Stock-Im-Eisen-Platz 3

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Grund-Information
Palais Equitable Ansicht 1.jpg

Stock-Im-Eisen-Platz 3

Aliasadressen =Stock-Im-Eisen-Platz 3, =Seilergasse 1, = Kärntner Straße 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 1076, 1077, 1078, 1079, 1080, 1081, 1082 | vor 1821: 1143, 1144, 1145, 1146, 1147, 1148, 1149 | vor 1795: 1086, 1087, 1088, 1089, 1090, 1091, 1092
Baujahr 1887-1891 / Dacherneuerung: 1952
Architekt Andreas Streit / Dacherneuerung: Kurt Schlauss


Palais Equitable - Architektur und Geschichte

Das Haus Nummer 3, das Palais Equitable, wurde 1887 von Andreas Streit für eine amerikanische Versicherungsgesellschaft, die Equitable, gebaut. Im Gegensatz zu anderen Palais, die sich üblicher Weise in Adelsbesitz befanden, hat dieses Gebäude den Ehrentitel Palais erhalten, was auf die architektonische Qualität zurückzuführen ist.

Das Gebäude ist vom amerikanischen Patriotismus gezeichnet: Am Dach befindet sich ein Wikingerschiff, das die Überfahrt aus New York symbolisiert und auch der Bronze-Adler am Dach und die Adler am Portal symbolisieren die USA. Das Stiegenhaus ist komplett aus Marmor und unter der Woche besichtigbar, das Eingangstor, geschaffen von Rudolf Weyr, ist ebenfalls aus Bronze gefertigt. Als Portalschmuck finden sich zwei Medaillons, die Szenen der Sage „Stock im Eisen“ erzählen. Die Fassade ist aus verschiedenfarbigen Graniten, die Hermenfiguren an der Fassade sind von Vikto Tilgner, der übrige plastische Schmuck von Johann Schindler.

1945

Das Palais war Schäden durch den 2. Weltkrieg nicht entgangen – am 12.März 1945 war der Dachstuhl durch einen Bombentreffer eingestürzt, etwas später traf eine Bombe die Front an der Kärntnerstraße (in den letzten beiden Stockwerken klaffte ein Loch in der Breite von 6 Fenstern). Nur durch Glück blieben die Plastiken an der Fassade erhalten. Das Dach wurde 1852 - 1954 durch Kurt Schlauss neu errichtet.

20. Jahrhundert

Das prunkvolle Stiegenhaus

Ende 2010 wurde das Palais, das der Hypo Alpe Adria gehörte (!), an den Innviertler Agrarproduktehändler Pilstl (gentechnikfreies Soja) für 7 Mio. Euro verkauft. Das Parterre wurde angeblich ebenso bereits 2010 um 11 Mio. von Frau Gürtler gekauft, die hier in absehbarer Zeit Sachertorten servieren sollte (Café Sacher), der Deal scheint jedoch geplatzt zu sein.

Stock Im Eisen – ein paar Zusatzinformationen

Vor dem Haus befindet sich der Stock-Im-Eisen, er ist eine zweiwipflige Zwieselfichte. Die Benagelung begann bereits vor 1440 (vermutlich sogar schon im 13. Jahrhundert zur Zeit der Babenberger) – der Baum hatte bei der ersten Benagelung noch gelebt. Die fünf Eisenspangen und wahrscheinlich auch das "Schloss" sind spätere Beigaben.

An der Basis des Stammes ranken Efeublätter aus schmiedeeisernem Graswuchs. Die Verengung in der Mitte des Baumes lässt darauf schließen, dass er eine Krankheit hatte oder verletzt wurde. Interessant ist auch, dass der Baum „auf dem Kopf“ steht, die Wurzeln zeigen nach oben. Der Historiker Edgar Weyrich deutete diese Stellung damit, dass es sich um den Heiligen Grenzbaum eines Götterhaines gehandelt hätte und als Symbol der Ohnmacht der gestürzten Asen verkehrt aufgestellt wurde.

