführt wurde.

Jaroszynski bestritt die Tat beim Verhör, erzählte jedoch einem Mitinsassen, dass ihn vermutlich eine Frau beobachtet hätte, als er zu Blank gegangen war. Die Polizei forschte eine Zeitungslieferantin aus, die sich an einen auffälligen blauen Mantel erinnerte – und Severin bei der Gegenüberstellung auch sofort erkannte.

Am 30.8. wurde Jaroszynski durch den Strang bei der Spinnerin am Kreuz hingerichtet. 300.000 Schaulustige befanden sich auf der Straße um zuzusehen.

Die Krones wurde von der Wiener Bevölkerung für die Tat verantwortlich gemacht – die reißerischen Berichte der Presse taten das ihre dazu. Nach einer für Krones erschütternden Erfahrung bei einer Theateraufführung (sie wurde vom Publikum ausgebuht und beschimpft) brach sie auf der Bühne zusammen und zog sich dann aus dem Theater zurück. Krones starb vier Jahre später – am 26.12.1830 im „Gasthaus zur Weintraube“ in der Praterstraße an der Folge einer Blinddarmentzündung.

Das Tagebuch, das J. hinterlassen hatte, erzählt noch ein pikantes Detail aus seiner Jugend: Severin war als zehnjähriger in der Pleban`schen Erziehungsanstalt – die sich im Sina`schen Gebäude am Hohen Markt befand – genau gegenüber von der Schranne. Schon damals fiel Severin durch seine Zügellosigkeit und seine Rohheit auf. Als wieder einmal ein Verbrecher dort zum Tode verurteilt worden war, trat Frau Pleban an seine Seite am Fenster und bat ihn, sich zu bessern, da er sonst eines Tages auch so enden würde…

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Neben dem Weltpriester und Mathematiker Blank wohnte hier auch Ignaz Donner.

Wohn- und Sterbehaus Ignaz Donner

Ignaz Donner (* 1752 Kremnitz, † 19. September 1803, ebenhier) war Graveur im Hauptmünzamt. Er war der Neffe (und auch Schüler) von Georg Raphael und Matthäus Donner.


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Quellen