Man vermutet, dass die Benagelung Teil eines Fruchtbarkeitsritus war, denn der Brauch wandernder Gesellen, die einen Nagel in den Baum schlugen, ist erst seit 1715 belegt. Den Namen hat er nicht von den eingeschlagenen Nägeln, sondern von der eisernen Umklammerung. Das Schloss ist nur eine Attrappe, es enthält kein Werk.

Über Jahrhunderte haben Schlossergesellen hier Nägel eingeschlagen, wenn sie bei ihrer Wanderung in Wien ankamen. Ob dies ein offizieller Zunftbrauch war, oder es sich um ein inoffizielles Ritual handelte, ist heute nicht mehr bekannt. Auf einem Nagel, der eine Kupferplatte trägt, findet sich sogar eine Jahreszahl: 1832. Seit dem 15. Juli 1891 steht der Baum auf dem Granitsockel, hinter Glas ist er erst seit den 1980er Jahren.

Der neue Stock im Eisen

Um die Tradition zu bewahren, wurde 1988 von der Schlosserinnung ein neuer Nagelbaum aufgestellt – er befindet sich im 8. Bezirk, am Schlosserplatzl und ist noch in Betrieb. Im Rahmen eines Festes darf jeder frischgebackene Schlosserlehrling einen Nagel einschlagen.

Der Stock im Eisen

Die Sage Die Sage vom Stock im Eisen
Wien 01 Stock-im-Eisen-Platz 03 a.jpg

Ein armer Schlosserjunge der Stadt Wien, der sich eines Tages in der Umgebung verspätet und keinen Pfennig im Sack hatte, um sich den Einlass in die Stadt zu verschaffen, überdies die harte Züchtigung seines strengen Meisters fürchtete, verschrieb seine Seele dem Bösen, der sich ihm in dieser Not in Gestalt eines alten, rotgekleideten Männchens als Retter zeigte. Der Junge machte jedoch die Ausnahme, dass der Vertrag nur dann gültig sein sollte, wenn er eine Sonntagsmesse versäumen würde. Am anderen Tage kam das rote Männlein zum Meister des Jungen und bestellte für eine Eiche im nahen Wienerwalde einen Eisenring und daran ein so künstliches Schloss, dass es keine menschliche Hand mehr öffnen könne. Meister und Gesellen wagten sich nicht an die Arbeit, die ihnen zu kunstvoll war; der Lehrjunge aber, pochend auf den heimlichen Beistand des Bösen, übernahm die Verfertigung des Schlosses und brachte es glücklich zustande.

Nachdem er Schloss und Band an den Baum und an das daran stehende Häuschen eines Holzschlägers gelegt hatte, ward der Junge freigesprochen und zum Gesellen gemacht; das rote Männlein aber nahm den Schlüssel des Kunstschlosses mit sich fort.

Nach Wien zurückgekommen, hörte er, es sei der Rat der Stadt sehr böse, dass der fremde unheimliche rote kleine Mann den Schlüssel zu jenem Schloss mit sich genommen und dass demjenigen das Meisterrecht zugesagt worden sei, der einen neuen Schlüssel dazu machen würde. Das tat nun der Geselle. Damit war aber dem roten Männlein nicht gedient; dieses schlich sich daher unsichtbarerweise in die Werkstätte und verdrehte, während der Schlosser den Schlüssel schweißte, den Schlüsselbart. Der Schlosser, der diesen Streich bemerkte und gehört hatte, dass es auch dumme Teufel gebe, schob den Schlüssel noch einmal, aber mit verkehrtem Barte in den Ofen hinein, so dass das rote Männlein in blindem Zorn ihn wieder umkehrte, wodurch der Bart wieder recht stand.

Der große Rat ging hierauf mit dem Schlosser zur Eiche und war Zeuge, wie das Schloss wirklich geöffnet wurde. Der Schlosser ward an Ort und Stelle zum Bürger und Meister gemacht. Er schlug dabei jubelnd den ersten großen Nagel in den Baumstamm zum ewigen Angedenken und warf springend und singend den Schlüssel in die Höhe. Dieser fiel aber zu jedermanns Erstaunen nicht wieder auf die Erde herab. Indessen stieg der Ruf von des Schlossermeisters Geschicklichkeit von Tag zu Tag, und so auch sein Glück und sein Reichtum. Oft und bitter bereute er nun den Leichtsinn seiner Jugend und hütete sich sorgfältigst, des Sonntags die heilige Messe zu versäumen. Der Böse, weit entfernt, seine Beute fahren zu lassen, verwickelte ihn nach und nach in stündliche Neigungen zum Spiele und zu einem wüsten Leben, und als der Meister eines Sonntags in lustiger Gesellschaft im "Keller zum steinernen Kleeblatt" unter der Tuchlauben in Saus und Braus zubrachte, versäumte er die Stunde des Gottesdienstes.

Als es bei St. Stephan 12 Uhr schlug, taumelte der Trunkene auf. Das rote Männlein aber stand ihm hohnlachend zur Seite, begleitete (nur ihm sichtbar) alle seine Schritte und wurde dabei immer größer und furchtbarer. Als sie an das Riesentor des Domes kamen, hatte der Priester eben den Segen gespendet und das Ite missa est gesprochen. Da fasste das zum Riesen gewordene rote Männchen den zitternden Schlosser und flog heulend mit ihm durch die Luft.

Auch eine andere Version der Legende ist interessant:

Die Sage Eine andere Version der Sage vom Stock im Eisen
BERMANN(1880) p0852 Der Stock im Eisen.jpg
Als der Heilige Leopold im Waldgebiet Wien ein Schloss erbauen wollte, gab es für viele Menschen reichlich Lohn und Arbeit. Auch ein junger Schlosser war hier am Werk. Als es zwischen ihm und seinem Meister zum Streit kam, lief der Bursche weg und stahl zuvor noch einen künstlerisch gestalteten Nagel. Als er müde vom weiten Laufen war, sankt er unter einem Baum nieder, konnte aber mit seinem schlechtem Gewissen nicht einschlafen. Er schlug also den gestohlenen Nagel in den Baum ein, und sofort war sein Gewissen erleichtert.

Als dann Wien zu einer Stadt wuchs und der Wald immer lichter wurde, blieb bald nur mehr dieser eine Baum über. Er spendete den Wienern Schatten und viele vertraute Gespräche wurden unter ihm geführt. Doch auch er sollte gefällt werden, um der Bebauung Platz zu machen. Der Rat beschloss also, den Baum als Wahrzeichen zu belassen, schnitt denn oberen Teil ab und bestellte die einheimischen Schlosser, ein kunstvolles Eisenband zu seinem Schutz zu fertigen. Doch keiner der Meister wollte diese schwierige Arbeit übernehmen.

Eines Tages kam ein fremder Geselle nach Wien, und bot dem Rat an, ein einzigartiges, und unknackbares Schloss zu bauen. Der Rat nähme gerne an, der Schlosser stellte seine Arbeit fertig, doch als es ums Bezahlen ging, war dem Rat der Preis zu hoch. Vor lauter Zorn warf der Schlosser den Schlüssel so hoch in die Luft, dass er nicht mehr zurückkam – und auch er selbst verschwand auf unerklärliche Art.

Um das Schloss zu öffnen, schrieb der Rat hohe Preise aus, doch keiner brachte ein Öffnen zustande – und selbst die Schlüssel, die den Anschein hatten zu passen, wurden in dem Moment ruiniert, wenn sie im Schlüsselloch waren: Der Bart verdrehte sich wie durch Zauberhand.

Eines Tages fand sich ein pfiffiger Schlosserjunge, der es versuchen wollte. Er sperrte sich an einem Feiertag in der Werkstätte seines Meisters ein und fertigte einen Schlüssel, dessen Bart verkehrt saß. Mit diesem Schlüssel im Rock ging er zum Rat, der ihm einen großen Preis versprach, wenn es diesmal gelänge. Und prompt: vor einer großen Schar Neugieriger knackte er das Schloss mit seinem speziellen Schlüssel. Der Junge erhielt den Preis und wurde sofort zum Gesellen ernannt.

Bild: Zeichnung bei Bermann in Alt- und Neu-Wien (1880)

Vorgängerhaus, das Spiegelhaus

Im Mittelalter standen hier noch fünf Häuser, die weiter auf den Graben reichten, als dies die heutige Baulinie zulässt. Sie wurden zwischen 1856 und 1886 abgerissen. Eines dieser Häuser war das Spiegelhaus, benannt nach dessen Besitzer (ab 1368), Konrad der Spiegler. Nachgewiesen ist auch, dass um 1420 August von Hawnolt, ab 1456 Wolfgang Holzer, der Münzmeister, Besitzer des Hauses waren.

Paul Harrer beschreibt in „Wien, seine Häuser“ (S. 24) das Verhältnis von Vater Hawnolt zu seinem Sohn. Dieser Sohn soll so ungesittet gewesen sein, dass der Vater den Herzog Albrecht V. gebeten hatte, das Haus selbst zu verwalten und nicht in den Besitz des missratenen Sohnes zu übergeben. 1496 kaufte Paul Pernfuss das Spiegelhaus.

Haus 1082 scheint 1832 als "Zum silbernen Ring" auf. [1]

Die Verschwörung im Spiegelhaus

Wie oben erwähnt, war unter den Spiegelhaus-Besitzern auch Wolfgang Holzer, Sohn eines Ochsenhändlers und selbst Viehhändler mit starkem Streben nach einer politischen Laufbahn. Durch seine Redekunst und der manipulierenden, skrupellosen Art erlangte er tatsächlich politische Ämter, schließlich wurde er durch seine Nähe zu Erzherzog Albrecht VI. und dem Intriganten Ulrich Eitzing (siehe Petersplatz 7) sogar Bürgermeister. Als zwischen dem Erzherzog und seinem Bruder Kaiser Friedrich III. ein Streit ausbrach, stellte sich Holzer auf Albrechts Seite, war sogar der Befehlshaber der Wiener Belagerung auf der Burg des Kaisers. Als dann die Wiener immer mehr zur Seite des Kaisers rückten, zögerte er keine Sekunde – und wechselte aus Angst um seine Besitztümer die Seiten: Für 6.000 Gulden und die Belehnung von Eisenstadt sollte er Albrecht seinem kaiserlichen Bruder ausliefern. Holzer lud daher den kaiserlichen Vertrauten Georg von Schönberg und zahlreiche Stadträte und Bürger in sein Spiegelhaus ein, um sie dazu zu bewegen, den vor der Stadt lauernden Kaiser mit seinem Heer ungehindert in die Stadt einzulassen. Zwei der geladenen Gäste, Liebhart und Stark, verrieten Albrecht jedoch den verräterischen Plan. Als der Kaiser am Morgen durch die geöffneten Tore in die Stadt einmarschierte, ließ Albrecht Sturm läuten und die feindlichen Soldaten gefangen nehmen. Der Verrat war missglückt, Holzer flüchtete sofort. Als Winzer verkleidet wurde er jedoch bei Nussdorf gefasst und nach Wien zurückgebracht, die Wiener Bevölkerung, die ihn einst so verehrt hatte, verlangte nun seinen Tod. Der rachsüchtige Albrecht ließ Holzer am Hohen Markt Vierteilen, seine Körperteile wurden vor den Stadttoren aufgehängt. Nur sein Kopf wurde der Bevölkerung zur Plünderung überlassen.

Die erste Ampel

Da das Areal erst in den 70er Jahren zur Fußgängerzone wurde, gibt es hier noch eine weitere Besonderheit: Hier wurde 1952 die erste Ampel Wiens für Fußgänger installiert.



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Quellen

  1. Franz Haller: Adressenbuch des bürgerlichen Handelsstandes in der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien für das Jahr 1832, Eigenverlag, 1833, Wien, S. 4